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Full text of "Sprachkarte von Deutschland"

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ptüd^tüftt 



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^etttfc^latt^. 



enttt»orfett unb erläutert 



»Ott 



Dr. ^ar l ptxni^atil 



unter SRittpirfung be^ S3erfa|fer^ beforgt unb ^ert^oQflänbigt 



vott 



Dr. Iftliliitlm i^tricker. 



•3339®ee€6- — 



Äöffel, 
SSerUg üon 3. 3. 93o^ne\ 

1849. 




fcs*^ 



^tn ^it^Uthttn 



ber 



tjerfaffunggebenben 

itnifi/^n Vattanal-ierfautttilnng 

in ^tanffntt 

jur (Srinnerung an bte lebl^aften Erörterungen über bic 
natörlid^en ©renjen bed beutfd^en Sleid^eö 

flett>it)tri?t 



00m li)ierfa|[(r 



^ottüott jut ttfkcn Auflage« 



3Jereit0 öor mnn Qa^vm, bei ©röttbung be^ 5Ber^ 
eittö für l^effifc^e ©efc^td^te uiib 8mibeö!unbe, ttjarb bic 
ßittoerfung einer ®)jrac^!arte bon ganj Deutfdplanb d* 
eine gemeinfc^aftlid^e Slnfgabe für fämmtlidpe bentfd^e ®e^ 
fcf;ici^tdt)ereine bnrd^ midp in Slnregnng gebrad^t *)♦ 2lncl^ 
erllÄrten, unter 3?ermittelnng beö 55^ei()errn ö* ^orma^r, 
breijc^n biefer SSereine fid^ im SlUgemeinen jnr görberung 
eineö fold^en Unternel;mend S^w^iS*» Snbeffen erfd^ien ed 

bodp ratfjlid^, erjl einen ^ tt)enn andf; mangelhaften 33erfud^ 

ff 

ber Dffentlid^Ieit gu übergeben^ bebor man jnfammentrete, 
um fidp über umfaffenbe SWa^regeln jn einer erfdjopfen^ 
ben S3el;anblung be^ ©egenjlanbe^j jn ^vereinbaren; benn 
rid^tige ®rnnbfä^e ftnben^ njenn man i§re Slnttenbung ge^ 
feigen l;at, um fo leidster Stnerlennung, unb eine falfd^e 
JHidjjtung njirb nm fo fidjjerer öermieben, je me^r ber 
Srrtfium ^u ^age gefommen iji* 

Diep jur @ntfd[>nlbignng für ben 23erfaffer, ttjeldper 
öorerji nur eine fajl fragmentarifdpe 3wf<J»t»t^"fl<^ßw«8 
frember unb eigener Ermittelungen bar^ubieten fiat; n)0^ 



*) 3tt tier Sintabung gur ©rfinbung be^ genannten SSerein« 
^om 16. 3lug. 1834. 33gL tie 3eüf(<|n b. SSerein« f. ^e|f. ®ef4f. 
u. Sanbe^f. S3b. I. @. VI. u. VII. 



VI 

bei nod[) kmerlt ttjevben mn^, baf er fajl auöfd^Ite^ltcf) 
bert l^tfiortfd^en ®eftd[)tö|)unlt berudfjtd[)ttgte , b* ^. bte 
grage^ ob [i^ auö ben gegentüartigen (3))rad[)ber]^ä(tittf['en 
ber 25ölfer unb nameiitltd^ auö ber S5evfd[)iebenl^ett bcr 
SÄunbarten bed beutf4)en Solfeö^ fotüett btcfclben nod^ 
l^euttge^ 2;ageö raumlid^ abgegrenzt bejlel^en^ ein (Sd[)(nf 
auf bte wrf))rüngltd[)en ©tamme^öerl^altnifj'e jiel^en^ ober bod; 
mtnbeften« tin ^ülfdbetoetö für gorf(|)«ngen über bie Ur^ 
gefcf)td[>te X)eutfcf)Ianb^ getotnnen (af[e* 9itd[)t mtnber totcf)^ 
ttg ioare t&, ben f))radf)(id[)en ®eftd;tö))unft ijort^alten 5U 
lajfen wnb ju erforf4)en^ njte toeit bte eilte jien ®|)rad)for^ 
men^ n>eld[)e nod[> l;in unb n^ieber im 9Jinnbe beö Sollet 
ftdp erl^alten I;aben^ tm 23ergleid[) mit ber öiel rafd[)er ftd^ 
fortbilbenben ©d[)rtftf|)rad[)e, in bie friil^eren ^al^rl^unberte 
l^inaufr etilen? Cb unb njeldje SöiJrter, i^ormen unb 
Sßenbungeu tn ber lebenben ^pra^e fi^ erl^alten ^abtxtf 
toäl^reub fie tu ber @d[)riftfprad^e ganj Verloren gegangen 
ftnb? 5u toiefern bie munbartlid[)en ®))rad^formen einen 
t^ott ber ®d[>riftfprad^e i)erfd[)tebenen eigentl^ümlid^en dnU 
njirfelung^gang genommen l;aben? dla^ njelcfjen ©efci^en 
bie an ben ®renjen ficf) beritfjrenben^ ober hd Stu^it^an^ 
berungen ftd^ bur4)freu3enben ©pracfjen unb 5Wunbarten 
auf etnanber eingetoirft l;aben unb no^ etntotrien? u* f* to. 
Der SSerfaffer füllte fid[) aber biefer le^teren, jugleid; bie 
®efd>td[>te be^ gefammten beutfcfjen ®|)rad[)fd(>a^eö umfaf^ 
fenben Slnfgabe gu toeuig getoad[)fen, um einen foId[)en 
S5erfud[> aud^ nur loagen gu burfen* 

X)ie 33eantn^ortung ber ^ijiorifd^en grage ift bei 
Söeitem einfad[)er^ unb hei ber bereitn^illigeu Unterftit^ung 
öon ©etten fo öieler uneigennu^iger ^'orbtvcr biefeö Un^ 
terne^mene^ bereu dlamm ber 23erf* an ben betreff enben 
(Stellen banfbar ju ertt)fi^nen ftc|> erlaubt ^ai, fonnte 



vn 

f(|)ött hnv^ Uttterfud[)ungett auf ber Ohn^ci^t ber Dor^ 
l^artbenett (Bpvai^^n\^khm))ni man^c^ ßrgebrtt^ erjielt 
tüerbett. "^o^ mn^ an^ l^ter bie 9iaci^fid[)t ber ?efer m 
2lnf|)rw(|) genommen n^erben; benn ba oft ganje Sudler 
nur etnjelne 9iottjen lieferten^ fo toar eine |)(anmaftge 
33enu^ung aller etnfd[)la9enben SÜerle, felbjl ioenn fie jur 
^anb getoefen ioaren^ für ben etnjelnen unau^fü^rban 
@^ barf be^l^alb für jebe ^^roömj tint ntd^t unbebeutenbe 
9iacl^lefe ertoartet toerben* 3ttStt)tfd;en ioirb biefe UnöoU^ 
jlanbtgfett tool^l barin tint billige Sntfcfjulbigung finben, 
baf ja ba^ ©c^riftd[)en felbjl nur al^ ein 35erfud[) auf 
einem neuen Selbe unb alö eint Stufforberung ju 
einer grfinblid^eren ^Bearbeitung be« ©egenfianbe^ gelten 
toill* 

Sei ßnttoerfung beö ^artenne^eö ijl bie ®tielerf(|ie 
Slw^fcirte jum ®runbe gelegt unb bepl;alb aucf) bereu 
nidpt ganj rid^tige« S3erfialtni^ ber Sänge gur ^Breite htU 
bel^alten njorbem ©eogra|)^ifd;e Serid[)tigungen lagen l;ier 
ju fern* X)ie ®ebirge ftnb nur ba angebeutet n^orben, 
too il^re Sage in 23ejiel^ung auf bie ©j^racfjgrenje öon 
Sebeutung \^im, ÜDaö glu^fi;jlem bagegen toarb fo wU^ 
jlanbig aufgenommen^ aU ber ?liax\m e« nur gemattete, 
bamit bie Äarte jugleid^ ^^nm ^iad^tragen nod[) unermittel* 
ter (3))raci^grenjen benu^t ioerben Ißnne* !Daö SSerbienjl 
ber forgfamen 25eri?olljicinbigung ber Flußgebiete nad[) ben 
bejlen, leiber ftd[) benno'd^ I^^^fig ioiberf))recl;enben, ©pe^ 
cialf arten gebitl^rt bem cbenfo gefd[)idf ten^ ald anf|)ru4)lo^ 
fen ®tein3eid[)ner^ |)rm ©eiöler^ fiierfelbp* 

Äaffel, am 14. ©e|)t. 1843. 

per UcrfafTcr. 



^0tbemttfun^tn jut jt^dtett Auflage« 



®a ber S3erfrtffer bcr ®|)rad[)Iarte burd[) fetne Zl)(i^ 
txQhit aU beutfd[>er 9ifid[)dtag^mmitt berl^hibert ivar^ bic 
ttßtl^tg gettjorbene gttjette Sluflage fernem Sßerfe^ felbp ju 
beavbettett, fo fibernal^m ed ber Unter jctd^nete^ bert il^m 
tl^eild tJOtt bem S3erf* mitgetl^etlten^ tl^etB bei SBerfoIgung 
t^eriDanbter ©tubtett felbjl angefammeltett (3tojf in bic 
erjle 2lu^gabe gu Derarbeiten wnb biefe fo bi^ auf bie 
Jteuejie S^i^ fortjufüf^ren* Die babei im (Sinselneu benu^^ 
ten Sßerfe ftnb immer im Xtxtt ntt>&l)ntf ho^ hUihm 
l^ier iiod^ befonberd anjuful^ren, d^ allgemeine Slrbeiteu 

t^erttanbten Snl^dt^* 

|)äufler^^ (3|)rad^enfarte ber i)preici^ifd[>en "^onav^ic^ 

fe^ 1846. @mic^^ 
Äie))ert*« 9?ationaIitätöIarte öon !r)eutfd[)Ianb. 2Bei- 
mar 1848* ©eogn 3«jtttwt C»tit l^ijlorifd^en Sr^ 
lauterwngen)* 
3ci^Ireid[>e grag|)unlte^ bie beutfd^en SWunbarten unb 
i^re 25ern?anbtfc^aft betrejfenb, ju erlebigen, ifl bad feiner 
SJoöenbung entgegen gel^enbe 9iationatoer! : 

girmenij^, ®ermanien^ 23i)l!erftimmen, 
geeignet* !£)er ©toff ju njeiterer ©rgänjung ber <Spta6)Uvh 



IX 

»irb be0 Unterjctc^neten „©nmania, Slrd[)fe jur ^muU 
tttf be0 be«tfd)ett @Icment0 m aUctt Sänbern bcr 
@rbe", njoöott bcr britte S3aitb e6en unter ber treffe 
i^, ju liefern fcefhrefct fein* 

granffurt a. 2»., mt 8l))r« 1849. 

Dr. med. fUtll)- ^trtdicr. 



3« biefer 23ürbemerl«ng l^abe td[) nur nod^ bie S3ttte 
l^iusugufugen, baf man btefelbe 9?ad^fi(|it, mit njeldper 
bie erjle Sluflage aufgenommen ttjorben, aud^ biefer 
jnjeiten njoHe angebeifien lajfem ®ie 6ebarf berfeften um 
fo mel^r, aU fie namentlid^ in ber tt^id^ttgjlen jtDeiten 216^ 
tl^eilung feine« ttjefentlid^en gortfd[)ritt beurlunbet, to&^^ 
renb aHerbing^ bie beutfdpe Orenje nad^ Sinken burd^ ju^ 
i)or!ommenbe SWittfieilungen öon aUen (Seiten fajl überall 
genauer feftgefteHt tüorben iji* .^infid^tltd[i ber Stbgren^ 
jung ber einjelnen beutfd^en SWunbarten flnb mir jnjar 
ebenfaUe öiele banlen^ttertl^e Slad^ridpten jugegangen , fie 
finb jebod^ no^ leine^loeg^ an^vn^mb, um biefe fd^ttie^ 
rigen ©renjen an^ nur mit einiger ©etoipl^eit fejijujte^ 
lern Sd^ mupte mi^ bepl;alb entfd[)Iiepen, bie ößHige Um^ 
arbeitung be^ jn^eiten Sll^eilj^ , bie i^ borbereitet l^abe, auf 
eine fpfitere, fold^en Sorfd[>ungen gönftigere S^i^ i^^ ^^^^^ 
fd^ieben* 

g« bleibt mir nun nod[> bie angenel^me ^flid[)t, allen 
ben ijerel^rten Scannern öon na^ unb fern, toeld^e mi^ 
ganj unaufgeforbert burd^ ioertl;öolle SWittl^eilungen untere 
jiu^t l;aben, meinen Derbinblid^jlen X)anl auö3ufj)red[)en* 
3unäd[)ji bem |)errn ^rof* 33rüdfner in SÄeiningen, 
ber mir feine ganje reid^l^altige ©ammlung f|)rad[>lid[)er 
©renjbefd^reibungen gur 33eröollfianbigung meiner Strbeit 



X 

gefd^eitft l^at; befgletd^en bem ^rn. ^rof* Oien, beffeit 
gütiger SJenuittelung tdj) eine genaue^ öou bem .^erru 
ganbrat^e ö* S^t^örtiegg^SlItenf eU t;u Älagetifurt 
etitoorfene , (Sprad^favk Don ^anttlpett »erbaufe* Ueber 
bte ®))rad[)i^erl;ältiitjye m ®ci[)(c^ti?ig ^at mir .^n ^^aftor 
^enfen, ber SJerfaffer ber fd[)ci^bareu ®d[)riftj „Stngeln 
l^iftorifd[) bef4)riebeit* glen^burg 1844"^ fel)r au^fü^rlid^je 
9Jad;rid[)teu gegeben; biefelben fmtnen jebod[) erft hex VLm^ 
arbeitung ber gtueiten Slbt^eilnng eine i^rem Umfange ent^ 
f)jred[)enbe Stelle fiinben* ©nblicf) tüieberl^ole i^) ^ier bm 
Vetren 3?atl; 23ergmann ju SBien, ^o^^ %nt gledf^ 
ju ®ra^^ i5riebriri[> ^ofmann gu ^ilbburgl^anfen unb 
Dr. 55angfofer ^u 9iegenöburg ben Sln^brncf meiner 
banlbaren Slnerfennung für i^re freunblid^^en Bwfenbnngeu 
unb 23ele]^rungen ^ fotute aud^ ben jal^Ireidjjen l^ijiorifd^en 
Vereinen, tuelcfje feitbem bie munbartlidjjen i5*^rf4)nngen in 
im ^rei^ i^rer 3:f)atigfeit gebogen ^aben* "S^ahn barf i^ 
jugleid^ bie Hoffnung auöf))red[)ett^ ba^ bie gro^e 2:l;eilnapme; 
n?eld^e biefe Unterfucf)ungen hei xmimn 3?eici[)^tagfoßegen 
gefunben l;aben, mir bemnäcfjjt eine ern^üufd^te ©elegenl^eit 
barbteten wirb, an^ aUcn ®auen unfereö großen beutfd[)en 
S5aterlanbeö unmittelbare unb auöfül^rlid[)e 9laci[)ricf)ten ju 
erlangen* 

granlfurt, am 1. ^ai 1849. 

^. pernljarbt. 



3 « ^ « I *♦ 



Die beutfd^e @})ra(i^9rettie gegen Slußen. 

6f{»e 

§• 1. ungemeine ^emrrfungtn «**«*«. 1 

§. 2, ^ie brutfdt^e (&pra((igren)r in Zeigten « . * * 11 

%, 3. Die beutfdt^e (Bpxa^Qxtnit in ^xanhti^ ....,.,« 20 

%. 4, Dir brutfcfie ^)Ma((igren)e in ber ^d^toti^ 24 

%. 5. Die beutfdjje (gjjracligrenje in Sifrol 34 

§. 6. Die beutf^e (E|)radt)gren)e in ^ärnt^ien, ^teiermarf unb Un« 

gam «,«.«.* 43 

§. 7. Die beutfdjje (Bpxa^%xtnit in SWä^jren unb S3ö?>mfn .... 66 
§. 8. Die beutfcfie (Bpxa6)Qxtnit in ^dt^ieften, S^ofen, ^ranbenburg, 

9)ommern unb jJreufen 73 

%. 9. mmiä 87 

Stoeite Sttti^eilung* 

Slbgrenjung ber i)erfd&iebenett itnt^d^tn SWunbarten. 

$. 10. Singemeine SSentcrfungcn 9J 

§. 11. $lbgren)ung ber nieberbeutfdt)en ü^unbart gegen bie norbifcfie . 94 

§. 12. $lbgren}ung ber nieberbeutfcfien S^unbart gegen bie ]^odt)beutfdt)e . 103 
§. 13. $lbgren}ung ber oberbeutfti^en ü^unbarten gegen bie mittel 

beutf(|>en 110 

§,. 14. ^Ibgrensung ber einzelnen oberbeutfc^en !D?unbarten . . . . 115 



XII 

@eite 

§« 15, ^bgren^ung brr einzelnen mtttelbeutfti^en !D7unbarten .... 118 
§. 16. ^Ibgrcnjung bcr etn|clncn nicbcrbcutf4>cn 5()?unbartcn .... 127 
S. 17. ©djjluj 132 

31 n 1^ a n g« 

^ttt^tilntiQ ber Set)i)(ferung bcr öf}erreidt)if4»cn ^K^onarci^ie m^ <B)px<i6)^ 
jlnrnmen 134 



@. 96 d. 13 ». tt. Ue« bänifi^ fk. brutfdy. 



CSrfle ^bti)etitttt0. 
!^e btntid^t ®!|itad^gtett}e gegen 9lu#ett« 



3UIr)etne{ne SBcmerPuttgett* 

SBei ber aßgemeinen SBetrad^tung be^ auf ber »orltegmben 
Äarte Uiti^ntttn ©})rad^gebtete^ brängt fid^ unö junäc^fl bte 
bead^tengtt>ert|)e Srfdl^etnung auf, baß baffelbe, bt^ auf tt)entge 
Sluena^men, mit ben Orenjen i)on Deutfd;lanb übereinjlimmt, 
»ie un« bie SRömer biefe fd^on »or beinal^e 2000 Salären an^t^ 
geben ^aben* 

2)er erfle SRömer, tt)el(i(jer mit fiegrei(i(jem ^eere an bie Ufer 
be^ 3l|)eing flelangte, voax befanntlid^ 3uliu^ Gfifar umi 
3a|)r 55 5), Sl^r, 3^nt galt jwar ber Dberr|)ein no(i(j afö bie 
eigentli^e Orenje jttjifd^en ©ermanien unb Oallien 0; bo^ fonnte 
er bie «^ebetier nur mit ©ewalt bal^in bringen, biefe ®renje 
femer ju ht\)a\xpttn ^D, unb bie ©equaner, mlä)t im |)eutigen 
©faß an ben sil^ein grengten, l^atten bem Slrio^ifl bereite tin 
3)rittel i^re^ ®ebiete^ eingeräumt, unb foUten nun, nadj)bem er 



1) Caes. B. G. L. I. cap. 2 nundique loci natura Ilelvetii couti- 

nentur; una ex parte flumine Rheno latiiisimo atque altissimo, qui agrum 
Helvetium a Germanis diviclU, altera ex parte monte Jura altissimo, 
qui e8t inter Sequanos et Helvetlos; tertia, lacu Lemanno et flumine Rho- 
dann , qui provinciam nostrain ab lielvetiis dividit.» ^id^i titmai im Dflrn 
ber ^^toti^ fenni (Säfar feütfc|»e (gaUtfc^e) (Bxtnimd^haxn, 

2) Caes. B. G. L. I. cap. 28. . . . Duoluit eum locuin, unde Helvetii 
discesserant, vacare, ne Germani, qui trans Rhenum incolunt, e 
«uis finibus in Uelvetiorum fines transirent, et finitimi Galliae proviuciae 
Ailobrogibusque essent/* 



2 

btefe^ mit 120,000 mann Deutfd^en bcfcfet ^atk, and) noä) 
ba^ jtDeite !I)nttcl an tint narf)rüdfenbe beutfcl)e SSöIferfd^aft ah^ 
treten ^3» Safari ©fege fdjü^ten bamal^ biefe ©egcnben gc^ 
gen ba^ wettere 3Sorbringen ber ©ermanen, aber frf)n?erltd^ mag^ 
ten bie erfdjredften ®alHer, ben Sanbftrid) jtt)ifrf)en ben unmeg^ 
famen SSogefen unb bem SRbetne »ieber i?öllig mS3efi0 ju nehmen; 
»emgflen^ nennt Säfar felbft bie Sriboccer, mlä)t gleid^wie 
bie 3Sangioner unb 9lemeter unter Slrio^ift fämpften, aud^ fpd^ 
ttx\)in aU 33ett)of)ner be^ linfen 3tf)einufer^ ^D; ©trabö fagt 
au^brücflid() , ba^ bie Xriboccer ba^ ®ebiet ber ©equaner unb 
SWebiomatrifer am St^eine eingenommen ^ttcn unb benjo^nten ^), 
unb 5>liniu^ fennt nur norf) itnt\d)t SSölfer am £)berrf)ein "^D. 
2)en 9lieberr^ein l)atttn bie !I)eutfrf)en fdjon lange »or ßä^ 
far^ 3^^^^^ i^ fold^er 2lngaf)l überfd^ritten, baf jie bie größere 
Hälfte beö bamaligen SSelgien^ tnne l^atten ®3. Die äußerjien 
beutfd^en SBßlferfd^aften gegen SEejlen waren: bie 3Wenaj)ier 



3) Cae.s. B. G. L. I. c. 31. ... »nunc esse (Germanos) in Gallia ad C 
et XX millium numerum .... Sed pejus victoribns Sequanis quam Aeduis 
victis accidisse, propterea quod Ariovistus, rex Germanorum, in eorum fi- 
nibus consedisset, tertiamque partem agri Sequani, qui esset optimus to- 
tius Galliae, occupavisset, et nunc de altera parte tertia Sequanos decedere 
juberet, propterea quod .... Harudum millia hominum XXIY ad eum ve- 
nissent, quibus locus ac sedes pararentur.^ 

4) Caes. B. G. ibid »nisi si quid in Caesare populoque Romano 

sit auxilii, omnibus Gallis idem faciendum, quod Helvetii fecerint, utdomo 
emigrent, aliud domicilium, alias sedes, remotas a Germanis petant.<< 

5) Caes. B. G. L. IV. c. 10. »Rhenus .... longo spatio per fines Nan- 
tuatium, Helvetiorum, Sequanorum, Mediomatricoruni , Tribucorum, Trevi- 
ronim citatus fertur.« 

6) Strabo L. IV. p. 295. Almelov. „Met« Sh rovg 'EXovfjriovg 
2fjxovuvol xul Mediofiaxqi^xol xaxoi^xovfSi, rov ^PJjpop* ip olg Id^v- 
Tat FeQfiavtxop kd'vog neqai^ODd^lv ix T^g oixsiug^ Tqi^ßox^oi,.'' 

7) Plin. II. N. L. IV. cap. 17 »Mediomatrici , Sequani, Raurici, 

Helvetii .... Rhennm autem accolentes Germaniae gentium in eadem 
provincia Nemetes, Tribochi, Vangiones.« 

8) Caes. B. G. L. II. cap. 4 »plerosque Beigas esse ortos a Ger- 
manis, Rhenumqne antiquitus transductos propter loci fertilitatem ibi 
consedisse; Gallosqne, qui ea loco incolerent, cxpulisse, solosque esse, qui 
patrum nostrorum memoria, omni Gallia vexata, Teutonos Cimbrosque in- 
tra fines suos ingredi prohibuerint.^ 



8 

}»ifc^en ber ©(i^elbe unb itx Slorbfce'); We Zxt\>ixtx, im 
SWofelgebiete , i)om SÄ^cine biö jur mittleren 5Waag l^m ^^; jä^ 
fd^en beiben tut Slorben, »on ber untern ©d&elbe bt^ über bie 
SWaa«, bie Sburonen "); unb fübltd^, au(i(j an btefe gren^ 
jenb, bie S? eruier, weld^e [lä) bi« ju ben Duetten ber @am^ 
bre unb ber ©c^elbe auggebel^ynt l^atten ")• So weit erfhredt fid^ 
nun freiließ ba^ beutf^e ©prad^gebiet 8e8entt)(iirti8 nid^t me^r, in^ 
beffen ifl eg bod^, toit tt)ir im folgenben §. fe^en »erben, fe|)r 
»al^rfd^einlid^, ba^, feit ben burd^ Sfifar bett)irften SSerdnbe^ 
rungrn , bie @})rad^renje felbft in biefen ©egenben nid^t merflid^ 
gurüdfgebrdngt »orben i^ 

3m ©üben »irb gett)ö^nKc^ bie 3)onau ate bie ©renje »on 
Deutfd^tanb betrad(jtet; unb bag ijl aud^ infofem richtig, al^ bie 
brei r6mi[d^en ^Jromnjen: SRI^yätien mit SJinbeticien, 9lo^ 
ricumunb ^^annonien nörblid^ an bie 2)onau fließen , unb 
We un^ befannt geworbenen (Sinwo^ner berfelben, fott)o|)l bie ei^ 
gentlid^en Sll^ d t i e r unb 33 o j[ e r , als aud^ bie übrigen me|)r 
Jjilidj^ »ol^nenben Sll})eni)ölf er , bie ©rennen, 2;aurigfer, 



9) Caes. B. G. L. VI c 33 »T. Labienum cum legionibus III ad 

Oceanum versiu in eas partes, quae Menapios attingunt, proficisci jubet.*< 

Strabo L IV. p. 296. Almelov. . . . „Tofg MBvan(oi>g J* hiSl 

3(^re beutfti^e Slbfunft tfl unbcßrttten, ba fte felbfl )u ben 3»ten Säfar'd 
nod^ t()cüt9etfe auf brm retfiten 9ttietnufer too^nten. Caes. B. G. L. IV. c. 1. 4. 

10) Caes. B. G. L. V. c. 3. nHaec civilas (Trevirorum) . . . Rhenuin- 
que, ut supra deroonstravimus , tangit.» 

Strabo L IV. p. 295. Almelov. „TQiovdyQoig 6h Cw^x^Tg Nsq- 
miui&j xal tovio FfQfiavrAov i'S-pog' rskevTaioi^ dt Mnuni^oi,,^' 

11) Caes. B. G. L. IL c. 4 »Condrusos, Eburones, Caeraesos, 

Paemanos, qui uno nomine Germani adpellantur, arbiträr! ad XL. millia.^ 
er. L, VL c, 32. 

12) Caes. B. G. L. II. c. 15. ^Eorum (Ambianorum) fines Nervii at- 
iingebant.« 

Ibid. c. 16. . . . ntrans id flumen omnes Nervios consedisse adventum- 
iqne Roinanomm expectare una cum Atrebatibus et Veromanduis, finitimis 
suis. Tiit^tnitx greniten bemnacfi an bie Umgegenbt)on Erntend, %tx(i^ unb 
@t, Duentin« Ueber i^re Slbflammung »gl. Tacit. Gernian. c. 28. Treviri 
et Nervii circa affectationem Germanicae originis ultro ambitiosi sunt, tan- 
quara per hanc gloriam sanguinis a similitudine et inertia Gallorum scpa- 
rentur.« 

1* 



©forbt^fer unto anbete, galltfc^en, b. 1^. feltifc^en 
Urfjjrung^ roaxtn. 9Benn toix aber ewägen, ba^ ßäfar bie un^ 
ttttttelbaren 9lnn>o()ner ber ®d^tt)etj Oermanen nennt Cf- Stn^? 
merf* Z), ba^ er bie ntd^t ^ beutfdjen SSemo^ncr auf bem rechten 
SRI^etnufer aU gallifd^c Äoloniflen betracfytet ^^), unb baf 
bie 9lorif er beö ßäfar aU SSunbe^genoffcn ber Deutfc^cn 
unb aU geinbe ber SSojer auftreten ^0/ bann liegt gen>i^ bie 
SBermutl^ung nal^c, baß aud^ in SSinbelicien unb Jloricum 
urfprünglic^ beutfc^c SBöIferfc^aften anfäfjig n^aren, unb baf 
bie feltif(i(jen %lptm6lUx, infottjeit fie in 33inbelicien unb in bem 
norifc^en Uferlanbe erfd^einen, für gallifd^e ®ntt)anberer gel^alten 
werben muffen, bie auf urf})rün9lid^ beutfd^em 33oben w^ eine 
ßtit lang ba« l^errfd^cnbe 23olf waren, aber fd;tt)erlid^ bie 9la^ 
tionalität ber Oefammtbe^ölferung umgewanbelt f)ahn ^% S^er 



13) Caes. B. G. L. VI. c. 24. »Ac fuit antea tempus, quum Germanos 
Galli virtute superarent, ultro bella inferrent, proptcr hominum multitudi- 
nem agrique inopiam Irans Rhenura colonias mitterent. Itaque ea, quae 

fertilissima sunt Germaniae loca circum Hercyniam silvam Yolcae 

Tectosages occupaverunt atque ibi consederunt. Quae gens ad hoc teni' 
pus iis sedibus sese continet, summamqne habet justitiae et hellicae lau- 
dis opinionem: nunc quoque in eadem inopia, egestate, patientia qua 
Germani permanent, eodem victn et cuUu corporis utuntur.^^ 

14) X){e ben ?)fbct(ern bcfreunbeten S3oj[er f(|iemcn fd^on bantal^ aud 
Dcutfcj^knb t)erbrän9t gcttjefen ju fein, unb »ergeWicIi um <£iße in ben T)o* 

naugegenben gefampft ^u f)abtn* (Caes. B. G. L. I. c. 5 n Bojosque, 

qui trans Rhenum incoluerant et in agrum Noricum transierant Norejamque 
oppugnarant, receptos ad se socios sibi adsciscunt.^) T)it 9^ortfer aber 
^jfettcn Itd^ ju ben ^Teutfc^icm (Caes. B. G. L. I. cap. 53. „Duae fuerunt 
Ariovisti uxores, una Sueva natione , quam ab domo secum abduxerat; al- 
tera Norica, regis Vocionis soror, quam in Gallia duxerat, a fratre mis- 
sam.") ©elbjl Mcfe (£^e f))nc|it für bie beutfcfic ®tammi>cr)»anbtf(^aft bie f er 

!Rori!er. 

15) fiinini fc|ieint jtt)ar bie Sftamtn Xauri^Fer unb S'JoriFer für 

gan) gleicfibebeutenb ^u Italien (II. N. L. III. c. 20. . . 1 . »juxtaque Camos 
quondam Taurisci appellati, nunc Norici. His contermini Rhaeti et Yinde- 
lici, omnes in multas civitates divisi^O; vergleichen toix aber <^trabo, totU 
c^er bie SLauridFer oudbrücFlit^ eine ber norifc^en SBÖlFerfd^aften nennt 
(L. IV. p. p. 316. Almclov . . . T<ßp dk NcoQixoav elal xul ol TavqC(Sxoi)j 
fo fielet ber ^Innal^me, baj. unter bem ©efammtnamen ber S'JoriFer unb 33 in* 
beliFer qm^ beutfd^e $i^lFerfdt)aften mitbegriffen n>urben, ni^ii entgegen« Der« 
felbe SaU fanb jenfeit^ bed 9l(ieind flatt, too bie galli fc|»e UrbevölFerung unb 
bie beutfdfien (Sinn^anberer mit bem (S^efammtnamen Belgier be^eicj^net tt>urben* 



noä) bürftc man, bcr Srfal^rung gemä^, annel^men, baß felbfl 
btc feWfd^cn S3ojcr, nad;betn jie ntd^t nur im Donaugebiete, 
fonbern au^ im ßlbgebicte Sal^r^unberte lang <^U Sinwanberer 
gcfeffen, in ber beutf(i^en Urbeüölferung beg 2anbed aufgegangen 
feien, gleid^wie bie beutfd^en granfen, JBurgunber unb 2ongobar^ 
ben öon ber feltifd^en Seöölferung ber Sdnber, »eld^e jie untere 
i^6)t l^atten, »erfd^Iungen finb, unb baß bei ben fpäteren 33 a^ 
i Omaren, gleic^ipie bei ben heutigen granjofen, nur no(i^ ber 
9lame an bie urfprünglid^e ^lationalüät erinnere* 

. ©cgen Ojlen l^atten bie Deutfc^en ba^ linfe Donauufer big 
mtnbejien« an bie aWar(^ befe^t, »o bann bie ^axpat\)tn Deutfd^^ 
lanbg ®renje gegen bie Dacier unb ©armaten bilbeten ^% Söei^^ 
ter norblic^ glaubte 2:acitug nod^ baö ganje SBeic^felgebiet unb 
felbjl bie ©emjleinfüfte ju Deutf(^lanb red;nen ju muffen; er 
nennt ba|>er aud^ bie Dftfee ba^ fue^ifd^e aWeer. Dod^ war 
er felbfl über bie 9lationalität ber- bortigen SSölfer in 3tt>^iM/ 
unb ba er fogar bie SB e n b e n ju einer beutfd^en SSölf erfc^aft 
mad^en möd^te, fo bürfen n>ir aud^ feiner 33ermut|)ung, baß bie 
S3aflarner ebenfalls Deutfd^e feien, ntd^t unbebingt htip^iä)^^ 
Un; um fo »eniger, aU bie JBefd^reibung , tt)el(i^e er »on ibren 
©itten gibt, mit Sdfafd Slad^rid^ten bon ben 2:ectofagen bergen 
jlalt übereinflimmt , baß tt>ir fie, wenn aud^ nid^t für baffelbe 
SSoH, bod^ unjhreitig für ein fei tifd^e« galten muffen ^^). 3n 
ber $au})tfad^e ijt 2:acitug jebenfallg »obl unterrid^tct, »enn 
er bie S3aftarner, SBenben unb ginnen alö bie 6ftlid()ften 
9lad[^bam ber Deutfd^en nennt, unb e^ laßt ftd^ faum tin beffe^ 
rer S3ett)eiö für bie ©tetigfeit urfj)rünglid)er Solf^grenjcn liefern. 



16) Tacitus Germ. I. ^Germania omni« a Gallis Rhaetisque et Paiio- 
niis Rheno et Danubio fluininibus a Sarmatis Dacisque mutao metu aut 
montibus separatur.« Xtberiud gab ben mit ÜD^arbob unb (£atto)alb au^ttoaU'* 
htxtm <But^n (^arfornannen) auä) noc^ ba^ l^anb ^tt>tf(^en ber ^axä^ unb 
ber ^ran tin, m f^ biefed fuet^ifd^^e diti^ unter einem quabifd^en ^önigdge« 
ff^led^te erhielt« (ßtx^l Tac Ann. L. 11. c. 63. coli. Hist. L. III. c. 5.) 

17) Tac. Germ. c. 46. nPeucinoruin Venedorumque et Fennorum na- 
tiones Germanis an Sarmatis adscribani diibito: quitmqiiam Peucini, quos 
quidam Bastarnas vocant, serinone cultu ac domiciliis ut Germani agunt. 
Sordes omniam ac torpor procerum. Connnbiis mixtis nonnihil in Sarma- 
tamm hid)itum foedantur.^^ 



6 

alg Ut Z})at\aä)t, baß tioc^ Ijyeute, naci^ iieBenxc|)n 3al^t^unber^ 
tcn, bie ©la^en unb ginnen faji in benfelben Oegcnben an 
bic Deutfd^en grenjen, tt)ä^renb bie feltifd^cn ßinmanberer, 
bie 33aflarner, fd^on i)or mel^r al^ taufenb ^a^xtn im ©tunn 
ber SSöIfer i)erfd^olIen finb. 

Sllterbing^ ifl, biefen SiSHem gegenüber, bie Oftgrenje 
Deutfd^lanb^ feitbem nid^t forttt>a|)renb bicfelbe geblieben; benn 
al^ burd^ bie Siege ÄarU be^ (Stoßen ba^ ßftlid^e Deutfd^^ 
lanb ttjieber genauer befannt »urbe, lief bie Orenje be^ ©ad^^ 
fenlanbe^ gegen bie Slawen i)on ber Xraüemünbung gut Slbe, 
unb nad^bem Äarl im 3al^r 804 ben Dbotriten auc^ SBagrien 
eingeräumt ()atte *®3, begann bie Orenje an bem Vieler 5Weerbu^ 
frti, jog ftd^ bann längö ber @d^tt)entina über ben ^lönfee, ©e^ 
geberg unb Olbe^lo() nad^ ben Duellen ber Debenau, unb er^ 
reifte bie Slbe ungefäl^r in ber 2Witte jtoifd^en ^mburg unb 
Sauenburg ^^). 9Son ba mad^te nun bie Slbe bi^ jum Sinfluß 
ber ©aale , unb bann biefer gluß fafl bi^ gu feiner Duelle bic 
©renje ^% Slber felbjt auf fäd^jtfd^em 93oben finben mx no6) 
©la^en, namentlid^ ben SBenbenjlamm, »eichen Sari b. ®r, an ben 
Slrenbfee, unweit Süd^ott) unb @alitt)ebel, fül^rte unb ber ftd^ f})a;? 
ter m^liä) big an bie Slmenau bei Süneburg unb füblid^ bid 
gegen ©tenbal ausbreitete *0* 

18) ©icfcbrcdjjt, S©cnb. ©cfd!)i(|>tcn. S3erL 1843. 2:(?L I. @. 100 unb bie 
bafelbfl angegebenen ^etvet^flcnen. 

19) Adam. Brem. L. II. c. 9. (Lindeiibr. Scr. Rer. Germ. Sept. p. 18.) 
nlnvenimus quoque limitem Saxoniae qui Irans Albiam est praescriptum a 
Carolo .... ab Albiae ripa orientali usque ad rivulum quem Slavi Mes- 
cenreiza (?) vocant, a quo sursum limes currit . . . usque in fluvium De- 
luundam. . . . Tune . . . vadit in Travennam syluam sursumque per ipsam 
in Bulilunken ... in stagnum Colse vadit . . sicque ad orientalem campnm 
venit Zventifeld, usque in ipsum flumen Zventinam, per quem (!) limes Saxoniae 
usque in pelagus Scythicum et mare quod dicitur Orientale dclabitur.^ cf. Hel- 
mold Chr. Slav. c. 47, (Leibnitz Scr. Rer. Brunsw, T. II. p, 578) : »Est autem 
Falderensis pagus limes Holsatiae versus eam partem, qua Slavos attingit.*< 

20) 3m 11. 3ä!t)ri), fiiej nid^t nur ber Bwnfentvalb, fonbern au^ ber 
2^^üringer»alb ncd) ©laöentoalb. SJergl. Leibnitz Scr. Rer. Brunsw. T. I. 

p. 320 »Fuit in saltu Slavorum (qui ob densitatem nemoris um- 

brosam juxta linguam corum Lovia dicitur. , . ) ursua quidam*< . . . unb bte 
bem Chronicon Gottwicence beigegebtne jtark. 

21) Schaumann, Gesch. des niedersächs. Volkes. Gott. 1839 @. 218 k. 
unb bte bafelbß angegebenen ^ett^et^ßeßen. 3n ben läneburgifti^en $lemtem: 



SBtett)o|)l bte »orltegenbe Saxtt nur bie fprad()ttd^en Suflänbe 
ber ®e8cntt)art barfleßen foB, fo tjt bod^ auenalS)m^tt>etfe anä) 
tiefe erlofd^enc ©pradj^grcnje angegeben »erben, um ben Slnnjol^^ 
nem berfelben SSeranlaffung gu geben, burd^ SSergteid^ung ber 
<Bpxa6)t, ber ©ttten unb ber ®ebräud^e be^ gegentt)(iirttgen ©e^^ 
fd^Ied^t^, fott)ic ber alten Ordber unb ber fonfligen 2)enhndiler 
biegfeitö unb jenfeitö ber bejeid^neten ©renje, alle nod^ 'oox^aru: 
benen @j)uren be^ ©lai>entl^um^ um fo forgfälttger gu erforfd^en* 
©njelne flamfd^e 9Jieberlaffungen fanben ftd|) nod^ mel n^eiter na^ 
SBefien big jur Seine, SBerra unbgulba: bie S53inbifd(je ®affe 
in ^eiligenflabt, bie SEBtnbifd^e 5Warf ber Ferren i). ^anflein, 
bejlel^enb aug 14 Drtfd^aften an ben 3uflü[fen beg 33ad^eö grieba, 
ber [iö) j^ifd^en Sßannfrieb unb Sf^tt)ege in bie SBerra ergießt, 
fott>ie bie Ortfd^aften SB enbe Raufen, ?)fafff(^tt)enbe, ©d^ierg^ 
menbe unb !Daltt>enben O^o in einer Urfunbe »on 1055mansi 
slavorum öorfommen) ftnb unzweifelhafte ®^)uren bat>on ^^> 
©elbfi üor ben 3^i^^tt Äarld be« ®ro§en fanb fc^on ber l^ei^ 
lige ©turmiug ba, tt)o mä)t mit i)on ber aWünbung ber Süber 
bie alte ^eerjhraße »on 3Wainj naä) S:i^üringen über bie gulba 
ging, tint 5Wenge @la»en, »eld^e [id^ im gtuffe babeten *^. 
Snbejfen Ijyaben bergleid()en Kolonien inmitten beutfd^er ®egenben 
n)o|)t menig ober gar feinen ©nfluß auf bie beutfd^e ®j)rad^e ge^ 
l&abt, ba ein fad&funbiger B^uge »erfid^ert **)r baß fogar im 3ln^ 
l^ialtifd^en, »o bie »enbifd^e Sprache erft im ^ai)x 1293 bei ben 
©erid^ten burd^ bie beutf^e erfeftt »erben ijt, außer ben Ort^i 
namen, feine @})ur mel^r öon ßinflüffen in ber SBolf^munbart ju 
finben fei^ ©old^e Ortsnamen auf bem linfen ©aateufer finben (xä) 
naä) Sl- g u d^ g namcntlid^ gwifdjen SBeißenfel^ unb Stilleben unb 
betreffen Drte, »el^e fajt alle im X^ale ober am Slbl^ange »on 
Uferl^ö|en liegen, j* 33* 5>on SBeißenfete an nörblid^ bie Dörfer 
Ued^trie, erettwi^, ®ö|)li$, Dßrftewift, Döli^, Seuc^li^, ßrölt^ 
n>ift, Settin, ®ä)it^i^, Ouitfd^ina an ber ©alje, ®öbett)i^, 3öf^^ 



jDannenbrrg, Südj^ot» unb Sü^ufhot» n>urbe no(|i hi^ gegen ba^ (Snbe M »ort« 
gen 3a]^r()unbertd, to>ietoo(»I i»erborben^ f(at>tf4 gefprocfien (Slbelung ^tt^rtbat 
n. 689« %nmtx^O 

22) g. SBolff, |)olit. (5)ef*. bed (£i(|>^felbed. Z^l I. @. 33. 

23) Eigil, vita Stunnii (Mon. Germ. ed. Pertz IL 369.). 

24) f)r. 9lU0. 8u(|>d In I^eifau. 



8 

tt)t§, 2;rebt0, Älofd^tDtft, 3luttt})tn. 33ei Sri^^^J^^'^g tnünbet ein 
SBad^ in toie ©aale, bte ©d^Ieint^, gen)ö|)nlt(i^ ©d^lenje genannt, 
an biefent 33ad^e mtlan^ l^aben bie Slawen nod; eintge ©tunben 
mit an^voäxt^ Oot^iiä)') auf beiben ®etten bt^ an feine Duette 
l^fn Slnfieblungen gel^abt* 3)er tDefllid^fle flamfc^e Ort fd^eint 
l^fer ^übift unweit SWan^felb ju fein; auferbem liegen im ©d^len^ 
itÜ)aU bie Dörfer 8o(i^tt)i§, 3leibett)i^, 3<ibi^; f^nter im ®aal^ 
t^ale 3t(feriö, 3öttn)i&, 3^Iett)i^, ©rölbjig. 3n 2ln^alt fc^eint 
»on jeftt noci^ öorl^anbenen flaöif^en Oertem auf bem linfen 
©aalufer nur ?)lö^fau (ölt floith, aud^ ?)lo^0 fla»ifd)en Ur^ 
f|)rung^, bod^ werben in Urfunben nod^ mel^rete je^t »erfd^wun^ 
bene Dörfer in biefer ®egenb erwäl^nt, weld^e bie flaöif d^en ®n^ 
bungen in unb i§ Ijyatten, j* 33* ^lejin, 8e})eniß, Stfc^ernift an 
ber 3Wünbung ber 2ßip^)er, Sßfemift unbnid^t weit »on ber5Wüni= 
bung ber ©aale an i})xtm linfen Ufer ba^ Dorf SBerfleij» 5lud^ 
in ber ©tabt Semgo war eine ftamfd^e Solonie, »on ber no^ 
©puren in ben 5Ramen me|)rerer Dertlid()feiten öor|)anben jtnb* 

3n bid^teren SWaffen unb »ietteid^t in unmittelbarem 3ufam^ 
men|)ange mit H)xtn ©tammgenoffen jenfeit^ be^ bß|)mifd^en unb 
franfifd^en ©ebirge^ wol^nte ein anberer Sßenbenftamm am oberen 
STOain unb an ber 9iebni$ bid ju beren 3ufammenflu^ "), fo 
bag, öon ber füb^wefllid^en ©pige ber Djlfee an bi^ beinah an 
bie SWunbung ber ?lab in bie Donau, bie ganje öfllid^e ^dlfte 
Deutfd^lanbS mel^rere 3<^ Wunberte lang, wenn aud^ nid(jt au^^ 
fd^lie^lid^, bod(j öorl^errfd^enb öon ©laöen bewol^nt würbe, 6r|i 
burd^ bie ©tiftung be^ S3i^t|)um^ 93amberg im 9lnfang be^ U. 
3a|)r|)unbert^ warb im ©üben, unb burd^ bie Übermad^t, weld^e 



25) (ö. ^oUe, bie @Iat)en in Obetfrnnren (Slrdfiii) f. ®ffd^. ». 06etfran- 
fett. S3a9Teutfi 1842. 33b. n. @. 5 ff.) 3n einer Urfunbe :Oubtoig be« Deut- 
fc^en l^ei^t e6 unter $lnberm: . . • »qualiter . . . Karolus . . . episcopis prae- 
cepisset, ut in terra Slavonim, qni sedent inter moinam at radan- 
tiam fluvios qui vocantur moinuninidi et ratanzuuinidi unacum 
comitibus, qui super eosdem scjavos constituti erant, procurassent, ut inibi 
sicut in ceteris christianorum locis ecclcsiae construerentur, quatenus ille 
populus noviter ad christianitatem conversiis habere potuisset, ubi et bap- 
tismnm perciperet et praedicationcm audiret^ .... »et ita a memoratis 
episcopis et comitibus .... ecclesias quatuordecim ibi fuisse constructas.'* 
^ennoti^ blieben bie nteiflen @la)>en ber bortigen ©egenb noti^ bi^ in''^ elfte 
3a{>r^unbert C>eiben. 



-^erjog ^etttrid^ itx 85tt>e in bcr jweiten Hälfte be« 12. gal^r^^ 
l^unbertg bte ©laöen fül^lm Ke^, tt>arb tm 5Rorbcn Deutfd^tattW 
ber ttnrfltd^ 9lnfang jur ©ennatttftrung ber bort anfcifitgcn @la^ 
den gemad^. 

3)aß biefc Serbrdngung ber flat^tfci^en 9?ationati'tat tn einer 
^erl^Ältntfmäftg fo furjen 3^^ unb ol^ne ©etl^ülfe be^ ©d^itlunj^ 
terrid^t^ unb ber SttetatUr ntd^t o|)ne gewaltfame SWa^regeln H^ 
Statt finben fönnen, bti^ bebarf fauni einer ndl()eren Unterftt^ 
d^ung; aber jur G^re ber d^rifllic^en ©eftttung, bie wir mit »ot 
lern fRtd^tt bei ben tt)eltli(i[^en unb gdfüid^en beutfd^en gürfleit bo^^ 
matiger 3^tt fd^on foltten »orau^fe^en bürfen, tt)oUen tt)ir wenige 
jien^ l^offen, ba^ bei genauerer Snnittelung ni(|!t atte ®d^ulb auf 
ünfere ©tawnigenoffen falle, fonbem baß bag Ijyarte Serfal^ren 
berfelben atid^ in ber feinbfeligen Erbitterung il^ren ©runb gel^abt 
l^abe, mit »eld^er bie ®Ia\)en frembe SBöIferfd^aften unb nament^ 
lid^ d^rijtlid^e 9Jad^barößlfer ju »erfolgen j)flegten *^. SluffdUenb 



26) nu »ifdfiof ©erolb »ort «Kbettieurg Im 3a^t 1156 ba« wenbffd^e 
35off jtt Cfilbedf ermahnte, bie ©otjen ju »erfaffen, bcn ©ttcn ®ott im ^tmmcl 
jtt »erel^ren, bie Xawfe an|une?>men unb frafl ber baburt^ eml^fttttgcnfn ©nobe 
ben Böfen ÜBerfcn öbjufagen, namlic^ \>itdiau^^ unb SKorbfafjrtcn in \>it6)xi^^ 
l^tn ?anber, ba ft>r<!i^ ber »enbifdj^e Sürfl JJrtbijtat): ^!£)eine SBorte, e^r* 
toürbiger S3tf^of, pnb ®otte« SBorte ju unferer ©eligfeit Slber tote fBnnen 
toir ben 9Beg betreten in ber 9^ot^, bie une umfhricft? $öre ntiii^ an! Dad 
SSolf; ba« Du ?>ier »or Dir fle^jl, i|l ja Dir untergeben: e« ifl biUig, baf toix 
Dir unfer ^eib eröffnen, baf Du SJittieib mit un« l^abe^. Unfere Ferren toü* 
tlj^en gegen und mit foldj^er Strenge, ba$ ber ^Ibgaben unb ber (larten 5tneti^t« 
f(^aft tüegen ber 3^ob un« beffer ijl, ole ba« Ceben. 3« biefem tintn 3df)xt 
f)abtn tobt JPetboljjner be« fleinen Söinfel« l^ier f($on fo unb fo »iel taufenb 
2Äar! an ben |>er|og entric^^tet, ebenfo »iefe ^lunbert an ben ®rafen, unb no(^ 
tt^erben toir tagliti^ ge)>ref t unb audgefogen* ISßie mögen )eoit un« einer neuen 
9le(igion ergeben, mögen Stix<!^tn bauen unb un« taufen laffen, ba un« tägli(iji 
angefünbigt toirb: i\)x foKt fort an^ bem Sanbe! Unb ga6e e« nur eine <BiaUt, 
baljitt toir flieljen fönnten! 3enfeit ber Xraije ifl bajfelbe eitnb, ni6)i niinbet 
an ber J'eene. SBa« bleibt un« itbn'g, al« ba« Sanb ^u t)erfa{yen, unb un« 
auf ba« Vtttx ju begeben? 3|^ e« unfere <^ulb, »enn t»ir, au« ber -^ei* 
matl^ ^jerbrängt, bie @ee beunrul^igen unb »on ben Donen unb bem feefal^ren* 
ben Äaufmanne unfern Unterlj^alt neljimen? 3|^ e« nic|>t »ielme^^r bie ©d^utb 
unferer f)erren?'' SBifti^of ®erolb ertoiberte: bie ^ärte ber gurften fei aUer- 
bing« tin Tlifibxdu^, aber bie ^enben l^ätten eine fold^e ^e^nblung burc^ il^t 
SBeri^arren im ^Ö^nbienfl l^ervorgerufen: e« fomme a(fo i»omämItd^ barauf an, 
baf biefer abgetlj^an toerbe. tt5\t ba« Dein unb be« ^rjog« SBege^ren,^ mx 



10 

iji ti jicbenfaltg ; bap, mit 2lugna|)me ber flaötfci^en ©egenben m 
^ö|)tnen unb in ber Saufift, fammtlid^c 33ett>o^ner be^ beutfd^en 
©la^enlanbe^ fid|) felbjt fd^on längfl für eingeborene 2)eutf(^e l^at 
ten, unb e^ ifl fomol^l in gefc^id^^tlid^er afö in fprad|)li(i^er $in^ 
fid^t öon l^ol^yem Snterejfc, biefe Oermaniftrung, fo »eit bieDuel^ 
len reichen, ©d^ritt öor ©d^ritt ju t>erfol8en* S5i« jeftt ijt nic^t 
einmal bie ^aupifxa^t: ob ba^ Deutfd|)e in jenen Oegen^ 
ben jemaU ganj erjtorben getoefen fei? völlig entfd^ie^^ 
ben, tt)iett)ol^I in ber neueren 3^it ^^^ gctoid^tigflen Stimmen ftd^ 
bal^in neigen, baß bie aWel^rjal^l ber beutfd^en hörigen »obl jlet^ 
im Sanbe geblieben, unb baß nur bie bei ben großen ^u^toanit^ 
tungen ber 93urgunber, 33anbalen unb Songobarben jurüdfgebliei* 
benen greien, tDeld^e ju ^ä^toaä) loaren, um fid^ gegen bie 3Waffe 
ber anbringenben Slawen ju »ert^eibigen, unb bod^ nid^t bienffe^ 
bar tt)erben ttjollten, tl^eild aufgerieben, t^eil^ nod^ fpäter au^ge^ 
ttanbert feien ^^'). 



yxibifia^'i ^nttoort, /ffo getoäfire man und (Sad^fenreti^t an (^runb unb Soben 
unb an beffen (Srtrage; bann tooUen toix gern (St^rtflen Serben, Motten ^trti^rn 
bauen unb unfere S^i^nitn entrtt^ten.« (ß\t\thxt^Vi 3GBenb. ®efd^. 23b. III. 
X. 75 — 77.) — taifer grtebrid^ I. na^jm (taut ©nabenbriefe »om 2. 3anuar 
1170), bte toenbtf(]^en •£)erren tnnerl^alb ber DtÖcefe <B(f^t»tx\n mit attem 23olfe 
in feinen <B^ni^, unb oerliel!) t^nen baburd^ £el$>n|}flidj>t unb i^e^nreti^t nac|» beut" 
fd^em 23raud^, bamtt |te (Sfirtflen Serben unb mit ben S^riflen ^rieben (»alten 
fottten. (Sbenbaf. 189. 

27) SBic^tig ifl in biefer Sejieliunö eine ^SteUe be« ^xoco^in^ (Bell. 
Vand. L. I. c. 22. Ed. Bonn. p. 399), too er erjafilt, bie SBanbalen (matten 
anfangt, burc^ -junger getrieben, i^xt loaterlänbifd^en <?i^ gelaffen; jebodt» fei 
tili X^eil luritcf geblieben, unb ald (Beiferid^ ^frifa in 23eft^ genommen, Jf^ät" 
ten jiene im iBaterlanbe gebliebenen 23anbalen iint @)efanbtfd^aft nati) Slfrifa 
gefc^i(ft unb gebeten, man möge i^nen nunmefir bie i»on ben $ludgeto>anberten 
)>erla|fenen l^änbereien aU t)öQiged (Sigentfium abtreten, hamii |te bad ^anb bef" 
fer t)ert^eibigen fönnten. 3^rer 23itte fei jebod^ nicfit entfprocfien toorben, totil 
tin angefe(»ener ^reid, bem ber 23eft^ t)on ^frifa nid^t ftdj^er genug gefdt^ienen, 
bie 9lbtretung bed ^tammknbed bem Könige koibenat^ien f^ahu /fUebrtgend,^ 
fe^t 3^roco)) If^inju, ttifi »on ben 23anbalen, totl(i^t in ii)xtm S^aterlanbe ge^ 
Uithcn, lieber irgenb eine (Erinnerung, nod^ auc^ ber bloge 9{ame hii auf un« 
fere Bitten gelangt; id^ glaube balj^er, bag fte, totii iJ^xtx ivenige tt>aren, inttoe^ 
ber t)on ben Una(i^haxicn 23arbaren übertoaltigt tt>orben, ober bag fte ftd^ frei« 
toiHig mit benfelben oermtf(!^t unb fo ben ^arntn loerloren l^abem 3ebenfand 
l^aben bie t)on 23elifar gefdt^lagenen S3anbalen nidj^t baran grbadj^t, in i^xt mUx* 
lanbifd^en ^i$e )urit(f|ufe(iren.M 



11 

Uttfere ®})ra(i^!arte fd^etnt biefe Slnftci^t ju ht^äü^tn, mni^^ 
fimi fprid^t Ux Umjtanb bafür, iajf bie ©ermamitrung bcr ft«^ 
»if(i^m 8attbfc^aften fo augmfdßtg an bcr ®renjc bcd alten ®la^ 
»enlanbeg jtelSym geblieben tji, unb ba^ erji in ber neuejten 3ri* 
an ber nieberen SBd(i^fel eine unmittelbare SSerbinbung mit ben in 
fJreußen angefiebelten 3)eutf(^en Statt gefunben b<it- Stu(^ bar^ 
m^, baß in SBöbmen bie Slawen ^xä) fajl nur in ber (gbene be^ 
l^auptet l^aben, »o fci^on »or ben beutfc^en SKarfornan*» 
neu bie gatlifci^en 55oj[er gefeffen Ratten, tt)abrenb ringg^ 
um auf ben SBergen, fogar jwifc^en ber?aufi$ unb Sdi\)mtn, bad 
fla»tfcl^ ©ement jtd^ in bem beutfci^en verloren ^ai, läßt [i(fy 
»o^>l »ermutl^yen, baß bie Oebirge bem Ur^olf anc!^ bier gleichen 
@c^u$ getDä^rt ^Kiben, »ie bie ^prenäen ben 35 a^fen unb bie 
Silben ben 3* 1^ d t i e r n* Die na(i^folgenbe Setra^tung ber beut^^ 
fdfiert ®j)ra^grenje gegen außen »irb in biefer 33ejie^ung nod^ 
einige 9la^»eifungen liefern. 

$• 2. 

^ie beutfc^e (Spraci^grenje in SBelrjien* 

!Diefe in neuerer 3eit aud^ politi^ä) »ic^ttg gett)orbene ©prad^^^ 
grenje ifl »on bem 93erfaffer tt)dbrenb eineö längeren Slufentl^altd 
in 35elgien, meijt an Drt unb ©teile ermittelt »orben. Die l^in 
unb tt)ieber nod^ fe|)lenben ©teilen jinb aug einer im 3. 1835 
in SBrüjfel erfd^ienenen ©pra^farte entnommen, weld^er eben^ 
falt^ genaue Unterführungen ju ©runbe liegen. Dagegen tonnte 
bie jxoifd^en bem franjöftfd^en Slorbbepartement unb bem Departement 
Pas de Calais binlaufenb« ©prad^grenje t>on Armentieres an ber 
gepe CLys) bt^ ®rei>elingen an ber 9Jorbfee nur naci^ älteren 3^H^ 
niffen eingetragen tt)erben, »eil unmittelbare Slad^^rid^ten öon bort 



5>roco)) f^^rieb umd 3a?>r 550, mh ba biefer (^cfd^i(|>teforWer bcit gelb* 
Vrm 33elif«t feit 527 ouf fernen gelbiügen gegen bte SBanbalen unb ©o^^^en 
begleitet l^atte, fo ifl fein deugni^, baf ber 9lame be^ SSoIfe^ bamale bereit« 
gan^lic^ )>erffl^oaen toax, t)on großer ^ebeutung, unb erfiärt ft^ am leic^te^en 
baburdt), bag init»i\^tn bie blatten i^orgebrungen toaren, unb bad bur(|^ ^lud^ 
)9anberungen entt)dlferte Sanb aU t>txxtn befe^t Ij^ieltem 

1) Atlas historique de la Belgique par Jusseret. Brux. 1835. fol. Nr. 
XIII. Daf auf biefer ^arte bie <Stabt dnptn )unt fran}öftfdt)en (S|)ra(l^ebiet 
ge)<>gen toirb^ ift ein Srrtfium. 



12 

niäft ju . erlangen »aren^ 3)ie äu^erjien beutf^en Drtf^aften »on 
ber Slorbfee bi^ jur 5Wofel jinb bte ©täbte: ©re^eltngen 
(Gcavelines)^ Sd^xhoxd) CBourbourg) ^, Saffel, ^ajebroef Cfpri^ 
Mebtttt). Sette CBailleuD , — bag au^erjle Dorf tft ©teentcrfe 
-^ aWeenen CMenin) an ber Seije, Slubenaerbe, — ba^ äu^er^e 
3)orf am redeten ©c^elbeufer ifl S3erftl^em/— ©eraerb^bergen 
(Grammont) — ba^ le^te beutf(i^e Dorf unweit ber Denber ijl 
aÄoerbecf, — ßngl^ien Cwallonifd^ gemtf^O, ^al — ba^ ou^ 
ßer^e Dorf an ber ®enne tji Sembedf — &oöen C8ött>«i) — 
no^ fÄWt(i^er an ber Dple ba^ Dorf ©t 3lgatl^en^3lobe — 
2^f>tenen CTirlemont) unb füblic^er an ber ®eete bie el^entatö 
^t^)inT4)^S3efi0nng ^ougaerbe — 8anbtn, Xongern, 3katp 
rid^t;. Stadien, duptn, @t ^itf), baö Dorf Durt umoeü 
ber Ourte^Onefitai, Sler^aur, SSäilft, öfd^ an ber @ure, 
Ar Ion an ber Duelle ber ©emop — ba^ öu^erfie Dorf i^ 
^einfc^, 27^ <Stun't>tn m^iliä) öon Slrlon — fiuremburg, Die^^ 
ben liefen CThionville) ^), 

Die Orenjorte be^ franjöfifd^en ®j)rad^gcbietg finb bie ©tdbte: 
ßalai^, ©t Dmer, Slire, Slrmentiere^ , SBameton, Sommine^, 
nebft tini^tn Dörfern auf beut linfen Ufer ber Se^e, ba^ Dorf 
SBoffut an ber ©d^elbe, Seffmeö an ber Denber, bie Dörfer Xu^ 
bije an ber ©enne unb SBaterloo, bie ©tÄbte SQBaöre, 3o^ 
boigne, Drc^, SSifet, Sintburg, SWalmebp, ©alm, ^ouffalice, Ba- 
stogne C33afina^), bie Dörfer Martelange C3Wartelingen) an ber 
©ure unb Stalle an ber ©emo9, bie ©tabt SWeß; aU äu^erfle 

2) «uf bftt harten (/r^anbtafdtt'') be^SBerfe«: Seüt, 6fhm^tfdficr ^Oot- 
BeerlrÄnj, granffurt 1627 gol. flnbett (\^ in btcfet dkgenb noc^ folgenbe beut- 
fd^r ^amtn flatt ber lieutigcn fran)5ftf(l^en: . 3m .IDc^art |)ad be (2^alat^ fk^t 
<^t ytttxihxonn fl. St. Pierre, im i)tpaxt. bu 9{orb$ SB^nodt^berge fl. Bergoes, 
!Kergcn (l* Merville. @tr. 

3) Stoti Smdiitigunöcn, bte eine aud CuTcmburg in ber Snig, 3tQ. 1843, 
3. 363, bie anbere in ber %üq, Stg. 1844 6. ^atu jHmmen barin tibereitt, baf 
I^iebenl^ofen in Sejug auf bte l^äudlic^er befonberd »ertrauHc^e @|)ra(^e feiner 
Set9olj»ner beutfd^ ifl, tveic^en aber barin ))on einanber ab, ba$ bie erf^ere Sbt« 
0ttbe £emeringen (Lomerange) . unb ^dingen (Hncange) betttfd^, bie imiit 
aber biefe Orte a(d franjöfifd^ an^iht 9lm ftd^er^en qtf^t man hafftx W9^, 
toenn mon biefe Dörfer ald gemifd^t bejeid^net. <Str* 

4) !Der nieberbeutfd^e 9lame biefe« !Dorfee, Xubeef, i|l ttnfJreitig ber 
urfitrünglic^e, ba ed am 3)tfAmmenflufre |toeier ^ääft (twe6 beeke)/ ber 
0rofett unb ber Heinen ^enne, liegt; ed i|t aber mnr «h)ii äßaUonett betiw^ 



18 

33örfer dber fmb entwefcer bte fo eben aU gemifc^t bejetd^netcu; 
oter wenn man biefe nod^ ium beutfc^en ®ebiet xtä)xun mü, We 
altfranjJfifd^en ffltufä)t^ nnb fR\ä)tmoni angunel^men. 

Iln ber beutf4)en ©prad^grenje gegen ba« granjßfifd^e 
bietet fid^ nnd, nur in geringerem 5Waße, eine fil^nlid^e (Srftfieiu 
nnng bar, »ie bie/ welche im vorigen §♦ binft(f)tli4) ber flaöifd^ 
beutfd^en ®renje befprod^en worben ifl. Slud^ i^ier Ij^at eine 
SÄflcftmrfung ber ©prad^e ber Urbeijölferung gegen bie ber ®n^ 
»anberer, nfimltc^ be« waUoniftfien CgaUif(f)en) ßlementö ge^^ 
gen bie ©pra4)e ber eingebrungenen beutfc^en 33ölferf4)aften, ^atu 
gefnnben* aJenigjten^ be^au^tet nad^ SBarnf 6nig *) fc^on ber 
belgifd()e (S^roniji 3a!ob be aWeper Ct 1552), baß bie mUo^ 
nifd^e @^>rad()e vorbringe, unb bie Stl^atfad^e, baß nod^ je^t burdj^ 
ganj 3(rtoi^ in ber franj6ftf(!^en SßolU^pxaä)t ©puren beg ^lieber? 
Idnbifdf^en bemerfbar jtnb, unb baß bie häufig »orf ommenben Ort^^ 
fd()aften mit unzweifelhaft beutfd^em 9lamen Q* 33. in ber Umge? 
genb »on S3oulogne: SWaningl^em, SBouIenberg, ßd^in^em, gau^ 
quemberg u. aO tioä) nur »on grangofen bewohnt »erben, be»ei^ 
alt erbing^ , baß bie beutfd^e ©prad^e in frül^eren 3^it^ ^itte weit 
größere ätu^bel^nung gegen Sßejien gel^abt ^aben muß, 2)arau^ 
barf man inbeß n\ä)t ol^ne SBeitere« folgern wollen, baß bie ge^ 
genwdrtige isprad^grenje mit benurfpritnglid^enaSolf^grenxennic^t. 
mel^r in unmittelbarer S3ejie^ung ^e^e, fonbern man muß Ij^ier 
f et^ ben wefentlic^en Unterfd()ieb jwifd^ien Sroberung angebauter 
unb bet>6lferter gfinber, unb SSeft^ergreifung gfinjlid^, ober bod^ 
grßßtentl^eil^ »erlaffener unb »erßbeter ©egenben im 9luge bel^al^ 
ten. 2^x weiteren 3lu^fü^rung unb 33egrünbung ber 2lnfid^t, 
baß bie ©prad^grenje, minbeften^ in ber SRegel, ber SBolf^grenje 
entfpred^e, wa^ für bie l^ijlorifd^e Sßid^tigfeit ber ))orliegenben 
©prad^farte »on großer SSebeutung ift, muffen wir nod^mal^ auf 
bie ^tittn Safari jurüdflommen, 

9Bir l^aben oben mit®trabo C§* 1/ Slnmert 10) angenom^ 
men, baß bie SCreöirer unb 5rteröier beutfd^e SSölferfd^aften gt^ 
»efen feien, unb l^aben bemnad^ tint »on ber heutigen ©pradJM' 
grenze bebeutenb abweid[jenbe SJolf^grenje iwifd()en itn ^1)^1^6)^ 

*) Sknb. (Staat«* «. dit^t^t^^, 23t). I. @. 214 ff. Jac Meyeri Rer. Flandr* 
X. 35. Schayez les Pays-Bas av^^t et pendant la domination Romaine. Brux, 
1837-38. e. 84 11.85. 



lA 

unb benOaUtem gefiinben. Dod^ fd^emt fci^on Xacitu^ eintge 
3»etfel über ben reinbeutf^en Urfrrutig biefer beiben SSölfer ge^ 
liegt ju Ijiabett, benn fonjl würbe er (^»erlici^ ben Slu^brudC af- 
fectatio germanicae originis C§^ ^ 9(nmerf. 12) getDd^lt l^aben, 
unb ä* ^irtittö *) fagt nod^ bejHmntter, ba^ bie SCreöirer »e^ 
gen ber SRa4)barfd^aft öon Deutfci^lanb fafi eben fo friegerifc^ unb 
»ilb afö bie Deutfd^en feien; bamit jHmmt bann aud^ ^ieron^i^ 
mug fiberein, wenn er bel^auptet ^, ba^ bie ©prad^e ber Oalo:? 
ter in Äleinafien mit ber ber Jire^irer öerwanbt fei. ffiolften 
»ir aber bie Ireöirer unb 3ltmtx unbebingt ju ben feltifd^en 
^Belgiern red^nen, fo »iberfpräd^e bieg ber bejHmmten ^aö^xid^t 
ßdfar'g CS* 1 3lnmerf.8), ba^ ju feiner 3eit bie aWe^rja^ 
ber 53elgier beutfc^en Urfprungö gewefen fei. dd ifi bal>er gar 
ni^t unwalfirfd^einlid^ , ba^ fott)ol()l bie Xreöirer "^D atö aud^ 
bie 91 e r ö i e r ®) jwar bem ^auptjlamme nad^ Deutfd^e »aren. 



5) Caes. B. G. YIII. 25. . . . quorum (sc. Trevirorum) civitas, propter 
Germaniae vicinitatem, quotidianis exercitata bellis, cultu et feritate, non 
mu^um a Germanis differebat. 

6) Hieron. Prooem. in secnndum libr. Comment. ad Galatas: »Unum 
est quod inferimus . . . Galatas excepto sermone graeco, quo omnis oriens 
loquitur, propriam linguam, eandeni pene habere quam Treviros: nee re- 
ferre si aliqua exinde corruperint, cum ... et ipsa latinitas et regionibus 
quotidie mutetur et tempore. gretlt((i fanten bie ^reugfa^rer unter griebrid^ 
I., bap ni<lft totii »on Slrmenten bojtf((i gefprocfien n>urbe, )»a^ bo(|) toe^l »on 
ber bamaU m ^atetn übltc^ien beutf^en (Bpxaäft ))erflanben totxhtn mug. 
a5ergL ÜRudjiar ffiom. 9Joricum S3b. I. ®. 408. 

7) Caes. B. G. L. IV. 6. . . . Germani in fines. . . . Condrusorum, qui 
sunt Trevirorum Clientes; pervenerant 

Ibid. VI. 32. . . . Segni Condrusique ex gente et numero Germanorum, 
qi\i sunt inter Eburones Trevirosque .... 

Ibid. II. 4. Condrusos, Eburones, Caeraesos, Paemanos, qui uno no- 
mine Germani adpellantur. ... di flanben bemnacfi jebenfaHd beutfd^e ^olf^« 
flamme mit ben Zttoixtm in enger IBerbtntung. 

8) Caes. B. G. II. 15. »NuUum aditum esse ad eos (Nervios) merca- 
toribus: nihil pati vini, reliquarumque rerum ad luxuriam pertinentiimi in- 
ferri.« SSrrgletd^t man bamit Säfar'd (Scfitiberung ber fue))if(|>en (Ritten (Ibid. 
IV. 2.): »Mercatoribus est ad eos aditus magis eo, ut, quae bello cepe- 
rint, quibus vendant, habeant: quam quo uUam rem ad se importari desi- 
derent. . . . Yinum ad se omnino importari non sinunt^« .... fo t|i faum 
baran }u )t9eife(n, ba$ an(i bei ben 9^er9icrn bad germantfci^e (Clement bte 
Oberl^anb getoonnen l^atte. ^nti |ie l^atten tint $[rt 9cn Oberl^enfd^aft über 



18 

tag jebo^ aud^ feUtfd^e SBolfgfldmme jt^ gu t^nen l^telten, ittm 
©ebiet beßl^alb bent Sanbe ber J^errfd^enben Station jugere^net 
tt>urbe. Unter btefer ffloraugfeftung lie^e jid^ allenfaU« bie 33e^ 
l^auptung »ert^^eibigen, ba^ bie ©pracl^grenje in SSelgten fd^on 
bamaW ungefal^r biefelbe gewefen fei tt>ie je^t. 3le^men wir aber 
aud^ an, baß ba^ ®ebiet ber Sireöirer nnb 9leri>ier au^^ 
fd()ließlid^ öon beutfd()en SBölferfd()aften bettolj^nt ge^efen fei, fo 
würben benno^ bie beiben Slu^gang^punfte ber bamaligen SBoIfd^ 
grenje in 53elgien, einerfeitg an ber Slorbfee unb anbererfeitg an 
ber aWofel, mit ber l^eutigen ©prad^grenje jufammenfatten. Sin 
ber 5WofeI »aren nämli^ bie 3Webiomatrifer bie ndd()flen 
f eltifc^en 9lad()bam ber I r e ö i r e r •) unb jwifd^en 2W e ft unb 
Xrier überfd^reitet nod^ jeftt bie ©prad^grenje biefen gluf. 
Deßgleid^en Ij^atten bie 3Woriner, ba^ dußerjle feltifd^e 33off an 
ber Slorbfee, bie ®egenb öon SSeulogne inne ^^0. unb bie Xxüm^ 
mer ilj^rer ^auptflabt Xerouenne ") ftnb nod^ jie^t nid^t weit 
öon bem an ber ©prad^igrenje gelegenen Slire ju \t\)tn. Dad 
erfte beutf^e 9lad[)baröoK ber 3Woriner waren bie 3Wena*^ 
pitx, in beren Oebiete ba^ l^eutige ßaffel lag, wo au^ je^t 
nod^ beutf^ gefproc^en wirb; bie ^eutingerfd^e Äarte nennt e« 
wenigjten^ castellum Menapionim unb f))dter gel^Srte e^ gunt Pti- 



utf^itUnt ^clUftmmt, vlUx brren ^atiomliiäi \»ix frdüd^ feine ^unbe l^o^ 
htn* Ibid. V. 39.: »dimissis nuntiis ad Centrones, Grudios, Levacos, Pleu- 
moxios, Geidunos, qui omnes sah eonim imperio sunt.« . . . T^er (Stnflnf 
M feUtf(|)en ditmtnM }eigt fid^ bei ben 9?er^iern ))or)U00n>eife bann, baf 
fte bereitd ^tdbte Ibetool^nten. (Ibid. II. 28.): . . . »suisque finibus atque op- 
pidis uti jussit.« .... 

9) Ptol. Georg. II. c. 8 (SBilberg ©. 141). yyApuToXixoijiQoi Sa x&v 
'Ptjfiäp uQxnxciTiQoi ^Iv TgißtQol^ (ov nohg Avyovaia Tgiß^" 
qäv^ (iBC^^tßqivfOTiQOh dl Medto/iuiQtxeg, (oy noXig Jiovodovqov^' 

10) Pomp. Mela III. 2. ^Ab illis (Osismiis) enim iterum ad septen- 
triones frons littorum respicit, pertinetque ad Ultimos Gallicarum gen- 
tium Morinos, nee portu quem Gesoriacum vocant, quicquam habet 
notius.« 

Caes. rV. 21. »Ipse cum omnibus copiis in Morinos proficiscitur; quod 
inde erat brevissimus in Britanniam transjectns.« 

11) Ptolera. Georg. II. c. 8. (SBilK @. 140.) rrjCo^^Kixoy iitiveiop 
MoQ&yäv . . . (jB, 141.) . • • MoQivoly fhv noXig fieCoyeiog irgog 
imtoXug Tudovdvm. Die @tabt twrb erjl 1553 gänjlit^ jerjlört. 



16 

gus Menapiscus *^. ^ättc fid) aberaud^, toit ^on mt^xwn ®e^ 
fci^idbtöforfd^em, auf ben ®runb be« Diocefangebtetö öon Xtxou^ 
enne, bel^auptet wirb, ba^ ®ebtet ber SWoriner no^ »euer nadf 
9lorben erflrerft, [o »ürbe barau^ nur folgen, baß, im SJerglrid^ 
gtt ben 3^itett ber SRömer, nid^t ba« 2)eutf(i^e, fonbem ba^ 
Äeltif(f)e jurüdCgebränflt »orben feu 

S33a^ nun bie ©prad^flrenge im Sttnem be^ Sanbe^ »on ber 
2Wofel bi^ jur SWorbfee betrifft, fo läßt [lü^ allerbing« mit jiemfe 
d^er ®ett)ißl^eit bart^un, baß ba^ je&ige SGBallonenlanb, »etdj^e^ 
einer »on X^ionöiHe nad^ Oreöelingen flejogenen geraben Unit 
nörblid^ liegt, iu fidfar'^ 3^ittn t^eilmeife öon 2)eutfd^en befe&t 
war. Die fionbrufer »aren nämlid^ tin beutfc^^er SSolK^ 
flamm CSlnm. 7) unb wohnten auf ber redeten ©eite ber Wlaa^, 
ungefdl^r ba, tt>o biefelbe bei SWamur einen einfpringenben SBinfel 
bilbet, unb bod^ ifl biefer fianbfhrid^ mit ben ©täbten Dinant, 
Sl^ina? unb «^up, »eld^er felbji hii auf bie neuejlen 3riten 
ben 5rtamen le fionbroj geführt l^at, gegenwärtig »on einem 
äd^t »attonifd^en SSolföjtamme bewol^nt, ber jid^ felbji in feiner 
f6r))erlid()en 33ilbung öon ben benad^barten beutfd()en Seigiern auf:^ 
fallenb unterfd^eibet. — d^ liegen inbejfen l^iflorifd^e Sreignijfe 
öor, woburd^ fid^ biefe ßrfd^einung erHaren Idßt. ©dfar brachte 
befanntlid^ ben 9ler»iern eine foldf)e S^iieberlage bei, baß i^on 
600 Häuptlingen nur nod^ 3, unb "o^on 60,000 Kriegern nurnod^ 
500 übrig waren, bie feine ®nabe anrufen hnnUn ^^); unb wenn 
er bi^fen aud^, ait^ 2ld^tung »or i^rer Sapferfeit, i^r gefammte^ 
©ebiet beließ unb fte ber ©d^onung il^rer ^a(i)haxn anempfal^l, 
fo waren fie bodf) fd^werlid^ im ©tanbe, bajfelbe auf bie Dauer 
ju bel^auptem Qin nod[j ^drtere^ ©d^idffal traf bie Sburonen; 
i^r 2anb warb i>on ben SRömem planmäßig öer|)eert unb alle S3e^ 
wol^ner würben niebergemad^t, unb ba Säfar jur »ßUigen 2Ser^ 



12) F. de Bylandt, Descriptio bist, geogr. Comitatus Flandriae. Lo- 
vanii 1825. 4to. p. 38. (Annales Acad. Lovaniensis. Tom. YIII. 1824 — 25.) 

13) Caes. B. G. II. c. 28. . . . »majores natu . . . legatos ad Caesarem 
miserunt, seque ei dediderunt, et in commemoranda civitatis calamitate ex 
600 ad 3 senatores, ex hominum millibus 60 vix ad 500, qui arma ferre 
possent, sese redactos esse dixerunt." . . . 

^an 'otx^Ui^t jebo(|) L. V. c. 39, tDoJte fci^on tDtcber betjnttenbe ^Streit« 
fräfte tnd Selb flettcn unb au(|f über mehrere untergebene ^olfdßamnte »erfügen* 



17 

m(!^tung biefe« fflolfe« ") aud^ noci^ bie benachbarten SBölftr* 
fid^aften aufgeboten l^atte, »eld^e ji(f) ju etnem fol(f)en ©efci^dft 
nur attju bereitwilltfl finben ließen, fo erreici^te er feinen St^td 
auf ba« ))oUfiänbigjie. SBenigfiend ijl feitbem ber Slame be« SSot 
f e^ fpurlc^ au^ ber ©efd^id^te öerf(f)tt)unben unb anbere SBötterfd^aften 
erfci^^einen in i^ren el^emaligen SBol^nfißen. Daß aber in golge 
biefer Äriege bie am meifien gegen ©üben öorgefd^obenen beut^ 
fd^en Stämme eine rudgängige ^etoegung gemaci^t l^aben, ge|^t 
tn^befonbere auc^ baraug ^er^or, baß am (2nbe be^ britten ^a^x^ 
l^unbert^ ber Äaifer 2Warimilian jic^ veranlaßt fanb, bo« »er;^ 
fibete Sanb ber 9iert)ier unb SCreijirer t^eilg einer 8lrt Äo^^ 
lonijien, 8a ti genannt, ti^tiU einer jid^ freiwillig unterwerfenben 
©c^^aar granfen jur 53ebauung einjuraumen ^% @rtt)ägen 
»ir nun, baß namentlid^ bie »allonifc^en ©renjorte 2lrmentie^ 
re«, g t a i r e « unb 3W e r ö i 1 1 e ju bem fpÄtern Pagus Leticus ^•j 
gelj^örten, unb baß, na^ 3«>fimu^ ^'), minbefien« iä einem 
Ill^etle biefer gallifd^en Säten römifd^e SBilbung unb ©prad^e 
(>errfc^te, fo iji e« wo^l nid^t ju gen^agt, bie gegenwärtige ©renje 
be« beutfd^en ©pradjjgebiete^ mit biefen Äolonifationen in SSer^ 



14) Caes. B. G. VI. 34. . . . »Si negotium confici stirpemque hominum 
sceleratorum interfici yellet, dimittendae plures manus . . erant . . . Caesar 
ad finitinias civitates nuncios dimittit: omnes ad se evocat spe praedae ad 
diripi«ndo8 Eburones . . . ut . . . stirps ac nomen civitatis tollatur. Magnus 
undique numerus celeriter convenit.^ Cf. c. 43. 

15) Eumenes, Panegyr. in Constantium (D. Bouquet T. I. p. 714 C): 
9}Sicut postea tuo, Maximiane Auguste, nutu Nerviorum et Tr««virorum 
arva jaccntia Laetus, postliminio restitutus, et receptus in leges 
Francus incoluit: ita nunc per yictorias tuas, Constanti Caesar invicte, 
qnidquid infrequens Anibiano et Bellovaco et Tricassino solo Lingonicoqne 
restabat, barbaro cultore reyirescit.«« Der übxi^tni \t1)x grünbl^e Ö^t*, 
ffl^td^tdforfdjicr ^^a^ti (iu <u D. I. <&. 418) fc^etnt htn »oß^änbigen %i%t bte" 
fer 8teQe niä^t »or $iugen gehabt )u l)aUn, unb tretp t/t^f^alb aucfi bie üBorte 
postliminio restitutus ntif^t reci^t }u beuten* 3n ber ^udgabe »on Säger toirb 
laetus ald $lbjectt» in Francus gebogen, tt>ae jebo(|> toegen eben biefer SBorte, 
l»el(f^e nur auf fdegdgefangene $ro))in)talen )>affen, ni^t jutäfftg fd^etnt. 

16) F. de Bylandt. Descriptio bist, geogr. Comitatus Flandriae p. 40 
tu Scbayez, Les Fays-Bas. etc. T. I. 426. 

17) Zosimus Lib. IL c. 54. (Bekker p. 120.) nTivog filv ^(üp 
(jaiayvivuog) äno ßaqßuqiav^ fiiJoixriCug 8h eig A^xovq i'd-poq 
FaXuiixopy TfuiSiiag t€ T^g Aut{v(ov fj^taC/cov,^^ . . . 



18 

btnbung ju bringen; wobei nod) bemerft ju n^erben t^erbtent, baß 
bte burd^'^ 8anb ber Sler^ter unb ßburonen geführte unb 
el^ebem mit SWilitairpoften befehle römifc^e ^auptftraf c i>on 33 a^^ 
»ai über ©emblour^ cGeminiacum) unb ^ermej cPerviciacum) 
nac^ Slongern — n^eldje faji bie ^lorbgrenje be^SBal^ 
lonenlanbe^ bilbet — ben gattifd)en Slnfieblern einen ji^cm 
<Bä)\xig, im germanifd^en (ätbktt gen^ä^rt ^abtn mag» 

2)ie ßroberung 93elgien^ burcJ) bie granfen ^6^mt bage:^ 
gen auf bie SSerÄnberung ber ©pracfjgrenje feinen wefentlid^en 
©nfluß gel()abt ju l[)aben; benn fonjt })&tu bie beutfc^e ©prati^e, 
wenn aud^ nid^t bi^ $artg unb Orleans, bocf) minbejten^ 
bi^ Xournap vorbringen muffen, wo Äönig fi^ilberid^ in 
ber legten Hälfte be^ 5. 3al^r^unbert^ ^m\^tt, unb wo aud^ 
im 3öi^r 1653 fein ®rab gefiinben worben ift Dad )>tx^&ltn\p 
mÄßig nidf)t fel^r jal^lreid^e granfen^ecr fonnte aber fo große 
gänberjhredfen unmoglid^ bidf)t befe^en, man trieb beßl>alb bie »or* 
l^anbenen Sewol^ner nid)t jurüdE, fonbem unter jod()te fte nur. Hud^ 
trat feitbem tn ber bortigen (Degenb feinerlet ^olitifd^er Unterfd^ieb 
jwifd^en ber beutfd^en unb gattifd^en 93et)ölferung l^eröor, fonbem 
wir ftnben SBattonen unb !l)eutfdf)e in benfelben &avitn ^®) mit 
gleid^en Siedeten unb unter glri(^en SSerl^dltniffen jufammenlebenb, 
toa^ gewiß ni^t ber galt fein würbe, wenn biefe bie ©ieger unb 
jene bie 93ejiegten gewefen wären* 

9lu^ festerer 3^it ^aben wir bann ein auöbrüdflid;e^ B^ug^^ 
niß, baß im H. 3a^r^unbert bie ®raffdf)aften S3oulogne unb 
35 u i H n, toit no^ je^t, an ben ©renjen beg beutfd^en ©prad^)^ 
gebietet lagen. Otto »on g^^ifittgen fagt nämlid^ von 
93ouillon, ber tin ©ol^n beö ®rafen Sußat^u^ von 
93outogne war, baß berfelbe auf ber ®renje ber romani:* 
fc^en unb beutfd^en granfen gelebt unb barum beiber S?ölfer 
@pradf)e gerebet ^abe ^^). — SBenn l^iemad^ minbejlenS wäl^renb 



18) »Solche ©renjgaue toareit: ber glanbergau, ber Menapiscus, ber 
HasbaniensiS) Arduenna unb Trevirensis. ^ergL F. de Bylandt 
Descr, Comit. Flandr. p. 33 cett. — Car. E. Imbert, Geogr. pagorum . . . 
inter Scald. et Mos. flumina p. 80 cett. (Annal. Acad. Lovan. 1817 — 1819). 
Jusseret) Atlas historique . . . No. IV. 

19) Chronicon Ott. Fris. L. VII. c. 5. >7Gotfridus .... etiam inter 
Francos, Romanos et Teutonicos, qui quibusdam amaris et invidiosis jocis 



19 

ber legten 800 3ö^re tint mtxUiä)t SBeranberung in biefer (Z^xad)^ 
grenje ntci^t Statt gcfitnben ^at, fo bürfte bie SBe^auptung bed 
ßlj^rontftett b e 2W e 9 e r , baß btc »affonifd^e ®prad)e vorbringe, 
unb berer, mlä)t if)m betpfli^ten, noc^ einer näheren 5>rüfung 
unb Segrünbung bebürfen; um fo me^r, aU in Sütttd) unb 
9lamur — tt^entger im ^ennegau — n\ä)t nur bie ®prad()e, 
fonbern aud^ bie ©ejlalt, bie Sitten unb baö ganje SQBefen einen 
anbem SSolf^jtamm ^errat^en* 2)ie beutfc^en SWamen vieler fran^ 
gßjifcij^en £)rtfd;aften erflären fic^ t^eilö burd^ bie in jene ®egen:^ 
ben »erpflanxten beutf4)en Kolonien Coo^l 3(nm» 15), ti)til^ ba^ 
buvd^, baß bie frdnfif^en Krieger, benen bei ßroberung S^iorb^ 
©allien^ eine 5Wenge ©üter ju X^eil würben, i^ren neuen S3ejt$un^ 
gen häufig beutfd)e SHamen gaben, biefelben and) gen^iß t|)eitoeife mit 
Sonb^leuten befeftten ^% 911^ aber fpäter biefer ^errenftamm am 
rpmaniftrten Äönig^l^ofe feine SWutterfprac^e »erlernte, unb bei 
ben fafl ununterbrod^enen Kriegen gemiß fe^r »iele gamilien auei^ 
fiarben, aud^ enblidf) bie ®üter gr6ßtent|)eii^ ju Dörfern tmnä)^ 
fen, ba taud^te mit ber jid^ »ieber erl^ebenben eingeborenen 33e^ 
»ölferung anä) bie gallorömifdj^e Sprad^e n^ieber auf, unb nur 
bie beutf^en Ortsnamen blieben l^in unb »ieber beftel^en ^% 



jocari soleDt, tamquam in terniino utriiisquc gentis nutritus, 
utriu«que linguae scius, medium se intcrposuit ac ad commanendum 
multU modis informavit.^ 

20) £)j>nc 3^ti^^l t»Mcn t^ an^ bie ^errf4»enben g ran fen, toeld^e, md^ 
^ulfd ^ttdfage, nod^ im 10. 3a()rl^unbert bae n^egen be^ <2itQi über bie 
^9tmanntn )u (S^ren ^ubtotgd »erfaßte beutfc^e l'ieb in Sranfretc^ ^u fingen 
pfLt^Un» ^r^L Oudegherst Aiiiiales de Flaudre edit. de Lesbroussart C. f. 
note 10. 

21) t>oxtn tvtr yurn 93ef((iluf bie ^nftdj^ten ber nieberlänbifc^ien ©ele^rten 
über bkfen @)egenjlanb. diatp^att fagt (Analyse iiist. et crit. de lorigine 
des Belg. Gand. 1824. T. I. v. 18): „he Ilainaut, le Namurois et le pays^ 
de Liege representent dans la carte de la Belgique une enclave, k partir 
du point de la Picardie et de la Champagne, hors de laquelle toutes les. 
provinces parlent, les unes Tallemand et les autrcs le flamand ou le bas 
allemand. 

Mais cette enclave represente a peu pres tout Tancicn pays des Ner- 
viens, des Eburons et des Attuatiques; or on sait quc Caesar a extermine 
ces nations; puis, par la suitc, il a repeuplc le pays par des colonies et 
qu'il a bien voulu epargner les cinq penplades qui nWaient pas pris 
part a l'assaut du camp de Ciccron. 

2* 



20 

§. 3. 

!©te beutfc^e @prad;grenje in f^raitfreic^* 

SSon ber 2Wofel bt^ jur 93ir^, welche oberl;alb 35afel in ben 
Sl^eitt münbet, finb bie äuf^crjlen beutf(|en Ortfd^aften, nac^ ber 



Mais Caesar n'a pu tirer res colonies ni des Menapiens ni des Morins 
puisque leur pays etait s'i dcsert, qu*il a fallu m6inc y en envoyer; par la 
ni6me raison il u'a pas non plus pu en tirer des bords du Rhin ni des 
Ardennes; il a donc fallu les prendre dans la Picardie, la Champagne et 
Ics autres parties des Gaules; ces colonies auront donc introduit la langue 
gauloise dans le Hainaut, le Namurois et le pays de Liege, tandis que les 
cinq peuplades des bords de TEscaut echappees ä la vengeance de Cae- 
sar, et les autres provinces Belgiques, qui n'avaient eu aucunc part k 
Tentreprise d'Ambiorix, auront conservä leur langue, qui 6tait la teu- 
tonne, ainsi que leurs nioeurs, leurs coutumes et usages germa- 
niques> ÜDicfe üD^etnung, mläft tuxä) bic obige llnterfu(|)und im SBcfetttlt* 
^tn beflättgt unb, tocnn au^ auf anbrre ^ti^t, nä^er bc^ünbet toorben i% 
i)ai fajl »Ott atten (Seiten SBiberfpruti^ gefunben. 3. !D. ^Weper bel^aujjtet in 
einer befonberen ^Ib^anblung (Memoire sur l'origine de la differcnce rela- 
tive k Tusage de la langue Flamande et Wallone dans les Pays-Bas, in 
ben IVouv. Mem. de lAcad. de Bruxelles T. III. <B* 435—491), ba^ !rtn 
f^t^^idfUit^tx ^ex^atiQ, fonbem nur ber übertoiegenbe (Sinfluf ber fran|oftf(ii>en 
<Bpxaci)t unb Literatur bte beutfc^e (Bpxa6)t fo totii ^urüdgebrangt l^abe; inbef«* 
fen fäflt bie Slu^bilbung ber franjöjifd^en Literatur in eine \»tU finitere ßtit, aH 
bad gefc^iti^tlid^ nadj^toei^bare X)afetn ber toaUonifd^en ^pxatf^t in Belgien, ttnb 
bie (SintDtrfung ber (ateintfc^en ^pxa^t unb ©eftttung \)&Ht in ber ®e$enb von 
Xrier minbeflen« eben fo m'cle ^|)urett jurücflaffen müjfen, d« in ber ttmge- 
<)enb ^on $a^at (Bavacum Nerviorum)* !DerfeIbe (2^inn>urf ^ili aud^ ^t^tn 
bie d^rFfärung, toeld^e SB am Fönig gilbt, baj nam(i(i^ im 5. Sal^r^unbert nur 
eitoa bi« in bie üJiitte ^Belgien«, m bie ©erggegenben Ibeginnen, niiijit romani* 
ürtc fäc|if[fc^*frättfifAe 2ln|iebler »orgebrungen feien, wä^renb füb!icii>er bie feit 
3al)r]^unberten römifc^ getoefcnen germanifd^en ober gaUiftä^en SBetoo^jner bie riv 
ntifc^e (Si^ilifation angenommen l^ätten. SS^arum toare bann }* ^* bad in ber 
Serggegenb gelegene, romanijirte Xrier beutf(|> geworben? ©cjra^ej be|heitet 
»or^ugdtreifc bie »on diatp^ati öorgebrad^tcn ©rünbe, inbem er febr 
rid^tig naci^toeifi, ba^ (läfar bie 9? erigier !etnedn>egd gän)li^ ^erni^tet l^abe, 
unb für bie (^intoanberung gaHifd^er ^oloniflen in ii)x ^anh audbrücfiid^e l^ifto« 
xi)^t Söetoeife forbert. ©r fd^liegt bann mit ben SBorten (T. II. p. 85.): 
»Quoi qu'il en soit, malgr^ les savantes recherches des Meyer, des Raoux 
et des Raepsaet, la cause et Tepoque de l'introduction du wullon dans la 
Belgique actuelle sont restees et resteront probablement toujours un des 
points les plus obscurs de notre histoire> ^tad) einem fold^en Urt^eil barf 
bann audji tool^I ber S3erf. bei ber »on i(>m »erfuci^tett (Jrfiärung auf tint naö)* 
[i^iiQt ^eurt^eilung recij^nen. 



21 

einen Slngabe C^ergl. §. 2, 5lnmerfg. 30 Settenborf (BeUlain- 
ville), g3old)en ober 3We0er:=33olfen (Boulay), 3lUroff ober mu 
borf , Sionborf (Bionville) , auf bem überl^aupt beutfd;en redeten 
Ufer ber beutfd^en SHieb gelegen, galfenberg CFauIquemont), 5Wo^ 
ringen (TVIorange), aSinjHngen CFenestrange) an ber ©aar unb 
2lberf(f)tt>itter, nac^ ber anbem 5tngabe jinb SSettenborf unb 93ton* 
borf franjöfifi^, SWoringen gemtfcJjt, fo baß jtatt t^rer ©tüdKn^ 
gen (Stucange) unb Äebtngen (Kedange) al^ ©renipunfte ju be«» 
txaä)ttn »aren *). SSon SSinjiingen bi^ 3(berfd)tt)itter folgt bie 
©pra^grenje ber 3lid;tung be^ 93teberba(|e^ unb ge^t bann 
etwa in berfelben 3lid)tung in^ ©ebirge unb folgt bann ber SBaf^ 
ferfci^eibe ber SSogefen, nur baß bie oberfien ©ebirg^t^äler ber 
SBreuf^ Cbi^ SÄot^au einfd^ließlid^), ber ®^eer Cbi^ 2Weifengott), 
ber Seber (bi^ Sieptjre) unb ber SBeiß Cbi^ Drbap) romanifc^i 
finb- 3lud^ öon bem füblid^en Slb^ang ber SSogefcn, ^ont 55 d^» 
renfopf an, fällt bie ©prad^fdjeibe jn^ifd^en bemSR^ein unb bem 
Doubg fajl mit ber SBafferfdjeibe jufammen, fo baß bie 311 mit 
i^xm 3wflüffen, beßglei(|en bie Sü^el, tt)elci^e über Sauffen in 
bie 33ir^ münbet, nod^ beutf^ jinb. Der leftte beutfc^e Ort an 
ber 93tr^ tji Sie^berg* Demna^ finb bie fiußerften entf^ie^ 
ben franjßfifd^en Drtfd^aften Sonbe an ber S^iieb, ßourcelle«, 
9lrmanüille, S3aronöilte, 9Sergat>ilte, Dieuje Cad decem pagos), 
©arrebourg C® Harburg, pons Saravi), ®t, Ouirin, SRot^auober 
ötelmel^r Sabroque Cbie SBrürfe) am linfen Ufer ber ©reufd^, 
©^irmecf gegenüber, 3Keifengott, SKarfirci^ CSt. Marie aux 
mines, tt)o nod^ jti^t, tt)iett)o^l f(|on öor taufenb Sötten, einfiele 
ner Sad) beibe ©tdmme f(|eibet) unb 8iej)»re, 8a 5>outroie 
C®ci^nierla(i^) , Drbap (Urbi^, bem gegenüber SBuffang fc^on 
1562 i)on 2Wid^el SWontaigne al^ «dernier village du langage 
frangais^ bejeii^net würbe), ©iromagn^ an ber Saöoureufe, 



1) Die (genauere SBe^ei^nung biefer ^renje »on ber üJiofel hii ju ben 
Duellen ber ©aar »erbaitfe iä) ber gütigen SSermittelwng meine« langj^igen 
greunbe«, be« 9Jfarrer« unb ©^mnaftaUeljjrer« üWefferer in <Baaxbxüdy »on 
bq bi« an bie ©(i^toeij bem feit einigen Oa^ren ju Zhann lebenben jungen 
(i^tmihx ^unbeiad^ aui d^affeL 

2) 2lm ftci^erften nimmt man bie £)rte galfenberg, üKoringen, Settenborf 
unb S3lonborf d« gemif^t an, Zit beutfd^e (Snbung -ingen, franj. -ange, 
lautet in ben ältejlen Ict^ringifc^en Urfunben -Inga, -ingas. (Btr, 



22 

Siougemottt, Seöoncourt unb Delemont C^eföberg) an bcr 

Unter ben SSölferfci^aften, ttjetti^e mit 3lrioötft gegen bte Slö^ 
nter fmnpften, »erben bte Strtboccer, bte Slemeter unb bte 
SS angton er au^brürflt^ genannt ^> T)a^ bie erjleren, ungea^j= 
tet ber verlorenen ©d^lad^t, auf bem Itnfen Dl^etnufer geblieben 
fem muffen, jte^t man au^ Sdfar^ fpäterer Slngabe, »o er fte 
neben ben 2Webtomatrtfem al^ SSewo^ner be^ linfen SR^etnufer^ 
aufführt 0, unb ba er i^nen ba^ ganje ®ebiet t>on ben SWebtc^^ 
matrifern bt^ ju ben ®renjen ber Irevtrer jufd)reibt, »o 5>Hntu^ 
C§- 1. Slnmerfg» 70 nod^ bte SHemeter unb aSangtoner befonber^ 
nennt, fo barf man tt)of)l mit ©ewißl^eit annehmen, baß anä) 
biefe betben 9S6lferfcf)aften ftc^ fd^on bamafö jenfeit^ be^ W)tin^ 
angejiebelt l^atten» Somit ^dtten »ir benn aud^ ungefähr bie 
3eit gefunben, wo jid^ bie ©prad^grenje in biefen (Degenben feft^^ 
gefteßt \)<ibm mag» 5tu^ ben Slnforberungen be^ Slrioöift an bie 
©equaner, baß jte erft ein Drittel unb fpdter noci^ tin Drittel 
tl^re^ &tbitk^ räumen unb ati bie Deutfcfjen abtreten follten 0/ 
erfei^en »ir »entgften^, baß biefe «^eerjüge nid^t, wie fpäter, nur 
plünbern unb unterjocfjen, fonbem einen SE^eil be^ Sanbeg aug^^ 
fdf)ließtidb befe^en wollten, unb bürfen vermutljen, baß bie 9We^ 
biomatrifer, weldfje audf) nur einen Il^eil if)re^ ®ebiet^ an bie 
Deutfc^en verloren, biefen völlig geräumt ^aben. 

©d^öpflin glaubt jwar, bie urfprünglidf)e feltifd^e 
©pradf)e be^ ßlfaffe^ fei burd[j ba^ Sateinifdf)e, ttnb biefe^ 
erfl fpäter im ä^it bergranfen unb 5llemannen burd^ ba^ Deut^ 
fdf)e verbrängt worbenO; aber bie 5R6mer^errfdf)aft l[)at ftd^, gleid^^ 
wie aud^ bie granfenl^errfd^aft, mit über bie gallifdf)::^beutfdf)e 
©pradfjgrenje l^inau^ erjlredft, e« müjfen bal^er bei 93ilbung bie^ 
fer le^tem noc^ anbere ©nflitjfe obgewaltet ^aben, unb al^ einen 



3) Caes. B. G. L. I. cap. 51. 

4) Caes. B. G. L. IV. c. 10. (©• §. 1. 5lttm. 5.). 

5) @. §. 1. 2lnmcrt 3. 

6) Schöpflin Als. III. T. I. pag. 96. Concludimus hinc, Alsatiaiii, per 
omnem seculorum decursum, non nisi bis linguam mutasse, quando nempe 
Cehicae illi primaevac et indigenae Romana primuni) Romanae deinceps 
Yeutonica, quae ad nostram usque durat aetateni, successit; sed ita suc- 
ccssit, ut tarnen ubique tolleretiir Romana.^ 



28 

fo^en tt)trb man jefcenfall^ bicfe (Sinwanberung müjTcn gelten 
laffen. 5tugujlu^ na^m bann aud^, mt e^ fd^eint, »on bicfen 
fpäteren ^lieberlaffungen SSeranlaffung, bie Uiitn ^xo'oinim, 
Ober^ unb 9lteber:^®ermanten »on Zeigten ju trennen, 
unb barum fallen tn ben SBogefen, wo bte beutfci^en 9lnfiebler an 
gallifd^e SSelgter grenjten, nid^t nur bte rönttfti^e ^romn^iat 
grenje, fonbem auc^ bte Diojefan^^ unb bte fpdteren ®augrenjen 
mit ber ©prad^grenje jufantmen "^D; wäl^renb in ben ^roijtnjen 
Belgica prima unb secunda, n?o ba^ B^^ntntenleben ber beut^* 
\ä)m unb ber gaUtfd)en ^Belgier älter tjl, al^ bte SRömerl^errfd^aft, 
bte urfprüngltd^je ®tamntt>erfd^iebenl^ett — bte ©prac^grcnje — 
Weber bei ber römtfd)en @intl[)etlung tn $rot)injen unb Dtöjefen ®) 
xioä) bei ber franfifd^en @au ^ Stnt^etlung S3erüdfjtdf)tigung gefun^ 
ben ^at* 

SStelleid^t tjl e^ nid^t iufdllig, ba^ auc^ l^ier bte rßmifdf)e 
^eerfiraße,^ mlä)t naä) ber 5>^uttngeffd^en Äarte »on ©tra^:? 
bürg über fon^ @arat>t unb ab becem ?)ago^ nad^ 
aWe^ fül^rte, gleid^wie bie jtt)ifdf)en S3at>ai unb Stongern bte 
®renje beö rontanifd^en Sotl^ringen^ btlbet. 2Wan barf übrigen« 
erwarten, ba§ eine genauere topograp^ifdfje Srmittelung ber auf 
ber ©prad^grenje jwifdfjen ber 9Wofel unb ben ©aarqueUen gele^ 
genen Älteren ^errfd^aften, meldte l^äuftg ben Unterabtf)eilungett 
ber größeren ®aue entfprec^en, nod^ mandf)cn ^Beitrag jur geft^^ 
jteHung ber urfprünglic^en SSolf^grenje in biefer ©egenb liefern 
werbe ^. 



7) Schöpfl. Als. III. T. I. p. 147 »Hoc modo Germaniae superiori . . . 
Yogesus ad occasuin'« , . . X)it DtÖccfanetnt^eilung bcö ßffaj|eö toarb jtoar 
crfl unter ber franfifd^ett ^txx^d^afi fefl begrünbet, boc^ folgen bte toefllid^en 
®renjen ber XiÖcefen SBafel unb ^tra^urg, fottJi'e anä) bie be« Sübgau^ 
unb be« 9Jorb0au« bem ö5ebtrgMcfen ber ä^ogefen* Cf. Schöpflin ibid. p. 
342, »Aisatiae Hierarchia non nisi sub Francica Periodo certum et dura- 
bilem statuin obtiouit, qui a Pipini Regis tenipori])us ad nostrani usque 
aetatem perdiirat« (Sine GJauFarte M (ilfaffe^ ebenb, <S. 619, 

8) X>it ^pradf^Unr^t burcij^f^neibet ^ier bte XiÖccfe Wltl^ unb ben <5aar- 
gau, ben 9^tebgau unb ben ^Ibgau. ^ergl. Kutscheit bist, geogr. Alias 
(ber jtoar im ßinjelnen nidjt aU gül^rer bienen, jebocij) im Slflgemeinen hJol^I 
al« 33eleg gelten fann). 

9) (Be )»tit bie mir jugänglidjien Duetten reid^en, faflt nämli(| bie 9lorb* 
grenze bed^anbe^ !oon ^e^ (Pays -Messin) unb ber früher ebenfaKd ber 



24 

©fe beutfc^e ©prad^grenje tu ber Sc^toeij* 

SSon ber 93trg bei Sauffen folgt bie ®pra(^grenie ber mit 
ber ©afferfc^etbe gufamntenfattenben ©renje be^ Äantong ©olo^^ 
tlj^urtt, unb »mbet jid^ bann jur ®üß, »eld^er SBad^ bt^ jum 
53teler ®ee bte ®pxaä)tn trennt, SSon ba lauft biefelbe Idng^ 
bem öfMt(f)ett Ufer be^ 93teler @ee^ bt^ an ben ßtnflu^ ber 
3tel, folgt biefer bi^ an ben ®ee »on SWeufd^atel unb beffen 
norböjtlt4)em Ufer bi^ jur Srope, bte wteberum bte ©prad^e 
fd^etbet bt« gum 2Wurtenfee. 9?om 2Wurtenfee aug jiößt bte 
©^rac^grenje in fübltd^er Slid^tung auf bte ®aane, wo btefe bie 
©ul^n aufnimmt, folgt ber ©aane bi^ ober^b gretburg, 
burd^fc^netbet in fortgefe^ter fübltd^er 3lid[jtung bie Sl^äler be^ 
Sirgernbac^, ber 3aun uttb ber oberen ©aane, unb wirb 
erjl auf bem ®ipfel beö $illon »on ber mit ewigem ©d^nee be^ 
bedften Äette ber 93erner Sllpen faft in einen redeten SOSinfel nad^ 
Djlen gebrängt, 2)od^ fd^on am wilben ©trubel fiberfd^reitet 
fie ba^ (Debirg, inbem jte jid^ i)on S^ieuem nad^ ©üben totnitt, 
gwifc^en Öeuf unb ©iber^ über bie Simone gel^t unb ben 
2Wonte SRofa mit mel^reren ©ebirgöt^älern in^ beutfd^e 'Z^raö^^^ 
gebiet einfd^lie^t. SSon ba folgt fte über ben ©t, ©ott^arb bi^ 
gum a)Jartin^^3od^, in beffen 9läl^e bie brei Äantone ®laru^, 
©t, ©allen unb ©raubünbten jtd() berühren, ber 8tnie be^ 
ewigen ©d^nee^; nur ba^ aud^ am ©im}) Ion unb an ber obe^ 
ren lofa ba^ Deutfd^e etwa^ naä) Stalien übergreift, !Da aud^ 
in einigen gum Äanton ©t, ©allen gehörigen Ortfc^aften, g, 33, 
gu SSätti^ an ber Stamina no^ romanifd^ gefprod^en wirb, unb, 
wie öon ©ali^ bel^jauptet wirb, anä) 3Warienfelb unb ber 



Äirdfic »Ott SWeJ gehörigen, fpätcr an SotJ^ringett gefommenen, ©errfd^afte« 
ÜÄarfal uttb ©arrebourg fajl ganj mit ber ©jjrad^grenjc jufammem 3tt* 
beifcn bürfen au^ einem folci^en, oft gufänigen, Bufammentreffcn feine l^iflorifclien 
golgerungen gejogen »erben, beöor man ni^t beibe ©renken naä) (Special* 
farten ermittelt, unb ben fämmtlid^en barauf be^ügli^en UrFunbenoorrat(^ forg« 
fältig benu^t l^at* @d bleibt bied bie fe(^r »erbienfllici^e Aufgabe ber (^ifiorif^cn 
Socalöereüte, 

1) ®ari«-@eetoi« (3o^, Ulr» »0 ^interlajfene <B4xi^ttn. (J^ur, 1834. 
©• 30. nd'^uXf (Sd^alftf, (Sl^urtoalben, gan} 3)rätigau, bie $o($geric^te ^D^aien* 
felb unb ber fünf Dörfer tparen noci^ im Anfang be^ 15. 3a^r^. romanifd^.« 



28 

^ratigau im 15. S^^t-I^untiert nod^ romantfci^ gewefen jinto, fo 
btlbete »ol^ii We nörWtc^fie mit ewigem ©d^nee bebedCte Sll^en^ 
fette, »el^e ber dü)m bei SRagag unb Ux 3nn am ginjier^ 
münjpaß i\xxä)hxoä)tn l^at, bie urfprünglicfje SSormauer ber ro^ 
manifi^en SRI^ätier gegen bie anbringenben !I)eutf(^en. ®egen^ 
»artig burd^fdjneibet aber bie ©prac^grenje ba^ SR^eint^al am 
3ufammenfluffe beö SSorberr^ein^ unb be^ ^interrl^ein^ imb folgt 
bann ber ffiafferfd^eibe xmifdjen bem ^leffur unb ber 2llbula, 
bod^ ifi bag SC^al öon Daöo^, mld)t^ inö Sllbulat^al müxu^ 
bet, an^ no^ beutfci^, 2ll^bann gewinnt bie ©prad^grenje wie^ 
ber bie ©d^neelinie, gel^t an ber ©renje »on Sngabin Aber ben 
3nn, unb erreid^t bann, in füblid^er SRid^tung, bie £)rtele^^ 
fpi&e ^. 

Die bebeutenberen beutfd;en ©renjorte finb bemnad^: Senge^^ 
nau auf ber Straße jwifd^en ©olot^urn unb 35ienne C^ieO, 
Slibau unb Srlad^ am S3ieler See, SWurten, greiburg, 
SCeittlingen am &rgembad[j, 3aun, ®aanen, ©jteig, 8euf 
ober genauer ©algefd^ unweit ber SR^one, ^^lumat im SCurt^ 
manngt|)al, 3ffinte im Sefatl^al, wo jid^ bie beutfd^e, bie 
italienifd^e unb bie franjöfifd^eSpra^^e beriil^ren, ^lagna 
an ber ®efia, 3lima an ber ©ermenta, SRimella im I|)al 
aWaflalone, SWacugnana an ber SBi^p C5tnja), ©impeln an ber 
©implonjlraße — im tiefer liegenben Dörfchen ©unj C^ud^ SRu^ 
ben, ital. ®onbo) wirb fd^on öiel 3talienifd() gefprod^en, bod^ ijl 
Äirdj^e unb ©d^ule beutfd^ — ^ommat (S^^rmajja) an berSiofa, 



2) X)it genaue ^ejetc^nung btefer ^ptaä^^rtn^t t^erbanfe icfi bem »erflorbe« 
nen Dr. $[lb. @(i^o tt in (Stuttgart, frülE^er ©^mnaftaHelE^rer ^u 3ün(|), totl(l)tx 
mir biefelbe ^u ber !oorliegenben Arbeit auf einer (^^pecialfarte angegeben unb 
jur freien 23enu^ung überlaffen l^at» tit ©djirift bejfelben wüber bie X>eut" 
f#en am üWonte Slofa^ 3iirid^ 1840. 4. (3m %n^m abgebrucft in 23erg- 
f)au^ Slnnalen ber ©rbfbc. 23b. 70. @. 183 — 192. (5. 274—285. SBerL 1840.' 
(£rtt>eitert u. b. X.: Die deutschen Colonien in Piemont. Stuttg. 1842. 8.) 
fann iäf jugletc^ aU 23eif|)iel unb Ttn^tx anführen, toie eine jebe beutf(|ie 
SWunbart burdb bie betreffenben (^efdjiicibt^öereine bel^anbelt »erben foßte; bann 
n>irb bie ^udbeute für beutfc^e <Bpxa^t unb ®ef((ii((ite gen^tf aße (2^r»artung 
übertreffen. — $r. 9)farrer Sanjiger in Slltjietten (@t. mUtrO ?>atte bie 
®üte, mir auf einer @|)ecia(farte öon ®raubünbten bie ©prac^e eined jeben 
einzelnen Dorfes }u be^eidjinen, unb auferbem l^abe iö) im ^a^x 1840 auf einer 
Steife nad^ Italien mel^rere ^trecfen perfi)nli(fi unterfud^t. 



26 

I II I 

S3o«co Cfeer fccutfd^e C'O ^cimt ®urin tfl »enig befannO im 
gio))anatl^al, ^o^pital am @t. ©ottl^arb, Sleid^enau am 
ffüftin, ^6)mitHn im Da^o^t^al unfc SCaufer^ am 9lom, 
ber bei ®lurn^ m We ©f^) fattt 

Dtefcn Ortfci^aflen ftelj^cn auf franjöjtftfiem, bejielS^unggwetfe 
italientfd^em ©^rad^gebtete entgegen: Söjingen an itx ®fif, 
S3ienne unb Sanberon am 93teler ®ee, 2Wontmtral unb 8a 
©äuge am iReuenburger ®ee, ©ugp unb gaoug am SWurten^ 
fee, jBelfaur an ber ©ul^n, SBillar^ an ber ©aane, Wlaxl^ 
am Sirgembad^, ßbarmap an ber ^ann, SRougemont an ber 
©aane, ^laint be^ ^äU& im Sßal b'Drmonb, ©iberg an 
ber SR^one, Sl^er tm 9Sal b*2lnnmer^ C®nfif4)t^aO, ©• ®ia^ 
como ^ tmaSalß|)allant, gontaine^3Kore tmSefatbale, 9liöa 
an ber ©efia, ßarcoffaro an ber ©ermenta, ©aranca am Wla^^ 
flalone, Sanjone an ber 9lnja, Sf^HaCSfeO an ber ©tmj)lon^ 
fhraße, gcpiano-an ber lofa, Serentino an ber 9io»ana, 
Sonabuj am Sll^ein, giltfur im Datjo^tl^ai; ©d^lein^ unb 
©t. aWartin^brüdC am 3nn unb 3Wünfler am fflom. 

50g Säfar nad^ -^ebetien fam, n>ax baö ganje Sanb no^ 
öon gallif^en ©tämmen bemo^nt. Si^iu^ behauptet itt)ar, baß 
\ä)t>n ju Kannibale S^ittn l^albbeutfd[je 55öHerf4)aften in ben iptn^ 
ninifd^en Sllpen feß^aft gemefen feien 0/ unb ein f^arffinniger 
neuerer ©d^riftjteöer ))at, auf biefeg 3^ugniß geftü^t, ben germa^ 
nifd()en Urfprung ber »on 91. ©ettiug genannten ^ermunbulen, 
fowie ber Stulingen be^ ßäfar begrünben wollen; aber Sdfarö au^^ 
fü^rlid^e unb beftimmte S^ia^rid^ten über bie ^ebetier, n>tl^t er 
au^briidflic^ @a liier nennt unb ben ® er man en entgegenfeftt % 
geftatten tt)ol()l faum einen 3»^if^l ober il^re feltifd^e Slbjlammung» 
3)urd() bie ©ewalt ber rSmifd^en SBaffen tt)urben fie »erl^inbert, 



3) miö^ü^tx^t 5acqutit>'^pai, totil ffitx nodji ctne fransöfifci^e ^unty 
axi l^enfd^t* 

4) Livius L. XXI. c. 38. . . . nutique quae ad Pennin um ferunt, ob- 
septa gentibus semigermanis fuissent.« 

5) J. Caes. B. G. L. I. c. 1. . . . »Helvetii . . . reliquos Gallos virtute 
praecedunt, quod fere quotidianis proeliis cum Germanis contendunt.^ . . . 
Son ben ^ti^itxn tpu^te er fel^r toef^i, baß etn Zt^tii berfelben etngei^anberte 
^eutfc^ tvaren^ tDte foQte i^m bad bei ben ^el^ttem entgangen fetn? 



27 

tl^r Santo f(^on bamate itn gefurd^teten genttanif^en Sla^iam 
ju fiberkjfen, unb unter r6mif(f)cm Sd^ufte fd^einen jie einen lang^ 
jal^rigen grteben genöffen unb tm SBoi^ljtantoe gelebt ju Ij^aben, 
ate pWiä) ber »ürgerfrteä gmtfci^en ©alba unb aSiteüitt^ (69 
t). S^O ben mittlem J^^eil, »on ber 2lar bi^ na(f) SRbötien, in 
eine SBBüfie »ewanbelte 0» 9l\)enticum, bie ^auptjiabt ^ebe^ 
tien^ / »eld^e ber B^^^Pning inxä) jeitige Übergabe entging, »arb 
fjxiter »om Äaifer SBedpafian bur^ eine Kolonie 35eteranen ux^ 
fldrf t '^X n)oburd[) jugleid^ bie gallifd^e SeößHerung aud^ für fpätere 
Seiten einen bebeutenben ©tüßpunft gewonnen ju ^aben fd()eint; bie 
Zxümmtx biefer ©tabt, jieftt Slöend^ie Cbeutfd^: ffiifli^burg), füb^^ 
lid^ i>om aWurtenfee bilben »enigften^ nod^ immer ben auf erflen SSor^ 
l)ofien be^ franjßfifd^en ©prad^gebiete^ ixn SBeften ®), gleichwie im 
OJlen ^uj)tfäd()lic^ ba^ i^on ben SRömern forttt>ä^renb xait Sefaftung 
»erfe^ene SÄf^dtien ber galtifd^en 93eö6Herung ©d^uft »erliel^en 
l^aben mag, mie »ir au^ ber bafelbfl erl^altenen romanifd^en 
©^radj^e erfel^en ^. 3n ben entößlferten ©egenben jwifdjjen bie^» 



6) Tacit. Hist. L. I. c. 67« »Plus praedae ac san^inis Caecina hau* 
sit. Irritayerant turbidum ingenium Ilelvetii, Gallica geiis, olim armis vi- 
risque, mox memoria nominis clara, de caede Galbae ignari et Yitellii im- 
perium abnueotes . . . vastati agri, direptus longa päce in modum munici- 
pii exstructus locus amoeno salubrium aquarum usu frequens. Missi ad 
Rhaetica auxilia nuntii, ut vcrsos in legionem Helvetios a tergo aggrede- 
rentur c. 68. . . . undique populatio et caedes. Ipsi in medio vagi abjec- 
tis armis, magna pars saucii aut palantes in montem Vocetium perfugere. 
Ac statim immissa cohorte Tliracum depulsi et consectantibus Germanis 
Rhaetisque per silvas atquc in ipsis latebris trucidati. Multa hominum 
millia laesa, multa sub Corona venundata. Cumque dirutis omnibns Aven- 
ticum gentis caput justo agmine peteretur, missi qui dederent civitatem 
et deditio accepta.» 

7) nColonia Pia Flavia Constans Emerita Aventicum Helvetiorum foe- 
derata.« Gruteri Inscr. p. 427 No. 12. 

8) ^^oenh'cum toat jtoar im 4. 3ö^r^unbert fd^on »eröbet, toeni^f^cn« {m 
SJerglfidSi mit feinem el^emaligen ®Ianje, inbeffen toar e« noä) bie $au|)tflobt 
ber Jfttw'ttiftä^ftt Stt|)en (ög(. Amm. Marcell. L. XV. c. 11. ^^ Alpes Grajae et 
Poeninae . . . habent et Aventicum, desertam quidem civitatem, sed nov 
ignobilem quondam, ut aedificia semiruta nunc quoqne demonstrant") unb 
erft am (Jitbe be« 6. Sal^rl^unbertd verlegte ÜWariud feinen ©ifdjiofp^ »on 3l»en* 
ticum m^ Saufanne (3o^. ö. ^Mtx ®efci^. ber ©i^tocij ^n6) I. dap. 9). 

9) 9l(^Hen tparb unter bem oftdotf^tfdjien tönige X^eobori^ (f 526) neäf 
^any M r$mif(i^e S'rot^in) t>ert9aUet unb Uith forttpä^renb i»on romtfc^n ^ro« 



28 

fen beibcn römifci^m $ro»tnjen fiebeltcn t^6) bann fpaler met|i 
3)eutf(i^e an, fo ba§ nad^ unb nad^ ber größere Zhtil be« £an^ 
be^ öötttg germanifirt würbe» !Dte l()elt)etifd^e SBüjie, beten 
fd^on ftoltman^, aber fretlid^ XtDifd^en bem <Bd)toaxya>alU unb 
ber fd;tt)iiibifd^en Slip , geben! t , wagen toir niä)t auf bie ® d^weij 
ju bejtel()en, tnbeffen ^)a^t btefe ©teile eben fo wenig auf bte aU 
ten ©tje ber ^ebetter jwifd^en bem f^tint, bem SWatne unb 
bem ^ercpif^en SBalbe, bereu Xacttu« al^ einer nid^t un^ 
tt)al()rfd^einlid^en Sage Srwdl()nung (fynt ^^; ftolmän» mag ba^ 
l^er Wf>^ ^itv, wie an mand^em anbem Drte, burd^ feine Duet^ 
len irre geleitet worben fein. S^benfall^ l^atten jid^ gur 3ctt ber 
SBSlferwanberung bie galtifd^en ©ewol^ner gurüdfgejogen, fo baß 
bie einwanbemben !Deutfd^en biefe ®egenb in einem »eröbeten 
3ujianbe trafen , benn jie gaben il^r ben S^amen U e d^ 1 1 a n b 
Cdesertum). Unb bie l^eiligen SWänner, weld^e im fünften, fed^^^ 
ttn, ja felbjl im jiebenten 3<i^i^^unbert unb nod^ f^)äter ben 
neuen Slnfömmlingen bie d^rijMid^e Seigre »erfünbigen wollten, 
mußten bamit anfangen, jid^ ^ntUn in ber SGBilbniß ju bauen 
unb burd^ Sldferbau biefe ©egenben wieber urbar ju mad^en, wäf)^ 



»injialen beWol^nt (SSgl. Cassiodor. Variarum L. VII. Form. 4. . . . »Du- 
catum tibi credimus Rhaetiarum . . . ita tamen, ut milites tibi commissi 
vivant cum provincialibus jure civili; nee insolescat animus qui se sen- 
tit armatum; quia clypeus ille exercitus nostri, quietem debet praestare 
Romanis".) X)entt ba tiie rl^ätif^en Sl(|)cn))äfre aH bie bt\tt ©(^u^maucr 
pegen bte norbtfc^en iBÖIfer betrad^tet u>urben, fo unterl^telten felbft bie beut" 
f^ett Sd^enfd^er 3taliend eine l^inlanglid^e Sefa^ung j«m 'Sdjiu^e biefer ®e* 
ftenben (Cassiodor. I. I. »Rhaetiae namque munimina sunt Italiae et clau- 
stra provinciae; quae non immerito sie appellata esse judicamus (seil, re- 
tiae), quando contra feras et agrestissimas gentes velut quaedam plagarum 
obstacula disponuntur"), to>o bann and) am (Snbe be^ 8« 3a]()r]tiunbertd noci^ 
bie alten dli)atitt al^ bie Setoofiner bed Sanbe^ genannt »erben, (Paul. War- 
nef. Hist. Long. L. U. cap. 15. v^Inter hanc (Liguriam) et Suaviam h. e. 
Alemannorum patriam, quae versus septentrionem posita, duae provinciae, 
i. e. Rhaetia prima et Rhaetia secunda inter Alpes consistunt, in quibus 
proprie Rheti habitare noscuntur.") 

10) Ptol. Geogr. L. 11. (ed. Wilberg p. 150.) . . . j^xal jy j(ov''EkoV' 
tjTicav ^'sQtjfAog fiBXQ^ ^^^ Biqrifiiv(ov ^Äkni(ov oqbwv.^' (D. ]^. bie 
^^tcäh Sll|)0 

Tac. Germ. c. 28. »Igitur inter Hercyniam silvam Rhenumque et Moe- 
nuro amnes Helvetii, ulteriora Boji, Gallica utraque gens, tenuere." 



29 

rent) j. 33. in 6^ur bie d^rifHtd^e SÄeligton felbjl burd^ bie SöU 
femanberung nid^t war »erbrfingt »orben ^0» Suptcinu^ Cfi» 
ungef. 480) unb SÄomanu^ fanben jwifd^en SBurgunbten unb 
2llemannten eine »öfftge Sinßbe. Site ber ^eil. ®attu^ im 
3a^r 613 bie Stätte ju bem Älofier fud^te, »eld^e^ unter feinem 
9tamen fo berühmt gen^orben ifi, »ar bie bortige ®egenb nur 
m Slufent^alt^ort für S3ären, SBölfe unb »ilbe ©d^weine. 3a, 
ber })til SWeinrab, ber ©tifter »on ßinfiebeln Cj^. g^gen 860), 
fanb nod^ »ont Bünd^er See bi^ an bie ^^^nninifd^en %lptn tint 
große ßinöbe ^% 

So erllärt jid^ bann aud^ , »eß^alb bie SBurgunber, welche 
ftd^ größtent^eite in einer bewohnten feltifd^^römifd^en 
5>roöinj nieberließen, nad^ unb nad^ felbfi romanijirt »urben, 
TOÄl^renb bie Sllemannen, »eld^e t^eite in beutfd^^^römifd^e, 
t^til^ in »eröbete feltifd^^^römifd^e 5>roöinjen einbogen, i^re 
@^)rad^e beibehielten; beßgleid^en, »arum bie nunmehr beutfd^e 
®d^tt)eij im ©übwefien einen ganj anbem Sl^arafter jeigt, aW 
im Dfien, inbem bort bie SSurgunber, ^ier bie 5llemannen bie 



11) ©ali«-@eet»i« (jinterlaffenc ©((triften. (JJur 1834. Slbt^lg. I. ®. 12, 
tf^u^ bie (^xi^id^t fRtÜQion tx\)itU ftdj) tn bem (Il^urer ^iiti^um, beffen aitt^ 
fler, 452, befanttt gebltebeiter S3ff(<>cf Sl(tmo fiief." 

12) 3c^. ». «Wüßer @d^tt)e{§. ©ef*. 23b. 1. dap. 9, (©ammtl. aSerfe 
S3b. 19. ®, 133—141.) 

Greg. Turon. Patr. C. I. . . ^»et accedentes (Lupicinus et Romanus) si- 
mul inter illa Jurensis deserti secrcta quae inter Burgundiam Alemanniam- 
que Sita Aventicae adjacent civitati tabernacula figunt . . . victiim de radi- 
cibus quaerentes herbaruni." 

Vita S. Galli auct. Walfrido Strabone L. I. cap. 10. (Goldastus, Rerum 
Alemanuicanim scriptores T. I. p. 148.) !Dte QötQtnh, foo ber i)tili%t (^attud 
bie berühmte ^btet feinet 9^amend gritnbete, tparb if)m mit folgenben SBorten 
gefdj^ilbert: »Haec, o pater, solitudo aquis est infusa frcquentibiis, asperitate 
terribilis, montibus plena praecelsis, angustis vallibus flexuosa, bestiis pos- 
sessa saevissimis; nam praeter cervos et innocuorum greges animalium, 
ursos gignit plurimos, apros innumerabiles , lupos numerum excedentes, 
rabie singulares. Timeo igitur ne, si te illuc induxero, ab hiijusmodi ho- 
stibus devoreris." . . . 

Vita Meinradi. (Acta Sanct. Januar. T. U. p. 383.) . . . »Quadam die 
sumsit secum (Meinradus) scholasticos quos nutrierat, et praedictum locum 
(Turicinum) transnavigans, intravit eremum, quae ipsius laci (!) littori ad- 
jacet et usque ad Alpes Penninas tendit.^ 



80 

KtSbetm ©egenben nad^ unb naä) anbaueten, benn bie SRoma^ 
nen feftjl fci^einen feine große Steigung ju Äolomfationen gel^obt 
ju l^aben» 6^ tt)ürben bemnad^ , mnn bie öorjlel()enbe Slu^fül^^ 
rung fKi^ al^ tid^tig beweifen fottte, auc^ bie bur^ bie Untcrfu^: 
d)ungen be^ f(i^arffinnigen 3t ®d^ott getDonnenen Srgebniffe, 
baß ..bie Deutfd^en am 2)Jonterofa, mit i^ren Qtamm^ 
genoffen in SBalli^ unb Ued^tUnb aH reine SSurgun^ 
ber", bie ©d^toeixer ..im Dften ber 5Reu^ al^ reine Slle^ 
mannen", bagegen ..bie !Deutfd()en Idng^ ber Slar im 
beutfd^en Xl^eile be^ Si^t^ume Saufanne, unb im 
tran^juranifd;en 3lrd^ibiafonat »on Äonjlanj aU 
SSurgunber bie alemannifc^en ßinfluß, bie gwifd^en 
S(ar unb 5Reu^, aU Sllemannen bie SBurgunbifd^en 
Sin fluß erfahren ^aben", gu betrad^ten feien, ^ierburd^ eine 
»eitere SSefiätigung erl^alten ^^D» 

355a^ bie 2)eutfd^en im ©üben be^ 3Wonterofa betrifft, mläft 
etwa tint Set)ö(ferung öon 7000 ©eelen bilben, fo ift e^ me^r 
aU »a^rfd^einlid^ , baß e^ Kolonien jinb , bie i^re Sntjiel^ung ben 
in jenen 9l(pent^älern betriebenen ©olbbergtoerfen »erbanfen, 
unb bie, ä^nlid^ ber am |)arj unter 5Rieberbeutfd^en angejiebelten 
mittelbeutfd(;en S3ergtt)erfefolonie, in if)rer Slbgefd^Ioffen^eit bie 
öaterl5nbifdS)e ©prad^e treu bemal^rt ^aben. 3n frül^eren ^tikn 
mag jid^ bie beutfd^e Äolonifation, tt)egen äl^nlid^er ©efd^äft^be^ 
triebe, no^ in anbere italienifd^e Z^&kx »erbreitet ^aben; wenige 
fien^ ftnbet jtd^ im ffial S^attant tin S3ejirf, »eld^er nod[> jeftt 
jile canton des Allemands«* l^eißt, tt)iett)ol^l bafelbji fein !I)eutfd^ 
me^r gefprod^en wirb, unb felbfi in Orna^a^co an ber S^ofa; 
niä)t fem »om Sago maggiore gibt e^ nodi; ©puren ber beutfc^en 
©j>rac()e* Slber im Sefat^ale felbfi, wel^e^ bod^ al^ ber ^aupt^ 
ftft biefer beutfdjen S3e»ölferung betrad^tet merben muß, fäUt nid^t 
nur bie 5Raturgrenje jmifd^en ber 9Upenit)elt unb bem italienifdfyen 
Älima mit ber ©prai^grenje jufammen, fonbern aud^ bie SSauart 
ber Käufer unb anbere Sinrii^tungen, g* 33» bie ©nfaffung ber 
SSrunnen n. bgL, geugen baöon, baß im SlUgemeinen aud^ ^ier 
bie eigentlid^e SSolf^grenge nod^ an ber beutfd^en ©j)rad^e erfennt^ 
lid^ i% S^ü^^l^a^tx ifl e^, ob bieß aud^ in ber B^funft ber 



13) 51. ©*ott a. a. D. (%u^aht »on 1840) ©. 37. 



31 

gatt fein wirb, ba bie fatl^otifd^e Ätrd^e, tt)elci^er »ötttge öml^eit 
ber Sprache in il^ren ©prengcln nid^t nur öiel bequemer, fonbem 
anä) wegen Ueberwaci^ung etwaiger Äe^ereien fafl »efentlid^ er^ 
fd^eint, auf bie ffierbannung frembartiger SBefianbt^eile fortwä^^ 
renb l^inarbeitet, unb ba il^r ba^ in ber neueren 3^i^ bebeutenb 
gefteigerte ®d;ulbebürfniß tin fe^r wirffame^ aWittel gu (Srreid^ung 
biefe^ 3tt>ede^ in bie ^änbe gegeben ^at "). 

9(uf bem nßrblid^en Slbl^ange ber Sll^)en fc^eint ber rontant^ 
fd^en ©prad^e tin d^nlid^e^ ©d^idffal beöorgufiel()en, inbem biefelbe 
l^ier in golge beutfd^er Äolonifation me^r unb me^r S3oben »er^ 
liert. Die ©ermaniftrung be^ JR^eintbale^ öom 33obenfee bi^ an 
ba^ l()eutige ©raubünbten mag junäd^ji burd^ ba^ gewaltfamt 
einbringen ber 5llemannen bewirft worben fein; bod^ beutet bie 
SWenge romanifd^er Ortsnamen im 3tttlj)ale c3Wontafun) unb an 



14) %tb. ^(^oti C^udgabe t>. 1842) <B. 89. „Ueber die volkszahl der 
acht gemeinden fehlt es mir an sichern angaben. ... ich glaube, dass die 
zahl derselben im ganzen nicht über 7000 betragt." 

(B* 42« nEs scheint, der goldreich thum des Monte Rosa wolle sich 
nach und nach erschöpfen . . . daher arbeiten hier (in Alagna) im ganzen 
nur noch sechs menschen." . . . 

®. 28* 9)In der nähe von Ayas befindet sich ein bezirk, der canton 
des AUemands heisst. Dort haben viele guter deutsche namen. . . . Jetzt 
herrscht im ganzen Ayasthal das augsthalische Romanisch." . . . 

<8. 10* 9)In Issime, dem ersten deutschen ort, findet man auch zuerst 
wieder mehrere laufende brunnen; der deutsche fleiss giebt sich zuerst 
wieder mit dem ab, was die welsche Bequemlichkeit lieber entbehrt, als 
mühsam erwirbt." .... ^Die gegend wird (von Fontana More aufwärts) 
allmählich rauher: schon ehe man nach Issime kommt, steht am Weg 
eine fichte, freilich noch ganz vereinzelt. An den bergen aber haben die 
kastanien bereits aufgehört, fichteii, buchen und birken sind an die stelle 
getreten." <?. 11. »In Issime herrscht schon ganz die alpennatur, nichts 
erinnert mehr an Italien." üergL <S. 102 u. ©♦ 124. 

@. 247« . . « »vor etwa 12 jähren hat der bischof (von Novara) den 
gebrauch der deutschen Sprache beim gottesdienste (zu Rima) untersagt, 
weil es schwierig sey, deutsche geistliche zu bekommen. Jetzt, da die 
Gemeinde einen jungen mann aus Rima, sofort nach Vollendung seiner 
Studien zum Pfarrer gewählt hat, fiel dieser Grund weg, das verbot ist 
aber dennoch streng erneuert worden.« 

@. 249. »In Issime sind predigt und schule früher deutsch gewesen; 
seit längerer Zeit ist beides französisch." 



32 

fccr alten ^ecrfhaße öon ß^ur nad^ SBregenj *0 ^inlänglid^ an, 
baß bie romanifd^e 93e»öfferung in biefem Stl^eile SÄl^dtien^ fi^ 
wentgfien^ t^eitoeife neben ben beutfdjen GintDanberem Uf^aupttt 
\)at, »a^renb »on 6^ur aufnxSrt^ 31 Ue^ tontanifd^ blieb. 

Späterhin, al^ Deutfd^lanb bie |)errfd^aft über Stalien ge^^ 
Wonnen ^atte, tt)ar jebod^ ben beutfd^en ^aifem bie ©id^erung 
ber Sllpenpäffe ni^t minber tt)id^tlg al^ »orbcm ben 33el()errfci^em 
Stallend, unb jie fonnten biefen S'^td beffer erreichen, tomn 
beutfd^e, i\)ntn mt\)x ergebene 33ölferfc^aften in bem Hochgebirge 
^aufeten, al^ wenn biefe fä^t im au^fc^Iießlic^en Seft^e berbi^^s 
^erigen romanifd^en SeööKerung blieben. Da^ fd^eint »enigfien^ 
ber Urfprung ber beutfc^en ©prad^infel am ©plügen ju fein* 
SWormann ^0 fagt in biefer SBejie^ung: ,Sai\tx griebri^ I »on 
Ho^enjlauffen führte in ber legten Hälfte be^ 12. 3a^r^unbertö 
eine fd^tuäbifc^e Kolonie in ben bamal^ nod) unbewohnten SRI^ein^ 
tt)alb, um ftc^ baburd^ feine öfteren 3^0^ äl^^t ben ©plügnerberg 
nad^ Stalien ju erleid^tern. Diefe breitete jid^ nad^ unb nad^ in 
ben angrengenben l^öljieren SBergt^älem au^, bie noc^ öon il^ren 
SRad^f ommen bewohnt »erben, in beren ©prad^e aud^ nod^ ein^ 
jelne SÖBorte unb ganje SReben^arten mit ber ©prad;e ber bama? 
ligen SWinnefanger übereinjiimmen" . . . biefelbe jianb ^/»al^rfd^ein^ 
lic^ unter bem unmittelbaren ®^u^e be^ $o^en|iauffifd^en ^au^ 
fe^, begab fid^ aber 9 3al^re na^ bei^ unglüdflid^en Äonrabin'g 
S^obe, nacl;bem jie »o^l »ergeblid^ tint 3^i^löng anf bie SBieber^ 
^erjiellung beö fd^mäbifd^en |)erjogt^um^ gen^artet ^attt, unter 
ben ©c^u^ be^ ^ni^mn »on Sag, wie bie nod^ öorl^anbene 
Urfunbe »on 1277 beweifi." 2)a jebod^ 9iormann biefe SRadji^ 
ridjit burd^ feine SBeweiöjlelle beglaubigt, unb ®ali^ geneigter 
iji, bie ^olonifation be^ ^interrl^eint^ale^ Äaifer griebrid^ II. 
jujufd^reiben, fo muß e^ tt)o^l an urfunblid^en ober juöerWfjigen 



15) 3. SB. %am, ®((>run«, S31ubctt|, ©atteind, (Döp«, SSabug (vallis 
dulcis), Difi«, ©oft« u. f. t». 

16) bemann (®er^. y^ü* -feinric^)), ^cogra))^. flatifJ. Darjleflung M 
(B^\oti^tx\anM. t>amh. 1797. %i)U III. @. 2462—63. — Die auf ber Äarte 
in biefeY ©prad^infel angeöebenen beutfdjien Ortfi^aften (inb: Xufcr^, Sj)lu' 
gen, 9?utenen, ©interrl^etn, (5re|la, 5l»er«, Zu^ii, ^U^, Salenba«, 
@* Steter, Qai>xtila*^ unb ivep^ im romantf^en Q^thitt ^tufixd^ unb 
Dberfaj: am SSorberrfjfin. 



33 

glett^Xeitigen Sdtxi6)itn baruber fel^len» . ®ett)iß tjl übrigen^, baf 
bie Sl^emwälber mit großen grei^eiten begabt »arenv baß bie 
Ferren »on SSag ben beutfd^en Kolonien in Daöo^ gletd^e gret* 
l^etten tt)ie ben Sil^etnttjalbern jugejianben ^aben, unb baß gegen 
(gnbe be^ 13» S^^tl^unbert^ in öielen r^ädfdjen SBejirfen freie 
beutfd^rebenbe ßinwobner öorfontmen, mlä)t [\d) in ben @e^ 
birg^gegenben pa^tweife nieberließen unb SBalfer ^t^tn. 3^re 
^aä)t war gering, bod^ mußten jte jiet^ bereit fein, i^ren ®ut^* 
l^erm innerl^alb ber Sanbe^grenje mit ®d)ilb unb ©peer unent^^ 
gelblii^ ju f^irmen^ 2lud^ Ratten fie, mit Slu^na^me be^ 33lut^ 
bannet unb ber 2lppelIationen, nur öor inlänbif4)en unb felbfige^^ 
toaf)lttn diiäfttvn dltä)t ju geben unb ju nehmen, unb an man^ 
c^en Drten »urbe jieber, ber ji^ unter il^nen nieberließ, gleid^et 
greil^elten t^eil^aftig ^"'D* Unter biefen S3er()ältniffen mußte in^^ 
befonbere ben an ber Sanbe^grenje begüterten Älöjiern unb ^er^» 
ren wegen i^rer eigenen ©ici^er^eit baran gelegen fein, red^t^iele 
SOBalfer anjujiebeln, unb juglei^ bei ber unfreien romanifc^en 
23eöölferung bie 5?erfu^ung nai)t liegen, i^re Slbfunft unb ©pra^e 
ju »erldugnen; dj^nlid^ toit in 5Rorbbeutfd{)lanb bie SBenben baS 
i\)ntn »erfagte SRed^t, jidbtifd^e ©etuerbe ju betreiben, bur^ JBer* 
Idugnung il^rer ^Rationalität ju erlangen fuc^ten* 

SBenn bemnad^, o^ne baß Slu^n^anberungen Statt gefunben 
^aben, bag romanif^e ®ebiet in SRIj^dtien feit ben |)ol[)enflauffen 



17) (Salt« ' (Seetvt« ^interlaffene ©dfinpen. (J^ur 1834. Slbt^eilunö I. 
@. 29 f« f,(&9 tfl niä)t unglücfltd^ )>ermut^et »Sorben, baf ^^en Snebrf^ I. b{r 
Volonte ber Dcutfc^jen (Theotunicorum) tm Sl^etttWalb angefe^t^ 3(^^ 
med^tt jebo^, totü jener nte perfönltc^i tn dif)äiitn tt>ax, t^tx auf Snebri^ II. 
f(|>liefett.« . . . w3ttv«^läf(iö fönnen wir bte groß eren beutfc^en Slnjtebelun- 
gen tn (S^nxx^äiitn btefer unb ber folgenben S'^nobe anred^nen« 1. fRl)tin* 
toalb.., 2. !Daöod.... 3. Oberfaren . . . 4. öerf(jj>iebette Fleine ®e» 
metnben j. 33. Slöer^.'' . . . w!Die freien Äolonten blü{)ten l^efonber« ba em* 
pox, too jieber, ber ftdji unter t^nen nteberltef , audjf ii)xtx ^riutlegten t^eü^afttg 
tmtrbe. ^tefe beflanben loomamltdji bann, nur ^ox tnlänbtf^en felbflgetoa^^Iten 
ffiiäfttxn Uxt^itt )u tverben k.^ 

%h^. U. 8. 106. „dint befonbere (Slaffe ber freien G^otted^audleute btl« 
beten bie f. $. SBalfer, bie in ber (lulturgef^i^te ^ünbend eine bebeutenbe 
iRoKe f|>ielen, unb ben (^ef^id^tdfbrfdjiern noc^ immer tin Stot^fel |inb.^' . . * 
®. 107. ;f®o»iel tft getoif, unfere SBalfer waren freie frembe (£int»anberer k.'< 



34 

ganje X^Ux verloren l^at unb, mt behauptet toixh ^®X noc^ 
forttt)ä|)renb im Slbne^men tji, fo \)at ba^ in eigentl^üm(icl;en fünfte 
ltd)en SSerl^ältniffcn feinen ®runb, unb ba^ JRaturgefe^, bag bie 
tio^tnÜiä)t SSoIf^grenje an ber ©prati^e erfennbar fei, leibet ntit:^ 
\)in unter Umftdnben v>o^ gen^iffe fiinfc^ranf ungen , ttjirb aber 
feine^tt^eg^ burd; tint foldje X|)atfad^e umgeflogen. ®egentt)ärtig 
ijl ba^ aSerl^ältniß ber romanifti^en Seöölferung im Danton ®rau^ 
biinben ju ber beutfcl;en ungefähr n^ie fünf gu i^ier. ^®D 

!Dte beutfj^e ©jjrad^jjrenje tn ^ijroL 

2Kit Slu^na^me be^ 3nnt^ale^, in weldjem bberl^alb be^ 
ginjiermünjpaffe^ unb in ben l^äu^lidjen Greifen »on SWartin^^^ 
brudf Clcibinifd) Pomartin) eine romanifdje SWunbart \)txx\ä)t, ijl 
niti^t nur bie ganje nörblicf)e 2lbbad)ung ber tiroler 3llpen »on 
Deutfd^en bett)o^nt, fonbern bie beutf^e 93eö6lferung iji anä) im 
schale ber Stf(^ unb an bereu- oberen B^pöff^ti mie tin Äeilmeit 
gegen ©üben »orgebrungen. Do^ n^enbet [xd) bie beutfd^c ©prad^^^ 
grenje »on ba, Jt)o ber 5Ro^ einmünbet, mieber norblid^ unb ge^ 
tt)innt, im ©üben ber Drauquellen, bie SBafferfdjeibe ber fami^ 
fdjen Sllpen, mlä)t fie hi^ an bie Duellen be^ gella, eine^ 3^^ 
fluffeö beö Sagliamento, »erfolgt. |)ier an ber obem gella liegt 
ba^ ©täbt^en ^^ontafel CPons Fellae), in meld^em bie beittfd^e, 
bie italienij'd{)e unb bie flaijifcbe ©pradje ^ufammentreffen* 

®enau ifl bie ©renje folgenbe 0* ©üblicf) »on ber 33erg^ 
httt, tt^el^e im ^üdtn be^ 2)j)rf^ Sana jmifdjen Deutfc^^aWcft 

18) mb, (B^m (5tu^g. i). 1842) ©. 250 . . . . „Ueber die deutschen 
gemeinden endlich , die in Bunden zwischen IVomanen sitzen, weiss ich 
keine bestimmten angaben zu machen, aber das romanische element ist 
so in abnähme'^ u. s. w 

19) I^er Danton ©raubünbten, Don diöttr unb »on Xfdjiarner. <BU <S5aI* 
len 1838 @. 315. //S5on ben brci öerf4iiebenen :2anbe«fpra(j^cn treffen üj)tt 100 
(£intt>o(incrn 38 auf bie beutfd^e,-49 auf bie (in itoti ^Wunbarten jerfattenbe) 
romanifd^e unb 13 auf bte ttalienifd^e. Ueber bie SBalfer »ergl. 3of. Serg- 
mann, Untcrfudjiungen über bie freien SBaflifer ober Sßalfer in ©raubünbten 
unb Söorarlbcrg. 2Bien 1844. (au0 ben SBiener 3a]!)rbücj»ern ber Literatur S3b. 
105-108 aböebrucft)- 

1) T:it in ber erjlen Sluflage ber <Bpxaä)faxtt na^ ben üD^itt^eiiungen M, 
©Vwnafiaöel^rer^ ©dbaubad^in^O^einingen (be^ SSerfajfer^be^ ^anbbycij^^ für diti* 



38 

Cbei ©alurn) unb Dxütx, an Zxamin unb Galtern »orbei jtd^ 
tx\)tU, alfo auf fcer ml^^tn ©ette, liegen no^ beutfd^e 2)örfer: 
Unfere liebe grau im SBalbe CSennale) unb ©♦ gelir an ber 
g^ocella, ^riMJei^ unb Saurein CLoregno) an ber 5>e^cara, jufänt^ 
nten ^on 1300 Seelen hmo^nt Unterhalb @t gelir fliegt ein 
fleine^ ©eitenbä^lein in bie 9iocella unb biefe^ bilbet je^t bie 
@prad{)grenxe* Da^ erfte Dörfdj)en auf »elftem Oebiet, ml6}t^ 
Xxti ))ti^t, ift \)erlorener ©oben, benn »or niä)t gar langer S^it 
fpra^ e^ noä) beutfd) unb bie Sinn^o^ner führen ba|)er bort noä) 
beutfd)e ®efdj)led)t0namen, al^ Sardjer, Btingmeifier u. l ». 
2)eutfd)^2)?eft ifl italienifc^ unb bie beutfc^e ©prad^e. enbigt f^on 
3 ©tunben «weiter oben ju SWargreit CMargre). 2)a^ Dörfdjen 
Gurtinig CCortina) \)at Sintt)o^ner, bie melfd^ unb beutfd^ reben, 
urfprünglid^ beutf^en Stammet, aber mit italienifd^er ^inroan^ 
berung fo bur^fe^t, ba^ nur Äir^e unb ®d)ule beutf^ geblie^ 
ben iinb» Rovere della luna C®i^^oljD ifl italienifcf), aber erft 
feit 50— 603a^ren* SBelfc^:^9io»en CColonia nova) bei SSoJen tfi 
tint italienifdj)e Golonie ton 800 d., mld)t »ollfommen germa* 
nijtrt ifl, fte bilbet alfo ben ©egenfa^ ju bem ttalienifirten Mezzo 
Tedesco. Sapen im ®röbnertl^al Cfüblid^ öon Älaufen unb 55ri^ 
xenD ifi ebenfalls »öUig beutfd;, aud) St» 5>eter; gröbnerifd^er 
©renjort ift ®. Ulrich Cgröbnerifd^ Urlischei = Urticetum = 9if fs^ 
felfelbD, füblic^ Dlungabitfc^ unb Md^- 5tu^ ?>flaurenx im 
enneberger X^al, füblid; »on Srunnecfcn, ift ganj beutfd^ unb 
ba^ SRomanifd^e enbigt f^on eine ©tunbe ba»on entfernt, fo ba^ 
auf bem linfen Ufer be^ ©aberbad^e^ D^nad^ Clabinifcf) Ognies) 
ba^ lejte beutfdje, SBälf^^GUen G^^binifd; Rina) ba^ erjle roma«^ 
nifci^e 2)orf; xt6)t^ be^ S3a^^ aber ©alen (labinifd^ Saros) ba^ 
lejte beutfd^e unb Pera forada (am turd;brod^enen 2>ttin, ju 
beutfd^ ^elfrab) ba^ erjie romanifc^e SBirt^^l^au^ i% Die eigene 
tl^ümlic^en ©prad^öer^altniffe im ßtfc^tl;ale unb im Oebirge j»i^ 
fd^en ber SBrenta unb ber Gtfd^, fowie anä) in ben fieben »icen^ 
tinifd^en unb breijel[)n »eroneftf d^en ©emeinben, ^at ber um bie 
beutfc^e ©prad^funbe ^odf)»erbiente Dr. ®d; melier in feiner Slbi? 



fenbe burdji bie beutft^jen 5ll|)cnlänber) gegebene ©rettje ifl l^ier nad^ einem 
%nf\ai^ Qoon ©teub?) in ber 51. 3» 22-25. Sunt 1844 berichtigt. ®tr. 

3* 



^anblung über biefen ©egenjianb ^) mä)t nur tu \pxaä)liö)tx, 
fonbem aud^ in geogra^jl^ifd^er ^injtdjt crfd^ßpfenb be^anbelt. ©r 
faßt: „2Ber au^ Deutfd^lanb burd^ Xprol nad^ Stalten reifet, 
trifft, wenn er ber |)auptftraße im Z^alt ber (Sifadf unb bann 
ber Stfd^ folgt, in bem großen Dorfe ©alurn am linfen Stfd^^ 
ufer bie le$te beutfdje Oemeinbe" (unb binnen furjem toal^rfci^ein^ 
lid^ beutf^e ©pra^infel, benn an ber Stfd^ oberhalb ©alum 
nad^ SWeran ^in nel^men bie SBelfdjen ju, bie Deutfc^en ab; fo 
in-SSill, Sranjoll, S3ifer^, SBilpian unb ©arga^on; fd^on 
ftnb in SBurgjiall, faum jn^ei ©tunben »on aWeran, mel()rerc 
»elf^e ^au^^altungen, unb in^^f^tten (Vadena) gegenüber t)on 
SBranjoll, fafl brei beutfcl;e aWeilen nod; oberl^alb ber ©prad^:* 
marf bei ©alurn gelegen, tt)irb unter 200 ©eelen bie beutfd^c 
®^)rad^e faum me^r gehört)* 

//2)er SHeifenbe ift bei ©alurn, o^ne baß er'^ öielleid^t ^tx^ 
mutzet, fd^on tief in ba^ ®ebiet ber romanifd^en Sprache ringen 
brungen, benn bie 9lebent^äler gu beiben ©eiten, fogar f^on 
eine^ ber SifadC oberhalb So^en Cba^ ©röbnert^al) beherbergen 
mit geringer Slu^na^me Se^ölferungen, weld^e romanifd^e Dia^ 
lette fpred^en; SSon SBejten ^er au^münbenb l()at ba^ SKon^tl^al 
(Val di None), »on £)jten ba0 gleimfert^al (Val di Fiemme) 
biefem jtt)ifd)en jie einbringenben Äeil beutfc^er Bunge burd^ i^ren 
Bufammenftoß auf bem |)auptpÄß tint ®renje gefegt. SRe^t^ 
»on ber Stfd^ finbet fid^ »on ba hint ©pur beutf^er 3^H^ ^^^^ 
fall^ ni6)t anä) n^eiter^in, jenfeit^ be^ romanif^en ©raubünbt^ 
en^, tt)ieber bie beutfd^e ©^meij al^ tint größere, auf gleidje 
Slrt eingebrungene SWaffe betrautet merben barf, tt)eld()e ebenfalls 
bi^ an ben fübli^en guß be^ SWonte SRofa einige ifolirte fo^m 
»orgefd^oben ^at* Sludf) linf^ ber Stfd^ ijl ^toax im |)aupttl()ale 
fort nun alle^ romanifd^; aber unter ben naml^aften B^Püffen, 
bie fie in i|)rem Saufe »on S^rient bi^ unter ffierona au^ ben 
Sergen aufnimmt, jtnb mehrere, beren Duellen au^ in beutfc^en 
Sauten begrüßt »erben* ©o bie tt)ilbe gerfina, bie bei Orient 
einmünbet. '^in nörbli^er SKebenarm berfelbcn, bie ©illa, fommt 



2) Sclimeller, Dr. J. A., «Ucber die sogen. Ciinbern der VII und XIII 
Communen auf den venedischen Alpen und ihre Sprach e.^ (In den Ab- 
handl. der philos. philol. Classe der K. Bair. Acad. Bd. II. Abthlg. III. p. 
557—708. München 1838. 



37 

au^ bem S3erge Pine C^inatO, m bie beuifd^c S3eö8lferung fid^ 
affmäl[)lid^ verloren, in Drt^benennungen aber, wie $uel, Staut, 
ßrla, Siie^la^ C^izzolago) eine bauembe ©pur jurüdCgelaf* 
fen \)aV' 

(Sntf^ieben beutfd^ aber jinb nod^ je^t bie Drtfd^aften, u^eld^e 
an ben füblid^en unb Jt)e|ilt(l;en Slb^ängen be^ Palü C^alaiD, auf 
mlä)tm bie gerjina entfpringt, gelegen finb: galefina, Fie- 
rozzo C5l«>^^^W/ Si^<^fni<?W9<?^ SÄoöeba, Palü C^alai) unb 
SSignola; Roncegno bagegen C3lunbfd)ein mit 2100 ginwO. unb 
Torcegno (Durci^fd{)ein) finb öertt)elfcl;t. Die 33en)0^ner biefet 
Orte, etwa 1300 SJJenfd^en, gel^oren ^erab unter bie ©erici^te 
Pergine (Werfen), 8e»tco unb S3orgo in ber übrigen^ ganj italie^ 
nifd^en Val sugana, burd^ ttJeld^e, bem Sauf ber l;ier entfpringen^ 
ben SBrenta nat^, bie ^auptjtraße öonXrient nacf) SBaffano fül^rt^ 
©ie würben, ba Weber ba^ 9lmt, nod^ ilirc^e unb @d)ule »on 
i^rer nid^t italienifd^en ©prad^e 9lotix nimmt, in biefen SHüdfjid^^ 
ttn fd^limm genug fahren, mnn il^nen, wenigjien^ ben-grwdd^^ 
fenen aßen, für ben SSerfe^r au^er bem |)aufe ni^t aud{) ba^ 
Stalienifd^e geläufig wäre* Die Staliener gebrauten, um fie ju 
bejeid^nen, ben 5Ramen Möcchen (fem, Möchena, plur. Moccheni, 
Mocchene), ber i)ermut|)lid^ »on madj)en, einem i^er am öftere 
jien ju ]()6renben Sßorte, entlel^nt ift, übrigen^ \)on ben Sejeid^* 
neten, ba er, ber 5Ratur ber ®ad)e nad), nur einen armen, un* 
gefd^lad^ten 33ergbewo^ner anbeuten fann, nic^t tUn gern entge* 
gengenommen wirb." — Die 33ewol)ner 'oon Palü ^aben eine an^ 
bere Xxaä)t aU bie übrigen Unb öorwaltenb italienifcl;e ©ef^Ied^tS^ 
namen, wä|)renb bie ber anbern beutfd^ fmb. 3n ?)erginc wirb 
nod^ jie^t jur gaftenjeit in ber grieb^of^fapelle ®. ßarlo für bie 
Umwol^ner beutfc^ geprebigt. 

ffdin anbere^ gW^^^ti," fä^rt ©^melier fort, .^ba^ bei 
6aUiano gwifdj)en S^rient unb 5Woöerebo in bie Stfd^ fällt, fommt 
)?on ber bebeutenben, no^ beutfd) fpredjenben Serggemeinbe Fol- 
garia (güHgreit i)on 1430 ginwO ^erab. Diefe fte^t mit einet 
anbern, il^r nörblidi; liegenben, nämlid) Lavarone cSafraun) am 
guß be^ |)o^enleiten mit 925 ginw., bie aUmä^lid^ ba^ Deutfdfye 
aufgeben, im Bufammen^ang. Safraun gehört übrigen^ eigentlid^ 
me^r in ba^ Flußgebiet be^ Sljiico, in beffen ^cä)ti)al bie Ort^ 
fd^aften Safte baffe, Sarotta, 5örancafora tbenfaH^ beutfd^ 



38 

fpre^cn." ^roti ©tunben »on Saijarcne in ber Pfarre $ebentontc 
tft ba^ Dorf Suferna mit 450 beutf^rebenben (iintt>o^mxn. 

//Der Seno/' fä^rt ©d^meller fort, //tt)eld{)er bei Slo^erebo 
emmünbet, ifl eine ffierbtnbung ijon jioei gleid{)namigen ©ergn^äf^ 
fern, tt)Oi?on jebeö au^ einem beutfd) fpredjenben Sergtl^al, ba^ 
nörblid{)e au^ Xerragnuola, ba^ füblidje au^ 3Sal 9lrfa herabfällt/' 

//Snblid^ einige SWeilen unn^eit ^^orcile gießt ber 5>rogno 
fein SBaffer in bie (gtfd^. Die fdjönjien Oaben be^ füblic^en 
^immel^ 9ebei()en ba, tt)o er feinen Sauf enbet, aber ba, voo er 
ü)n beginnt, oben auf ben Sergen, näi)rt ftd) ein arme^ S?olf 
öon bem Sie unb ben Äo^len, bie e^ ber Sbene jufü^rt, unb 
5)on ben|)eerben, bie feine baumlofen ®ra^Pä(i)en ben^eiben* 3lu(i^ 
biefe^ SßöU6)tn ^on ungefähr 9000 Seelen, tt)eilanb befannt un^ 
ter bem SKamen ber XIII »eronefifdjen Sommunen CTredeci Co- 
muni VeronesO / bie e^ unter ber ^errfdjaft Senebig^ afö tin 
mit gettjijfen SBorre^ten begqbteö (^anit gebilbet l^atte, ift ur^ 
f^)riinglid) t?on beutfdj)er |)erfunft, mlä)t inbejfen ^eutjutage nur 
nod^ in ben beiben l^odjjien unb jugleit^ unfru^tbarjlen Drten 
©l^iajja unb Sam^)o gontano ^on 1800 (Seelen aud^ burd^ 
ben J^äu^lid^en ©ebraud) ber beutf^en ®pra(i)e beurfunbet toixi. 
Die XHI Gommunen, bie außer bem ^oä)Ü)(il be^ ?>rogno aud^ 
bie einiger mel^r tt)eftlid)en S3ergflüßdj)en einnel)men, jtnb bermalen 
tl^eil^ bem Oeri^t^^ unb SSertt^altungebifirift i)on 93abia^ßa^ 
lo»ena, t^eilö bem t»on Serona jugen^iefem SKod^ in ben le^^* 
ttn S^ittn ber i?enetianifd{)en 5Republif mürbe 5?iemanb al^ Srtotar 
ober SSicariat^fanjler ber XIII ©emeinben aufgeflellt, ber ni^t 
ben beutf^en Dialeft berfelben i^erftanb, unb »or 60—70 3a^^ 
reu tt)urbe biefe 2Wunbart aud^ in mel^reren Äirdjen gebrandet, 
tt)ie benn ber firj^)riejier (Arciprete) »on 3Selo, D. Roncari, 
felbji noä) in berfelbe.n geprebigt \)atj' 

//©oüiel i)on ben Spuren beutf^er Sei)öHerung, bie im ito^» 
lienifd^ fpred^enben fitfdjgebiete »orfommen»" 

//Slnbere unb »iel bebeutenbere beftnben fid^ meiter gegen 
Ojien in einer 2lrt 3nfel i)on Sergen, ml6)t wefltoärtö bur^ 
beit 9ljHco, einen milben S3ergftrom, ber inber^läd^e ob ffiicenja 
in Sanb unb Sandlen SEaffer unb SKamen verliert, norb^ unb 
ojitt)ärt^ bur^ bie 33renta eingefcl;loffen ift, im Süben aber jid^ 
jwif^en Saffano unb ßaltrano jiemlid^ jleil gegen ba^ gefegnete 



39 

»enebifd^e glac^lanb abfenft. ÜDie an tie 30,000 Seelen betreu 
genbe ^e^ölferung biefer Seröinfel ^t feit unbenfltd{)en ^ütm 
unter bem 9iamen ber VII i)icentinifcl;en Gommunen CSeite Co- 
muni Vicenlini), jule^t unter ber ^errfi^aft »on SSenebtg, tint 
2lrt fleiner manni^fa^ be\)orred^teter SRepublif gebtlbet* ©egen^ 
wcirtig mad^t fie einen ÜDiftrift ber-^roöin^ unb X)eleaation "oon 
SSteenja au^, ber »om ^auptorte Sljlago ben 9iamen fü^rt," 

//SWe^rere biefer ©emeinben, befonberi^ bie äußeren, l^aben 
fett ©enerationen ben ©ebraud^ ber beutfd{)en Sj)ra^e, felbfl im 
l^ciuelidj)en Äreife, aufgegeben» 2lm meiften fommt fie, unter bie^ 
fer ßinfd{)ränf ung , noä) »or in goja, 5tfiago, Sloana, da^ 
noüe unb SÄo^o unb in einfgen entlegenen SBeilern CContrade), 
tt)0 too\)l jum 33ejten »on 5Beibern unb Äinbern Cbie SWänner 
fpred^en aUe nebenbei auc^ ba^ Stalienifd^e; 3Sprnel)mt^uenbe, be^ 
fonber^ be^ ^auptftedCen^ , bb^ biefee) aud) ber ©eelforger au^er 
unb in ber Äir^e fid; berfelben mitunter bebient. 3n ber @d{)ule 
mxb blof nac^ unb au^ italienif^en ^ü^ern gelernt, unb 2efen 
unb ©d{)retben Unn f\d) ber gemeine SWann l^ier überhaupt nur 
italienif(j^ benfen» 2Ba^ tro$ bem in ber 2Wutterf))rad^e gefc^rie^ 
ben unb gebrudft \)orfommt, mxi me^r al^ Guriofität betrad^tet»" 

SBefanntlid^ rü()men fid) bie Sinmo^ner ber 13 ©emeinben 
bei aSerond, \)on benen nod) Süfd;ing bel)auptet ^), ba^ jie 15,000 
aWann jur 8anbe^5)ertl^eibigung ftellen fßnnten, gleid^mie aud^ bie 
ber 7 ©emeinben oberhalb SSicenja, »wt ben hti 33erona »on 
aWariu^ gefd^agenen ßimbern abjuftmnmen; eine Slngabe, mU 
ä)t baburd), baf beibe Sejirfe unter ber ^errfd{)aft »on SSenebig 



3) S3üf(|ftttö, 5lnt ?5riebrv Qx\>U^6^mHnq. %^it Slufl. $amb. 1789. %\)l 
IV. (S. 190 — 193. ^ie ^cimtn ber brctjc^n ßJenteinbcn, »eldjic je()n Äird^* 
fricic büben, (inb; 1. ßrbejo, 2. ^oeco, 3. Söal bt 9)orro, 4. 5(lferta, 
5, äJelo (tt)o bie SJerfammhmgen aller tniiif)n ÖJcmeinben gehalten ttjurben), 
6* (5am|)o @il»an (bie 5)farrfirc3^e l;eigt Sampo gontano), 7. 5ljartn, 
8. ERoöere bi SSelo, 9. Saline, 10. Xaüernole, 11. ^abia Salaöena, 
12. ®el»a bi 9?rocjno, 13. ®an SBartolomeo Xebeöco. T^itimc^tn Dxt* 
fc^aften, bereit l^age iä) ani ben mir $ugäncili4)en (S|}ectalfarten ermitteln fonntr, 
(inb ouf bem Slu^fc^nitt ber starte angegeben toorben. 

T)k 9?amen ber fieben ^emeinben finb nac^ 33üf(^tng (S. 196 — 197): 
1. 9t be @cala unb (Ban gJietro b'Slftico, 2. ««occtb (Olo^o'a 3* «Ho* 
ana, (Sano))a unb (£am|)Q rotiere, 4. ^Ifiago, 5. (^alio, 6. go^a, 7. 
(Sntco, nebfl ^uftana, l^a^erba unb ^alle ®* !DQnaro. 



40 

ritte felbjldtiWgere ©tettutig bel^aupteteti, ttod^ tttel^r ©ttgattg 
fatib* — !Durc^ btc Spraye felbft toixi jefeod) bie ©ebauptutig 
fritte^ttjeg^ bepättgt* 6^ iji friti felbfiätiWger »Ott Sllter^ f)tx 
tfolirter ©prad^flatttttt , fonberti ettie beiti bamfd^^tproltfci^m Dbtx^ 
beutfd^ tia^e fiel^eube SWuttfcart, utib ©d^itieffer ft)ind^t C®* 706, 
707 utit) 708) fem etiburt^e« bal;m au^: ,M^ im 12^ — 13. 
3ö^rl^utibert, mie tio^ l^eutjutage, bie Deutfd^ett »oti ©alum, aud^ 
bie ber füblt^ereti ttaltetiifci^eti Serge, iti utiuttterbrod^ettettt 3«^ 
faititttett|)ange unb SßtxUf)x mit betn grofeti beutfd^eti ®efatttitit^ 
förper tttüffett geftanbeti utib tt>o^ itittuttter »ott ba^er frifd^en 
3utDa^^ erl^altett ^abeti» Detitt wa^ bie @^)ra^e ber 7 utib 13 
ßotnttiutien u- f. to. 2lUert^üitilid)e^ Xrigt, xtü^t fettie^n^eg^ l^öl^er 
al^ in ben B^flattb ber beutf(i^eti Oefatntntfprad^e ttt biefett ^üu 
rautn lj)tttauf. S?»n Dingeti, bie biefen Dialeft att irgenb eitlen 
tiod^ früheren, ettDa einen »ermeinten rimbrifd^en C?! friejtfci^en, 
angelfäd{)jifci^en, i^länbifd^en ober »enigfien^ nieberbeutfd^en) ober 
an ben 80t^ifd{)en unmittelbar anjurri^en nöt^igten ober erlaubten, 
fo gut aU feine ©pur. Slße^ ift, mnn eö ai;^ j> ein anbere^ 
gemefen frin foUte, ber nad^maligen ©prad^e |)o^beutfd^lanbö af^^ 
fimilirt" . • . . Cbodj)) „^aUn jie ba^ ^o6)imt\6) be^ 12* unb 
13. 3a]^r]^unbert^ in rinem 3Wa^ ben^al^rt, ba^ in SSerglrid^ mit 
ben SBeränberungen, bie bie übrigen Dialefte !Deutfd^lanb^, unb 
gerabe bie »on i^nen am tt^enigjlen entfernten, im Sauf »on fed^^ 
3a^rlj)unberten erlitten l^ben, tin jebenfalle bebetrtenbe^ ju nm^ 
nen ijl, unb riner etn^a^ nähern Srörterung »ol^l tDürbig era^tet 
tt)erben bürfte." 

Sin SBlicf auf bie Äarte betätigt ©djmeller'^ Slnjtd^t »on bem 
frülj)eren unmittelbaren 3^f<^^^^^^^^S^ *>^^f^^ Kolonie mit bem 
SWutterlanbe ; benn in bem ®ebirge ift biefe ffierbinbung gewiffer^ 
maßen nod^ je^t ijor^anben, n^a^ jebo^ bem SBatiberer, »eld^er 
bie rinjelnen Örtfd^aften »on ben i^erf^iebenen S^älem au^ be^ 
fu^t, leidet entgeht. Slud^ ifl e^ nid^t untt)a^rfd{)einlid^, baß bie 
©ilber^ unb Äupfergruben ber SBifd^öfe »on Xrient in biefer ©e^* 
genb SBeranlaffung ju tt)ieber^olten Sintoanberungen gegeben })(i^ 
ben *). ©ne politifdje Trennung biefer S3erggegenb »on bem ei^ 

4) ®ö)mtUtx (a. a* O. ®. 589) erfuhr, baf man bie 23e»ofiner »on gie* 
TOj|o, grafplongj) k. in ber bortiöen QJegcnb für Slbförnmlingc alter Canopi 
(SBer0fna|)|)en) ^telt. 



AI 

gentlid^en beutfd^ rebenten ffiaterlanbe fanb aber f(i)Ott im 3Äl(>r 
569 — m\ti)in m\)t fd)on »or ©egrünbung Wefcr Äolonien — 
©tatt; al^ nämltd^ Sllboin, ber Äönig ber Songobarben, ba^ ^cr^ 
jogtl^um Zxitnt grünbete, unb gugleid^ bie ©renjmarfen feinet 
Sleic^e^ gegen ba^ ben granfen unterworfene ^erjogtl^um 33aicm, 
wenigfien^ im ßtfd^tbale, an ber ]()eutigen ©prad^grenje anfxiä)^^ 
tttt % 2)ic Songobarben Ratten in ^talitn ba^ bi^^erige ®ebiet 
ber Djigot^en in 93eji^ genommen, unb bie ©Otiten frü^er^in, in 
il^rer SBebrdngni^ unter Xotila, bie unter il^rem ®d^u$e fle^enben 
Sllemannen an ben fränfifd^en • Äßnig I^eubebert C534-r548) 
abgetreten ®). SBenn ba^er nad^ bem Sinjuge ber . Songobarben 
in Stalien bie ©renje berfelben gegen ba^ granfenreid^ in Iiprol 
mit ber @pradj)grenje xufammenftel, fo barf man too^ annt^men. 



5) SSergL ». t>oxma^x, [dmm\liä}t SBerfe. S3b, I. ®. 97, „T)tx Ücngo- 
Barben bebtet umfaft bad ^anit I;euttge SDelfc^^XvroI unb ^u^ar auf bem redji« 
ten (Stfd^ufer f)tnauf btd an bte ®thix%t, todö^t felbed »om ^tntf^gaue fci^etben. 
Sängd ber großen S'iömerfhrafe )?on Verona unb Skribent na(!^ ^ug^burg lebt 
ber 9?ame btefer ^egren^ung btd auf ben l^euttgen Xag. ^m (lEtnfluf ber 9{oce 
in bie (Stfdj)/ ol^nfern bee if)tma\iQtn (£(^or]^errn«<3ttftd SDelf^mt^iael liegen fte, 
bte metae longobardicae unb metae teutonicae, Mezzo lombardo, Mezzo 
tedesco, Deutf^-SÄe^ (Sronme^/ 2Be(f(^)'!lD?e^/ on bem (Eingänge M 
9{ondberged; an ber, fett ber ^^ombarben^eit fo oft fam|}fberül()mten ^lodj^etta, 
bem Campus rochtalianus, rotalianus.'« 

fr^uf bem Hnfen (Stfdj^ufer enbigte bad lombarbif^ie ^tUtt ber aui bem 
gleimfertljiale (Val di fiemme) IfjerüorfhÖmenbe Avisio, Lavis.« ®egen»ärttg 
i\t ba^ gan^e Sletmfertl^al ttaltenifdji, nur tint 'etn^tge ^emeinbe ^nteri))o 
(Slltrei), imi ©tunben unterhalb Saöatefe gelegen unb iiber'ö (Gebirge in na- 
Ifem 3«^Jnni«w'^önö^ tait bem beutf^ien ^orf Xrobena (Xruben), i(l beutft^), 

6) Agathias L. I. c. 4. (Ed. Bonn. 1828 p. 20. üaQaXaßdjv d^ Jfjv 
narqi^av uqxh^ o OeväißeQjog jovc äs AXafiavovg xuxii^TQetpato 
xul .«AAa «TT« TfQoaotxa i'&rrj. Ibid. c. 6. p. 27. j,tovtovg dk 
(jovg ^ ÄkafiOLVovg) nqoxeqov Gevöeq^x^g, o twv roj&cov ßaffiXevgy 
^vixa xul Tijg ^vfindiSrig ^ItuXiug ixQum^ ig ^oqov UTfaycoyi^v 
TtUQaCTfjcdfiBvogy xut^xoop €^j(€ to g)vXoVy (ag dk o fiiv äusß^(Oj 
o dk iJ>€yiaTog ^lovanviuvoj t€ %c^ ^Poofia^cov avToxqdioQt xal totg 
Fojd'oig noXefxog ivps^Quyrj^ tot« drj ol Foid^oi vnod^ianiiovTsg 
%m*g 0quyyovgy xal o7f(og Sv avroTg ^iXoi, xe sg tu fidXiCta xal 
Bvvoi yivoivTo firj^avcSfiEvoi^ ireocov re ttoXXiSv il^iiStavTai^ ;((ogiooVf 
xal TO Tcop IdXafjavixov yivog a^UiSav . . . oSto) Sri ovv xal to 
zäv ^AXafiaväv i&vog vTfo Fotd^tov ä^i^fiivov &€vdi߀Qtog aviog 
iXBtQciifajo»^^ . . . 



42 

ta^ We^ bte ©rcnje jmifdjen ben im 34^ 496 tjor ben granfm 
flüd^tig gettjorbenen unb t>on X^eoboridf) in ba^ ux^ttxk Sllpen^^ 
lanb aufgenommenen Sllemannen unb ben älteren feltif(i)en Se^ 
wo^nern be^ Sanbe^ rt>ax, unb baß aui^ bie ©ermanijirung St!)^ 
rofö »orjugött)eife »on ben 3llemannen l^errü^rt ''^ ©ottte {t^ 
bei einer forgfältigen 9Sergleid)ung ber in Iprol ^errfd^enben 
SWunbarten eine größere SSertuanbtfdjaft berfelben mit benen ber 
allemannifd^en ©d^n^eij, al^ mit ber baierif^en ^erauö^ 
jietten, unb bie 9lu^be^nung biefer rein allemannifdjen (Elemente 
geogro^^ifd^ bejeid^net tt)erben fonnen, fo ȟrben bie i^orl^anbenen, 
allerbing^ fel^r f^)ärlidj)en SKad^rid^ten über biefe ßinn^anberungen 
eine neue gen)id{)tige Unterlage erhalten ®)» 



7) mm tWanfo (®cfd^. be^ oflgot^» ditiä)^ <B. 59) Qimht, baf Zi)te- 
Uxi^ ben 5llemanncn 2Bo]^nfi^e in bem Ijjeutigen (55raubünbten eingeräumt 
f)aU, fo toiberlegt jidji ba« burc^ ben Umflanb, baf ganj (SJraubünbten bi« in'^ 
15. 3a]^r|)unbert (ß. §. 4. Slnm. 1) romantfd^c ^eöölferung i)aitt. Q^ 
ifl bemnad^ in bem fieuHgen Sifrol, too toir bie ^^lä^hmmtn biefer glü^tlinge 
futi^en muffen* T)it Sllemannen fd^einen |tcj nämlidji junäd^ft mä) 9?oricum ge- 
p(<>tet unb üon ba aud X|)eoberid^ um 2Beiterbcförberung gebeten |u l^aben: 
Cassiod. Var. L, III. Ep. 50. Provincialibus Nor i eis . . ♦ decemimus, ut 
Alemannorum boves, qiii videntur pretiosiores proptcr corporis grandita- 
tem, sed itineris longinquitate defecti sunt, conimulari vobiscum liceat, 
minores quidem membris, sed idoneos ad labores; ut ill'orum profectio sa- 
nioribus animalibus adjuvetur, et vestri agri armentis grandioribus instru- 
antur.« 3Son 9?ortcum ani pnb (le aber getotf in bie nädjiflen entijötferten ©e* 
birgöt^äler unb ni^i toieber bem geinbe entgegengejogen, ber jie fogar hii aufd 
oflgotl^ifcijje (iJebiet öerfofgte. !r()eoberic^ fc^rieb beöl^alb au^brücflic^ an Sl^lobe* 
tt)ig unb hat um ©djionung für (te. Cassiod. Var. II. Ep. 41.: »Sed .... 
motus vestros in fessas reliquias temperate: quia jure gratiae merentur 
evadere quos ad parentum vestrorum defensionem respicitis confugisse. 
Estote iUis remissi, qui nostris fniibus celantur exterriti • . * . !£)af 
btefe (Jintoanberung bcbeutenb tt>ar, fagt aud^ Ennodius Panegyr. Theodorico 
dictus c. XV.: »^Quid? quod a te Alemanniae generalitas intra Italiae ter- 
minos sine detrimento romanae possessionis inclusa est.'^ 9^^ätten ti^arb )U 
3talien geredjinet. 

8) Die neueflen Slrbeiten über bie XIII unb VII Kommunen öon Äo(>l 
(gj^onatblätter jur ergän|ung ber Slßgem. 3tg. £)ctober 1847. e. 480 ff.) unb 
3of* 33ergmann ((^iflorifd^e Unterführungen über bie heutigen fogenannten 
(Jimbern in ben ©ette (Jomuni u. f. to. SBien 1848 ®. 4; befcnber^ abgcbrurft 
auia bem CXX. unb CXXI. Sanbe ber Sötener 3a^rbb. ber :Otteratur) tfjeilen 
®|)ra(l^|)robett mit. (&in ju SSaffano gebrucfted :Oieb auf ben S3efu(<> beö dxifytt* 
iOQ*diti(f^^'ontot^tx^ ^o^ann »on Deftret(|f beginnt: 



43 



J©fe beutfr^e ©ptöi^gtenje ttt Äämtl^cn^ StetetmötB unb 

SSon ber SBafferfci^eibe jtt)ifd;en jDer X)onau unb bem SEaglia^ 
mento in ben f armfd)en Sllpen unn^eit ^ontafel (^onteba)bi^ jur 
2Bafferfd;eibe jtt)ifd)enX)onau unb ßlbe im mä^rifd^en ©ebirge läuft 
bie beutfci^e ©prad^grenje faft tn einem nac^ Dflen gen^enbeten 
^albfreife burd) baö Xonaugebiet 0- 

SSon $onteba folgt bie ©prad^grenje in Ädrn tben juerfl in 
nßrblic^er SRici^tung einem B^P^^ t>^^ JCagliamento, überfd;reitet bie 
SEBafferfd^eibe unb ge]()et läng^ eine^ 33ad;e^, ber bei 2Wöbem=^ 



lit bahar ditzan, baz bar segen? 3(i*^ hJal^r tiefet, »ad n)ir feigen, 

Ödor iz an schöndar tröhm? jDbcr i(i*d ein f4)bner Xraum? 

Z'ist net tröhm, ghet auz von beghen! (S'ifl ntd()t ^^raum, Qt\)i ausi fccm SBegc, 
Z'ist dar unzar Jung Her. — '©Mfl unfer junger -^err! 

Vudar leüie, vudar, vudar! Söeüer l'eute, ttjetter, ttJetter! 

Sperret net allen in beck; ^ptxxtt ntd^t aüen ben ^eg; 

Z'ist dar liebe, un gute Prudar, (£d i\t ber liebe unb gute trüber 

Von me Kaisar, Qnzar Her. 3Pon bem 5!ai fer, unferm $errnl 

1) I^iefe ©rense ifl im 2öefentti(](ien nac^ ©djaffarif^« fla»if(](ier (apra^- 
farte gejcic^net. I)ie in (55roJ«'$of fingert öeoöra|>]i)ifc^em 3nflitut geieic^nete 
et]^no9ra|>()ifd>e Äarte »on Ocjheid^ (in bem IS^ifiorifc^-fiatiftifc^en Umriß »on ber 
iJfhreidjifc^en S!)?onarc^ie. 2iipii^ 1834) n^eidjt baöon im T)xauif)aU unb in ^M^ 
ren bebeutenb ah, fnbem fte öon 23i(Ud> biö unter S!)?arburg bie Drau al0 
@))ra(jfi0renge angibt unb S3Ö^en a(« eine flaijifd^e S|)ra(!^infe( barfteüt. di 
fci^eittt jleboc^, baj- bort »ori^ugdh^eife bie <Bpxa(i)t ber (Stäbte berücfjidjtigt i(t, 
toä^renb Ij^ier, h)o ed jic^ um bie 33e(timmung ber eigentlidjen Söolfdgren^en ^an* 
belt, bie 'Bpxaö^t beö plattin ^anM entfc()cibet unb alte einjelnen Ortfc^aften 
im fremben <?|)rac^gebfete ni^i angegeben toerben Fonnten. I^ie genaue 8eft* 
fteßung bkfer ©renken unb bie 33ejeic^nung ber einzelnen Kolonien muß ben 
@))ecialfarten »orbetjalten bleiben» 33. — 3lujer ben in ber 35orrebe jur imi* 
ten $luflage erM)äI;nten aUgemeinen ^|>rac^f arten ^on 5tte))ert unb Räuflet 
»urben für ^&xnii)tn eine ©anbjeic^nung M -^errn S!)?ic^act gran^ öon 3 a- 
bornegg^SlUeufeU, öom 3a^r 1847, unb bie harten M 3ofe|)() SBagner'0 
Sefc^reibung öon 5törnt^en (Älagenfurt 1847) [25ergL ©tricfer^ö ®erm, I. 
99]) benu^t; für ^teiermarf bie S3erid>tigungen in ber SlügeYn. 3*0» *>>*» 
26. unb 27. (Se|)t. 1844 (öergl. ©tricfer'd ^Verbreitung be« beutfc^en SöoWe« 
@* 9); für Ungarn bie ^eric|)tigungen »on C)äufler in ©c^mib^d Öjlenei- 
cfiifci^en SBlättern für Literatur unb 5lun(t 9?r. 76, unb in (5 trief er *d ©erma* 
nia I. 1* @tr« 



44 

torf fic^ in ben Oailfluß ergießt* Sffieitere beutfd;e ®i?enjorte jinb 
@t. ^emtagor unb Unter ^^ SSellaci^ ; bann n^enbet bie OrenjUnic 
fic!^ nörblic^ unb folgt in 6ftlid;er 3li(^tung ber ^auptfette be^ 
®ebirg^. 25?o ba^ JC^al gegen ©• ^atemion fi^ öffnet, treibt 
bie flaöifd^e ®prad;e einen Äeil in^ beutfdje (3thitt W Äreuften 
l^in, folgt bann juerfl in füböfWtci^er, |)ierauf in öfllici^er 3lid()tung 
bem ^auptfiodC ber SSiffaci^er Sllpen bi^ mitten jmifci^ett SßiUai^ 
unb ber ©aiL ^ier überfd^reitet bie Sinie bie T)xavi unb gel^t 
nun im ®anjen ofhiorbßfilid^ mit ben ©renjorten ©eebac^, <ZU 
3}lid)ad, ^onfelb, Hamburg, jn^if^en bem Ofjtaci^er unb S5B6r^ 
ti)^x ®ee l()inburci^, über 5Waria^@aal, Ottmanad^, ©al^enborf 
jur (Surf unb über ©t. ^o\)am unb 3ol()a<inferberg nad^ SU 
3Wargaret|)* ffion ba nimmt bie ©renje eine füböfilid()e Stiftung 
unb läuft über ^uflriß, Sangegg, ^aberberg, ®t^ SWartin, Un^ 
terberg, berül^t bei Sa^amünb bie X)rau unb gel^t nun in gerabe 
öfilid;er Slici^tung n^eiter. 

Deutf^e ©praci^infeln iinb bie größeren ©tabte Älagen^ 
fürt unb aSölfermarft, an. ber ©aili0 ber 3Warft Dber^S;ar=^ 
m^, bie Dörfer Unter ^JCarm^, Dber^ unb Untergreutl^ , femer 
giitfc^I, Äaltttjaffer unb Slaibl, enblic^ jn^ifci^en SCaröi^ unb 5>on:^ 
tafel ber 2Warft 2Walborgetto, 

©laöifdj^e ©prad^infeln fmb .Dber^SeDfadj) Ui SSiUadj), unb 
©t. ülxiä), nörblic^ »on gelbfirdf)en* 

3n ©teiermarf Qti)t ber ©prad^grenje auf ber SEBaffer^s 
fci^eibe jmifdjen 3Wur unb Drau jur SWurfrümmung Ui ßf^ren^^ 
l^aufen* ffion ba bi^ 2Wurecf mad^t bie 3Wur bie ®renje; bei 
5Wurecf gel^t ba^ Deutfd^e auf^ redete Ufer ber 5Wur über, Obers? 
SWuredE ift beutfc!^, bagegen Slabenburg toenbifd^* Unter]()alb bem 
beutfc^en Slabfer^burg »erläßt ba^ Deutfdje ba^ redete SWur*? 
Ufer unb ik))t fi^ in geraber Sinie norböfili^ jur ungarifdS^en 
©renje bei prfienfelb* SWarburg unb ^ettau ftnb beutfcij^e 
©prad^infeln. 9lörblid{) jinb bie n^enbifdjen Orenjörter: 3i^tberg, 
BeHnifi, ©üßenberg, ©ieger^borf, Sleu^Äunegg, DbermöHing, 
Sftafengrunb, bie Äird^en »on SWariafc^nee unb ©t. 9lnna» 

3n füböftlici^er SlidS^tung fmb bie beutf^en ©renjorte: @er^^ 
borf, Unterfd^tt^arja, Sidj^enborf, SBeiter^felb , 33rumfee, SBein^ 
bürg, Slbfiall unb SBiefenbad); bagegen fmb Xrajfenberg, ©ra^^ 



hm, Jlaffau, ^Mippt^berg, «^afelborf, <BU $eter menbtfc^; beutfc^ 
fittb Sufa$, grattenberg, ©etber^borf, ©d^öpfenborf u» f. tt)- 

SBo bte ®prad;grcnjc »on ©tctermart tu Ungarn eintritt, 
bcrül^rt jtc juerfi bic ßtfenburger ©efpannfdj^aft* ®te fdS^ltngt 
fi(^ i^ier um 9leu^au^ CDobra), bcn etnätgen rein beutfcf)en $farr^ 
ort, fammt fed^^ Filialen im SBcnbenbejirf, umfaßt aber in bie^ 
fem 33ejirf nod^ bte gilialorte Döbör, Also- unb Felsö-Strasza, 
Orits, 5Winni(i|)of unb Welika ber ?>farre Raba-St. Marton, 
bann gel()t jie mit ber 5Raab bi^ jum ßinfluß ber ^infa, Idngd 
ber $infa bi^ Slotl^enburg CVoroswär), bann in einer norböftlid^ 
gezogenen Sinie ii^ gegen ®ün^, fo baß ber größere X\)til be^. 
©ünfer unb tin fleinerer beö ÄiJrmenber ©ejtrf^ in ber ©fen^^ 
burger ©efpannfci^aft )>on Deutfd^en bett)ol;nt n^irb, ja biefelben 
wol^nen nod) füblic^ ber 5Raab in ®t. ®ott^arb unb öfilid; ber 
^inta in SKofd^enborf CNagy-Soroslak), Unterbilbein CAlsö-Be- 
led), Bernau CPornö), Oroßborf Cremet - KereszytesJ u* f. ». 
©teinamanger CSzombathely) unb ©ün^ (Keszeg) l^aben eine 
»on !I)eutfd)en unb 5Wag9aren gemifd^te 33eößlferung* 3n ber 
SBiefelburger ©efpannfdj^aft ifi ©ol^ CGalos) fomie ber größte 
Il^eil'be^ Somitat^ überl^aupt beutfd), ndmli^ rein beutfd^: bie 
Drte aWinnic^^of CBaratfalü), ^albt|)urm C^el-ToronyX grauen^ 
Krd^en (Boldogaszory), ©traßfümerein CHegyeshalom), (Sbü^t^al, 
Äaltenfiein CLevel), iJölnif (Kälnok), Jlicfel^borf (Micklosfalu), 
Xf^urenborf, 5>oJ;neufiebI CLajthafalü), 3oi^ CNyulas), SBattem 
CWala), Slpeltan CBänfalu), Slnbau CTarcsa), SHntiß; ©aber«^ 
borf, Sffiüfifumerein, <ZU ^eter, SSJeiben, Äönig^l()of. 

!I)eutfd)^mag9arifd;^gemifci^t: Statten CTetteny), ©t, 
Sodann CSz. Janos), Seiben CLebeny), SEiefelburg CMosony), 
Ungarifd^i^Slltenburg CMagyaröwar) unb ^ala^u 

Die Kroaten in ben xel;n übrigen Drten an ber Donau, jum 
S^l^eil noc!^ mit Deutfdj^en gemifc^t, Wnnen fonadj) nur ate <Bpxa(iftf 
infel betrautet »erben. 

3n ber Debenburger ©efpannfci^aft ifl mit 3lu^nal^me ber 
eingefprengten froatifdjen Orte ber Debenburger ©ejirf ganj 
beutfd(>, ebenfo mü)x al^ bie »ejilid^e «Hälfte öom äußern obem 
Slaabbejirf, wo jebod^ Löwö CBä)üi}trO unb Löcs bereite rein 
magparifdf^e Orte jtnb. 



46 

3n ber-^reßburgcr ®e[pannfd^aft fmb bie Wmgltd^en grei^ 
fläbte ^re^burg CPoson) priötlegirt burd; Slnbrca^ III. tm ^af^xt 
1291, St. ©eorg, 1>öfing unb SWobem JjoTOiegenb beutf^, unb 
ba^ ®cbtrge jmifd^en ^öfmg unb SKobem tt^irb »on OeftretdS^em 
unb anbem T)t\xt\ä)tn beujo^nt, totlä)t »on ^oljarbeit unb S3crg^ 
bau leben; ferner finb aud^ Dioszeg, 2:]()eben, Malatska unb ®ti^ 
ring C^agar) al^ i?ortt)tegenb beutfd^ jubetrad^ten; in ber aWinber^ 
ja^l finb bie Deutfd^en in Magyar -Bei, Szempez, Boldog - falva, 
Kossut, Kajäl, Nagy-Macsed, I^pmau CNagy-Szombath), Szuha, 
Czeszte, Woröskö, Nadas, unb auf ber 3nfel ©d^ütt CCsallökez), 
JU ?>ifcf)borf (Pispöky), Csötörtök, Szerdahely, Wasarüt. Der 
5D?el^rjaf)l naö) jlnb X)eutfci^e in ©ömerein - CSomaria) unb rein 
beutf^ fmb au^er X)eutfd^ ^ 33cl unb Deutf^ ^ Si^grub no^ bie 
Orte bcr ^abaner: ©ro^fdS^üften CNagy-Lüwü),.Szobotiszt unb 
®t Sol^ann (ßz, Janos). X)te ^abaner finb 9lad^fommen bcr 
SBiebertäufer, mld)t fd^on 1548 in Ungarn einn^anberten unb 
1622 burd^ neue Bwiög^ äu^ 5Wäl^ren, n^orau^ fie ber Sarbinal 
I)ietrid^fiein vertrieb, »erftdrft n^urben. 

3n ber ®tul)ltt)etßenburger ©efpannf^aft n^urbe bie 
^auptftabt unter ®tepf)an bem ^eiligen ate SKufterfolonie ange^ 
legt» SBenn gleic^ bie bort ijerfammelten ®äfie unb 33ürger 
Chospites et cives) nid^t blo^ au^ Xeutfc^en, fonbern aud^ au^ 
®lat>en, 3tölienem u. f. tt). befianben, fo bilbete bodjii. beutfdj^e^ 
©tabtred^t bie ©runblage ij^rer Serfaffüng. Slu^er ©tu^toeißen^ 
bürg finb nod^ gemifd^t : l£rb , SÄartonöafar, Stbonp; reinbeutfd^: 
Äixman?, ©jaar, $oglar, Äojma, ®anti). 

3n ber 9teutraer (S5efpannfd()aft leben bie 9ladf)f6mmlinge 
ber alten ©ad^fen unter bem Spanten Ärifel()ager ober ^ife^a^ 
jer ju Ärife^aj, beutfd; 5>^^<>^/ ©Jöibel unb 5Waiftel, beren alte 
Urfunben ijerbrannt fmb, toeld^e jebod^ fd^on in einer Urfunbe 
Äönig Äarl^ I. tvrt>ä^nt n^erben unb i^xtx ©pradj^e nad^, n^eld^ 
mit ber ber b^utfd^en Snfaffen be^ JKarfte^ 3Wilanott)i$ im 
2öabott)i^er Greife ©ali^ien^ Slel^nli^feit f)at, im i^olften 
ober breijel^nten 34r()^^t>^^^ ^^^ 91orbbeutfd)lanb eingewanbert 
unb tt)a]()rfd^einli^ be^ ©ergbaue^ n^egen l^erbeigerufen finb, ^t^t 
finb fie möfl fleißige, mol^ll^abenbe ©erber, 2Wefferf(^iebe, ©affc? 
mxi^t unb Äaufleute; bie Slermeren befd^äftigen fid^ mit gelbbau 
unb iit\)tn aud^ jur Smtejeit in entferntere Orte ate (Si6)nitttx, 



47 

bei todä^tx ®elegen]()ett jte beim 9lu^^ unb 9lbjuge noc^ altfädj)^ 
fifd^e Sieber mit ebenfalls alten SBeifen jmgen follen» 

3ti ber ft^tx ^t\pann^i)aft fmb rein beutfc!^: ^apo^, 
9labubtt)ar, Promontorium, S:öröf:=93alint|), SCetenp, ^uba^^Sör^ 
SSuba^Äefi, S^ttp, ^ibegfut, Äonjacft, ©olmar, SBorö^n^ar, ßfo^ 
ipanfa, Sffieinborf, Sleröm, — Orte i)on 1000 — 2000 (Sinn).; 
beutf^:^un9arifd^ C^orioiegenb beutf^): Bf^^ntbecf, 93ia, 33fa^, 
aSifegrab; beutfc^^^fU^ifc^: Verbal, «^eiligenfrcuj, ß]()aba; 
beutfd^j=ungarif(i^;^flaöif^: SBai^en, Duna^^ilefäi, ©öbölö, 
©oroffar, ß^omon 

Die SBaran^aer ©efpannfji^aft jerfälff in 6 Diftrifte; im 
günff ird)ner , ©iflojer, ^rojp^ater, ®t. Sorenjer finb 374 ma^ 
g^arifd^e Drte, im ^o))ai\(i)tx unb ©aranipa ^^ ijarcr 278 beutfd^e 
0/f(^tt>dWf(i^e SEurfei'O unb 77 raijifd^e» 3m günffird^ner ©tu^I 
fmb rein beutfd^: Uj^SBanpa, Sz. Laszlo C@t, Sabi^Iau^), De^ 
»etfer, Äaffa unb SRacj ^ $eterb* günffir^^en felbfl, tt)ie Äe^ju, 
ßgerag^) ifl »on Ungarn^ SRaijen unb Deutfdjen beiool^nt. Der 
füblid^fle rein beutfc^e Drt ijl SacflfafaW; bie no^ füblid^eren 
Darba unb Selige finb au^ Ungarn unb Deutfd^en gemifd^t* 

3n ber 33atfd)er Oefpannfd^aft fmb rein beutfd^e Orte: 
efatalja, ©afoit^a, Äolut, Äemipaga, ^rigleioifta, @j» 3wan, 
Slpatin, Srefioöaq, SRacj 2)?il itit^, gilippoioa, |)obfaf, Äaratou^ 
fowar, ^arobuti u, f- lo* 

3m Sanat ift in ber SCorontaler ©efpannfd^aft ber ganje 
®re^^2Kinofd^er Sejirf biö auf loenige ©emeinben beutfd); jelbjl 
bie 95eioo|)ner ber franj. Kolonien Szolteur (Soleure, ©olot^urn), 
Charleville unb St. Hubert fpred^en beutfd^. 3tt anbern Sejirfen be^ 
ßomitat^ fmb rein beutfd) : ^a^felb, ^eufelb, 2Kapborf, Dftfrn, ©ott:^ 
lob, ©tepl^an^felb , Sllbrec^teflor, 2Karienfelb u. f lo,, im ©anjen ein 
Drittel fämmtlidjer Orte. 3n ber SEemefd^toarer ©efpannfd^aft 
ftnb am bid)tefien rein beutfd^e Orte in ben beiben obern @tü^^ 
ien 9lnbra'^ unb iip^a, irt ber Ar äff o er ©efpannfd^aft jinb bie 
©tü|)le Ärajfo unb Dran^i^a fafl rein beutfd^. 

SKörblidS^ öon ber Donau bilbet bie SÄard^ bie ©prad^grenje 
bt^ oberhalb SRaben^burg, too fte bie SCI^aja aufnimmt* 3lur 
bei bem SWarftfledten Si^grub reidj^t ba^ ©la^ifc^e auf bag 
redete Ufer biffe^ le^tew glujfe^* ^ü^tx |)inauf jtnb beibe Ufer 
beutf^ bi^ in ba^ mä))xi\ä)t ©ebirg, too ber nörbli^e Sufivt^ 



48 

5oon l)a\ä)i^ \)tx aug Um flamfci^ett ©pradj^gebiete fommt unb 
beß^alb bte mä^rifd^e-SCapa genannt wirb. 

9lud; in btefer ®egenb |)at fi^ bte beutfd^e ©praci^grenje fett 
ber S^i^f ^^ ^^^ fci^ Slömer bie erflen genaueren Slad^rid^ten 
^on ber mittleren Donau überliefert l^aben, nid^t unbebeutenb er^ 
ujeitert; benn menn anä), toit oben C®» 4) ju jeigen ijerfud^t 
tt)orben ift, 2?inbelicien unb 9loricum tt)o|)l urfprünglid^ beutf(^e 
S3e^6lf erung f)atten , beöor bie Gelten ft(^ bi^ an bie Donau au^:^ 
breiteten, fo finbet jtd^ boci^ in ber ganjen Sllpenlanbfd^aft ioor 
ber 9S6lfertt)anbentng feine ftd^ere ©pur eine^ beutfci^en SSolfe^, 
unb bie ja^lreid^en <^tdbte, mld)t bereite bie 3l6mer in ben ge^ 
nannten Donauproöinjen fanben, toä^xmi in ben rein • beutfc^en 
Sanben, jn^ifc^en bem fR))tin unb ber Donau, felbfl fpater|)tn nid^t 
eine einjige »orfommt, liefern ben Sdtmi^, baß ba^. beutfi^e ßle^^ 
ntent auf bem redeten Donauufer bem feltifd^en unterlegen war ^. 

©elbfl öon ber eigentlichen SSölferwanberung fd^eint ba^. rö^ 
mifd[;e 9toricum unb VÖ)&iitn am längflen »erf^ont tt)orben ju 
feim Die ®oif)m, totlä)t Ui bem Sinfalle-ber Hunnen in @u^ 
ropa C3753 ^om Don bi^ jur Donau faßen, na]()mcn i^ren 3^8 

2) SSenn oben b« hUi\ä)t Nationalität ber NoxiUx in S^^ifrl öeiogen 
Worbfit ijl, fo foU t>a€ Uint^m^^ »on ber öanjcn SBcöölFerung bcd gropea ®c- 
btcted gelten, toeldjed bie S'lÖmer mit biefem Namtn bejeidjinetett unb in bem 
fie — namentlicJ^ in ben 5ll|)engegenben — »erfc^iebenc einzelne 23i)Iferfci^apen 
naml^aft madjen, fonbern nur »on ber SBeööiferung im Uferlanbe, tüo fein be* 
fonberer ©tammname »orFommt, unb »on too ftd(i bie greien bei bem Slnbrang 
ber Gelten jum X()ei( auf bad linfe ÜDonauufer gebogen l)ahtn mögen; totni^ 
jlend pnbett toix ba in ben ^Jiari^Fern einen »ernjanbten ^tamen. 5ludS> %ah e* 
mel^rere Stäbte, bie ben ^Jiamen 9?orej[a trugen, ©trabo fennt tin 9Jorej[a 
an ber füblidjen 5lbba^ung ber mptn Lib. V. p. 328), bie 95euttngerfdi>e Äarte 
ein anbered an ber öfllic^en Slbbadjung — im t)xavit^aU — unb Säfar B. G. 
L. I. c. 5) fd^eint »on einem britten ju reben, toelc^ed toir an ber nörbli(|ien 
Slbbad^ung ber %ipm »ermutigen muffen; benn felbfl !Wannert, toitm^l er bie 
Gelten für bie äittfttn befannten ^elDol^ner )}on ©übbeutfdf^Ianb l^alt (©eogr« 
ber ©riedjen unb Olömer Z% III. <S. 474), fann boc^i nid^t annelj^men, baf 
bie Sojer bed Säfar Ncxtia im 3)rautl^alc, bie $au|)t|labt ber Xauridfer, 
b. |i. -— nadji !Wannert a, a* D. <B* 487 — a)xti eigenen SBolfe« belagert Ifia- 
ben foKten. Demnadji ti^äxt bann bad ben 9li)mem tvegen feined (Seifend fdf^on 
friili befannte 92orej[a im !£)räut(iale ta^ol^I aU bie üJ^utterftabt an)ufe()en, unb 
bie beibfn gleidfinamtgen 35flanx|läbte um fo elfier in frcmbem Gebiete |u 
fudjijn, bad eine am 3fönjo Ui ben itarnern, bad anbere im germanifd^en 
Uferlanbe ber Donau* 



49 

nad() ^talitn im ®üben bcr 9llpen 0- Sltttla aber jog im 
91 orten ber !I)onau jum ?fi\)m 0/ tt>obl auf bemfelben SBege, 
ben bie SSanbalen, etma 50 ^af)xt frül^er, and) fd^on genommen 



3) SBor bcm (SinfaKc ber <?>«nnen »aren beutfc^e SSijlFer öom I)oit bid |ur 
9?orbfee fc§(>aft. ©an^ im DfJcrt bie ©otli)«!, n)flc()c »om fdjtoarjen S!)?ecre btd 
jur Opfcc ^errfc()tett; »e|llic| »on i(;nen bie 33anbalen an ber Xl^eif unb om 
SWarofc^, unb toeiter l^inauf an ber Donau, bereite im hjirflidjen X)eutfc^lanb, 
bie ÜOiarfomannen, cf. Jemandes Res Gothicae L. I. cap. 22. (Wandali) 
»erant in eo loco ftiancntes, ubi Gepidae sedent, jiixta flumina Marisia, 
Miliare et GilGl et Grissia (Thyssia), qui amiies si^pradictos excedit. Erant 
nanique illis tunc ab Oriente Gothi, ab occidentc 31arcomanni , a septen- 
trioue Hermunduri, a meridie Hister, qui et Danubius dicitur.<< !Dte ^an* 
balen festen erfl nad> 5)annonien über unb jogen bann im 5lnfang bed fünften 
3a]^rl)unbertd unftreitig »om sterben hft X)onau an ben di\)tin, SBergL Procop. 
Bell. Vand. I. 3. (ed. Bonn. Vol. I. p. 319> Die SBeflgot^en begaben ftcj 
burd^ Wto[\tn nac^ 3U9rien, bie Dflgct^en burd^ ^J^nnonien unb SU^rien na^ 
Stalten. — Die beutfc^en SBöIfer^eere jener ßtii, unb namentlich bie ©Otiten, 
ju beren <Stamme aud> bie Söanbalen unb ©epiben gerechnet njurben, vertrieben 
aber bie be{tegten $i>lfer nic^t, wie bad gu (Safari B^t^^n üblic^ v^ax, fonbem 
ftr maö^ttn jid^ biefelben nur bienftbar. 2öir Bnnen beg^atb feine^weg« an* 
nelj^men, baß bie eigentliche beutfd^e @|jrac|jgrenje fid> je hii an ben Don er- 
ftrerft f)aht, ober »ir müßten biefelbc bann aud) über 3talien, granfreic^ unb 
©panien, ja felbft über bie 9Jorbtoe(tFüfte »on 5lfrifa auöbel^nem 

4) Die -^ülf^üÖlfer, n^eldje im $?ere 5lttila'^ genannt tütxUn, ©ueöen, 

Duaben, 9)^arFomannen, fingier, -^eruier, X^üringer unb granfen, bejeic^nen 

ben 2Beg, »eichen ber ÄiJnig ber Könige nal^m. Die 5llemannen »erben nid^t 

genannt; unb ba er ben 0lÖmern ))orfpiegeln trollte , ed gelte fein 3ug ^aupt* 

fädjlidj ben 2Be(tgot()en in ©allien, fo brad^ er fc^werlid^ in bie römifc^en 95ro* 

)){n}en 92oricum unb dii)dtitn tin, tDo übrigen^ an(!^ hii ^um Untergange bed 

»ejtrÖmifd^en 9^eid>ed befclbete Ärieger in ben befefligten Donaujtabten unter* 

l^alten n^urbem $ergL Sidonius Apollinaris. Paneg. in Avitum Carni. Yd. 

V. 320 cett. 

.... »subito cum rupta tumultu 

Barbaries totas in te transfuderet arctos 

Gallia, pugnacem Rugum comitante Gelono. 

Gepida trux sequitur. Scirum Burgundio cogit, 

Chunus bello notus, Neurus, Bastarna, Toringus, 

Bructerus, ulvosa quem vel Nicer alluit unda 

Prorumpit Francus; cedit cito secta bipenni 

Ilercynia in lintres, et Rhenum texuit aino 

Et jam terrificis diffuderat Attila turmis 

In campos se Belga tuos" .... 

Hist. Mise. L. XV. c. 2. (Bibl. Max. Patr. T. XIH. p. 269.) . . . »Erant 

»ubjecti ejus (Attilae) dominio . . . . rex Gepidarum Andaricus. Walamir 

©crn^ttrbl, Bpxa^tattt, a 



80 

l^atten» S^t^^i^M^ blieb 9iürtcum bi^ ju bem Untergange fce^ 
tt>efirömifd)en Sletd^e^ i)on ben SRömern befcftt 0/ unfc tt>tett)o]^I 
Dboafer um^ ^ai)x 487 eine große 2lnja]()l ^roöinjialen au^ bem 
i)on ben I)eranfiürmenben beutfd;en SSölfern bebrängten 9^oricum 
mä) Stalien geleiten ließ, fo gab er bie ^roi)inj felbjl barum 
gett)iß nic^t auf, benn er \)atit ja fein 3lnfef)cn erfl eben burd^ 
einen glücflid^en S^'^i^^g g^g^^ ^^^ 3lugier fogar auf bem linfen 
2)onauufer geltenb ju macben gemußt ^3. Slud^ fönnen nidjt alle 
^roöinjialen bamal^ nad) 3talien gen^anbert fein, ba X\)cf>\>tnä), 
ber ^ßntg ber Dfigotl^en, noä) im 2ai)x 496 95efe]()le an bte 5>to^ 
»injialen in 9loricu8t erlaffen (jS>. 42, Sinnt» 7) unb, tt)ie e^ 
f^eint, bie Donau al^ nörblid^e ©renje feinee Sleid^e^ beljaup? 

2Wit feinem im ^a^x 526 erfolgten Slobe änberten fiä) aber 
biefe 9!erl;ältniffe» Son ber einen (Btitt brangen bie Songob'ar^ 
b^n über bie mittlere Donau nac^ ^annonien, unb "ifü^tx l^inauf 
finben tt>ir plö^lid; in bem großen SanbfiridS^e »om itä) bi^ nac^ 
5>annonien unb »on ber Donau bi^ an bie Sllpen ein bi^ bal^in 
nod^ nidj^t genannte^ ffiolf, bie 33aioi)aren ''D C^Sajobaren, 



(lothorum rcgnator . . . fortissimae . . . gentes Marcomanni , Suevi, Quadi, 
praeterea Ileriili, Turciliiigi sive Ru^ cum prppriis Regulis aliacque Bar- 
barae nationes Aquilonis in finibus "commorantes. ... Ad Valentinianum 
vero Impcratorem legatione missa pacem simulat, ad ulciscendos Romanos 
de Gothis et restituendas Rcipublicae Gallias et Hispanias pergere sc do- 
lose denuntiat.<< 

5) Eugippius, Vita S. Severini Sect. 20. «Per idem tempus, quo Ro- 
manoruni constabat Imperium, multorum milites oppidorum pro custodia 
limitis publicis stipendiis sublevabantur. Qua consuetudine desinente si- 
mul militares turniae sunt deletae cum liniite Batavino (b. u ber ®xtny 
toaü bei 5)a([au) utcunque numero perdurante." 

6) Ibid. p. 38. . . . Quaproptcr Rex Othacar Rugis intulit bellum . . . 
p. 39 . . . Post . . . Amolfus . . « praecepto fratris (Othacaris) admonitus 
univcrsos jussit ad Italiam ' migrare Romanos. T)(efe S^ugter, bcrcn 5lÖntg 
Seletl^euö i)it^, too^ntm SBten gegenüber am linfen Ufet ber !Donau, unb 
bleuen, tm (Solbe ber OlÖmer, mehrere ©täbte an ber ©renje »on ^Jiortcum 
unb ^Jannonien Befe^t (Vita Sev. p. 1). 5lt^ nun nad^ 5lufli>fnttg ber befol^ 
beten römtfc^en ®renjtru|)|>en bie 5llemannen unb bie X{)üringer eine ®tabt an 
ber Xonau naci) ber anbem überfielen unb eroberten, ^^atte getet^eu^ bie ge* 
pdjteten S^Ömer in bie fehtem <3d>u^e vertrauten (^täbte öer|)flanjt. 

7) 3ornanbe« nennt j»ar (de Reb. Get. c. 55) bie S3ajobaren fdj^on 



gl 

Sajoaren u* [• toO, o^nt baß We gletd^jeitigen ©dJiriftflelTer einer 
folc^en ©ntt^anberung and) nur mit ©nem SBort ermäl^nen, tt^d^^^ 
renb fie fcod; über fcte ^crfd^tebenen SBanberungen fafl aller be^ 
nadj^barten Stämme, j. 33. fcer 0%f>ti)m, ber Songobarben, ber 
^eruier, ber Slugier unb anberer me^r ober n^eniger genaue 33e^ 
richte erfiatten. Xiefe^ ©d^weigen ber ©efd^ic^te, Jjerbunben mit 
ber SC^atfadj^e, baß nod^ je^t in biefem ganjen Sanbfiri^e tint 
einjige ^auptmunbart berrfc^t, bie fid^ fogar bi^ in^ Sliefenge^ 
birge ju erflredfen fc^eint, fprid;t für bie Slnftd^t, baß bie urfprüng*^ 
lid()e b^utfd^e 33ei?ßlferung nie ganj untergegangen, fonbern nodj) 
ioJt)lxtiä) genug roax, um, nac^bem jie »on bem SRomerjod^e befreit 
unb xugleidj) burc^ einmanbernbe ©tammgenoffen »erflärft ujorben, 
tt)ieber fetb^änbig aufzutreten. 



|um 3a^r 474: nNam regio Suevorum ab orienle Bajobaros habet, ab 
occidcnte Francos, a meridie Burgundiones, a septentrione Thuringos«, ba 
jcboc^i bie gwnfcit cr(l nac^ 496 ^a^haxn ber ^ueven »urben, unb tn ber 
dxicU^iun^ bed 3ornanbed bte ^(emannen noc^ au^brücfltd^ genannt tverben, fo 
rebet ber S?erf. f^ier offenbar »on feiner 3^^^ ^* (>♦ ftwa »oin 3a()r 530. — 
Dafür f|jri(jfit auc^, baj er im Äa|). 53, t»o er bie SßoJSjnfi^e einer anbern 5lb* 
tjicilung ©ueöen, »ie biefelbe jur 3^1* ^^^ erjä^jUen Se^^ebenl^eit »aren, be* 
fd^reibt, nid^t ba« JJräfen«, fonbern bad 3m|)erfectum gebraust: .... 
99quia Dalmatiis Suevia vicipa erat, nee a Pannoniis miiltum distabat, 
praesertim ubi tunc Gothi residebant.^ Diefe <Sue)9cn tt^aren tvof^i bie ^a^* 
fommen ber üon Xiberiu« jtoifc^en ben Slüffen !D^uc^ unb ft3ran angejiebelten 
Slnl^änger be* !Warbob unb Sattoalb (§. 1 Slnmcrf. 16), tocU^e auci^ 5)roco|). 
(Bell. Goth. I. 15) ali ben Ojlgotl^m untertt»orfen »on bcn ben granfen un- 
lertoorfencn ©ueüen unterfc^eibet. 

gortunatud, toelcjer !urj »or bem Cinfafle ber Songobarben in 3ta(ien 
(ettoa 569) eine Steife burci^ Sti^itien machte, fanb bie Sajoaren am it^, 
ijergl. De Martino L. IV. (ed. Broweri p. 343): 

»Pergis ad Augu^tam quam Yiiido Licusque fluentant 
Illic ossa sacrae venerabere martyris Afrae, 
Si vacat ire viam, nequc te Bajoarius obstat . . . 
Qua vicina sedent Breonum loca, perge per Alpem 
Ingrediens rapido qua gurgite volvitur Oenus^ . . . 
^aö) bem 3«M0ni(Ff be« im 8ten Saijjr^jurtbert tebenben J)* D. SBarnefrieb 
Waren bie (S)renjen be« 3?aierlanbe« bereit« um« dai)x 590 biefelben, »elc^e e« 
aud^ fpäter al« ^er^ogtl^um (^atte. Paul. Diac. de Gest. Longob. L. III. c. 31 : 
»Noricorum provincia, quam Bajoariorum popuhis inhabitat, habet ab 
Oriente Pannoniam, ab Occidente Suaviam, a iperidie Italiam, ab aqui- 
lone vero parte Danubii fluenta.^ 

4* 



32 

SBelc^en 9kmm btefe einwanbemben ©tammgenoffen big ba^^ 
\)xn 9cfüf)rt unb »ol^er fie junädjft gefommen feien, ba^ totrb fldj) 
fc^ttjerltd^ mit ®tm^\)t\t ermitteln laffen; mü man jebod^ Ser^ 
mut^ungen 5Raum geben, bann beutet ber neue 9tamen SSajo^ 
»aren mo]()l auf 2Wänner,*bie big baf)in in SBßl^men fe^l^aft 
gemefen. T)a\)in waren bei bem S?orbringen ber Slomer gegen 
bie obere X)onau el;ebem bie 2Warfomannen gebogen, unb »on ba 
l^olt au(^ eine baierifc^e ®age beg 2WitteIaIterg bie aU 9lortfer 
»or ben dtömtm genjtci^enen unb im Slnfang beg fed^ften 2ai)x^ 
^unbertg aU S3ajoaren juräcfgefef)rten 2?orfa|)ren ber l^eutigen 
93atern ®)^ 

ßnblid^ »erbient aud^ bag nod^ S3ead^tung, baß bie 93ajoa^ 
ren, »on i^rem erften Sluftreten an, in einem gemiffen 9lbbÄngig^ 
feitgöerf)ältniffe ju bem Äßnige ber granfen fielen, of)ne baß eineg 
^ampfeg jmifd^en i^nen unb ben granfen gebadet tt^irb % 9lun 
aber gab ber Zoi beg oftgotbifc^en Äönigg SC^eoberid^ iugleidj) 
bag Signal ju bem Kampfe ber granfen gegen bie SC^üringer* 
2)ie ^auptfc^lac^t fiel im 9Jorben beg" fRtid)^ unweit ber Unfhrut 



8) Chronic. Salisb. ad anii. 508 (Pez. Scr. R. Austr. T. I. p. 329). 
rlloc tempore gens Noricorum prius expiilsa revertitur ad patrias sedes 
Duce Theodone, Latinis ejectis; ^Jln^ar (SRÖm. ^oxicnm Z\)U I. ©♦ 407) 
füli^rt aui ber w$a(fauer St^rontf" bie folöcnbe ®*eUe an, toeldje auf bte 33o][cr 
^mbeutet, inbem ba »orauiJgefe^t r»irb, baj bie SBajoarier Slnfangd nod^ eine 
feltif(3^e ober toenigflen« eine unbeutf(]jie S!)?unbart gcrebet IS^ätten: Bajouuarü 
relicto proprio idiomate teutonicum a Teotonicis accommodaverunt. ^a* 
türtidSl FÖnnen beibe S^wgniffe nur ali ®agen in SBetrac^t fommem 

9) !iCer erfle 5tÖnici ber ^ojoarcn, beffen ^amt öon einem glaubtoürbigen 
©dfiriftfieUcr genannt toirb, ifl ©artbalb. Paul. Diac. G. Longob. Lib. III. 
c. 10. rEvin qiioque Dux Tridentinorum . . . accepit uxorem filiam Ga- 
ribaldi Bojoariorum regis." (£ben biefer ®aribalb toirb aber öon ®regor 
»on Xour« «Dux« genannt (L. IV. c. 9. Regnum ejus [Theodobaldi] Chlo- 
tocharius rex accepit, copulans Yultetradam uxorem ejus Strato suo; sed 
incrcpitus a sacerdotibus reliquit eam, dans ei Garivaldum ducem), 
unb 55<»ulu6 5)iaconu« nennt if)n in einer anbern Stelle — toit e« fdjeint nati^ 
longobarbifcfien Duellen — einen I)ien|hnann bee 5lijnig« ber granfen (Paul. 
Diac. G. Long. L. III. c. 21. Secunda autem (Regis Longobardorum filia) 
dicta est Waldcrada, quae sociata est Cusvald [Theodebald] alio regi 
Francorum, quam ipse odio Habens uni ex suis, qui dicebatin* Garipald in 
conjugium tradidit. 9Jaulud Ij^ielt freiließ biefe beiben ©aribalb« für jtoci »er* 
fd^iebene !0?änner, barum ifl jebod^ bie ßrjählung an fic^ nicht minber glaub* 
toürbig. 



83 

5oor, boc^ warb aud^ im ©üben ftefämpft, »enigjten^ totrb i)on 
Sl^lotar, ber feinem ©ruber SC|)eoberic^ 33eiftanb leifiete, 
gerühmt, baß er außer ben Sl^ürittgern noc^ ein anbere^ unge^? 
nanntet 3SoIf an ber 9iab gef^lagen l()abe ^% 

!I)ürfte man unter biefem SBotte bie 93ajoaren i)erjlel)en, bann 
wäre e^ um fo wal^rfd^einlidjer, baß bie »on ben anbringenben 
©laöen au^ 93ö^men tt>eicf)enben beutfd^en Stämme mit ben eben^ 
faC^ öon ben ®lai)en gebrannten SC^üringem, weld^e fcf)on feit 
bem Saläre 457 bi^ nac^ 9loricum ftreiften *0 unb i^r Oebiet 
bi^ an bie Dotiau erweitert l)atten C®» ^^, Slnm. 7), gemein^^ 
fd^aftlidS^e ©ad^e gegen bie granfen gemad^t unb nad^ ber i)erlo^ 
reuen ©c^lad^t bie Dber^errfcf)aft beö ©ieger^ anerfannt bätten. 
Db fie [iä) fortwäl^renb im Slabgebiete behauptet ^aben, ift jwei:^ 
fet^aft, aber in bem alten ©tammlanbe i^rer SBorfa^ren, auf 
ber redeten ^titt berI)onau, bilbeten fte, mit ben beutfc^en Sin^ 
wo^nern ju ®nem SSolfe ijerfd^meljenb, unter fränfifc^er Dber^^ 
\)o})üt eine^ ber mäd)tigften beutfd^en ^erjogt^ümer *.^> 



10) ai^Uiax ()alf feinem 33ruber Xl^eoberit!^ bie %f)üxin^ix ^d^la^tn (Greg. 

Tur. H. Franc. Lib. III. cap. 7. Theodoricus autem Chlotharium fratreni 

suum et Theodebertum filium in solatium adsumcns cum exercitu abiit [in 

Thuringiam] unb sBenantiu^ gortunatu^ fagt in einem (Öe'bi^it an Sf^lotar*^ 

®ol)tt ©iegbcrt (Carm. L. VI. 2): 

. . . . cui de patre virtus, 

Quam Nabis epee probat, Thoringia victa fatetur 
Periiciens unum gemina de gente triiHnphum, 
SJergL ba^ Schreiben bc^ Stcni^^ Xlj^eobobert an ben Äaifer 3ujlinian, too mit 
ber UnterjocJ^ung ber X()üringer bie Unterwerfung bee mäctjtigcn 33olFe0 (Maje- 
stät) ber ^^orfa^en in ^erbinbung ^tbxaä^t tvirb: »subactis Thuringis et 
eorum provinciis acquisitis, extinetis ipsoruin tum temporis Regibus, Nor- 
savörum gentis nobis placata Majestas coUa subdidit.^ (D, Bouquet T. lY. 
p. 59.) ^üxi\(i)t (S^toaben toäre feine üble 33cieic^nung für bie Katern, »enn 
über^au|)t bie 2(^axt rid^tig ifl, ^JgL Agath. Hist. L, I. c. 4, xoenaä) X^eobe- 
bert U^ nac^ %i)xacitn »orbranc^. 

11) Eugippius Vita S. Severini Sect. 26. »Quicumque enim ibidem 
(in Battavis oppido) , . . manserunt Thuringis irruentibus . . . alii quidem 
trucidati alii in captivitateni deducti poenas dederunt^ ... 

12) SÄannert ((^t^^, ^aitxn^ 33b. I. ®. 10) erJlärt bie be»orjU0te (Stel- 
lung ber in ben bajoöarifc^en (Defejen, außer bem agilolfifc^en $erjogd* 
flamme, namentlici^ aufgefül;rten fünf gamilien felj^r f(<iarfftnmg an^ bem 3Ser* 
f(|>nieljcn ber S'tugier, ber (Seigren, ber Xurcilinger, §erulcr unb Dna* 
ben^ )>on benen jeber ^olf^flamm feine rrblidjien i>ävLptiin^t ge^^abt ^abe* 



84 

Uebrigen^ U^öfx&nttm fi^ bie 33atem fetne^tt)egö auf We 
urf})rüngltd^en ©renjett !I)eutfd^lant>^, fonbem ftc eTOetterten iit^ 
felben fe^r beträd^tlid^ gegen ©übofien. l)it ^tit, ttjann btefeö 
gefci^ef)en, läßt fid^ mit xiemlid^er ^ttoi^^tit angeben* 311^ bte 
Songobarbenv weldje Slubotn, ber 35ater 2llb o in ö, im 3^^^ 
526 in ba^ ^on ben Dftgüt|)en ioerlaffene 5>annonien gefül^rt 
"i^aitt, im 3a]()r 568 na^ Stctlien abjogen, traten fie biefe fxo^ 
"oini ben il^nen befreunbeten 31 ö a r e n ab *^). l)iefe beöölferten 
ba^ 8anb, wie e^ fd^eint, mit ben i^nen bienftbaren Slawen ^*D 
unb bef)nten i^re ^errfdjaft aud^ über bie ©renjen be^ eigentli^s 
d)m ^annonien^ au^, -n^elc^e^ burd^ ben Äa|)lenberg »on 3loxU 
cum gefc^ieben tt)urbe, S'Jadjbem jebodj) beten SWad^t burd^ Äarl 
ben ®roßen im 3a]()r 791 gebrod^en unb bte Djtermarf unb bie 
farantanifd)e SWart errid^tet n^orben waren, würbe bie beutfd^e 
®prad;grenxe burd) Äolonifation bi^ jum 5>Iattenfee ioorgefdfjo^^ 
ben ^^D; audj) warb ben Äroaten, ben langjährigen geinben 

5lber um auö folc^cn »crfprcngten S3olf^(^aufen — benn aU felbfijlänbige SBöl«« 
ferfcfiaften bcflanbcn pe ntd()t mcl;r — einen gefcJ^lojfenen ®taat unter einem 
einjtgen £)ber]!)au))te gu btlbeU; ivte bei ben ^ajovaren bie^ ber %aU b>ar, baju 
gejiörte eine »orwdtenbe ^a^i, an toeldSie jene ftdj^ nur anfd^loffen. 

13) Paii]. Diac. de Gest. Long. L. II. c. 7. Tunc Alboin sedes pro- 
prias h. e. Pannoniani, amicis suis Huniiis (^qui et Auares<< L« H. c. 10) 
contribuit, co scilicet ordine, ut si quo tempore Longobardis necesse esset, 
reverti, sua rursus arva repeterent. 

14) Ibid. L. IV. c. 7. „His diebus (595) Thassilo a Childeberto rege 
Francorum apud BajoA'iam rcx ordinatus est. Qai mox cum exercitu in 
Slavorum provinciam introiens patrata victoria ad solum proprium remeavit.« 

Ibid. L. lY. c. 11. »His iisdem diebus Bajoarii usque ad duo millia 
virorum super Sclavos irruunt, superveniente Cacano (Auarorum duce) 
omnes interficiuntur.« ©er Urgroßvater bfefe^ 9Jaulud !r:iaconud fanb umd 
3al^r 650, auf feiner glucjfit ani S^annonten, n)0 il^n bie 5löaren- gefdngen l^tel* 
ten, naÖ) 3talien, tool^ltooüenbe Slufhal^mc in einer ©laöenpttc unb toarb 
»on ber 33etoo]^nerin berfelben »erborgen unb mit Lebensmitteln »erfel;en. Ibid. 

L. IV. c. 39. 

15) V. Engd, Gesch. des ungar. Reichs. Wien 1813. Thl. I. S. 67. 

nAmuIf herrschte 899 bis an die Donau^ . . . nim heutigen Kreise ienseits 
der Donau (b.^^, öott Ungarn aud gercd^net) befanden sich bis Veszprim 
oder Weisbrunn hinab «deutsche Ansi&dler (Theotonici — die Vorfah- 
ren der heutigen Hienzen); tiefer unten aber sassen Italiener, welche 
Carl der Grosse* zur Beschützung der Grenzen wider die Avaren hatte 
kommen und dort ihre Sitze aufschlagen lassen, wo sie ansehnliche Vieh- 
herden besassen.« (Pascua Romanorum.) 



83 

ber Slöaren, bte ftci^ mit Srlaubniß tc^ Äaifer^ ^erafltu^ um^ 
3a|)r 640 in Dalmatten niebergclaffen I)atten, auf il^rcn SBunfd^ 
gejlattet, tie ^annonia ©a^ia Cbci^ Sattb jmifci^en ber @au unb 
ber X)xavO unter ber 33ebingung ju befeften , ba^ jie bie fränfi:»' 
fd^e Dber^errfdf)aft anerfenneten ^% @^ würbe ba|)er l^ö(^fl wa^r^ 
fc^einlid) bie X)onau bi^ jum fiinfluß ber X)rau bie ®prad)grenje 
Deutfd^Ianb^ gett)orben fein, n^enn nidj^t bie »om Äaifer Slrnulf 
im 3a]^r 893 jum Äriege gegen ben gürfien ©n^atopluf »on 
3}lSf)xm l^erbeigerufenen SKagparen il^re ftegreici^en SSBaffen auc^ 
gegen Deutfci^lonb gen^enbet l^dtten» 311^ ndmlidf) Slrnulf im 3* 
899 gejlorben toax, gingen fte al^balb unter|)alb Öfen über bie 
!I)ondu, eroberten 55e§j)rim unb festen fi^ nidj^t nur für im^ 
mer in $annonien fejt, fonbem verbreiteten and) t)on ba aug 
®ä)xtdtn unb SSern^üflimg burd^ ganj Deutfd^lanb, bi^ fte enb*^ 
lid^, nad^ ber im 3ö^r 955 am 8ed) erlittenen 9lieberlage, bem 
ei^riftent]()ume unb beutfd^er Äultur jugdn^id^ würben. — Die 
in fo mand^er S3exie]()ung le|)rreid^e ©efd^id^te ber Deutfi^en in 
Ungarn, ju wefd^er fc^on ®cf)löjer ^"^3 tint trefftidf^e Orunblage 
gegeben l^at, fann nur von einem einl^.eimifd^en ®efc^id^t^forfd^er 
genügenb bargefietlt werben; l;ier muffen wir un^ auf biejenigen 
S'ladS^rid^ten befdjränfen, -weldje fic^ unmittelbar auf bie gefiflet 
lung ber duneren ©prad^grenje unb auf^ bie größeren <Bpxaä)in^ 
fein in Siebenbürgen unb in ber 3ip^ bejie^em 

Ueber ben 9leuftebler ®ee-f)inau^ fd^einen \i6) bieSWagparen 
gar nid^t ausgebreitet ju ^ahm: benn als nadj) ber ©dj^lad^t am 
itd) ber bamalige SWagparenfürft 3 ^ l ^ <^ ^ f^'^^ weftlidj^e ©renje 
gegen bie anbringenben Deutfc^en fid;ern wollte, fiebelte er tint 
Slnga^l aiuffen, bie in feinem ^eere bienten, Ui SBiefelburg 
an, im)ä)tn bem Sleujteblerfee unb ber Donau, unb im ©üben 
beffelben ®eeS eine Kolonie fireitbarer.^etfc^rnegen ^®> Ob 
bieß ber Urfprung ber auf ber ©prad^farte angegebenen ftavi^ 
fc^en ©prac^infeln jwifd^en bem beutfd^en unb magiparifd^en ®tf 



16) SchafTarik Gesch. der slav. Sprache. Ofen 1826. S. 230. 

17) ÄMtifc^e ©ammlungen ^ur ©efdjidjte ber jDewtfdjcn in ©ifbcnbürgen. 
mtu 1795 ff. 8, ma(^ ben neueflen ftatiflifc^en ^ecic^ten jä^te man 1842 tn 
ben 248 ©täbten Ungarn^ 1,887,150 Cintoo^ner unb barunter 292,850 Deutfti^e» 

18) ö. (Jngel a. a. £). @- 93. 



»6 

biete fei, ba^ laßt fid^ ol^ne Äenntniß ber über jene Drtfti^aften 
gen^ig ttoc^ »or^anbenen Urfunben unb b^r bort |)errfc^enben 
3[Runbartett md)t entfd^eiben. Da^ 8anb öom Sleujieblerfee bi^ 
gur Snn^ n^arb aber burc^ ©trctfjüge ber Ungarn fo ^eimgefud^t, 
bag eö wüfte ju n^erben begann unb burd^ neue Äolonijten au^ 
Deutfc^lanb, bie fi^ burc^ fefle ©täbte ju ft^ern fugten, »ieber 
beöolfert werben mußte, Sm ^a))x 979 »arb ju biefem Qmtd 
bie ©tabt SBiefelburg an ber ßrlaff befeftigt *«)• pnf So^re 
fljäter tt>urben bie SWagparen, n^elcbe [id) in 2W6lf feftgefeftt ^at^ 
ten, »om SKarfgrafen Seopolb aud^ au^ biefer <St«Uung »er^? 
trieben, unb bie Orenjen ber 2Warf n^ieber big an ben Äal^len^ 
berg auggebef)nt; ba^ Oebiet »on ba big jur Seit^a n^arb jiebod^ 
erjl im 3g|)r 1043 förmlich an I)eutfd^lanb abgetreten unb ba:== 
burdj) bie beutfdjje Sprache bafelbfV für immer l^eimifd^ gemad^t ^% 
T)it T)mt^ä)tn in Siebenbürgen bilben l^au^^tfäd^lid^ 
brei ©prad^infein, beren SbMo^ntx fämmtlid^ »on »erfc^ie^ 
benen Slieberlaffungen l^errü^ren unb erfi fpäter aU Sine Station 
mit gleid)enSRed^ten auftraten: l)bag eigentlid^eSad^fenlanb im 
©übtt^eften, n^eldjeg brei ©ejirfe umfaßt, mmlid) bag -Slltlanb 
Can ber Slluta ober 2llt) mit bem 1160 gegrünbeten «^ermann^^ 
ftabt öon «20,000 (£intt)o]()nem, ber «^auptftabt beg ganjcn £an^ 
beg, unb 9lepg; bae SBalblanb Ccim 3Warofd^3 mit ben ®tä^ 
bten Sleißmarft unb 33roog ober Szassväros Cfpr, ©aßwarog 
= ©ad^fenftabt), 1199 erbaut; unb bag Sßeinlanb am gro^^ 
ßen Äofel mit ben ©täbten ©d^dßburg, »on 8000 dinto., 
1199 erbaut, unb 2Kebiaf^ ober 2«ebtt)ifd) ober aWegiefd^, 1146 
erbaut, 

2) 2)ag 9lßgn ertaub, im 5«orben mit ber ^auptfiabt SdU 
jlri^ mit 7000 ©n»,, 1206 erbaut, unb Siobna ober Slotl^en:^ 
au, nad^ bem rotten S3leierj ber nal)en S3ergtt)erf« genannt, 

3) 2)ag SSurjenlanb im Sübofien mit ber ^auptjtabt 
Äronfiabt, 1203 erbaut, »on 30,000 g., mit einer beutfd^en, 
einer ungarifd^en unb einer n^allac^ifd^en Sorfiabt, 



19) Die betreff enbe Urfunbc pnbet [i^ Ui @4>(ö|er Wtifc^c ©amml.) 
®. 385, 

20) ö, Cttöfl @, 100 wnb 142, 



&7 

S3et weitem nictjt t>a^ ganje ©ad^fenlanb tfi »on Xeutf^en 
bett^ol^nt , fonbem biefe leben metjl mit SBallad^en gemifd^t , ja 
mk Orte jinb rein n^attac^if^* ^ennannjtabt felbjt \)ai außer 
X)tui\d)tn anä) SWagparen unb SBaßac^en ju ©eujol^nem unb 
einen reinbeutf^en Ort gibt e^ im ^ermannfiäbter ©tul^l gar 

2Benn man bebenft, baß [xä) in ber Ärimm ©puren ber got^i::! 
fc^en ©praci^e bi^ in ba^ fe^jebnte 3a^rbuncert erhalten ^a*^ 
htn ^0/ [o fann man bte SWöglid^f eit , baß audj) in ben ungari;^ 
fc|en ©ergen Ueberbletbfel jener S'Jatton jurürfgeblieben feien, nid^t 
unbebingt in Slbrebe flellen; inbeffen fmb bocb nid^t nur bie ^o^ 
genannten fiebenbürgifc^en ©ad^fen, fonbern aud^ bie 3tpf^t 
2)eutfd^en unftreitig fpätere Slnftebler, tok [xi) ba^ au^ ben nod^ 
öorl^anbenen Urfunben ergibt, tt)o fte glanberer — erjl fpdter 
©ad^fen — genannt unb aU eingelabene (S5ä|ie — hospites 
vocati — Jbejeic^net n^erben ^^> X)ie allererften Slnfieblungen öon 



21) A. G. Busbequii Legationis Turcicae Epistolae lY. Francof. 1595, 
p. 258, m avLd^ eine Slnja^l bfutfc^er SBörtcr, »clc^e nod^ 1550 tn ber ^rimm 
im ®ebrau(te »aren, öergeidjnet fmb. SBergl. au^ ©c^affariF, ^S(a»i fc^c Sil* 
Hxt^ümtx, 2tipii^ 1843. (S. 426 unb bte bafelbfl genannten ©C^riften, nament* 
Ht!^: A. y. Humboldt, Kritische Untersuchungen über die historische Ent- 
Wickelung der geograph. Kenntn. von der Neuen Welt. Aus dem Frauz. 
von Ideler.- Berlin 1836. (S. 78 unb 514. 515. 33. 

din SSerjetc^nifl beutfdjer ©c^riften über bie ©iebenbiirger ©adjifen f. Mg. 
StQ, 1844 Beilage <B>, 54; öergl. ferner /»Ungam unb Siebenbürgen, gefdjilbert 
»Ott Dr. 2Ö. etricfer^' granffurt 1847, ©. 153—168. ©ermania I. ®. 10 
m 12. 101 — 126. Die (SJrunbüerfaffungen ber «Saufen unb U)n ©djicffale* 
(Sttt 33ettrag |ur ©efc^ic^te ber Deutf^ien auper Deutfc^lanb. ^ermannfiabt, 
1839. @tr. 

22) Die Urfunbe »on 1189, »orin bie Umgegenb »on $ftmannflabt »de- 
sertum^ genannt tPtrb^ »quod gloriosae roemoriae Geisa rex (1141 — ^61) 
Flandrensibus concessif«, unb ber befannte. Stei^ett^brief be^ :^iMttg^ $(nbrea0 
II. »Ott 1224 pnben fic^i in ©dj^Iöger^ »rÄrit. Sammlung^' @. 26. ©. 511 ff. 
». iSngel (33b. I. ©. 284) bejietjt bie Sluetvanberung, bereu in einer (S^ronif 
»Ott ^ntti^ ©rtoälSinuttg gefc^ie()t, auf bie fiebenbürger ^otcniften. Diefe 2üU 
tidjer foUen pc^ aber in ber ©rlauer DiÖcefe niebergeiaifen l^aben,*unb »eil |ie 
i^re^ Sprache beibehielten, if)x$ fB^o\)npiäi^t loca gallica genannt toorben fein. 
(£0 toaren bemnad^ ^üttic^er Dßallonen. 5trtt. (Sammig. (&. 281. Die 
©teile lautet: »1050 toanbertcn eine große Slnjal^l 95ett)o^er »on Cüttidj^ 4öe- 
gen !Wangel m^ Ungarn. 9Tod^ im fedSixe^nten 3a^rl^«itbert fanb ^ifdjiof 01a 
biefe Süttidjier in unb um (ixlau unb i9iellei(|it entl^olten bie 9{amett Andernach, 



58 

Dtvit^6)tn in ©iebenbürgen wdl^rent) t>er ntag^arifdjjen ^errfd^aft 
gefd^al^en imä) Ärieg^gefangene* 53erett^ »or ber ©d^lad^t auf 
tem Sed^felbe war ® 9 u l a , ber ntag^artfd^e Dberbefel^l^l^aber tn 
©tebenbürgen, al^ Oei^el in Sonflantinopel gemefen unb bort 
unter bem Flamen ©tepl^an jum Sl^riflentl^ume brfe^rt »or^? 
ben» 5Rad^ feiner 3wrücffunft fe^te er nid^t nur bie d^rijtlid^en 
©efangenen in greil^eit, fonbem löfle beren aud^ i>on anbem 
^eerfül^rem etm 3)a nun bie SRaubgüge i^orjug^meife gegen 
Deutfd^Ianb gerid^tet gewefen waren, fo ntüjfen wol^l biefe gret:^ 
gelaffenen al^ bieerjien beutfd^en Slnjtebler unter ben SWagparen 
betrad^tet Werbern ©tepl^an^ Xü^ttx ©arolta warb bann bie 
©emal^lin be^ aWagparenfürflen Oeifa C971— 997), ber baburd^ 
ebenfalls für ba^ ^l^rifientl^um unb für ba^ gebilbetere bcutfc^e 
Seben gewonnen würbe, and) feinen ©ol^n 355 otf, ben nad^l^eris^ 
gen Äonig i^on. Ungarn, unter bem Flamen ©tepH^ feierlidj) 
taufen lie^* Diefer, weld^er bie ©d^wefler be^ beutfc^en Äaifer^ 
^tinxiä) IL, bie l^errfd^füd^tige Oifela l^eiratl^ete, unb, i^on bie^ 
fer geleitet, feinem 3Solfe (^rijHid^e^. Deutfd^t^um gewaltfam auf^ 
bringen wollte, fanb toit in Ungarn, fo aud^ in Siebenbürgen 
bei feinem mütterlid^en Dl^eim ®i;ula l^eftigen 2Biberflanb* Dod) 
warb enblidb Opula mit ^ülfe beutfd^er Ärieger befiegt C1002D 
unb feine SRejibenj Gyula-Fejervar ober Alba Julia, fpdter Äarl^^^ 
bürg genannt, ju einem 53ifd^ofjtöe gemacht ^^)* ©eitbem mögen 
bie einzelnen beutfd^en greigelajfenen in Siebenbürgen wieber 
©d^u§ gefunben unb man^e f leine Slnjiebelungen begrünbet l^a^ 
ben; politifc^e 33ebeutung erhielt aber bie beutfd^e Sei^ölftrung erjl 
im folgenben S^i^i^^unbert , al^ unter Oepfa IL, wal^rfd^einlid^ 
im 3al^r 1143, burd^ 3ufid^erung befonberer greil^eiten begünfttgt, 
jal^lreid^e Kolonien in ber »eröbeten ®egenb jwif^en ber Slluta, 
bem SWarofd) unb bem großen Äofel angefiebelt würben* Diefe 
greil^eiten beflanben, toit wir au^ ber »om Äönig Slnbrea^ IL 
1224 au^gefleßten nod^ ijorl^anbenen Urfunbe erfel^en, ))a\ipi\aä)^ 



Kaal (ßaV) «♦ f. »♦ — Nemethy bie (Srinnerung an jene Sintcanberung." '^tn 
näci^ften %nia^ für bte 2üiti0)tx, gerate bad entfernte Ungarn aU neued Spater»* 
lanb ^u fui^en, mögen bie 'oen einer T^ieb'erlage 954 in einem benacf^barten 
X)ojfe jurücfgebliebenen Ungarn gegeben f)aUn<, ®eifa IL (1141 — 1161) rief 
Slanberer nadji $ermann(labt» 

23) ü. (gttgel, @. 87. 88. 96-103* 124 — 126. 



S9 

li^ barin, baß jie ftd^ 1) t^ren ®rafen felbfl mahlten, 2) if)re 
^rieflet befleUten, beten ^aupt, feit 1189 ber ?)robfl »on $er^ 
mannflabt, nid^t unter bem 53iTci^ef i^on ©iebenbürgen, fonbem 
unmittelbar unter bem ^ap^ flel^en foUte; 3) ba^ bie Äolomflen 
nid^t mel^r aU 500 3Warf ©über jäl^rlid^ an bie fönigl. Äammer 
jal^lten unb bafür i^on allen anbern Sajlen befreit n?aren; 4) baß 
fte jur SJertl^eibigung be^ Sanbe^ 500 SWann fteHten, bei au^^^ 
ttJdrtigen Kriegen nur 100, wenn ber Äßnig felbft, unb 50, wenn 
ein anberer ben Dberbefel^l ffil^rte; 5) baß fte freien ^anbel burci^ 
ganj Ungarn treiben burften unb enblidj) ba^ diti)t l^aben foll^ 
ten, jiebem gremben ben grwerb t)on ©runbflücfen in il^rem ®t^ 
biete ju i^erfagen ^% Diefe greil^eiten, beren fpdter ancfy bie 
9l5^ner unb 33urjenldnber tl^eill^afrtg »urben, l^aben jtd^ 
im SBefentlid^en bi^ auf bie neuefle S^it erl^alten. — Die 5R ö ^^ 
n e r ft^einen 5)oräug^)t)eife • jum 53etrieb be^ 33ergbaue^ in ba^ 
Sanb gerufen ju fein, wenigften^ wirb 1241 bei bem ßinfall ber 
aWongolen erjä^lt, JRobna fei ein föniglid^e^ ©ilberbergmerf, 
unb bie xü6)m Sinwol^ner bafelbfl fo jal^lrei^ unb flreitbar ge^^ 
tt^efen, baß fte ben 5lngriff ber aWongolen jiegreid) jurücfge^^ 
fd^lagen l^ätten. 511^ jie aber barauf, wäl^renb i^re^ ©iege^tau^« 
mel^, i)on benfelben überfallen n?orben waren, mußten fte jic^ ba^ 
ju i)erjlef)en, i^ren ®rafen mit 600 S3ett)affneten jum mongoli:^ 
fd^en ^eere flößen ju laffen ^% 

Dagegen n?arb bie 9lieberlaffung im 33urjenlanbe — 
ba^ glüßd^en Surjen ergießt fid^ bafelbfl in bie 2llt — gleid^ ber 
im urfprünglid^en ©ad^fcnlanbe me^r jur SBertl^eibigung be^ ^ari^ 
be^ gegen 5lußen gegrünbet» Slnbrea^ IL gab nämltcf) im 3a^r 
1211 biefen bamal^ müpen unb unbebauten, an ben ©renjenber 
nnlben ßumaner *®) Kegenben 2anbjlric^ bem bcutfd{)en Drben unter 
fel^r günfligen Sebingungen , bamit biefe ftreitbare Slitterfd^aft eine 
fefie Vormauer gegen bie SReid^^feinbe bilben mö6)it. Der Drbeti 



24) Ärit. ^anml <B. 511—687. 

25) Ärit. ^amml <B. 218. Der 9lö0ner ®raf toarb übrigen« »om M* 
ni^t hfjttUt <B. 528. 

26) Qrbenbaf. <&. 314 . . . »eo quod ipsi in confmio illo, tanquam no- 
vella plantatio, sunt posiH et assiduos Cumanorum patientes insuUus, se 
pro regno tanquam firmum propugnaculum de die in diem morti opponere 
non formidant.« 



go 

fteteUe auc^ aUbali Golomfitn bafelbfi an, bertn 3Runbart nod^ 
jt^t fotro^l 9on ber ber vSac^fenUnber, atö oud^ wn itt 
itt 92$ener bebeutmb abmetc^tn foU; boc^ mberritf 1224 9ln^ 
brea0 feine (Sc^enfung, meti bte Slttterfc^aft barauf ausging, bod 
£anb ganj unter bte Cber^errltc^fett be^ f)apfle^ gu fleQen unb 
gab ben ^olomjien btefelben Steckte unb gret^etten, toit ben 
Sac^fen ^'3* Sela IV. rief 1244 bie dtitttx guriirf unb »erliel^ il^nen 
btefelben fUtd^tt, mt ben ^o\)annittm unb Sempel^erretu 9{a(fi 
bem SMongolenetnfall mar 95ela bemüht, ba^ entt)6lferte ©iebeti^ 
bürgen burc^ neue 9(nuebelungen ju ^eben« 1248 mürben bte 
Siechte i>on SBtnj CAlvinz) unb 33orberg CBorberek) ertDettert, 
Xeeemar, (äipeb, Äerj colontjtrt; "Lit^voax »urbe feit ber itotU 
ten ^dlfte be^ fec^je^nten 3fl^r^unbert^ entbeutfcbt* Die lürfen^ 
unb innem Kriege Ratten Siebenbürgen fo »erl^eert, baß SWaria 
X^erefta neue beutfd^e Stnftebler au^ ©ejireid^, Ste^ermarf unb 
^dmt^en in ben alten ©ac^fengrunb, namentltd^ na^ Sßxoo^, 
aiamofc^, Deutfd^ ^ ^ian > ^eter^borf, Wlnt)lba6) u. f* to. ^er^ 
pflanjte, ja felbfi fc^wäbifc^e, brei^gauer unb babifc^e Äoloniflen 
»urben 1743 unb 1770 in ben Sorftdbten 2Wü]^lba(^^ unb ring^^ 
um angejtebelt* 

Die 5lnjal^l ber Deutfd^en in ©iebenbürgen beträgt nad^ ben 
neueften ßrmittelungen gegen 250,000 ^^, mlä)t tin Sanb »on 



27) ebcnfo, (B. 315 — 334, 

28) Der ni>i^u jiatifh Umnf »on ber öfheid^. ^omx^it". i^tipi. 1834^ 
(B, 176 gibt 500,000 an, Slnbcrc fe^en 300,000; m^ ben forAfälh'gen fla- 
tiW^tn ma^totiftn im 5lrcfi(» für ©icbenbürgifc^c^anbeefunbe, Sb. H. J£)eft2 
(ßtmania I. 122) betrug bie 3a^( ber (Söangelifcfien, toeldj^er S3egrt'ff fafl 
burcfiau« mit bem f/@acfife« jufammenfaflt, im 3a^r 1839 217,000. 2)ie*»e* 
»o(ferung0}una()me ifl nad^ Uebereinftimmung aller eingaben fe(^r gering; 0,63 
»om C>unbert jä^rlic^. ^ini^ fagt (®emu I. 123): irl^er SRangel an ^a^ 
h)ucfi« txüdt beinahe bie fämmtiid^en fäd^pfcfien Orte, toeldj^e hierin ben toaUa* 
c^ifcfien Dörfern bebeutenb na#e(>en.« 5lrtf^ur (SdS»ott (@erm. I. 308) ^xi^i 
bei ben <^a(^fen 'oen ^^bneigung gegen ^teifinberei, fo )mg jebe Srau barum 
angefe^en »irb, bie mel^r al0 jtt>ei ^inber f^aU** 9la$ ^ed^er (Se^ölferungd*- 
»er^äüniffe ber öftreid^. tWonawi^ie) fommt unter ben 5Wagi?aren auf 113, unter 
ben «Secfiern auf 115, unter ben ©oAfen erjt auf 127 !Wenf(!^en jd^rlicö eine 
Xrauung« Der Angabe »on 300«000 nä^^ert man ftc^^ totnn man su ben 
220—230,000 ^ngel^örtgen ber Universitas nationis Saxonicae w^ tti»a 
50,000 f/ßanbUr'' u^mt, DeutfcJ^e; bie an ben fäd^iifdS»^« 35one(|>tett feine« 



6 1 

195 ®mtxtmükn beiDol^nen, ®te jtnb burd^au^ firete Seute unb 
jeid^nen (tc^ burdj) tl^re Slrbettfamfeü unb il^ren ffiol^Iflanb , ob^ 
Qltiä) jte ba^ finnfle 8anb bemol^nen, fomte aud^ burd^ il^re SäiU 
t»ung unb Sitten i^or ben übrigen Stnn?ol^nem ©iebenbürgen^ 
»ort^etll^aft an^. 31^te 3Wunbart bebarf nod^ einer genaueren 
Unterfu^ung; nad^ ben öorliegenben ?)roben ^^) jtnben ft^ sn?ar 
merfli^e nieberbeutfd^e Elemente bartn, j» 33» bat flatt ba^, bod^ 
tragt jle im Slttgemeinen mel^r ba^ ©epräge be^ ^od^beutfd^en- 

Die beutfd^en 9liebertaffungen in ber 3ip^ fii^b i^orjug^:^ 
»eife 53ergtt)erföfolonien. 3^, bie ^i^^tx foHen fämmtlid^ Serg^^ 
leute gewefen fein, tt>a^ barin eine 93eflättgung ju jtnben fd^eint, 
baß nod^ jle^t in mel^reren Oegenben 93ergbau betrieben wirb, 
unb in ben übrigen bie Überrefte alter Oruben unb falben nod^ 
jwifd^en ben ©aatfelbem jid()tbar jtnb. 3^<^^ ^^^b in i^rem grei^ 
l^eit^briefe Don 1271 , m i^nen ba^ 9led()t , nad^ 3WetaHen unb 
3Wineratien ju fd^ürfen, barauf ju bauen unb biefelben ju »erar^ 
betten, au^brüdflid) »erliefen wirb, aud^ be^ Sldterbaue^ at^ eine^ 
^auptgef^äfte^ gebadet, inbeffen fonnte bieß fcf)on beß^alb nid^t 
anber^ fein, weil jte- minbe|len^ bie ju il^rem eigenen Unter]()alte 
erforberlid^en grüd^te felbft bauen mu^^en* Die S^it if)xtx 5ln^ 
fiebelung ifl unbefannt; fte mag ungefäl^r mit ber S^t ber Sin^ 
wänberung ber fiebenbürgifd^en ®ad)fen ^ufammenfaUen ^®); benn 
wenn gleid^ i^r ältefter nod) öorl^anbener greibrief um 50 ^a^xt 
jünger ift, aI^ ba^ ^rimtegium ber ©ad^fen, fo jtnb j[a beibe 
eigentlid^ nur 93eftätigung^briefe iStterer greil^eiten unb })ahtn aud^ 



Slnt^eü ^ahtn, fonbcrn in ^eibei'gcnfc^aft leiben, mit i^x ©ci^i'rffal (le »ereinjelt, 
re(j)t(o0 in biefed Sanb ber SSorred^te 9efü()rt ^at» ®tr. 

29) J. S. Vater, Proben deutscher Mundarten, Leipzig 1816. S. 19. 
SBinbifc^, ungarifc^ied SJ^agajin, L 262. SJ^andj^e nehmen brei, anbere lieben 
Unteiarten be« fiebenbürgifd^ * fäd^jifci^en Dialefte an. 3n ber SJ^unbart »on 
•&e.rmann|kbt lautet ba^ SSaterunfer folgenberraagen: wgoatet aufer, bir 'JDau 
bifl em $emmel, gezeitigt n^erbe being 9^umen, jauf omm au^ bein di(ä), bein 
Sßell Qt\6)ti) ajf 3erben, ald toev em Semmel, aufer bäglici^ 33riut gaff au^ 
l^eigb, onböergejf au0 aufer <S(i^ulb, toei mir »ergien auferen 'Sci^ulbigcrm'' @tr» 

30J 3n ber beutfci^en Urlunbe be^ Ä^önig« Ä'arl öon 1213 »erben auc^ fte 
©ad^fen genannt, bodj) ift bie Urfunbe felbjl in ^od^beutfdjier SD^unbart ab* 
gefaßt. Ärit. vgammlg. ®. 304. Die Scutfcfiauer (J^ronif fprid^t fd^on 1241 
bei bem Einfalle ber 5D?ongolen öon einem Coines Saxonnm. ^rit. ©ammlg. 
©♦ 690. 



62 

fonfi gro^e 2le^nUcf)feit mit tinanitx, nur ba^ bte B^Pf^i^ minber 
gut bebad^t ftnb, 9lud^ fie n?ä^Iten fid) i^ren Sanbgrafen unb ^aU 
ten i^r eigene^ Sanbred^t; aber in allen wichtigeren ©ad^en mu^te 
ber »om Äönig beftellte ®raf l^injugejogen iperben, tt^eld^er aud^ 
tin Drittel ber S3u^en erhielt, 3^^^ ?)rie|ler tt?äl;lten fie jwar 
felbft, bod^ tt?irb einer Sremtion )>om ©ifd^ofe nid^t gebaut* 
©ie jal^lten jäl^rlid^ 300 SWarf unb genoffen bafür fonftige ©teuer^^ 
frei^eiten; aber au^erbem behielt [xä) ber Äönig freien Unterl^alt 
öor, ttjenn er auf einer ^eerfa^rt in^ 8anb fommen würb^, unb 
fel^r läjiige SWünj^ortlj^eile» ®ie l^atten 50 SWann ©olbaten uu:^ 
ter ba^ föniglid^e 93anner ju flcllen unb fämpften nic^t wie bic 
©iebenbürger unter eigenem 33anner» Siner befonbem ^anbel^:^ 
frei^eit wirb nid;t gebai^t ^0» 

3m 3a^r 1312 fauften (te bie 93ewirt^ung be^ Äönig^ unb 
bie Seijlung ber Ärieg^bienjle für jäl^rlid^ 1200 SWorf Silber^ 
ab; i>erloren aber mit ber 5Bel^rl[)aftigf eit aud^ allmdl^lid^ i^re grei^ 
l^eiten, i^re 3Serfaffung unb t^eilweife i^re Sprache. 3Son .ben 
42 beutfd^en Drtfd^aften, weld)e in ber Urfunbe öon 1312 na^ 
mentlid) aufgeführt werben, bilbeten 24 ©täbte ben Bipf^i^ 53unb 
Cuniversitas 24 regalium)* Äaifer ©igi^munb umging il^r $ri^ 
)>ilegium, ba^ fie Weber »erlauft no^ »erfi^enft .werben 
foHten, baburd), bag er im 3ci^r 1412 breijel^n berfelben an 5>o^ 
ien » er pf anbete; bie übrigen aber würben nac^ unb na^ 
bem Slbel unterworfen unb t^eilweife mit (Slawen be^ölfert, fo 
ba^ im ^a})vt 1772, al^ jene ©täbte wieber eingelöft würben, 
5)on ben übrigen breijel()n Drtfd)aften — mit Slu^nabme ber fo^ 
niglic^en greifiäbte Seutfd^au unb Ää^marft — eigentlid^ 
Äaifer^marft, Caesareoforum , 1269 )3rii)ilegirt, 1380 greiflabt, 
mit 5000 ßinw» -- nur nod^ brei benfelben gleid^geftellt werben 
fonnten; bie anbem waren ju Dörfern l^erabgefunfen. Diefe fed^^^ 
gel^n Orte: Äniefen, 9Jeuborf, Sublau, ?)ublein, 5Bela, 8eibi$, 
5Wan|iarb^borf, Deutfd^enborf, SKi^et^borf, JRi^borf, SBattenborf, 
aWa^borf, goß, Äircf)borf, ©eorgenberg, S^l^ut^borf bilben nun 
feit 1778 wieber eine mit befonbern ^ttä)itn begabte Äörperfd^aft, 
wiewohl i^re je^igen Privilegien faum noc^ ein ©Ratten ber aU 
ten grei^eiten ftnb- ©emifd^te, bod^ »orwaltenb beutfd^e Orte 



31) ÄnL ©amml @. 302. 



63 

fmt): Sopofd^, SWalbur, »terbrunn, SBünf^enborf, 5Rofuf(^, 3Sor^ 
berg, 5llt^ unb 5Reu ^ ffiattborf , 2»fiBenbaci, ^unb^borf, ©d^la^ 
genborf, St^borf, SBagenbriffel, Ärombac^, ©eibebla, ditmttt, ©toß* 
3n ben unterworfenen beutf(|en Drtfc^aften gel^t ber beutfci()e 
ei^arafter unb bie beutfc^e 33etriebfamfeit gleid^en ©d^ritte^ mit 
ber Spraye . aHmä^lic^ ganj unter; bo^ bttäuft fid^ bie 3lnjal^l 
ber betttf(|en ^ip^tx immer nod^ auf 50,000 ©eelen ^^. Ueber 
bie bort ^errfd^enbe SWunbart l^abe iö) feine befriebigenben 3laä)^ 
rieten jtnben fönnen» ^^)* Diefelbe fott tl^eite fränfifd^, tl^eit^ 
^>tattbeutfd^ fein, m^ jeboc^ f^on ©d^lßjer mit dtt^t bejioeifett» 
@ 9b Ott) fagt: //3n ber 3ip^ iP bie aWunbart »on Älein^^ 
8omni$, ber fogenannte OarftöogeUDiateft, bie fd^lec^tefle, 
tt^eld^e mit einem ®emifd^e au^ ber fä^ftfcfjen unb fd^n^äbifd^en 
5DJunbart fel^r met 5lel^nlid(;e^ l^aben fott." @übtt)e|Hi^ i^on ber 
Sip^, in ber Oömörer ©efpannf^aft, fott e^ fogar no^ einige 
©emeinben geben, bie meber Äatl^otifen nod^ ^^roteflanten feien, 
unb bie bie Söongetien unb tin ©efangbud^ in tl^rer ijon ben 
fiebenbürgifd^ ^ unb ungarifc^^beutf(^en SKunbarten i^erfd^iebenen 
Sanbe^fprai^e befi^en* C ?D ^0- 



32) m^ $äufler'«J Slngabe. ^o^l (9leifen im Onnern »on S^ujlanb 
u. f. h). in. 486) ttJieberf^oU aü€ ben 5frit ©amml. @. 275 bie alte Eingabe 
90,000, bod^ (Kmmen alle Slngaben überein, bag i^ire 3<»l)I burc^ €ntbeutf(j)ung 
ber Heineren Orte forttoäf^renb abnimmt. @o fagt 31. ». (S^boto (Sileife burd^ 
bie SBedfiben unb (Jentralcar|)at^en. S3erHn 1830. <© trief er*« ©ermania I. 
237—248): wgrü^er toaxtn bie Deutfc^en gajjircicfier al« jc$t; ba« 3i|)fer (Jo^ 
mitat be(ienf(j^ten |te faft au^fc^Iie^Iid^, aber j[e$t ^aben fie in bimfeiben fafl 
nur bie ©tabte, im ©angen 20 Ortfd^aften, unb im i?iptauer ni(^t »iel me^ir 
aU bie <^täbte ®t. 5?ifo(ai- unb Silofenberg unb bie gabriforte ®rabef unb 
SüJerbi$ inne. Der ®runb ^ier»on ift in il;rer Untugenb |u fuci^en: alle« 
Srembe f)o})tx ^n (i6)it\\ aU ba« 3^irige. ^a(S) unb nael^ nal^men (ie »on i^en 
3laö^haxn bie ^leibung, bie (Biiitn unb (Bpxaö^t an, ^ermif(()ten ftc^ mit if)ntn 
unb gingen fo ju anbern 35ölferfc()aften über. SBefonber« toaren i^ntxi bie ÜÄo- 
gt^aren unb ^lo^oafen gefal^rlic!^. folgte ein beutft^e« Ttätä^tn einem ^anne 
an^ biefen $olferf(!^aften, fo touxht nid^t feiten i^re gan^e Samilie magt^arifirt 
ober floüafijtrt, unb auc^ ber beutfc^ie 5Wann, ber tin frembe« SQBeib na))m, ging 
meift jur (BiiU unb ^pxad^t feiner grau über, jfebenfall« aber feine Äinber. 
9^ur feiten bürften S3eif|jicle aufjutoeifen fein, tt»o er feine frembe grau ger* 
mamjirte. @tr. 

33) SSergl. Ärit. (Samml. ®. 273—280. 688-695. ©trief er« ©ermani« 
I. 195. 238. 239. 

34) 5luffe6^ Slnjeiger für Äunbe be« ^Mittelalter«, «»r. 33. @. 314. 



6i 

Ueber ben Urfprung ber beutfci()en ©prad^mfel ©irttf^ee 
Wtt 3^uß folgenbe^ an: ^0 ^roctjp unb Söffi^bpr nennm 
tn ber 9iä^e ber <Bh'ot ©d^maben ^^), Sßolfgäng Sajtu^ (Mm 
in 5Bien unb faiferl. ^ifloricue: de migrationibus gentium. Ba- 
sil. 1572 Fol.) behauptet ;► noci() ju feiner 3^^^ wol^nten Xrüimner 
ber etnfl gwifd^en @au unb 3ftrien ^errfd^enben ©(ifüwabfn-mtt^ 
ttn unter ©lai^en tn bem ©täbt^en QJottfd^ee unb^^q^rtitid^ 
SBeilern in einer malbigen Oegenb 0>. }). Gocz-hei) unb be^ 
»a^rten noä) bamal^ bie fd)tt)äbif^e ©prad^e; 3^^^ l^ingegen 
meint, bie Suabici be^ 5^iocop feien au^ Savici, b. 1^* 2ln»ol^ner 
ber @at)e, x^erborben» ßonftantinu^ ?)or})^9rogeneta fprid^t »on 
Gutzisca @otf(i{)ee; au^ Unfenntni^ ber rid^ligen flai^ifd^eu Slb*^ 
leitung \)at man, j. 33» S^^önteben, auti^ itn Flamen i)on ben 
©Otiten b^tgenommen, unb ba^ Sänbd^en für eine Äolonietbwr 
©Otiten erflärt, öon beren ©prÄcf^e bie 3Wunbart be^ ^ölfd^txfi 
feine ©puren jeigt. SEBegen ber ja^eid^en 2Biberfl)rüc^e, bie bei 
aUtn bi^l^er »erfuc^ten Stbleitungen ber ®ottfd()eer [i6) ergeben, 
glaubt 3^u^ biefelben für 9lbfömmlinge ber San b alt n ern&^ 
ren gu bürfen, bie öor ibrem 3uge burd^ Suropa über tin ^aU 
be^ 3a^r^unbert in ^J^nnonien fa^en, toa^ nodt) baburd) 53efla^ 
tigung erl^atten fott, ba^ bei 3&rocop wirflid^ i>on einem in 
ben alten ©ißen jurüdfgebtiebenen SRejie ber Sanbalen bie SRebe 
ifi, ber nai^ Äartl^ago ju Oeiferid^ ©efanbte fd^icfte Cbgl ©♦ 10> 
®n 3?otf ber ©ubu^faner fommt Cbei Einhard Annales .818) 
jur 3^tt ?ubmig^ be^ grommen an ber Äulpa »or, bod^ weiß 
man' weiter nid^t^ öon bemfelben. 9lamen unb Sage paffen auf 
©ottfd^ee* '/^®egen bie Slnnal^me," fügt 3^u^ ^tnju, //baß bie 
Oottfc^eer eine fpätere beutf^e Slnfiebetung feien, läftt, jid^ iai 
fritl^e SSorl^anbenfein ^berfelben nad^weifen*" 

Dagegen meint "^rof* lai^er Slid^ter ju Sapbad^^^/ bie^ 

fe^ in ©itte, ©prad^e unb jeber 3Solf^t^ümlid^feit rt^.'meiblidbe 

• * ** • . . • » . 

35) Dit Dcutfc^en unb bte ma^Ux^mmu Tlun^n iS^/®. 589/ 

36) SBergL oben ©. 51 bie Slnmerfung. 

37) 3n ^orma^r'« Slrt^t» 1824. Sflr. 32. 33. gref^crr ». «nfere^o* 
fen, !Director bcd dJefc^id^teöeremd für Äärntjcn, (jat midSi brtefHc!^ auf biefe 
Duelle aufmerffam qtma^i unb fügt über dtid^kx^ 5lnjic|)t folgenbe« Urt^eÜ 
l^inju: wDie Ijierin aufgcflefite $9|)ot|)efe, bag bie 3l^nen ber ®ottf(!^eer au« 
greifingifc^em SBefi^tbum naci^ greifingifc^em ®ute in Ärain übergejtebelt tour* 
ben, i)at (^ijlorift^e ©rünbe für f\^. ©ofitcn jieboc^ biefe Slniieblet frtil&er auf 



08 

Xrac^t aufgenommen) beutfc^e Sölfd^en ber ©ottfd^eer, ©otfd^er, 
Chotzchevie, Hotzchevie, Hotzchevarie feien frepfingifd^e Äoloni^ 
fien au^ Iprol ober au^ bem lumgauif^en df^ai^, Äatfd^, Äötfd^, 
Äätfdf), (361^6), mt\^. Urfunblic^ fanbte gre^fmg au^ feinen 
tprolifd^en Sänbereien Slnjiebler naö^ feinen frainif^en ©eft^un^ 
gen, g» 33- naä) %n6)tm^ unb 3<itj bei bem ehemaligen fre^fm^ 
gifd^en iat, beren ©nwol^ner nad) Salöafor i)on ben ^nwol^^ 
nem nic^t »erftanben würben* 3war iji über ben frei^jingif^en 
33ejift öon ©ottfc^ee nic^t gerabe eine frepfingifd^e Urfunbe öor^ 
l^anben, wo^l aber über ben öott meten benad)barten Orten, 
»elc^e no^ jeßt ©ottfd^ee aU ©runbl^errfd^aft erfennen 
unb mir wiffen, ba^ Srepfing über ber Äulpa bi^ na^ 3firien 
l^inein begütert war* ®ottfd?ce gel^öfte urfprünglid^ ju Kroatien, 
unb würbe erfi fpäter i^on ben Deutfd^en erobert* Satöafor ^''D 
fd^ilbert öor 16Ö 3abren bie S3ewol^ner i5on ©ottf^ee mit folgen^ 
ben SBorten: //©ie ge^en in einer befonbern Xrad^t* ©ie fül^^ 
ren aud^ in ber ©prad^e eine abfonberlid^e teutf(^e unb f^ier 
fränfif^e SRebart; bod^ alfo, ba^ fte gleid^wol^t ein Seutf^er nid^t 
red^t, — ein ßrainer aber gar ni^t ein SBort ba^on »erfte^en 
fann ^^)* @ie fepnb gotte^für^^tig unb arbeitfam; 3^rer i^iele 
bewerben ji^ fc^ier mit lauter l^ölierner 9lrbetl C^Cetter, ©d^üffeln. 



htm Praedium Chatse, toel^ed jtatfer t>tmiö) IL am 10« Mai 1007 nad^ 
grcvling »ergab, gefcjfcn f)ahtn, fo müßte man bie G3ottf(^eer Slbfümmlinge »cn 
$taxntf)ntm nennen, ba ba^ genannte S^otfe aii in provincia Karinthia gele- 
gen angegeben toi'rb unb offenbar bad bc«tige Silauben^Äatfc^ i\t, totld^t^ an 
ber (Straße liegt, bie burcfi ba^ i^atfci^tbal unb über ben Itatfci^ber^ au^ Mxtt* 
t^tn na^ (Salzburg fü(>rt (33ö^mer'« SRegeften, ©. 52 «y?r. 994). <Btx, 

37) S5al»afor, bie (&f)xt be^ ©ersogt^um« Ärain, überfefet »on (i£. gran* 
ci^d. l^aibac^ 1689, goL Z\)l l <B. 210 unb K;!. H. ©» 30. 5luc^ in S3ü- 
fclling*« d-rbfunbe. ' 

33ergl^au«bagegen bot in feiner 23efdj>reibung loon I^eutf^anb, @tuttg. 
1839, ba too er ®ottfc!^ec ertväbnt (ß. 893), nic^t einmal bie Slngabe, baß 
|ier !Deutf(^e ttobnen (!!). 3b« 5ln|abl feftt <£^affarif auf 21,000 in a^t 
5)farreien. 

38) 9Bie fie geogra|)btfcb ituifcben ben (Simbern unb Siebenbürgern liegen, 
fo au(^ fpraci^Hd^: //^uter infer, ber bu bifbt im $immbel; gebetüget fibt bein 
9}ubmen; )ur fumm infb bein 9tei(b; bein $iUe gefcbaben, hit im ^immbel 
dfbo auf Serben! (Bitb infb ^dni infber taiglainee S3ruat unb »ergieb infb 
tnfbere ©c^ulben, alfb au(b bier »ergaben inf beren <2cbulbigarn, unb fübr ind 
ette in bie 3Serfbue(^ung, fbonber erliafbe infb »«^^ ben Uiblam Slmen.« @tr* 



66 

©iebe, S3utten, S&t6)tx), fo man mit in anbere Sänber ^rfü^rt 
unb »erträgt» — Sie geben feine gute ©olbaten, »eil fie etwaig 
furd)tfam unb mel^r fromme 'B6)aaft aU rei^enbe Xfykxt unter 
tl^nen fepnb» hingegen n^erben bie, meldte ftubiren, »erfidnbig 
unb gar geleiert, alfo ba^ mand^e^ treffli^e subjectum unb grunb^ 
geleierter 3Wann au^ -il^nen erfte^t." 

§. 7. 

©te beutfc^e Slirac^grcnje tu SJlol^reu unb Söl^mcn* 

3?on bem beutfd^en ©renjorte ÄÖnig^edt am norbwejilitieen 
Slb^ang be^ mäl^rifdeen Oebirg*^ bi^ na^ ®rulic^, wo biefe^ mit 
ben ©ubeten jufammenflößt/ bilbet bie ©prad^grenje, im ®egcn^ 
fa§ ju bem Donautl()ale, fajl einen nad^ 5Rorbtt)e|len gerichteten 
^albfrei^, fo ba^ bie ,®ebirge ring^ um SÖo^men fammt ben 
Duetten fajl aller glüffe 'oon ben Deutfd^en befe^t jinb, »äl^renb 
tt)ie gewö^nlid^ ba^ eingebrungene SSotf bie frud^tbaren Jüeberun^^ 
gen in 53ejt^ genommen l^at» Die ®renjotte jinb: 5Reubau^ an 
ber SRebfd^arfa, ®ra^en an ber @trobni§, itrummau an ber 
SWolbau, ©ablat an ber 33lani§, Sßinterberg an berSBolnifa, 
SRei^enflein an ber SBottawa, Stf^ad^^rau an ber Dru^wp unb 
Steuern an ber Slud^latoa» 5Rur "oon bier bi^ in bie ©egenb 
i>on Ätentfd^, bem toeftlid^llen fünfte be^ ftaöifd^en @prad()ge^ 
biet^, reid^t biefe^ bi^ an ben ®ebirg^famm be^ SSßi^merttjalt'^ 0/ 
bagegen l^aben M ^i^ Deutfcfjen im norbttjefllid^en SSßl^men mit 
in bie Xl^äler l^inab aui^gebreitet» 2ln ber Slabbuja bi^ nad^ 
Sifd^of^^Ieini^, ©taab unb Dobrjan; an ber 2Wie^ C^e^^ 
raun) bi^ 9W i e ^ unb SEei^ ^Slufd^fau unmeit ?)ilfen ; an ber 
©d^alotfabi^ SRabenflein; anber ßger bi^ ?)e|lelberg unb 
bei 8eitmeri§ tritt au^ bie ßtbe wieber ganj in ba^ beutft^e 
®thitt, tt?eldt)e^ fte fcf)on oben bei Sibof^ berül^rt l^atte. Die 
»eiteren beutfd^en Orenjorte fmb ^ünermaffer, Dfc^i0 im 
Saujt^er Oebirg, SRo^li^ an ber 3^t, ^ol^enelbe unb 



1) DU X)eutf^en, h?el^e iMi^ öon Älentfc^, SBifti^of^^Xcirnft unb Xauf, 
ttbrbHdj> öom Gebiete ber greibaucrn an ben ÖfWicfien Slb^iangen beö Söjimer* 
tt^albe^ tool^ntn, \)ai 3ofe|)^ ffiant gefc^fibert: wSlue bem 33öl^mcrt»albc<'» 2tip* 
liq 1843, SSergL auc^ ©triff er bie 3Serbreitung M beutfd^en SBolfe«, Set^jt« 
1845, (B. 17—19. ®tr. 



67 

<Z6)nxi an ber &bt, ©tarfflabt im SRiefengeWrge , SRccfe^ 
ni^n einem Bufluffe be^ tt^ilben ältlerö unb ®rulid^ unfern 
ber Duelle be^ füllen 5lbler^» 3Son ^ier an^ bilbet ba^ mdl^ri^ 
fd^e ©ebirg gewifferma^en eine beutf^e Sanbjunge in fübmeftlid^tr 
9li^tung, unb wenn man babei bie beutfcbe ©prad^infel um 
3glau berücffid)tigt, ml6)t faft in ber SWitte be^ flamfci()en I^eil^ 
jene^Oebirge^ liegt, fo glaubt man in bief er, wir möd^ten fafl fagen 
fla^ifd^en SWeerenge bie ©traße ju erfennen, auf welker ftc^ ber 
flaöif^e SoH^ftrom in ben böbntifd^en Oebirg^feffel ergoffen l^at, 
anä) fd^eint fid) bie flabifd^e 53eö6lferung, ä^nlid^ ben ©ewäffem, 
tn bie 3lieberungen be^ Sanbe^ jufammengebrängt ju l()aben, o^ne 
gugleid^ bie ^o^en ebenfo au^fci()lie§tici^ befe^en ju wollen ober ju 
fönnen. 2luf ber norbweftlici()en 3lbbad^ng be^ mäl^rif^en ®e^ 
birg^ fmb bie beutfci^n ©renjorte Iribi^ jwifc^en jwei 53erg^ 
feen unb 53lumenau an bem Urfprung be^ Sluffe^ SWepto; 
auf ber füböjMid^en Slbbac^ung: 33rifau an ber B^^ittawa, 3Wä^^ 
rtf^:^Iribau an berS^rebow, unb ©c^ilbberg an ber gri^ 
fawa* Dann folgen am weftliclen 3lb^ange ber ©ubeten ©d^ön^ 
berg, 2Wäl^raf(i)^9leuflabt unb ©ternberg, fdmmtlicb 
an B^fffiff^ii t>er SWard^. 3?on ba gel^t bie ©prad^grenje nad^ 
Sobenjlabt, überfleigt bie ©ubeten bei 9leutitfd^ein unb 
gelangt über ?)artf^enborf an ber Dber, SBagfiabt unb 
SBBiegfldbtel an ber.SWorau na^ Sägernborf an ber Dppa^. 
Die Orenjorte im fla\)ifc^en Sprachgebiete finb in Sol^men 
unb SKäl^ren: ?)la$ an ber 9lebfci^ar!a, ®^weini$ an einem 
Bupuffe ber ©trobni^, 2^fd^erni$ an berSWolbau, gll^enit^, 
©d^uttenl^ofen an ber SBottawa, Älentfd), fH\tn an 
berSeraun, SRafoni^, Saun an ber 6ger, ?)otf^apel an 
ber ßlbe, Sßeißmaffer, ^od^ftabt an ber 3fer, Äönig^^ 
l^of anber 6lbe, 5>oti$ am SWefengebtrge , Seutomif^lam 
aWetpto ;^ glu^ , SBö^mif^^eifenberg an ber 5Ward^, SBet^^ 
f i r (^ e n an ber Sdti^^toa, greiberg an einem B^P^ff^ ^^^ 



2) ««eutitf^fln, Stebau, Obrrau unb SBieöflöbtel bfjefdi^net to^l (Stei- 
fen tm 3nnern öon S^lußlanb u. f. to, III. 465 jfO ol« @täbte bc« Äu^* 
lanbr«, auf ber (5 fielet ft^en Äarte öon Deutfci^lanb in 25 SBIattetn, Äarte 
20, beje^net biefe^ 2Bort nur bie ©egenb »on gulnecf unb 9?eutitfdj>ein in 
^Al^ren, bie übricien »on lto(iI genannten Orte liegen in Öflr* ©cfilefien. (Str. 

5* 



68 

Ober, ?)ro^f ott)tft an ber Ober, ®rd$ an ber 2)iorau unb 
!£ro})})au an ber Dppa ^> 

9la^ bem, wa^ bereite oben C§- 1) übet bie flai^ifd^^^beutf^e 
©^)raci^grenxe gefagt tt)orben ifl, bürfen mir annel^men, baß ur^ 
fprüngti^ ba^ D b e r g e b i e.t »on Deutfd^en, ba^ SB e i c^ f e l g e^ 
biet öcn ©lai^en bewol&nt marb, dber bo^ menigflen^ bamate 
bel^errf^t mürbe, al^ mir bie erjien, einigermaßen juijerläffigen 
3laä)xiä)ttn über jene ®egenben erhielten. 6^ iji jmar auti^ be^ 
l^auptet morben *), baß bae Dbergebiet, ja felbjt ein X^eil beö 
eibgebiete^ öcn Siliert l^er »on ®lai)en befeffen gemefen fei; aber 
mo foH bann bie ^eimatl^ ber bebeu^enben germanifc^en ^ieg^ 
f4)aaren l^in^erlegt merben, bie in ben erften 3atrl^unberten ber 
d^riftlid^en B^trec^nung -au^ biefen ®egenben l^eri^orbraci^en unb 
ben ©üben ßuropa^ nebfi einem Z\)tiU öon Slfrifa al^ Sieger 
befehlen? ©oHen etma biefe gal^lreid^en SSöKerfd)aften nt>6) atte 
au^ bem f(^on burd^ bie cimbrifd^e glutl^ gerriffenen unb ent^öl*^ 
ferten 9lorben gefommen fein? 

S3i^ jum ßinfaü ber Hunnen in Europa Qi. 3- 375) l^errfd^^ 
ten bie Oot^en 5)om fti^marjen 2)Jeere bi^ jur Dftfee, mitl^in mar 
big ju biefer ^tit bie beutfc^e ©prad^grenje gegen Dflen, menn 
auci() nid^t i^orgerüdft, ioä) gemiß noci^ meniger gutucfgebrdngt 
morben C®- 49. 9lnm. 3). ^nä) um^ 3al^r 440 be^au^>teten bie 
SSanbalen no^ i^r |)eimatl^li^eg Oebiet im- öp^en 3)eutf(i^lanb 
C®. 10» 3lnm. 27). gg mag bal^er Slttila'g «b^^tjug gegen SBe^ 
jien unb bie baburd^ i^ermel^rte ßntöölferung be^ ßjllic^en Xtui^ä)^ 
lanb^ eine ber erften Seranlaffungen beg SBorbringen^ ber ©la*^ 
»en gemefen fein. 3tn ^a^x 494 mar menigjlen^ ©d^lefien, 
unb a\xä) mol^l 33 ö ^ m e n fd^on »on ben flai^if^en 3Sölferfd^aften 
befe^t, mdl;renb bie nßrbli^e Sbene big an bie D|ifee bamatö 
nod^ aU €inöbe geft^ilf ert mirb % ^aä) bem S^i^te 526 marb 
bag Ö|Hic^e Deutf^tanb nod^ mmer mel^r enti^öWert. Die Songo^ 



3) Deutfdjie ^täbte im flaöifdjicn <Bpxa^Qthitt toerben an(i) f)itx jum Ic^ 
tern gerechnet; bo^ ift ba^ 1261 öon Ottofar 11. (f 1278) gegrünbcte unb 
mit !Deutf(i^en befe^te ^itbtoeie; toe^e^ mit 21 Drtfc^aften ganj beutfdf» if^, 
al« ©|)ra(!^infel bejcici^nft. 

4) Sl(>eob. @c!^ulj, äBaren gcrmanifc^e ober fiaüifd^c SSölfer Uretntüo?^ 
ner ber betben Sauji^en. ®i)tli$ 1842, a @. III. ff. 

5) Procop. Bell. Goth. L. II. c. 15. (Boom p. 205.) 



69 

backen, ml^t hi^ ial)in auf bem linfen X)onauufer — toa\)x^ 
fd^mliä) auf bem 3)?arc^fflbe — gewol^nt Ratten, festen nun 
nac^ ^annonien über , unb gaben babur^ au^ bie unteren SWard^^ 
gegtnben ben ®la\)en prei^; unb bie SWeberlage, »el^e bieXl^ü^ 
ringer burc^ bte granfen erlitten, beraubte jugleid) Deutfc^lanb 
be^ mä^tigflen 3Sor!ämj>fer^ gegen ben Slnbrang feiner öftti^en 
9la^bam- SSielfcid^t tt?ar biefer 5trieg fogar bie unmittelbare 
SSeranlaffung jur erften Stnfiebelung \>on Slawen an ber mittleren 
(glbe; benn bie ®ad^fen, ml6)t ben granfen bei|lanben unb ba^^ 
für Jiorbt^firingen bi^ an bie Unprut al^ S3eto^nung empfangen 
l^atten, fonnten ba^ Sanb nic^t ganj befe^en, fonbern gaben ben 
ßjili^jien I^eil beffelben an Äolonifkn gegen Tribut '')♦ 
SGBaren bieg ©la^en, wie f^^on Xt)\xnmann i^ermut^ete, bann 
würbe [iä) barau^ i^r erfleh bef(|eibene^ Sluftreten in biefen ®e^ 
genben am 33eften gcHären» 

3nbeffen würben bie ©laben nid^t blo§ burd; bargebotene 
©elegenl^eit ju Äolonifationen na^ Deutfcfjlanb gejogen, fonbern 
e^ fam nod^ tin befonberer Umflanb ^inju, ber fie gegen 9lorben 
unb SBejien »orjubringen nöt^igte, X)ie Slijaren — bon ben 
bamaligen ®cl;riftfteUern aud^ Hunnen genannt — begannen 
ndmlid), fid; öom fd)warjen Speere l^er au^jubreiten, ®ie untere 
jodeten bie 9lnten, einen ber beiben flamfd^en ^auptftämme, 
mlä)tx im 9iorben be^ fcf)warien SWeere^ fap, unb fc^einen ba^ 
bur^ bie übrigen ftai)ifcf)en Stämme bi^ jur Slbe unb jur Dfl* 
fee l^ingebrängt ju l^aben ®)» Dodf) auc^ ^ier fonnten ficf) bie 
®lai)en ber Dberberrfdt)aft ber Sl^aren nid^t entjiel^en; benn im 



6) Paul. Diacon. De Gest. Long. L. h c. 2(L: »Egressi qnoque Lan- 
gobardi de Rugiland habitaveruiit in canipis patentibus, qui sermoue bar- 
barico feld appellanlur.« cf. IL c. 7. (§♦ 6, 5lnm. 13.) 

7) Adam. Breni. U. eccL L. L c. 4. . . . »partem illius eani inaximc, 
quae respicit orientem, colonis tradebant, singulis pro sua sortc, «üb tri- 
buto exerccndam.» 3n einer ©lojfe jum ©acä^fenfpiegel 58, HL 3lrt. 44 toer* 
ben bU 9?orbt{)ürm0er au^brücfiitj) aU Sßenben bejeic^ncL SSergL Stiebel, bie 
^axl Sranbenbnrö» 23b. IL ®. 5. 

8) Stritter, Memoriae Populurum cett. T. IL pag. 42. . . . »Abari . . . 
Mezamirum (Antarum legatum) necant, et ab eo tcilipore latius et liberius 
depopulari vicinorum (Antarum) terras coeperuut, neque captivos aut 
praedas agere cessaverunt.^ $ergl* . SchafTarik , Gesch. der slavischen 
Sprache. Ofen 1826. p. 227. 



70 

3af)re 562 jianben aud) fd^on biefe an ber dlU, wo il^nen erfi 
bte granfen jtegrei^en SSBiberpanb leifleten, unb um^ Sal^r 590 
lie^ ber Slvaren^S^an fogar bte iamaU an ber ^ftfee wol^nen^ 
ben ©la^enflcimme jur St^eitnal^nte an feinen Ärieg^jügcn entbiet 
ten % Sebenfattö tt?ar bereite in ber legten ^dlfte be^ fed^ften 
Sal^rlfyunbert^ ber gange Dpen Deutf^tanb^ i^on flamf^en SßöU 
fem befeftt 

Die SWain^ unb 9lebni§tt)enben ttjaren rt)o\)l aud^ ju^ 
gelaffene Äoloniften, bod^ un|lreitig au^ \xut)txtx ^tk, al^ »♦ 
Sang glaubt, ber jte erfl )>on Äart beut ©ro^en na(| bemgelb^ 
guge öon 805 anfiebeln lä^t; benn 33onifaciuei fanb biefelben be^ 
reit^ in ber bortigen -Oegenb ^^), SBieUeid^t gefd^al^ bte Slnjiebe^ 
lung burd^ SRabulf, ben »on ^Dagobert eingefeftten ^ergog 
»on X^üringen ^0- 

3m Sllfgenteinen barf man ttjol^l annehmen, ba§ bie SRürfs^ 
tt)irfung ber beutf^en ©pracfje gegen bie flamfd^e bereite mit 
Äarl bem ©ro^en begonnen })ai; benn totnn er au^ ba^ flai^i^ 
f(^e ®ebiet auf Soften ber ©a^fen i^ergrö^erte , fo l^at er bod) 
bufd^ feine ©iege über bie 9li)aren unb ©laöen bie b^utfd^e Ober^ 
l^errfd^aft über ba^ ganje ßfttid^e Deutfd^lanb *^) begrünbet, unb 



9) Paul. Diac. Gest. Long. L. 11. c. 10.: rEo quoqiie tempore, com- 
perta Iluni, qui et Avares, morte Chlotarii rcgis, «uper Sigisbertum ejus 
filium irruunt. Quibus ille in Thuringia occurrens eos juxta Albim flu- 
vium potentissime superavit, eisdemque petentlbus paceni dedit.'^ Cf. Greg. 
Tur. H. Franc. L. IV. c. 23. 

Stritter ibid. T. IL c. 54. . . . ^^Respondent (imperatori Mauritio anno 
590] se Sclavos esse, ad oceanum occfdentalem habere sedes . . . Caga- 
num eo le^atos ad coUi^Mida auxilia cum muneribus multis ad principes 
gentis mi^isse.t« 

10) to. i^aitg, f&aiixn^ ©aue. ««ürnK 1830, @. 29, — Epist. Bonif. 142. 
BibL Max. Patr. T. XIII. c. 135. ■»^Etenim de Sclavis, Christianorum ter- 
ras inhabitantibus, si oporteat censum accipere, interrogasti frater. Hoc 
quidem consilio non indiget, dum rei causa manifesta. Si enim sine tri- 
buto sederunt, ipsam quoque propriam sibi vendicabunt terram. Si vero 
tributum dederunt, norunt dominatorem ipsam habere terram.» ^ 

11) ^oUc, bie (Bh'otn in Dberfranfen 'S, 33. SScrgL über ba« f{a»{fd^e 
ffiti6) <Samo^, beffen "^iege bie Ernennung Stabulf^ junt -^erjcg öon Zi^n* 
tingen junä# öeranlafteti, ^ala^f^, ®efdj), »ort S3ö^mem 33b. L (5. 76 ff, 

12) man ^at in grage geflettt, ob bie Söhnten fci^on Äarl bem ©rojen 
jinebar geworben feien; boti^ läft ftcfi rt»of)( faum baran gtoeifeln, S5gL jebod^ 



71 

jugletd^ tem mit ber Verbreitung be^ S^riflentljum^ ^anb in ^anb 
ge^enben Sinfluffe beutfd^er Silbung jene Sdnber wieber eröffnet, 
3Son aü biefen ©laöenlänbern war jeboc^ 33 ö 1^ m e n unb 3W ä ^^ 
reu nici()t nur burd^ feine Sage, fonbem aud^, wie e^ fd^eint, burci^ 
eine bid^tere Se^jöUerung am meijlen gegen etwaige gewattfame 
2)Ja^regeln il^rer beutfd^en Dberl^erren gefdjjü^t, ^erjog diaftii^ 
Id'o ^on SWäl^ren erfämpfte fxd) fogar in ber SWitte be^ neunten 
3a]^r^unbcrt^ ijöUige Unabhängigst i^cin Subwig bem X)eutf^en; 
unb bie flaöif^e ®prad()e gewann ^jorjug^weife babur^ einen 
feften 33oben, ba^ S^vill, ber Slp'oflel ber 3}?ä^ren unb S3ö^^ 
men, ber in feinem SJaterlanbe, ÜWacebonien, ba^ @lat>ifd^e er^ 
lernt l^atte, bie ^eilige ©d^rift unb bie Äird()enbüd^er 'in biefe 
©prad^e übertrug. S^<^^ gi^g '^^^ SWdl^renrei^ im itampfe ge^ 
gen bie SWagparen unter ö« 3- ^07), unb bie flai)ifd()e Siturgie 
warb i)on ®regor VII. ber ftarren ßinl^eit ber fat^olifd|)en Äir^e 
geopfert ^^D, aber ba^ ' Sewu^tfein nationaler ©elbftftänbigfeit 
l^atte einmal SBurjel gefaxt im 3?oIfe unb l^at ftd^ unter man^ 
derlei kämpfen unb @d;idffalen bi^ auf bie gegenwärtige ^tit 
erl^alten, wo ein neuer aWorgen für iit ftavifd^e Literatur aufju^ 
ge^en fd^eint. 

Diefer Äampf ber ftai^ifd^en ^Rationalität gegen Äird^ unb 
SReid^ jiel^t fi^ toit ein rotier gaben bur^ bie biJ^mifd^e ®e^ 
fd^idt)te unb oerbient ^on ben ®efd)id;t^forfd)em mit mel^r *®org^ 
falt »erfolgt ju werben, al^ bi^^er ju gefc^el^en pflegte. Äaifer 
Äarl IV., ber bie fla^ifd^en gürflen oon SKedflenburg gu beutf^^en 
3leid)^fürflen erl^'ob, ben Königen i^on 33öl^men bie erfte ©teile 
unter ben weltli^en Äurfürften für immer filterte, unb au^ bie 
au^brüdflid^e S3eftimmung in bie golbene ^ulle aufrtal^m, ba^ 
jeber mutl)ma^lid^e 6rbe eine^ Äur^ute^ ba^ ©laoifd^e erlernen 



5)ak|f9 a. a. D. ®. 103 ff. SSon ben bafelbfl ongefü^irtctt Söcttjet^ftetten frre- 
ö^tn für unfere Slnftci^t in^befonbere (<S. 107) Ann. Mett. ad ann. 803. wZo- 
dan princeps Pannoniae veniens (ad Regenesburch) imperatori se tradidit. 
Multi quoque Sclavi et Hnni in lodern conventu fiierunt, et se cum Omni- 
bus, quae possidebant, imperatoris dominio subdidenint(< unb (@. 103) 
Charta divisionis imperii )Don 817: »Item Hludowicus voliimus ut habeat 
Baioariam et Carentanos ctBeheimos et Avaros atqiie Sclavos, qui ab 
orientali parte Baioariae sunt.(< 

13) fam^, 33i)^m. ®efc^. Zi)L l <ö. 338. 



72 

fotte "D, beabjtd^tigte gett)i^ bem fla^ifc^en SinflufTe in bcn ffttiä)^^ 
angelegenl^eiten tin grß^ere^ gelb cinjurfiumen. ttnb ^ u f , ber 
SWärtprer f\xä)li(i)tx greil^eit, mar früher auf ber Uniijerjttat ju 
^rag ber eifngjte SRerfed^ter be^ @ t a ö e n 1 1^ u m ^ unb befdmpfte 
bie ben Deutfd^en bafelbfl jiatutenmä^tg jufte^enben gretJ^eiten mit 
foldpent gifer unb Srfolg, ba^ 20,000 beutf^e ©tubenten unb 
Doctoren jid& jur Slu^wanberung belogen fanben. ß^ tji be^^ 
l^alb gar nid^t unttHtl^rf^einli^ , ba§ bie Slbneigung ber Deutfd^en 
gegen ^u^en^ ©lai^entl^um »ietteid^t ebenfo »iel ju feiner Serur^ 
t^eilung beigetragen l^abe, aU bie ßntrüjlung ber Äir^e -über bie 
»on xf)vx ausgegangenen religtöfen Steuerungen. 

®nt meitere SluSfül^rung biefeS ©egenflanbeS fann l^ter fei^ 
nen 5Raum jtnben, wir i^erweifen be^l^alb auf bie 9lad^rici^ten unb 
SBemerfungen eines geifl^otten Sftifenben ^^ über bie gegentt)drti^ 
gen ©prad^ijer^ciltniffe in Söl^men unb SKä^ren. 

Das ®efantmtt)erl^ältni^ ber beutfdjen unb tf^ed^ifd^en ^t^ 
»ßlferung »on S3öl^men ^^ fleUte jtd) anfangs 1847 folgenberma^ 
^en: 3m Oanjen 1,828,405 beutfcfje unb 2,557,399' flamfd^e 
Sdwo^ntx. T)tv mittlere Z^til beS SanbeS l^at eine »orwaltenb 
fla\)ifd;e, bie ©renjgegenben eine überwiegenb beutfd^e Sdfoölh^ 
rung unb bie Äreife am ßrjgebirge fafl nur beutfd^e S3emol^ner. 
3n fünf Greifen übern)iegen bie Deutfd^en über bie ®lai>en. 
eibogner ÄreiS- 250611 beutfd^e, 

30381 flaöifc^e (Sxo. 
1^ 12446 ^ 

^ 81872 ^ 

:* 215063 ^* 



Seitmerifter ^ 


373727 


©aajer s=^ 


142255 


?)ilfener ^ 


137568 


^unjlauer ^ ' 


273840 


Dagegen jäl^lt 





14] Aiirca Bulla Caroli IV. Cap. 30 »Quapropter statuimus, ut 

. . , El^ctorum filii, vel heredes, vel successores, cum verosimiliter Teu- 
tonicnm idioma sibi naUiraliter inditum scire praesumantur et ab infantia 
didicisse, incipiendo a septimo actatis suae anno, in Grammatica, Italica 
et Slavica Unguis instriiantur, ita quod infra decimum quartum aetatis 
annum existant in talibus juxta datam sibi a Dco gratiam eruditi.^ 

15) ^0% Steifen im 3nnem öon fRn^lanh unb ^oUn. Drehten 1841. 8. 
Z^. III. ®, 465 ff. 

16) <B^nahtVi Xafeln gur ©tatiflif öon 23öfimen. S^rag 1847. (gtri- 
cfer'd ®ermama IL @. 14-17. 



73 



Subwetfer Äreig H4271 


fceutfcfje, 


129521 


Älattauer ^ 


65676 


^ 


110531 


Äöniggrd^er ^ 


131278 


^ . 


240639 


öifefcffoiDcr ^ 


76272 


ü 


209561 


ß^rutimer ^ 


84086 


jf 


244027 


5>ra(^mer ^ 


64332 


i^ 


219409 


iaborer ^ 


38371 


^ 


192381 


Xfd^a^lauer 5: 


18269 


^ 


239942 


9lafont$er s^ 


12176 


i 


172019 


Äofd^inter ^ 


9300 


^ 


203809 


öerauncr ^^ 


6027 


^ 


189111 



^ 



:S 



gar frag werten 66046 beutfc^e unb 3Q687 fla»tf(^e einw. an* 
gegeben. — 3m Oanjen gibt ti tm 8anbe 
701 »eutfd^e, 1009 fla»tf(^e unb 181 gemtf(i^te f farrjtellen, 
1577 * 1714 * * 199 * «olfafdjulen. 

§. 8. 

hwx^f Sommern unb Preußen* 

SSon ber Dppa, itt)tf(i()cn Xroppau unb Säsernborf, 
läuft bic ©prad^grcnje erjt 6fMtd|)4n ber Slid^tungjoon Slatibor 
auf bic Dber, tpenbct jtcf) aber, bet)or jie btefelbe erreid^t, wieber 
norbweftlicf) , unb nad^bem fie biefelbe in einer Entfernung t)on 
etwa jwei SWeilen eine B^i^l^^ng begleitet ^^\, gel()t fie oberl^alb 
S3rieg über biefen glu^, inbent jte nun in öfllid^er Slid^tung fafl 
bi^ an bie Sffiafferfd^eibe xwifdjen Dber unb 35?arta vorbringt» 
aSon l^ier an ftnbet bann ba^ umgefe^rte SSerl^dltni^ ^i<x% wie in 
SSö^men; e^ liegen nämlid^ bie Duellen ber glüffe meijt im fla^ 
mf(^en ®ebiete,. wäl(>renb bie Slieberungen üon 3)eulf(^en befeftt 
finb; ber ©tob er erreicfjt ba^ beutfdje Sprachgebiet oberhalb 
Äreujburg C®^lefO/ ber S3artfcf) bei 5WiIitfd) C®*lefO, ba« 
beutfcfje grauflabt C?>ofO liegt fajt auf ber SBafferfd^eibe iwifcfjen 
Dber unb SEarta, unb bie JDbra, weld^e unter ©d^ wer in C^ofO 
in bie SBarta ntünbet, berül()rt baö beutfd^e ®ebiet jweimal, 
^t\ Äarge C?>ofO unb bei Xirfd^tiegel C?>ofO, beöor jie bei 
SWeferift völlig in baffelbe eintritt» 2)ie beutfcfjen ©renjorte an 
fcerffiarta jtnb S3irnbaum unb 3irfe C?>ofO, ber 9leftbiftrift 



76 

l^ier auf folgenbe ^nt)f4)riftlid[)c Slngaben be^ ^^m. ffierf.: //3itt 
Slttgcmrinm ift ju bemerfcn, ba^ btefc ©rcnjUnien öftere über 
bmtfd[)e Drte gc^en, fotpie aud^ innerhalb berfelben fold^e liegen, 
jumal in ber 3l&\)t ber ©tabte, tt>o beutfdje (B^xai^t imb Sitte 
^errfd^t, obtt)ol()l fajt in allen für bie untliegenben SBenben in i})^ 
rer @prad;e geprebigt tt)trb. 3)ie nteijten, unb »enigfleng bie an 
ben ©renjUnten unt; um bie ©tctbte too^ntnitn Sßenben, fpred^en 



«nb 9^ieberlauji0« ©. 179—191. !Die für eine <Bptci<dfaxit ju Ibenufenbc ge- 
nauere ©renjbefltmmung ijl felgenbe (©♦ 188) j „T)a^ »enbif(ä^e @f)ra^- 
gebiet 1) in ber Dberlaufi^ fäc^jifd^en toie |)reugifci^en ^ni{)tU€, ^irb »on ei- 
ner ^inie umf(iji(of[en, toeicijie ))on Wlu^fau über <eferber^borf, !£)aubt$, ^ofel, 
9)eteriJ()avn, 5l^ulm, ffia\>i^äf, M^6), ^oftii^, tittli^ (biefe Orte mit einöefd^lof- 
fen) M 2'6hau gefjt, too ein 28enbe|)unft eintritt, unb in toeld^c» @tabt für 
bie nijrbli(|i liegenben Dörfer 5lltlöbau, Delfa «♦ »enbifc^ geijrebigt toirb, toä(>" 
renb bie <Stabt felbjl, fo toie alte füblid^ unb Öfliid^ gelegenen Dörfer, feitbem 
l^iflorifd^e 9^a(ijiri(ijiten i^i^rl^anben, i^öllig beutfd^ ftnb« Sßon IJ^ier au6 gel^t bie 
2init m^li^ }u, über ba0 tvenbtf^e Del^fa,, nal;e bem )>öUig beutfdj^en ^une* 
toaiht, längd ber 9'lei(;e ber fc^on befc^nebenen alten ©Ötterberge ber Sorben 
»orbei, über 9)oflh)i0, ©ojira, häufig, Demni^, ba0 toenbifdjje börferrei(|ie 
^ir(]^fpiel ^Öba, jum meißener Greife geljjörig, mit einfd^ließenb. Dann norb* 
»efllic!^ über 9)o!;la, S3urfau, <Seuri0, 3auer, 9^ebe(fc9Ii^, 3efau, 3W«>^«f/ 
Siele, 2Beifig, 33ern«borf, SBiebni^, SBenbifci^ Setta, ^o^enbucfa, Sielen, 
9?immtfc^ unb über i^aute, 2Benbif(|i*®orno unb (öenftenberg in bie S'Jiebcdau' 
jt^. ©ie nennen jid^ ©erben.'' — w2) 3n Sejug auf bie Si^ieberlaufit ^^* 
ginnt bie :2inie bei ©enftenberg (im eljiemaligen meignifc^en 5^reife gelegen) mit 
ben toenbifci()ett ^axo^itn 2auta, <Sorno, Ä(ettn)i0 unb ©rog-SRöfci^cn; gc^t 
bann über Dobifbra», ©alfjaufen unb Sarjig in ben (nicberlauji$ifc|ien) Äalauet 
^eiö, unb jtvar über S3ug, 2ip\a unb !^alau, bann in bi< ©errfd^aft Lübben- 
au, über biefcn £)rt, 3f^^f^i$ w"^ S'lago, bann füböfllic^, im Iübbenfc|>en Greife, 
über D^labeudborf, 3^^^^ «"^ ©traupi^ unb ben Sottbuffer Ärei« nörblici^ um- 
f(i^liefenb, über.9)ei$ mit ge^ro unb Draci^l^aufen; barauf an ber 9Jeife, an ber 
tt»eftlic^en ©eite be^ ®ubener Äreife^, in ber ©errfc^aft gorjl unb länge ber 
Drte ^uiMi^ unb (Snlau unb toefHid^ an. gorfl hierauf, über Älein-itöljig k. 
ftc|i tvieberum hti Tlu^lau anfci()Iie^enb, toomit oben begonnen tvurbe^ unb tt>o 
bie ©renje beiber, ber ober- unb niebertauji^ifc^en Dtalefte, toefllicij) über 
©(ä^leife, @|)remberg M ©enftenberg fü|irt.'' @ie nennen [\6) ® erdfern 
Die SSerf(i^ieben]S>eit itoifc^en ©erben unb ©erdfen |iat i^rcn ®runb in gefc|>ici^t- 
lici^en 2:^atfaci^em X)it Dberlauft^ ift bid 1623 Uim bö|imif(|i - f(ai>ifdS>cn (Staat 
ge»efen, bie S^ieberkuft^ bagegen feit 1370 aU Seflanbtiieii ber 2^arfen unter 
beutfc^er ©enfc^aft. Die 3ahl ber Läufiger SBenben i|l na(|i Sergliaud 
245,000, ba»on 50,000 fä(äS>|tf(||c; nac^ Äo^l 210,000, ba»on 60,000. fädS>fif4>e. 
S3ergL a3üf(äS>ing (irbfunbe V. 304. 



77 

in t»er SRegel anä) beutfd^, nämltd^ in i^ren 3)taleften mit maxi^ 
(f)en tt)entifd;en ®pra4)eigent^ümlt(^fetten, ober ux^t\)tn t^ xot^ 
nigjien^ jur 9iotl^- Äönnm bie lauji^ifd^en SBenben aud) nur 
al^ Sin Stamm ber flaöifd^m Station angenommen tt)erben, fo 
f4)eint bod) jeitig eine Trennung ber in ber Dberlaufi^ unb ber 
in ber 9lieberlauft$ tt)o^nenben SEenben erfolgt ju fein, benn bei^ 
ber ©prad^e n^eic^t in meler $infid)t öon einanber ab unb fo, 
ba^ jie al^ jmei »erfc^iebene 3Wunbarten ju betracfjten ftnb. 2Bd^:^ 
renb bie Dberlaufi^ fid) ber bof)mifd^en ©prad^e nd^erf, beft^t 
bie nieberlauft0ifd;e öiele polnifd^e ©prad^eigentl^ümlid^Jfeiten. 2)er 
oberlauji^ifd^e Dialeft t^eilt ftd^ tuieber in jtt)ei Unterabtbetlungen, 
bie füblici^e um 93ubifjtn unb Söbau, unb bie nörblidje in ber 
^aibegegenb; eine britte, bie fogenannte fatl^olifdjie, ifl nur in 
ber ®d)riftfprad[)e gewöl^nlidj). l)er Äern unb aWtttelpunft be^ 
nieberlauji^ifd^en SPenbifdjen ifl im Äottbu^'fdjen 93ejirfe, e^ 
fd^lie^t jid^ 6pd) bem fd^on fe^r bem nieberlaufi^ifd^en ftdj) ya^ 
»enbenben Dberlauft^ifd^en um 3Wu^fau an, xot^Xii) aber ben 
fd^on me^r ben SBubifjinfd^en Dialeft anne^men^n ©egenben um 
^oiper^werba unb Senftenberg." 

,/2Biett)ett bie früheren aWiljiener ober oberlauftftifd^en SBen^ 
ben, bie Sufijer ober nieberlaufi^ifdjen SBenben Cnteifl Sorben^ 
»enben genannt unb fid^ felbft ©erben nennenb) unb bie mit bie^ 
fen na^e t)ertt)anbten, aber untergegangenen, frfi^er ttjejftid) xot>\)n^ 
l^aft gett)efenen @4)rbenxtt)eige jtd) über bie ÄönigL unb «^erjogL 
fäd^ftfd^en Sanbe verbreitet l()atten, ndmlidj) bi^ an bie ©aale unb 
felbfl in einzelnen fünften über biefe ^inau^, ergibt fid) au^ ben 
auf ber Sanbf arte ju finbenben itz,- owe u*f*tt>» enbigenben Drt^:^ 
namen." 

//!Die tt^enbifc^e ©pradjje gef)t attmäl^lid^ bem Sluöflerben ent^ 
gegen; benn in ben ©deuten tuirb ba^ Deutfd^e mt\)X unb me^r 
getrieben, unb ebenfo \ixi baö ^rebigen in n^enbifd^er ©prad^e 
an einzelnen Drten nad^ unb nai) auf. aWan nimmt an, baß 
biefelbe im SlUgemeinen mit jebem l^alben 3al()rl^unbert um eine 
aWeile jurücfgebrängt n^urbe. Diefe^ Slbfierbi^n ijl übrigen^ am 
jettigflen in ber Slieberlauff^ ju erwarten, n)äl()renb in ber fctd^fi^ 
fd^en JDberlaufi^ me^r für 6r][)altung berfelben get^an ttjirb , tt)o 
audb- ©c^riften über bie bajtge SWunbart (xot\i)t über ba^ SWe^^ 



78 

bcrlaufi^ifdje fafl gauj fehlen) feit wenig ^a^xtn mejf)rere erfd^ie^ 
neu ftnt-" 

Da^ rafdje Burürfmeic^en ber fla^ifd^en ®pra4)grenxe ^oon 
fcer eibe über bie 3)onau ^inau^ ijt m für 3)eutf^lanbö ®e:= 
fd^id^te unt) Siteratur fo »ic^tige^ ßreigni^, ba§ baffelbe eine in 
aUt ßinjelnl^eiten eingel^enbe örforfd^ung »erbient. ^ier fönnen, 
unter SSern^eifung auf einige ba^in einfc^lagenbe ©cfjriften ^), nur 
allgemeine Umriffe gegeben it^erb^n. 

Dfe ^on ilarl bem ©roßen jur Sid;erung ber Djtgrenje fei^ 
ne^ SReidjef errid^teten aWarfen blieben aud^ unter feinen 9lad^s^ 
folgern befielen ^); bod|) tt)urbe jur ^tii Äönig^ ^einrid^ I. iai 
redete ©aaleufer nod^ al^ ©la^enlanb .betrad|)tet ^). 3^m gelang 
e^ burc^ bie S3efiegung ber !Dakminxier unb bur^ Erbauung 
ber gefte 5Wei§en ben ®runb jur völligen Unterjod^ung unb ®er^ 
manifirung ber itt)ifc^m ©aale unb Slbe mo^nenben 3Sölferfd[)afj* 
ten TOol^nenben aSölferfd|)aften ju legen 0. S^nfeitö ber (Slbe i)aU 



2) 3, ®» Äo^ l;at in feinen bereite ertoäl^nten ffS^leifen in« ännere »on 
SHuglanb'' XI;L III. ©. 431 — 517 unter t)er-5luffdSinft: ..©clilußbetra^jtung 
über bie ftaöifcb-germanifdjje SJötfermifc^ung« eine öbcr(td^tlic|ie I^ar* 
fteßung bicfer f(a\jifd^*bcutfdj)cn 95crp(tniffe ge^^cben» Unter ben neueren ®e* 
f(|lic^teforf4)ern liefern in^befcnbere Ä. ©♦ »»-^eutfci^ (ÜD^arfgraf G5ero, ?ei))jtg 
1828), Älöben (^e^ici^te ber ©täbtc 33erlin unb töUn, 33erl. 1839), dtit- 
bei (bie maxi «ranbenburg im 3a(>r 1250. S3erL 1832, 2 XJile:), ®iefe- 
brecht (2Benbif4ie ©efc^ic^ten a. b» 3. 780-1182. Sßerl/ 1843. 3 33be.) treff- 
li^tn Stoff unb »ielfad;c 9?ad(itoeifun0cn ju einer nte^r l^iftorifdjien 33e* 
grünbung. 

3) 33ei ber üon taifcr Subtoig I. im ^al)x 839 beabfidjitigten Xl^eilung 
»erben bie tbüringifci^en unb fäti^fifdjien ÜÄarfen audbrüdflic^ genannt: 
nducatum Toringubae cum marchis suis" (Pertz Mon. I. p. 435). ßvL %f)VL* 
ringen tourben bie fogenannten Dftmarfen geredjinet, »elc^e ba« ^anb jtoifc^en 
ber ©aale unb @lbe mit ben ^auptorten ÜJ^erfeburg, 3^U «"^ 5D? eigen 
umfaßten, unb f|)äter aud^ bie SO?arfgraffc^aft i^aufi^. 3« ©aci^fen gejjörte 
bie übcretbif(^e-SO?arf (C>ol|tein, 2öagrien unb bad Obotritenlanb) unb bie 
9^orbmarf (bie Slltmarf mit ben $au|)t|)lä0en @aljtt)ebel unb ©tenbal, t)ön 
too au« %ibxt0^t ber S3är bie SO?ar! 23ranbenburg eroberte, toel(|ie bamit »er- 
bunbcn warb. @elbfl 9)ommern jogen bie 5Warfgrafen in i^ren ^txtiö)* 

4) Liudprandi Antapodosis L. II. c. 22. (Pertz. Mon. T. V. p, 294) . . . 
nMeresburg quod est in Saxonum, Turingiorum et Sclavoram confinio 

castrum." 

5) Thietmari Chron. L. I. c. 9 (Pertz Mon. T. V. p. 739). I)ie Dale- 

minjier Ratten bereit« um« 3a^r 933 aUen Söiberflanb gegen bie ©at^^fen ber* 



79 

ttn feine ©tege einen mint)er bauemben Srfolg; t>enn bie wcnbi^ 
fd^en (Btaaim blieben bafelbji befielen, unb ber ju diti^xa in 
einem ®ee unfern ©treli^ gelegene Xempel, wo Slabegafi, 
eine Srtationalgottf)eit ber Slawen, »erel^rt würbe, bilbete, toit e^ 
fd^eint, einen 2Wittelpunft be^ SBiberflanbe^ fomol^l gegen bie 
beutfd^e Dberf)errfd^aft, alö anä) gegen ba^ ß^rifient^um 0- 
Otto I. ][)ielt jtt)ar bitrd) ttjieber^olte Siege unb bur(^ feine tap^ 
feren 2Warfgrafen, ^ermann S3iUing an ber unteren unb®ero 
an ber mittleren ßlbe, bie SBenbenWnber in 3inebarfeit; er ftif^ 
tete anä) bie S3i^tl)ümer ^a^elberg C946) unb S3ranbenburg 
C949); aber bennoc^ jlanben im Slnfange be^ 12. 3ci^r][)unbert^ 
bie ©ö^entempel auf bem redeten Ufer ber ßlbe nod^ un^erfel^rt 
unb bie tt)enbifd|)e Srtationalitdt tt)ieber in einer felbfljtänbigen ^aU 
tung "^^ Sllbrecfjt, @raf ö. Sl^fanien, genannt ber S3är, ber 
»om 3a]^r 1123 — 1170 mit Äraft unb (Srfolg in ben aWarfen 
waltete, warb ber Stifter ber 2Warf JBranbenburg unb begann 
eigentlid^ erjt'ba^ 6l()rijtentl()um unb beutfd^e ©efittung in ben ba^ 
mit öerbunbenen Sanbem ju verbreiten unb ju befejtigen ®). Db 

geflaU aufgegeben/ Hi fte ntd^t einmal mt^x toagten, für bte in€ ^anb emge- 
faUencn Ungarn, bie fte boc^ früher fetbjl su $ütfe gerufen Ratten, 9)artei ju 
ergreifen. ^a6^ fbxitl (bad !D?ünf^er ber 3lugujliner (5(iorl;errn ju ^t %fxa 
in !Weigen, ?ei^j. 1843 ®. 6) foH er auc^ fc^on beutfdjic ^oloniflen au« @adfi- 
fen unb granfen im Sanbe angeflebelt (jaben; ba« (J{iri(lentt>um aber l^abe ber 
Slegendburger W6n(^ 33ofo ben <Bia'otn in t(irer eigenen ©jjrac^e öerfünbigt. 

6) Widukiiidi R. gest. Sax. L. I. c. 36. (PertzMon. T. V. 433): nCum- 
que vicinaH gentes a rege Ileinrico factae essent tributariae, Apodriti, 
'Wilti, Hevelli, Dalamanci, Boemi, Radarii, et pax esset, Radarii defece- 
nint a Tide" . . . coli. Adam. Brem. IL Eccl. L. II. c. 11. (Lindenbrog. p. 
19.) unb Widuk. 1. 1. L. III. c. 70. (Pertz. 1. 1. p. 464.) 

7) «ßergU ©iefebrecf)t 9©enb. ®efc^. 33b. I. 140 ff. unb 33b. III. @. 23. 
w®o fianben furj t)or be¥ 5Witte be« jttjötften 3a^rl;unbert« iieben 5lugufKner- 
fhfte in 9)?agbeburg, S^^euenmünfter, $agern|lor|), 3eric^o, 9)arbuin, üeigfau 
unb SJ^ei^en aU Sßarten ber ^irc|ie ba, bie i^on ben ©renken ber (£()ri)hntoeIt 
nadjj bem jieib^ifti^cn SBenbenlanbe (jinüberbtidften. Sn biefem aber lagen ber 
SBoHiner 33ifci!)ot«ji$, bie 9)ommerf(i^en ©cmeinen,. Gemeinen in SBagrien, »oi^l 
ni^t in bebeutenber 3a\)i, öermut()lic^ auci^ Gemeinen in ben unter 5Wagbeburg 
geljjijrigen Bt«t()ümern, gleich jf^flreuten dJiriflliciSien ßilanben, no6) ring« »on 
©ö^enblenjl umgeben, unb obtoo()l fein eigentlici^er ^rieg toar, tourbe bo(i^ »on 
ben llbobriten unb i^uitijern SEobtfc^lag unb .iBerJ)eerung an (J()ri|len,^ öornel^m* 
ltc|> an ben Dänen. »erübt, Untl^aten, ml(i)t jur dia^t ^>erau«forberten.'' 

8) 5l(i)ben, ©efc^. ». SSerlin. ©. 134—155. 



80 

er, mt ^clmolb crjal^lt, auä) bie Ueberrejte ber burd^ feine 
Ärteg^jüge aufgeriebenen «Slawen au^ i^ren ©tobten unb D6r^ 
fern vertrieben , unb btefe fäd^ftfc^en unb nteberWnbtfd^en Äolöni^ 
fien eingeräumt ^abe, ober ob, toit SRiebel nad^jun^eifen fuc^t, 
biefe JBertdjte übertrieben feien, baifid^ urfunblid) nad^wrifcn laffe, 
«ba^ bie ®lai)en aller ®egenbcn ber 2Warf SBranbenburg nur 
unter geringen, unb mel^r bingli4)en afö perfßnli4)en £ajten jie^ 
^enb, auf einzelnen ^ufen ober in ganjen Dörfern in einem it^ 
fiimmten Sled^teöer^ältniffe lebten, nimmermel^r jtd^ aber fdmmt^ 
lid^ in Seibeigenfc^aft befanben", baö fann ^ier nid^t entfd^ieben 
»erben. 9luffällig tjl e^ j'ebenfall^, baß biefe fiaöifd^en Sdnber 
in einer fo fel()r furjen 3ctt ößUtg germaniiirt tt)urben, unb e^ 
fc^eint fajt, baß bie flaötfd;e S3evölferung feine l^inlänglid^e 53e^ 
beutung behielt, um in S3ejte^ung auf x\)xt (Bpxa6)t »on ber 
Äird^e ober bem Qtaatt berürfftd^ttgt ju werben; tt)enigfien^ loirb 
üon ben ju S3ranbenburg gel^örigen aWarfen auf bem redeten Ufer 
ber Slbe nid[)t gemelbet, ob m^ ber 5DJitte be^ 12ten 3al()rl^uni^ 
bert^ bie ^rebigt unb bie Oericfjt^fpracfje im Slllgemeinen noc^ 
flavif4) geit)efen fei ^). 

3n SBagrien unb im 9lbobritenlanbe begann bie eigentlidjie 
©ermarnjirung mit ^tinxi^ bem 8ßtt)en. ßrfl um^ 3a^r 
1154, nad^bem Äaifer griebrid^ I. btefem bte 3ni)ejtitur ber brei 
Sdiit^ümtx Sllbenburg, 5Werflenburg unb Sla^eburg-jugeftanben 
l^atte, gelang e^ bem 3Wifiion^tt)erf unb bamit jugleid^ beutfd^er 
©itte unb beutfd^er ©prad^e, in btefen ©egenben fejlen 55oben 
ju gewinnen. 9lller fernere SBiberjlanb beö IJyeibnifcfjen SBenbeu:^ 



9) Helnioldi Chron. Slacorum L. I. c. 86. fßtXQl SRiebd, bte ^axt 
Sranbcnburg 53b. IL ^B. 16—56. gür mitUl frrtd^ ber Umflanb, baf in ber 
SlUmarf fclbfl, naä) bcrcn 25orbtlb bodji toofil bie übrigen SO?arfen eingeri(|tet 
tourben, bie [(aötf^ie ^pxa^t fid^ bi^ in bie üRitte bc0 18. 3a]^r]^ttnbertd er* 
^Iten ^at Die S^erfolgund toax bemnad^ to>ol^I nic^t gegen bie fia))ifdj»e ^a* 
tion, fonbern gegen ba« ©eibentl^um geridfitet,' unb gegen bie aü^ ber 5In* 
^änglicIiFeit an baffelbe entfpringenben »ieberfjolten Cm^orungen. — • 55Ba0 
ba« ?lu«jlerben ber flaöifcben (Bpradfie betrifft, fo fagt Älöben (a. a. SD* ©♦ 
251): ftum Seipjig foU man nod^ im 14ten3alj»r]!)unbert toenbifc|> gerebel l^aben. 
5lber in ber üWarf «nb felbjl in 2Jor)>ommem l^at jie fii^on frül^ aufgel^iJrt, unb 
allgemeine :2anbe^f|)ra(i^e tt>ar jte im 14ten Sal^r^unbert in feiner t^tmaU »en* 
bifdben ^roüinj.'' 



81 

t^untg gegen Ätr4)e unb dttid) fd^Iug »on nun an, nur um fo 
mt\)v ju befyen SSerberben au^: ^m 3a^r 1160 auf bem 8anb^ 
tage ju Serenöorbe gedd^tet unb tt>ieber][)olt »on ©ad^fen unb 3)5*^ 
nen gefc^lagen, »erlor ber größere Sl^eil btefer unglüdf litten S3e^ 
tt)o^ner be^ 3lbobritenlanbe^ enbltti^ fogar gret^eit unb SSaterlanb; 
benn totn ba^ @ci)iDert nod) »erfc^ont ^atte, bev verfiel bem^un^ 
gertobe ober ter Äne(i^tfd)aft ^^D» !Der le^te Sprößling be^ abo^ 
britif4)en gürftengefdjled^t^ , ^ r i b i j l a i? , meld^er burd; ben 6in^ 
Puß feiner norwegifd^en (SJemablin förmlich jum G^rtjtent^ume 
übergetreten toax, tx\)idi ytoax f))äter, al^ ^einric^ ber 2ött)e felbfl 
»on allen Seiten bebrängt tt^urbe, timn Xi)tü feiner öäterltd^en 
ganbe jurücf; bte menbifd;e ©prad^e unb 33oH^tf)ümlid^feit tt)irb 
jeboc^ an bem burd^ fc^u^ere Schief fale gebeugten, unb nun enb^ 
Ud^ ber neuen Drbnung ber Dinge ftd^ fügenben ^txx\6)tx feine 
bebeutenbe ©tü^e erlangt i^aben» 

Die S3ett)o^ner »on aSorpomntern, bu.rc^ bie^erfante, ober 
mt Äanfton) fagt, bur^) ben ©oUenberg beiilö^lin öon ^inter^^ 
pontmern gefc^ieben, lourben öon if)ren ©tammgenoffen in ?>o^ 
ien jum ß()riftent^ume htUi)xt, jebod^ burd; einen beutfd^en 
©lauben^boten. 211^ ndmlid; 33oleelam III., «C)eriag öon $olen, 
t>oll d^riftlid^cn ßifer^ Sommern bergeftalt i^er^eert ^atte, ba^ bie 
fd^wer 33ebrängten eö fogar für ein ®liicf aufaßen, burd) 9ln^ 
nal^nte be^ ©bi'iftent^um^ unb burd^ Stnerfennung ber polnifc^en 
Dberl()ol^eit ttjenigften^ i(;r Seben unb if)re Jreibeit retten ju fon^ 
nen, fanb fiä) unter ber polnifdjjen ©eiftlic^ifeit 9Jiemanb, ber ju 
einem fold^en 33efel;rung^gefc^äfte fid; geeignet ^ättt. Der ^er:^ 
gog berief be^^alb im 3af)r 1123 ben loürbigen Dtto, S3ifd)of 
t>on 33amberg, ju biefem ©otte^werfe, weld^c^ berfelbe mit eben^ 
fo^iel aWilbe al^ gcfligleit öoUbrad^te ^0* 



10) Helm. ibid. L. II. c. 5. »Omnis ergo terra Obodritorum et finiti- 
mae regiones, quae pertinent ad regnum Obodritorum assiduis bellis, ma- 
xime vero hoc novissimo bello, tota in solitudinem redacta est, Domino 
scilicet favente et dextra piissimi Ducis confortante. Si quae Slavorum 
extremae remanserant reliquiae, propter penuriam et agrorum desolationes 
tanta inedia conf^ctTsunt, ut congregatim ad Pomeranos sive ad Danos 
confugere cogerentur, quos illi nihil miserantes Polonis, Sorabis atque 
Boemis vendiderunt." fS^L ^tcfcbrcd&t a. a. O. 151. IH. ©. 67—156. 

11) ^axti)olt> a. a*£). X()L I. ©. 475 unb (SJiefebrec^t %^. II. <S. 253 f. 



82 

SÄuf biefe SBeife verbreitete jtci^ aud; in ^Jommem bie beutfdfye 
©prad^e junäti^fl unter beut ©d^u^e unb mittclfl ber d^rifilid^en 
Ätrcfje. Bugleic^ begünjHgten aber aud^ bte eingeborenen gürjien 
it\xt\ä)t Slnjtebelungen aller Slrt in ©tabt unb 8anb, fo ba^ fla^j 
t)if^e ©itte unb @pra4)e jule^t ganj »erbrängt tt>urbe, unb baß 
felbji auf ber 3nfel Flügen, beut ^auptft^e be^ flamfcfjen ®ö^en^ 
bienfle^ in Sommern, bie tuenbifd^e ©prad^e bereite im 15ten 
Sal^r^unbert gänjlid^ au^jiarb» 3öie rürfjtc^t^lo^ bie- beutfd^en 
©ntt)anberer babei »erfahren finb, erfeben wir au^ ben ©d^ilbe^ 
Hingen be^ ß^roniften Äan^ott), eine^ 3^i^Ö^noffen Siut^er^ ^0. 

3)iefem Übermut^e unferer Sanb^Ieutc fd^reibt e^ ba^er Äan^ 
$0» öorgug^weife ju, baß bie «^erjoge von ^interpommcrn bicfe 
neuen ©äfle möglid^fl fem gel()alten l;ätten ^^)» 2Wefttt)tn, ber 
le^te ioenbifd^e ^erjog von ^interpommern Ct 1295) war »enig^ 
jtcnef ungead^tet feiner vielfad^en JBejiebungen ju beut beutfd^en 
Drben //ber beutfc^en ©prad^e fo wenig mäd^tig, baß er jid^ tint^ 
3)olmetfd)er^ bebiente" unb //][)interließ fein £anb mit bem voU^ 



12) Globen, ®cfd^- ü. 23erlm ®. 251» Äan^oto berichtet biefe (Sermant' 
iirung fctnc« SBaferlanbe^ ni6)t oI;nc ein mitleibtge^ ^cfülj)! für bie ff'avmtn 
SEcnben'' (SBrfprunf ber (Saffuben, Sßenben unb Sturem Sludg, ». ©ö^mcr 
®, 34): ,,q3mb biffe iit 0151) o!fc bc (J()n(lenb()om noci^ fo nvge im :8anbe 
tt>aif fo f^otti'f niatt öon ben pamtxn feine !ercfenbener nlfjemen, nl^abem fe 
\f)o\ioxn Reiben geioefet, »nb fufl noc^ ^an en feinr jhtberct l^ebbe: fo mojle 
man »an not totq^n bubtfc^e int lanb forbern; »nb nii^t allein barumb, 
fonbem oof bef^alffen, * bat be ftebe »nb bat lanb öl^afl öertt>iiflet tt>a^, borc^ 
öele fvid), ocf bordji ioecbf^orent ber pamtxn, be l^ertoci^ SBcli^laf »an Scalen 
geb^an l^ebbe» 9llfc til)VL be bubifci()en (j^r int lanb b9 ^nptn ötoemen (in ^au* 
fen famen), »nb be »erioufteben flebe jnnljiemen, »nb Webber öpricl^tcben, »nb 
ficf buncfen lieten öele gcfci()icfeber »nb beter fpn alf be SDenben; begunbcn fe 
te Sßenbe to »era^lten »nb to »erraten, »nb mafeben gefette, bat hin 3öenb 
tf)o eren ®i(ben ebber loertfen jn ben ftebcn fc^olbe geflabet »erben, i>nb foöidf^ 
beben fe t^om üorne{;ntc|ten jn öor|)ammerm ©oHife »erad^tinge \>nb ^^imp 
erer lanbeölute fegen (faben) be l^inber^amern auer ber ©raboto (einem 
tocfllic^en 3upMfFf ber 2Bi|)|)er) önb Sbolmbcrg, »nb mo^ebe en fcfjre, i^nb 
fruci^tebctt, bat en batfulffe fo ocf noci^ mochte ioebberfaren" . ♦ ♦ ♦ SSergL aucf^ 
S3art()olb a. a. O» Zi)l IL @. 213» 

13) Ä'anßoto a» a. D» ♦ ♦ ♦ ♦ w3wbiflaff regirbe Von &er ©raboto an bet 
tbor SQiffel, mt> fac|r fampt ftpner :Oantf]j)of) mit allem fliete ^ex, bat xti^i bördle 
jennige orfafe be bubifc^en ficf t^oen jnnfc^robeben; ^nt> ma(fyi b^ en 
fregem« 



83 

fidnbtgen ®eprdge ber f(at)tf4)en ßtgcntl()ümH4)frit" ")♦ Srtod^ in 
größerem SWa^e fdjetnt ber borttge 3lbri unb ttjol^l aud^ ba^ übrige 
aSoK ba^ beutfc(»e SÖBefen gel()a5t ju l^aben; benn nad) Äan^ott) 
gef d^a^ e^ t)orjug^tt)etfe auf Slnbringen bcr //?anbfd|)aft", ba^ 
aWeftwin feine Serttjanbten, bie «^erjoge t)on SSorberpommern unb 
ben Surften t)on Flügen, totH fte //Weren bubifd) gemorben unb 
bubifd^e rebe »nb febe l^ebben angenl^amen" unb mil ,/be I)inber:? 
pomtxn gar feine bubifd^e l^em l^ebben molben" überging unb 
^rjemp^latt) , ben «C)erjog — nad|)ntaligen Äßnig — t)on 5>olen 
gunt ßrben einfette ^% 

Srtacf) allem biefem bitrfte e^ bod) n)o^l fo unmal^rfd^einlid^ 
ni^t fein, »ie 93artl()olb glaubt, ba^ ^interpommern ber Buflud^t^;? 
crt ber auö SBorpommern geflüdjjteten ©laöen gen^orben tt>ax, unb 
feaß, aud) nod) nad) 3lnnal^me be^ G^rijientf)um^, ber flat)ifd[)e 
Slbel fammt ben ttjcl^l^abenbern ®ntt)of)nem bie unter unmittel^ 
bar beutfd;e ^errfd^aft faHenben 8dnber lieber räumte, al^ feine 
^Rationalität aufgal^ ^0- SBenigfien^ mu^ [id) bie gegenwärtige 
©prad^grenje in i^ren Orunbjügen bei ber bamaligen Sänbert^ei^ 
lung gebitbet ^ben» 2Warfgraf SBolbemar t)on S3ranbenburg 
mad^te nämlic^, al^ Dberle^n^err »on Sommern, 2lnfprü4)e auf 
bag ^erjogt^um unb gelangte aud^ 1306 wirflid^ in ben S3efiö 
be^ nörblidjjten Z\)üU, ber ben -Jlamen 5>ommerellen fül^rte» ßr 
fonnte jebod^ auä) batjon nur einen fleinen X^til mit ben ©täbten 
©tolpe, Sauenburg unb S3üton) behaupten; ba^ Übrige twfaufte er 
1311 an ben beutfd^en Drbem 3ene brei Stäbte bilben 



14) 23artr;olb ©b. HI. ®, 61. 

15) Äan^oto a. a. £). ©♦ 81 unb 82. 

16) SBart^olb 33b, IL <B. 358—361. mttco^ iö) in ber ^pniai^tW¥t 
9ommernd ni^t fo beto)anbert bin, ba^ tciji bem gelehrten S^erf. mit (intfc^te« 
bcn^eit totberfpret^ien mödjite, fo erfc^cint boc^ folgenbc S3e()auptunö bcffelben; 
/rDte ntä]S^T(^enl;afte ^nna|me )>on ^lu^n^anberungen nac^ ^tnterpommem t|l nur 
baourcl» entflanben, baf bcr gorfd^er bc« 16ten 3a](>r]^unbert« jtci^ bfe bort fort* 
feaucrnbc fla»ifci()e ©tttc nid^t beuten fonnte, beren jäl;cd Seben aber feine ^a^* 
rung nur au^ ber erneuerten JJolenlSjerrfc^aft feit bem 3a6re 1466 jog'', nic^t 
Ij^inlänglit^i begrünbet; benn bie t()ei(tt>eife SSertreibung ber ©(at)en au^ bem 
Slbobritenlanbe unb aud Sßeftpommern lägt, ben Ur!unben gegenüber (SBerfebe, 
«»ieberL Colon. %i)l IL ©. 787. «»r. 130 u. @. 791 ««r. 132), (i(<> meine« 
(Sra(i^ten0 nic^t toeglaugnen, unb baraud folgt bann ^on felbfl, baf fie [\^ naä^ 
unb nac^ in bie öfilid^en ®(a))enlänber ^urücf^ieben mußten. 

6* 



8JL 

aber nod^ jeftt bie du^erften aSorpoflen be^ bcut^ 
fd^en Sprachgebiete^ in biefer ©egenb» ^ätte ber 
beutfc^e Drben ba^ 8anb behaupten fonnen, fo wäre bie fla^ifc^e 
JBeööKerung wol^l ganj ^on ber C'ftfee jurücfgewi(^en;' inbeffen 
^at öiellcid^t anä) ba^ ^ier waltenbe überwiegenbe fla»ifd;e 6le^ 
ment baju beigetragen, ba^ bie beutfdje Äolonifation auf bem 
urfprünglid; flai)ifc^en 33oben nic^t weiter t^orbringen fonnte, unb 
ba^ enblic^ auc^ bie beutfct)en ^errfd^er ben flaöifc^en meid^en 
mußten» 6rft burd; bie ftreng bi^ciplinirten fte^enben ^eere iji 
e^ leichter geworben, ganje SJöIferfc^aften troft aller 5lbnetgung 
bauernb im ©e^orfam ju galten» 

3n Sd;lefien ^aben wir eine ä^nlid^e 6rfd;einung. Sdoli^^ 
law, ^erjog öon 5tieberfc^lefien Ct 1201) war bem Deutfc^^^ 
t^ume l^olb; er »ermäf^lte fid) mit 3lbel^eib, ©rafin üon @uljba(i^, 
jog mit beutfc^e Slnjicbler in^ £anb, unb beflätigte benfelben 
i^re beutfc^en 9led)te unb ©ewo^nl;eiten. ©eine SRac^folger re^ 
gierten in gleichem Sinne unb bereite im 5<^^r 1352 war ba^ 
8anb bergejtalt germanifirt, baßba^^Deutfc^e al^ Sanbeefpraci^e 
in ben Äanjleien eingeführt werben fonnte *'^)» Dagegen gerietlf^en 
bie ^erjoge öon Dberfdjeficn Cniit ben ©tdbten SEroppau, 
Sefdjen, Slatibor unb Dppeln) me^r in Slbl^cingigfeit öon 33 öl^:^ 
men» Da^ gürftent^um Xroppau ging fdjon im Sal^r 1246 an 
S3öf)men verloren ^^); ^erjog 9iifolau^ öon Xroppau, ein 
enfel Äönig^ Dttofar i)on JBö^men, »erbanb bamit im 3öbr 
1341 burd^ ^eiratf) anä) baö ^erjogt^um SRatibor fammt einem 
Sl^eile be^ ^erjogt^um^ Dppeln, unb Sefdjen warb 1289, jDp^ 
peln felbft 1320 bö^mifi^^ Se^en ^^D- ß^ ift bcmnad) wo^l un^ 
jweifell^aft, baß bie 33ilbung ber gegenwärtigen ©pradjgrenje an 
ber oberen Ober in bie näd^fte B^t na6) ber Trennung Öber^ 
fd)lejien^ öon Srtieberfcblejten, b, 1^- in ba^ 13te Sa^rl^unbert ge^^ 
feftt werben muß» Dod) fönnte ^ier ebenfalls bie ^Rationalität 
ber bereite »orl^anbenen S3eö6Kerung bie Vix\a6)t gewefen fein. 



17) (^djilöjer, Slbrig ber norb. ©cWfcfitc» %Uqm. Sßclt^tjl. ^aUt Uli. 
4. I^L 31, ®. 227. 

18) Ob "okUtiöfi erfl baburc^ bie bö{imtfc^e ÜWunbart in ber Umgegenb 
bon 3iro|)f)au f)errf($enb gelvorben fet, berbtent eine nähere Unterfuc^ung. 

19) ®eb()arbi, ®eW. öon @(|ilcfien (Siagem. 3ßelt()i|l» $1(^1. 52. 23. 30, 
(B. 397, 268 unb 275. 



83 

tt>c^]^alb bte gürflcn be^ le^tercn ft^ öoriug^meife bem beutfd^en 
Elemente anfd>Ioffen, ttjäl^rcnb in £)bcrfd)lefien ba^ @Ia\)entl()um 
unangefodjten blieb, SCenigftm^ bürften bie in 9licberfd)Iejten 
©tatt gefunbenen ßinwanberungen fcfjmerlid^ bebcutenb genug er^ 
funben »erben, um barau^ ju erfldren, »ie ber größte Stl^eil be^ 
Sanbe^ innerf)alb eine^ B^^traum^ öon faunt 150 3a^ren in ein 
tjöHig beutfti^eö ®ebiet umgewanbelt tuerben fonntc; unb toiv 
möd^ten bal^er in biefem Umflanbe lieber einen neuen SSewei^ für 
bie 9lnfi4)t ftnben, ba^ bie beutfc^e S3eöi)lferung int Öjtlidjen 
Deutfd^lanb nie ganj vertrieben, fonbem nur, d^nlid^ tt)ie bie 
fpanifd^e S3et)olferung von ben SWauren, in bie Oebirge gebrängt 
werben fei, von n)0 fie fid) bann fpäter «lieber über bie Sbenen 
»erbreitet ^abe. 

3n ber //Übcrftd^t ber Slrbeiten unb 3Seränberungen ber fd^le^ 
fifd^en ®efellf4)aft für i^aterlänbifcfje ßultur im 3<ibre 1843, SBre^s^ 
lau 1B44, ftnben jid^ //9la4)ric^ten über bie polnifcfjen unb anbem 
au^erbeutfc^en ©prac^öerf)ältniffe in ber ?>roi?inj ©d^lefien, befon^^ 
ber^ im 33erei(^ be^ Dberlanbe^geri4)t^ in 33re^lau", njeld^e ber 
Dberlanbe^geri^t^^^räfibent ^unbrid^ bafelbji fd^on im S^^r 
1840 nad^ ber aSolfö^ä^lung »on 1837 entworfen. 6r red^net in 
ber ^romnj ©d^lefien an 5>olen: 555,332, unb jwar im 3le^ 
gierungöbejirf Dppeln 495,332, im Sieg, 33ej. 33re^lau 60,000; 
femer SWäbren im 3leg. 33ej- Dppeln 11,505; 936]^men in 
©c^leften 10,500; SBenben in ber 8aufi$ 76,000, alfo in ber 
ganjen ^rovinj an flabifd^en SBewol^nem: 713,332. 

ßine barauf folgenbe Überfidf^t gibt nacf) ben einjelnen Drt>' 
fd^aften be^ Dberlanbe^gericfjt^ ^ 5Bejirf^ 33re^lau SRed^enfdjaft 
t)on ber ^n^liä^tn ©prad^e ber 33ett>o^ner, i)on ber ©prad^e be^ 
©otte^bienjle^ unb ©c^ulunterrtd^t^, je^t unb \>ox breißig Salären, 
worauf fajl überaß ba^ rafc^e SSorfc^reiten ber beutfd^en Sprache 
l^ertjorge^t. 9iur in ben Greifen @ t r e ^ l e n , @ l a $ unb 2Ö a r^ 
tenberg ift n\d)i bie polnifd^e, fonbern bie bö^mifc^e ©pradlje 
(bei 8—10,000 3Wenfd()en au^fcfjlie^li^) ftatt ber beutfd)enbie 
üblicfje. 

3n bem Dberlanbe^gerid;t^bejir! 5)on ^latibor ftnb nur bie 
fogenannten ©täbte SQBofdljnif, ©eorgenberg unb 2)J9^lott)i$ 
fajt rein polnifc^, in ben übrigen ©täbten ifl bie ©pracfje beim 
©otte^bienjt polnifd) unb beutfd) gemifd^t. gafl rein beutfd^ finb 



86 

t>ie Äreife ©rottfau unb SJUi^e, rein folni\d) ift ixt Sanbbe^ 
»ölferung bcr Äreife Dppcln, Slofenbcrg, ©roß^@tre][)li$, Sublu 
nift, SCofl, ®lettt)i$ Cmit Slu^na^me be^ rein fceutfcifjen Dorf^ 
©c^önmalb), Sl^bnif, $le§ unb 33eutl^en. 3n ^ultfc^in, S3auer^ 
wift, Äatfc^er unb Äranott)i^ wirb beutfd^ unb mä^rifd^ geprebigt 

3n bem Slegierung^bejirf e D p p e l n waren nad^ ber 3^!^^ 
lung öon 1834 unter 748,210 »emo^nem: 266,399 2)eutf^e, 
468,691 ?)olen, 11,754 aWäf^ren unb 1366 »öl;men^ 

3tn Dberlanbe^geridjtebejirfe öon @ l o g a u »>irb in einigen 
JDrtfd^aften ber Äreife ©rünberg unb greijtabt naö) ber 
^)olnif(^en ©renje ju »on etn^a 5000 5Wenfd)en pclnifd^, im 31 o^ 
t^enburger Äreife ber Oberlaufi^ öon 15—20,000 ginwo^nem 
tt)enbif(^ gcfprodjen. 

Sine gefc^ic^tlid^e 9ia4)Weifung, mt unb ju »eld^er ^tit jtdfy 
bte beutfc^e Sprad)grenje in Dft^ unb SBeflpreu^en gebilbet ^abe, 
ttjürbe fafl tint gebrängte ©efc^ic^te be^ Sanbe^ fein unV fann 
be^l^alb l^ier feine ©teile ftnben» !Der öerbienjtt)olIe ©efd^id^t^^ 
fc^reiber ^reußen^ bürfte öor Mm im ©tanbe fein, eine toün^ 
fdiien^mert^e 3ufammenfteIIung aller einfc^lagenben ®er^ältniffe 
XU liefern» 

2)ie faffubifc^e Qpxaä)t ifl jn^ar nacf) ©c^affarif nur 
eine Slbart ber polnifi^en ^^; ba jebod^ biefe^ Solf bereite im 
13ten 3^Wit^^^^^ ^^ benUrfunben öon ben ©laöen auebrüdf:^ 
lid^ unterfd^ieben n)irb, unb bi^ auf ben l^eutigen Xag, tt>o eS 
nod^ eine JBeöölferung t)on tttoa 80,000 Seelen bilben folt, feine 
nationale 6igent^ümlid)feit mit ber größten 5Bel()arrli(i^feit be^aup^ 
tet, fo fdjien eine befonbere SBejeid^nung beffelben auf ber Äarte 
nid)t unangemeffen ^0» 

3)ie Sdttt>t>\)ntx ber furifd^en Sle^rung finb aU «n be^ 
fonbere^ S?öHd)en aufgeführt, mü i^re ©prad^e ber finnifd^en 



20) Schaffarik Gesch. d. slav. Sprache S. 34. 

21) (^eb^arbt fagt baöon a. a» D. 3:(;L 52. ©. 39: I^ie dafTubcn an ber 
2tha ntt>ti6)tn »on ben Söenbcn unb STcutfciSien nic^t nur burci() H)xt itleibung 
unb ©cbräud^e ab, fonbcrn jic 'otxaä^ttn unb I;af[cn au^ bic Xeutfci^cn fo fe^r, 
ba$ |te feine ^ere()eltd^unc) ober anbere ^ermtfd^ung mit feibigen bulben, unb 
toenn biefe Qt^6)äf)t, ben »ermetnten ^djiim^f mit 33lute abtoafdjien toürben k.** 
— ©erjog Sogi^tai) nannte jld^ fc^on im 3a]()r 1291 in einer Urfunbe Dei gra- 
tia Dux Slavorum et Cassubie. Sbenbaf. 



87 

nä^er »erwaubt fein foU, alei ber Settifc^en '^^) , worüber iä) bie 
ßntfd^eibung ®ad^funbtgen überlaffen mu^» 

@d)lie^ltd) mu^ id) nod; für fernere gorfd;ungen über bie 
©ermantftrung ber beutf(^en @lai)enlÄnber auf tint S3emerfung 
l^inn)eifen, bte bereite SRubl off in feiner @efd)ic^te ber Orafen 
»on 3)annenberö CZä^mxin 1789, 40 gemad)t ^at, unb bie anä) 
»• SBerfebe C^WieberUänb. GoL S3b. IL @. 773) beflätigt Die 
©laöen entridjteten nämlid^ feinen B^^nten, fonbern jal^Iten einen 
feflgefe^ten Äorn^ unb ®elbjin^ öon i^ren Sirfern. Durd^ tint 
beffere ^Bearbeitung ber öon ©la^en befehlen ©uter gen^annen 
bal^er nidjt bie ®ut^l()erren, fonbern nur bie Slnbauer, 
tt>ä^renb bie gut^l^errlid;e diente ber öon ben je^ntpfKdjtigen beut^ 
f^en Äoloniften befteHten Sänbereien mit ber befferen Sdtmxti)^. 
fc^aftung öon Sal^r ju 3al^r fiieg» 3)ie§ »eranla^te bann, mt 
au^ einer 5Wenge Urfunben ^eröorgel^t, fel^r öiele ©runb^erren 
bie flaöifc^en S3etool^ner i^rer Dörfer ju vertreiben unb T)t\xi^6)t 
bafelbft anjufiebeln ^^). 5Barum aber bie ©laoen niä)i lieber ben 
Bei^nten jaulten, aU ba^ Sanb räumten, ba^ ^abe id) nod) nid^t 
ermitteln fönnen» 

Slac^bem njir bie Sänber beutfd^er 3wnge in i^ren äußeren 
©rcnjen gefdjid^tlic^ ju beleud|)ten »erfudjt ^aben, fei e^ un^ "otx^ 



22) %^m. mtitm* W* 50, @, 307. Äo|il fagt bagcgen a. a. D. ©• 
459; ,.5öc|i|)reufen f)at Hof polni^^t dnda^t^ (etwa 350,000 (Seelen), D|l- 
|)reu§en aber audji Ietttfci()e (ettoa 6000 ©eclen) unb Htt^autfd^e (ettoa 
66,000), jene auf ber furtfdjjen S'^cl^rung, unb bicfe bei Xüfit unb G3umbinnem 

23) SBerfcbe, 9?{eberL Kolonien. 33b. II. ®. 773 unb 774, 5lnmerf. 118. 
J^er <Elavenjtn^ bef^anb für bie brei üon ^tinxiä) bcm ^Ötuen geftifteten 23i^- 
t^ümer ^la^eburg, ©cbtoerin unb ^ühtd n'oon jebem $aFen ober ftaöif^ien 
9)|l(uge brei bort üblidie 3Wa§ QJetreibe, einen ®4)iÜin9 an ®elb, eine dii^t 
Siad)« unb ein Jtüdblein". @. 778. w$e(mo(b rü(;mt au^brücfiid^, baß bie 
3el^nten im ©lavenlanbe burc^ bie ©intoanberungen ber 3^eutfc^en üermel^rt 
tüären". (Helmold L. I. c. 87 num. 14. „et auctae sunt deciniationes in 
terra Slavorum, eo quod confluerent de terris suis homines Teutonici ad 
colendam terram spatiosam« . . . .) 5luci() bie ®(aüen in granfen entricbte* 
ttn feinen ^t^nUn, »gl. ü. Cang, SBaieme (^ant ©♦ 121. 



88 

fiattet, beöor tt>tr gu ber Slbgrenjung bcr emielnen beutf(^m 3Munfc^ 
arten äbergel()cn, erjt noc^ einen S3lidf auf bie Äarte üon Suropa 
ju merfcn, um n)entgflen^ im SlUgemeinen We ©teltung ju erfen^^ 
nen, »eld^e bie ©efammt^eit ber germanifd^en S3e»ölferung unter 
ben übrigen »olföjidmmen biefe^ Sffieltt^eil^ fd^on öor 2000 3a^^ 
ren eingenommen unb bi^ auf bte gegentt)(Jrtige S^it bel^auptet ^at* 

9ie^men toix mit ©d^affarif an 0/ ba§ fid) in Suropa jwei 
große SBölferfamilien gefreujt l^aben, ndmlid) I. bie inboeuros 
p&ifi^e, bejte^enb ID au^ bem tl^rafifc^en C^Cbrafier, Orie;^ 
4)en unb Sateiner), 2) an^ bem feltogermanifc^en C^tU 
ten, Äimbern unb ©ermanenD unb 3) au^ bem tt)enbifd>en 
(Slawen unb Sitt^auer) ffiolföjtamme, unb IL bie notbifd^e^ 
meldte ID ben tberifd^en SSolf^ftamm Cbie Saufen), 2) ben 
uralifd^en CäWagparen, ginnen unb Sappen), 3) ben fau^ 
fafifc^en (Se^Kcr — 2baren — Xfdjcrfeffen, 5lbaiier unb*@ru^ 
jinier), 4) ben famojebifd^en, 5) ben türfifd^en (O^ma^^ 
nen, Äirgifen, S3afcf)firen kO unb 6) ben mongölifd^en QXax^ 
taren, Äalmpfen acO in ftd^ begreift; bann fdjeint bie Ui^ttxt 
guerfl in Europa angelangt unb »on ber inboeuropäifd^en bergen 
jialt burd^brocfjen worben ju fein, baß ein S^eil na6) bem äußere 
jten ©übmeflen — in bie pprenäifd^e ^albinjel — unb tin anbe^ 
rer, bie ginnen unb Sappen, in ben äußerflen Srtorben gebrangt 
ttjurbe, tt)ä^renb ber ^auptjtamm fid) in Äaufaften behauptet 
^ben mag» Die brei inboeuropäifcben SSolf^ftämme muffen too^ 
gleidf^jeitig eingerüett fein, bie X^xafitx im ©üben, bie Ä e U o^ 
germanen im Slorben unb im Slüdfen beiber bie Slawen; 
jie l^aben njenigjien^ — außer ben l^erbeigerufenen 5Wag9aren — 
fein frembe^ SSolf jwifd^en ftc^ anfiebeln laffen. 

SBctrad^ten mir nun, nac^ biefen Slnbeutungen, bie t>on ben 
2)eutfd^en, ben @Ia\)en unb ben SWagparen gegenwärtig bewol^n^ 
ten Sänberflredfen auf unferer @prad(;farte, fo bietet un^ bie gorm 
ber europäifc^en SSolf^grenjen tint bead^tung^wertl^ Slel^nli^feit 
mit ber be^ europaifc^en geftlanbeö bar. ®leid;tt)ie biefe^ »om 
2Weere augenfc^einlid^ am meiften aueJ 9iorbtt)eften bebrängt 
worben iji, inbem bie ©ewäffer öon ba au^ bie Weberungen über^^ 
flut^enb, überall, wo nidjt \)o\)t gelfenmauern ftd) i^nen entge^ 



1) (Bla'o. mttxtf)ümtx @. 27-39. 



89 

genflrilten, fctlförmig im feflc Sanb etngcfcrungcn fmt), unb öor^ 
gug^meifc in btefcr 3ltrf)tung Snfeln unb ^albtnfel« gebilbct l^abcn, 
bie noc^ je0t »ort gcwaltfamen Durd;brürf)en jeugcn; fo fe^en tt)tr 
fd^on au^ ber bloßm ©eflalt bcr (Spradjgrcnjcn, wmn unö aud^ 
feine gefcf)td;tltd)en 9Iad;rid)ten barüber htU\)xttn, ba^ ber Sß'6U 
ferjiurm öon Djten ^cr über ßuropa hereingebrochen ift. Da^ 
Donautm bilbet bie gro^e SSöIferftra^e, auf weld^er ©arma^^ 
ten, Hunnen unb 9(t)aren gegen SBeften vorzubringen fud^s^ 
ten. 2)ie le^teren jtünnten feilförmig burd^ bie je^t von ben 
aWagparen eingenommene ungarifd;e ßbene auf bie flavifc^e 9SöU 
fermaffe unb brängten ben einen St^eil nad^ bem abriatifd^en 
aWeere, ben anbern nadjj ben Äarpat^en unb nad[) ben bö^mifd^en 
©ebirgen, tt>o bie fortgefdjjobenen aWaffen an ber niebrigflen ©teile 
— burd^ 2Waf)ren — in ben bö^mifd)en 33ergfef[el einbrangen 
unb beffen ßbene befegten, )oäI;renb bie T)eutfd;en in bie 93erge 
»eidjen mußten, unb auf ben mä^rifdfjen ^ö^en ftd^ faum nod|) 
infetoeife ju behaupten vermod)ten- SWan jtreitet befanntlid^ nod^ 
immer, ob t>ie Deutfd^en im Sliefengebirge unb in ben ©ubeten 
Urbett)0^ner, ober germanifirte ©laven, ober aud^ fpdtere beutfd^e 
Sinwanberer feien *0^ «Ratten bie ftreitenben Steile bie 2Wunbart 
ber bortigen ©ebirgebemo^ner, flatt mit bem ©d^webifd^en, 
mit ben junäd^ft gelegenen ofterreid;ifc^^baierifd^en SWunbarten »er^ 
gleid^en moßen, fo l^ätte fid) vielleidjt fd^on f)erau^geflettt, ba^ bie 
beiben Ufer biefe^ f Iavifd;en 55oIf eprom^ , Deutfc^^5Wä^ren 
bei S^<^'9^ ^nb !Deutfd):^©d^lefien n^efllic^ von ©lag unb 
3cigernborf, bie ©puren früheren 3ufammen]^ang^ faft eben fo 
beutlid) tragen, al^ bie an bem !Dur^brud;e eine^ %ln'\^t^ jid) 
gegenüberfiei)enben gelfenmänbe ^)» 

3)er germariifd^e ©tamm ragt bann mieber feilförmig nac^ 
Stalien hinüber, unb mnn bie ©prad)grenje gegen granfreid^ 
biefe gorm weniger jeigt, fo miffen mir, ba^ bie fiegreic^en gran^^ 
fen unb 33urgunber fid) faft vereinzelt über ba^ ganje J!anb ver^ 
breiteten unb bei bem 9)?angel einer eigenen @d()riftfprad;e in Äur^^ 



2) $ofer, bae SRiefcngebtröe» J^ra^ 1841» (B. 99 ff» 

H) Genaue Sorfc^ungen ftnb meinet SBiffcn^ auc^ je^t (1849) nod^ nit^it 
an^t^tüi, bod^ i)at bie oben au^gefprodiene 25ermut(;ung mel^rfac^en 253iberf|)ru(|i 
gefunben. 



90 

gern mit ter befiegten 3W«ffe ju ßinem SSolfe jufammengefci^mol^ 
gen jinb* 

Äönnten tt)ir auf einer bi^ an bie du^erflcn ©rengen Suro^ 
}>a'^ fortgefe^ten Äpra(^farte noc^ mittx gen SEeflen blicfen, tann 
tt)ürben wir in benS3a^fen bie Ueberrefle ber 3berer^ in 
ben 33ergf^otten unb StUnbern bie ber Äelten, unb 
in ber ^Bretagne, in Gornwalli^ unb in 3Bale^ bie 
3laä)tommtn ber Äimbern finben, tt)elc^e bie SÄettung il^rer 
fflationalität unb bie bürftigen krümmer i^rer ©prad^en, bie tt)o^l 
einfi in ^atb dmopa gefprod^en tt)urben, ebenfalls nur fti^üftenben 
©ergen unb ©eiDdffem gu ijerbanfen l^aben* — 



316gteit}uitg ber t>etf^iebenen beutfc|>eit Wtnnbattcn. 



§. 10. 

2tII(jemetne aSemerfungem 

©ie Smitteluttg affer nocf) erfennbaren ©renken im Snnem 
be^ großen beutfdjcn ®prad)gebiete^, bie SÄec^tfertigung biefer 2lb^ 
grmiungen burcf) Darlegung ber ©prac^eigent^ümtic^feit tint^ 
jeben gefunbenen ®})racf)bcjirf^ unb bie gefc^id^tltd^e ^Jari^tpeifung, 
ob irgenb tint frühere öint^ettung be^ Sanbe^ biefen ©prac^gren^ 
gen entfpred^e, ober bereu ßutfle^uug erläutere, ba^ ifl bie große 
Slufgabe, gu bereu Söfuug iö) burcf) biefe^ ©c^riftc^eu bie ®e^ 
fd^ic^t^öereiue l)eutfd^laub^ ^u i^erautaffeu beabftc^tige* • 6^ »er^ 
fle^t itw^ bemuac^ »ou felbjl, baß tint wirHic^e 9lu^fü^ruug bef:^ 
[eu, ma^ ja erfl uoc^ geteiftet »erbeu [off, uub auf eine einiger^ 
maßen befriebigenbe 333eife aud^ nur burc^ vereinte Äräfte gelet^ 
fiet »erben fann, ^ier gar nic^t erwartet »erben barf. Denn mx 
möä)tt fi(^ wo^t für ^inlängticf) befähigt Ratten, um ber im SWunbe 
öon beinah 50 SWiffionen 9Wenfcf)en lebenben beutf^en <Bpxaä)t, 
unb ber größtent^eifö noc^ in fc^mer jugänglid^en ^ro^injial^ unb 
gamilicn ^ 2lrd;ii3en ru^enben beutf^en ®pecialgef4)ic^te i^re »er:^: 
borgenflen Oe^eimniffe abxulaufcf)en, felbfl »enn tin günftigeg 
©efd^irf \\)m gemattete, ber ßrforfd^ung biefer ffier^ältniffe ein gan^ 
jeö geben unauögefe^t ju mbmen? 

6^ [off ba^er in bem golgenben nur ux^u^t tt)erben, einen 
erflen 2lnl^alt^^)unft für fünftige gorfd^ungen ju liefern unb ju^ 



92 

glcid) ju jeigen, »ie fc^tDanfenb in bicfcr ©ejie^ung bte mciften 
Slngabcn fmb, fobab fie etma^ me^ral^ allgemeine Umriffe geben 
tt)olIen* 2luf btefe SEeife ^offe id), einen jeben ®acf)funbigen um 
fo e^er ju t^ermßgen, ba^ er bie etn)a ijorgebrac^ten Strtljümer 
bericbtige unb bie Sücfen ergänze; mobei übrigen^ nod^ au^brücf^ 
liä) bemerft werben muß, baß bei ber Bct'fplitterung biefer 8ite^ 
ratur, mld)t in allen mögli(l)en S^itf^^if^^^ unb 3Solf^büd^Iein, 
bie häufig nid;! einmal. in ben SBuc^^anbel gekommen ftnb, jer^ 
ftreut ift, eine genügenbe SoKfldnbigfeit ber ^ülfemittel ebenfalls 
erft burc^ bie SWitwirfung ber iJrttidjen Vereine erjielt merben fann^ 

53ei einer 3ufammenfteUung beffen, tt)a^ in ben angegebenen 
SBeiie^ungen bereite geleiftet ift, muß td^ öor Sitten ben SWeijier 
affer munbartlid^en 5orfcf)ungen, ben gebiegenen ©d^m eil er 
nennen unb babei ben Sßunfcf) au^fpredjen, baß fid^ für bie 
3Wunbarten 9iieberbeutfd>lanb^ unb 2Wittelbeutfcf)lanb^ jwei 3}l&n^ 
ner öon gleicher ® r ü n b l i cf) f e i t unb eben [o ijoffenbeter Ä l a r^ 
l^eit finben mö^tm. Dann tDürben äffe nocf) lebenben SBur^ 
gelfafern be^ gefammten beutfd^en @pracf)[cf)a^e^ nid^t minber forg:^ 
faltig erforfd)t unb benu^t n^erben, al^ bieß »on unfern 8anb^^ 
leuten Orimm unb bem unermüblidjen, leiber fd^on ba^in ge^ 
fd^iebenen-Oraff ^inftcf)tlic^ ber fdfjriftlidfjen Überlieferungen 
unb ber bereite au^geflorbenen Überbleibsel unferer ^pxad)t 
mit fo glänjenbem Srfolge gefc^e^en ifl* — 2lud) erfd^ien e^ un^ 
nicf)t unmefentlidf), bie "oon ©c^meller mit Umjic^t unb ©ad^^ 
fenntniß gewählten ^Benennungen unb Sautbejeidjnungen moglid^fl 
beizubehalten , bamit nic^t auf biefem neu eröffneten gelbe wiffen^ 
fcf)aftlid)er gorfcf)ung al^balb, burcf) rücffic^t^lofe SBifffür, tint 
©pracf)i3ertt)iiTung herbeigeführt werbe, ber in ber SRegel bie 33e=^ 
griff^i^erwirrung auf bem guße folgt. 5ln »amenben ©eifpielen 
biefer 9lrt fe^lt eö in ber beutfdfjen Literatur leiber nid^t. 

3u 3Sermeibung ä^nlicf)er Übelflänbe ^abe td^ mid) bei ber 
S3ejeid^nung ber einzelnen ®pradf)gebiete ebenfaff^ fajl ganj an 
@d;meffer angefcf)loffen, unb red^tfertige beß^alb auc^ bie 33enen:^ 
nung ber brei ^auptmunbarten Deutfd;lanb^ mit feinen eigenen 
SBorten 0: ♦ • ♦ ^/jebe ©pradfje, bie fic^ über tinm tttt>a^ grö^ 



1) <B^mtUtT, bte üWunbartcn SBayern«. Wm(i}tn 1821. 8, ©. 4 u. jf. 



93 

^eren, mä) Sage unb iilima »erfc^iebenen grb^SRaum »erbreitet 
Cfpaltet fid;) not^tDenbtg in aWunbarten unb Dialelte, bie iugleid^ 
bei gleichen 9Jamett unb formen nur burcf) bie 3lu^fpracl)e 
i)on einanber abn)eid)en, balb aber aui^ in it)xm gormen unb 
gule$t gar in i^ren 9t amen einanber unäbnlid^ unb fremb merbem" 

„@o finb burd; ben ^auptproce^ alle^ SBerbenei in ber 
(2prad;e, bie Sluöfprad^e, f^on in grauer SSorjeit bem germani:^ 
fd)en ®prad;^®tamme ^meen gre^e ©eitenäfie entwadjfen — ge=? 
gen 9Jorben über bie [!anbinat>ifcf)en Sufellänber l^in unb 'otv^ 
mut^lid^ früher ber (Sine, ber Slnbere gegen ©üben ben Sllpen^^ 
X^älern ju. Der ®tamm^ ober ^aupt^^Slft ift an ben Äüfien 
ter See unb an ben junäd^ft baljin fübrenben 2l'affern geblieben^" 

//Diefer n)irb gemö^nlit^ ber nieberbeutf^e ober niebere, 
fein füblidjer, in ^ocf)beutfc^lanb ^errfd^enber ^laö^hax ber \)oä)^ 
beutf^e ober i)ot)t, unb fein nörb lieber ber norbif^e ober 
fcanbinaüifc^e ©prad^^Slft ober ^auptbialeft genannt" 
. . . . fßWlan fielet, baf biefer 3lu^brucf l^od^beutfd) ^ier im 
@egenfa$ t^on nieberbeutfd^ unb nid^t in bem befcf)ränf ten 
SSerftanbe genommen ifl, nacf) toeldjem man feit 5lbelung bie 
©pra^e blo^ einee X^eile^ t^on ^od^beutfd^tanb ate auöf^lie^^ 
lid) ^od)beutfd) aufzuführen pflegt — aud) nid^t in bem beliebten 
figürlichen Sinne, nad; mlä)tm man unter ^od)beutfc^ nur bie 
©prad^e ber ^ö^eren ober ©ebilbeten Cbie beutfcf)e ©d^rift^^^ 
fpracf)eD ju öerfteben geioobnt ifl." 

//Snfofern fic^ ber 'Liakit be^ oberen ober füblic^en St^eile^ 
»on ^od)beutfc^lanb »on bem be^ me^r nörblid)en, an bae '^it^ 
berlanb flo^enben X^eile^ allerbing^ unterfdjeiben läßt — foß 
jener alö oberbeutfd)er, biefer al^ mittelbeutfd)er beieicf)net, 
unter bem 2luebntcf ^oc^beutfd^ aber fotten beibe i^erflanben 
tt^erben/' 

Da^ gefammte OeiuDgermanifc^e ©prad()gebiet tl^eilt iid() benu? 
nac^ in brei ^auptmunbarten, nämlid(): 
i) bie nieberbeutfc^e, 

2) bie norbifc^e unb 

3) bie ^oc^beutfc^e. 

Die nieberbeutf^e SWunbart glaubt ©d^meUer alö bie 
ältere bejeid^nen ju bürfen, toeil ,/meber ber füblic^e nod^ ber 
nörblid^e |)auptbialeft mit ben älteflen Dofumenten ber germani^ 



94 

f(^ett <Zpxad)t, befonfcerö fcer anbcrt^albtaufenbid^rigen SdihtU 
Uberfeftung bc^ ©ot^en^Sifc^of^ Ulftla fo fe^r übcreinfltmmt, 
al^ ber ntebcrbeutfcf)e Qm feiner früljeren OeflölO unb ba ftd^ bie 
(Eigenheiten biefe^ leiteten noc^ je^t, t^eilmeife, [owo^l burd^ bie 
l^o(i()beutfc^en al^ burd^ bie norbbeutfc^en 3Wunbarten jie^en*" 

l)a^ ®prad;gebiet ter norbifd;en ^auptmunbart 
fonnte auf berilarte nid)t öotlftänbig bargefleßt merben, o^neben 
3Wa^flab ber Äarte bergeftalt xu'ijerfleinem, baf bie Deutltd^fett 
ber ©renäbeftimmungen barunter gelitten ^aben mürbe; bod^ barf 
man mo^l hoffen, bap bie ÄöntgL Dänifd^e Oefettfc^aft ber 3ßif:^ 
fenfd^aften ju ilopen^agen i^re Slufmerffantfeit aucf) biefem ®e^ 
genftanbe junjenben unb eine geogra^)^tfd^e Slbgrenjung ber nor^ 
ii^tn 3^t\Qt unferer ©efammtfprac^e »eranlaffen mirb» 

l)ie ^oc^beutfc^e ^auptmunbart jerfäKt nad() bem, tt>a^ 
oben gefagtifl, lieber in iwei Slbt^eilungen: in bie oberbeutfd^e 
5Wunbart unb in bie mittelbeutfc^e. l)ie au^ ber l^od^beut^ 
fd^en 5Wunbart, jebod^ unter bebeutenber Ginmirfung be^ Webern 
beutfd^en ermadjfene gemeinfame ©d^riftfprac^e, tt>elcf)e bann miu 
telfl ber ©dfjrift lieber in^ 8eben getreten ifl unb mit mel^r ober 
weniger laubfc^iaftlid^en Slnftöngen »on bem in allen ®egenben 
jerfhreuten SSolfd^en ber ©ebilbeten gefprod^en wirb, foU l^ter jum 
Unterfcf)ieb i^on ben eigentlid^en SBolf^munbarten fc^riftbeutfd^ 
genannt werben. 

Sftgtenjung bet nfebetbeutfd^en SUlunbort gegen bte notbtfd^e. 

X>k norbifd;e 9Bunbart fc^eibet fic^ »on ber nieberbeutfd()en 
im ^erjogt^um ©rfjle^mig. Seiber finb bafelbft bie beiben ©d^we^ 
flerfpra^en feit ^di^x^unitxttn in einem ä^nlid()en Äampfe um 
bie Dber^errfd()aft begriffen, wie in jüngfler ®ergangenl^eit tn 
^Belgien bie ^oHänbifd^e aSunbart gegen bie brabantifd^ ^ flämifd^e 
anfämpfte, unb wie bie rufftfc^e ©prad^e nod() fortmdl^renb bie pol^ 
nifc^e ju erbrüdten flrebt. ^olitifd^e 5lücfftc^ten ^aben biefen Äampf 
in ©c^le^mig neuerbing^ fo gefleigert, baf e^ \d)mx wirb, ganj 
unparteiifdfje B^wgcn ju finben unb barum ifl bann aud^ eine 
ganj genaue ©renje jwifd^en bünifd^ unb beutfd() faum ju 



98 

ennitteltt^ %\x^txitm ^aben [\^ auf biefer ©renjc nid;! nur brci 
»erfc^iebene 3Solf^^9Wunt>arten fafl in einanber öerfd^obm , fonbem 
bie beutfd;e ©d^rtftfprad^e ifl fclbjt über bie ®renjen ber i^r ange^ 
l^örenben SWunbarten in einem bebeutenben rein^bänifrfjen 33ejirfc 
aU ^ird)tn^, @d;uU unb 35ertt)aUung^fprac^e ^errfc^enb* 

dlad) bem bereite früher au^gefproc^enen ®runbfa|ie, bat 
bei ber ijorliegenben ©renjbeftimmung bie gamilienfprad^e ber 
33emo^ner be^ platten Sanbe^ entfc^eibet, beginnt auf ber 
Äarte bie ©renje jtt)ifd;en Dänifd; unb Deutfc^ an ber 2Bibau 
bei Xonbern, jie^t jid) in füböfllid^er Slic^tung bi^ beinahe in 
bie WHittt jtt)ifd;en ^ufum unb ©d^leemig unb n>enbet fi(^ y>on ba 
n>ieber norböftlid^ nad^ bem aWeerbufen bei glen^burg, fo ba^ 
S^onbern im bänifc^en, ^ufum, ®d;le^wig unb Slen^burg 
tm beutfc^en ®pra^gebiete liegen 0« 

3m bänifd^en Sprachgebiete finb nod^ jmei 9iebengt:enjen 
angegeben. Die eine, öon Xonbern oflnjärt^ nad^ bem flen^bur^ 
ger 2Weerbufen, bejeic^net bie Äirdjen:^ unb 'Scf)ulfprad^c, 
tt>tlä)t im ©üben biefer Sinie beutfd), im 5Worben berfelben bä^^ 
nifc^ ift. Die anbere ®renje, öon SBiborg nac^ ^orfen^, be*= 
jiel^t ^x6) auf tint Sigent^ümlid^feit, »elc^e bie bänifd^e SJolf^^ 
fprac^e im SBeflen biefer Sinie au^^eid^^net: e^ wirb nämlid^ t^on 
ber beutfc^en ©prad^grenje an bi^ in biefe ©egenb ber Slrtifel 
auf beutfc^e SBeife öor ba^ Hauptwort gefegt unb nic^t, wie 
im Dänifd^en, bemfelben angefügt, unb man fagt bemnad^ 
im fübtt)eftli(i()en 3ütlanb ä SWanb, ber SWann, ä 93 am, baö 
Ätnb, ftatt aWanben, »arnet ^D. 

Diefe (Srfc^einung beutet unflreitig auf tint fd^on cor 5llter^ 
(Statt gefunbene ffiermifc^ung ber beutfc^en unb ber bänifd^en Sbt^ 
ööHerung Sütlanb^ ^in; fei e^ nun, ba^ nac^ bem 2lbjuge ber 
Slngeln unb ©ad^fen nac^ ßnglanb, einwanbernbe Dänen nod^ 
eine anfe^nli^e @tammbet)6lferung öorfanben, ober ba^ beutfd^c 
ßinwanberungen in urfprünglid^ bänifc^e^ ®ebiet bebeutenb genug 
xoaxtn, um ber Sanbe^fpra^e nn fo d()arafteriflifd;e^ SWerfmal 



1) SSergL F. H. J. Geerz, Karte zur Uebersicht der Volks- und Kir- 
chen-Sprachen im Ilerzogthume Schleswig. Eutin 1838. 4. 

2) (J(>rijl. JJöulfen, ühtx ^cim^ümli^Uit unb <Biaamt^i M ^crjog- 
tjiumei @(^Ic0»iö. Äicl 1832. (©. 5. 



96 

aufjuprägen» Äaifer Dtto h brang aUerbingg auf [einem gelbjuge 
gegen ben bänifrfjen Äönig ^aralb 33taatanb C^laujal^n) btö an 
ben Simftorb i3or unb fttftete, nad^bem er^aralb jur Slaufe genöt^igt 
l^atte, 965 bie 33t^t^ümer ja Slar^uu^, Slipen unb ©d^lc^^ 
»ig ^); ba jebo(^ öon befonberen beutfrfjen Sintt)anberungen in 
jener 3^'^ ntc^t^ gemelbet wirb, fo lä^t [x^ faum glauben, ba^ 
[c^on burd; einige ©eiftli^e eine \olä)t 3lenberung in ber ©pred^^^ 
»eife ^abe beimrft werten fönnen, 

3)aö ®ebiet ber 2lngeln, welche bereite im achten 3a^r^ 
l^unbert an ber Dftfee —-im\ä)tn glenöburg unb S^leöwig — 
»orfommen unb no^ jeftt biefen 9Jamen behaupten, ifl ber 
nieberbeutfd^en Sprache jugejä^lt »orben, wiemo^l bafelbfl eigent^ 
liä) eine befonbere bänifd^e SWunbart ^errfc^en, ober ijielmel^r ge^? 
I^errfd;t habtn foK* ©eerj bejeic^net • biefen Sanbftric^ wenigflen^ 
mit wMehr Deutsch als Dänisch '^ unb Pfarrer S^ttfen in ®tU 
ting fagt; ,/9Je^men wir nun fem er Sing ein mit feinen 48 
Äir^fpielen unb reic^lic^ 45,000 Sewol^nern, bie in Gl^arafter 
unb geben^weife in mand)en 33e5ie^ungen öon ben Dänen abwei^^ 
^enb, benno^ »ormal^ ftd) ber bänifdjen Sprache mit etwo^ 
befonberem Dialefte bur^gängig bebienten, fo wirb and) biefe^ 
Säuberen balb, \t>a^ bie ®prad;e betrifft, ganj beutfc^ fein, mt 
bie^ fcl)on läng^ ber @cf)le9 ber gall ift, wo man faum nod^ bd^ 
nifd^ fprec^en ^ört, e^ fei benn t)on ganj alten Seuten, wä^renb 
je weiter nac^ 9iorben ^in, befto me^r bie ßrwaci^fenen unter jid^ 
Ddnifd^ fpredjem 3lber bie Äinber »erfte^en im füblidjen Slngeln 
fein Deutfcl^ me^r, aud) ^ier im Äircf)fpiel ©elting nic^t, wo 
bocf) mitunter @rwacf)fene eö fprec^en; jwifd^en l^ier unb glen^^ 
bürg wirb e^ t^on ben ^inbem nod^ t^erflanben, aber nidjt ge^ 
fpro(i()en, fowie auc^ burc^gängig bie ßltern ftd) enthalten ju ben 
^nbern bänifcf) ju fpred^en, au^ ©runbfa^, um bem ^od^beut^? 
fd^en ®d^ulunterricf)t nid;t ^inberlic^ ju fein* Dennoch tonen in 
bem ^lattbeutf^, toa^ gefproc^en wirb, anglifd^er Dialeft unb 



3) C. SRof, ®efc^idS)te ber ^erjogtl^ümer (Sc^lc^toig unb ^oljlctm Atel 
1831. ®. 13. 

4) ©ebfiarbi, ®efc|). »ort Dänemarf (^lagern. 2BeIt()iil. X^L 32. (5. 284. 
Slnmerf. 5J?. 

5) Dr. $. m. 51. 3enfett, SSerfut^ einer fir^Uc^en (Biati^if bed ^erjog- 
t^um« ®4ile0tt>ig. glen^burg 1840. §. 5. 



97 

bänifd^e Sonfhruction burd^, fowte einzelne ia\)tx entlehnte SBörter 
unb SÄebenöarten," 

T>tn Slngeln gegenüber, an ber Äüjle ber 9Jorbfee imtfd^en 
Sonbern unb ^ufum unb auf ben benachbarten Sttfeln ®9lt, 
gß^r, Slmrum unb einigen Heineren lebt ein nid^t mtnber merl* 
»ürbige^ Sßlfd^en, bie 9lorbfriefen, n^e^e, bereite »or ntel^r 
aU 1000 ^a\)xtn öon ben Danen untermorfen, bennod^ eine 9lrt 
»on ©elbfljlänbigfeit bewal^rt ^ben unb no6) j[e$t in betnol^ 40 
Äir^fpielen i^re eigene mit beut 9lngelfd(i()jtfd^en [el^r nal^e 'ott^ 
»anbte aWunbart reben ^. 

Die 9lorbfriefen jinb öon ben Slngeln burd^ eine banifc^ 
tebenbe 33eö6lferung getrennt/ meldte teilfömiig ba^mifc^ett 
eingebrungen i% 3luc^ bei biefen mad^t bie ®emtanifirung täg^ 
K^ grJ^ere Sortfc^ritte, weil felbfl ba, bie ju ber auf ber Äartc 
angegebenen ®renje, bie Äird^en^ unb ©c^ulfprad^e beutfd^ i% 
QUid)toit bei ben 5Rorbfriefen unb Slngeln. — SBeiter füblid() l^errfd^t 
bann »on ber Dflfee biö jur 5Rorbfee eine nieberbeutfd^e 
SWunbart, ml^t an ber unteren Siber an bie SWunbart ber 
Ditl^marfd^en, nte^r ßjllid^ an bie l^oljleinfc^e SSolf^munbart grenjt. 
©ie iji »on beut l^olfleinifd^en Slieberbeutfd^ nur wenig t)erfd()ieben. 

9lug biefer Darflellung gel^t nun allerbing^ l^eri^or, ba^ bie 
gegenwärtige ©pradtjgrenje nid^t me^r turdS^aug aW SSolfö^ 
grenje betrad^tet werben fann; inbeffen ftnben wirbod() jugleid^, 
baß bie ©efd^id^te ber Solf^flämme jtd^ gewijfermaßen in ben 
©renjtjerl^ältnijfen ber JWunbarten abfpiegelt, mitbin aud^ ein 
SRüdffd^luß öon biefen auf jene nid()t uniuläfjig ifl. ^äittn wir 
and) feine fo genaue Äunbe ^on ber Slu^wanberung ber ©ad^fen 
unb Slngeln unb fton bem Vorbringen ber Dänen, fo würbe utfö 
bod() ber noc^ »or^anbene 9Jame Slngeln auf Snglanb l^tnwei^ 
fen, unb bie feilförmige ®^)rad[;grenje ber Dänen bag zeitweilige 
Übergewicht biefeö SSolfeö beurfunben* Daß im ©üben ber Siber 
feine <Bpnx norbifc^er SWunbart ju finben ifl, liefert ung ben ^\ä)tx:f 
Pen ©eleg, baß bie öonÄarl bem®roßen im3ö|)r 8H bejHmmte 
9lorbgrenie be« beutfd^en 3teid()ö eine SBal^r^eit gewefen unb ge^ 
blieben ijl* Der nädt^jle gortfcl^ritt ber Deutfcf)en war, im ^a})x 



6) Outzen Glossarium der friesischen Sprache. Kopenhagen 1B31. 4. 

<B. XI. u. xni. 



98 

931, WeOrünbung itx @c^legtt)igfc^en maxi burc^ Äönig 
^einrid^ L, jwifc^en ber oberen Siber, ber Xreen, bcm 
D a n n e tt) e r f unb ber @ c^ l e 9* l)arum ftnben jid^ in btefem 
SanbfWd^ nur einige »enige ©puren ber jwanjtgjäfyngen bäni? 
fd^en ^errfc^aft in einjelnen Drt^namen, bie jtdb l^in unb toieber 
erl^alten l^aben. T)it ©runbbeöölferung tt)ar gewiß fc^on bamatö 
beutfd^, benn bie nieberbeutfc()e SSunbart bafelbft ift rein, unb 
bie Ij^olfleinifd^e 33auart ber Käufer, ol;ne Sd^ornflein, fomie bie 
])änüiä)t Seben^art überl^aupt jeugt »on beutf^em ^erfommen* 
35agegen erfennt man an bem bänifcf)^anglif(i^en Deutfd^ im 9ior^ 
ben ber ©d^le?, fomie an bem friefifc^en Deutfc^ ixa 5Worben ber 
Gibermünbung, baf inbiefem ganzen Sanbftri^e We nieberbeutf(i()e 
Sprache ba^ Übergett)icf)t über flammöerwaubte SWunbarten erlangt 
^at Über ba^ Vorbringen ber frieftfd^en 3Wunbart fagt 3cnfen 
Ca* a. O. §♦ 6): „3)a^ griejtfd^e \)ai fi^ verloren au^ (Eiber^ 
jlebt, i)on ^etlmorm unb^ 9iorbftranb, wäf^renb bie Sdmof)^ 
ner ber galligen, fomie ber 3nfeln Slmrom, gö^r unb ©plt 
i^re alte 3Solf^fpracf)e beibehalten l^aben, neben meld^er auf göl^r 
unb ©ptt aber bur(^ bie mltn Dienflboten ba^ Ddnifd^e aud^ 
gangbar geworben , mie aud^ auf ber 3lorbfpi0e »on ©^U bänifd^ 
gefprod^en mirb* 2luf bem gefllanbe ifl ®^obüll bei «^ufum 
ba^ füblidf)fle Äirc^fpiel, mo man ba^ griejtfc^e nod^ l^ört, fomie 
in bem angrenjenben ^attflebt. 3n ber Sanbfd^aft 33rebjiebt 
ifl mit Slu^na^me ber beiben öfitid^flen Äird[)fpieU SSiöl unb 
3olbelunb ba^ S^efifdi^e bie l^errfd^enbe SS^lf^fpradj^e; bod^ ijl 
ba^ $lattbeutfdi;e nid^t unbefannt unb man l^ört e^ namentlidj^ 
im glecfen 33rebftebt unb ben anftoßenben ÄiJgen* 3«^ 2^on«= 
bernfd^en finb in Äarr^arbe friejtf^ bie Äird()fptele Snge Ciebodj^ 
mit Slu^nal^me be^ Dorfes ^oljacfer) unb ®tebefanb, fomie 
tin Xl^eil be^ Äirc^fpiel^ £ecf c^lintum unb ©dfjnatebul) 
mä^renb in £ecf felbjl megen be^ SSerfe^ri^ bänifd^, beutfd^ unb 
frieftfc^ gangbar jtnb* 5rieftfd() fmb enblid() bie Xonbemfd^n 
2Sarfc^|)arben; bod^ mirb in SBibingl^arbe im Äird^fpiel 9leu^ 
fird()en f^on »iet bänifd^ gefprod^en, obgleid^ ber Stamm ber 
ßinmo^ner frieftfd^ ijt, unb in Slöentoft ift ba^ griejifd^e ganj 
»om I)änifcf)en t^erbrängt" ♦ • . . 

Du^en, metd^er ben Orunbfloff, ober nad^ feinem 91u^j^ 
brudP bie Btttc ber fd()te^migfc^en ©prac^e für angelfä^fifd(> 



99 

plt, bte inxä) altgotl^tfd^en unb altfriefifd^^en Sinfc^lag ju einem 
bänifd^en @ett>ebe geworben ''D, bel^auptet babei, baß ba« Danfc 
fd^e erfl fett Snbe be^ iOten 3a^rl^unbert^ tn ®(i()teöwig ®n^ 
gang gefunben unb allntd^ltcf) bte Über^anb gewonnen l^abe* 
©oUte inbeffen bte ©ilbung be^ Ddntfc^en tn*@d^le^wtg rt>ixtliä^ 
tn eine [o fpcite 3^* fallen, bann fann bod^ m^l ^ä)mxli6) t)on 
aWifc^ung mit ber altgot^ifc^en ©pradf^e bie JRebe fein! — Die 
©nfiibrung be^ Deutfdf^en begann mit bem 3a^re 1326, atö 
Äönig SBalbemar III. t>on 2)änemarf feinen D^eim, ben ®rafen 
©eir^arb ben ®toßen i^on |)olftein unb beffen ßrben mit @d()le^i^ 
»ig belehnte, mit ber au^brücflid^en ©rfldrung, baß bieß 8anb 
nit »ieber mit Ddnemarf vereinigt werben, unb bem^ 
nad^ din unb berfelbe Sürji nie ^tvx beiber 8dnber fein 
foUe. Diefe Serbinbung ®d()le^tt)ig^ mit |)olftein war jwarnur 
tin aSorfpiel ber erfi im 3a^re 1386 eingetretenen bauernben 
SSeteinigung, unb tro$ ber angehängten Älaufel, mlä)t bereit* 
4460 in aSergeffenl^it geratben war, würbe ba* ganje ^rjog^ 
tl^um @d^le«wig i. 3. 1721 bem Königreiche Ddnemarf förmlid^ 
einverleibt. 3nbeffen warb bie beutfd^e ©prad^e fortwdl^renb be^ 
günfügt unb mitunter nid^ ol^ne ©ewaltfc^ritte tjerbreitet. ©eb^? 
l^oTbi ®) fagt in biefer 33ejie^ung: //bie ©rafen yjon ^oljiein fin^ 
gen an, fid^ für unüberwinblid) ju l^alten, • . . tjertrauten i^re 
©d^löffer unb alle bdnifc^en 33eji$ungen nur ben Steutfd^en an, 
liefen burd^ felbige ben gemeinen aWann jur Srlemung ber teut:^ 
fd^en Spraye jwingen, unb ba* l^olfleinfd^e fücd^i anftatt be* 
bdnifc^en einführen" • ♦ • ♦ Um biefe 3^it mag bann auä) bie 
beutfc^ Äirc^enfprad^e in ganj ©übfc^le^wig, fowo^l in bem frie^ 
fifd^en aU in bem angelfdj^en unb bdnifd;en 5E^eile ©ngang ge^ 
funben ^aben. älnfang* war e* natürlid^ bie nieberbeutfd^e 2Wunb:^ 
art, in ml6)tx bafelbft gefc()rieben unb gelehrt würbe; erfl fet> 
ber yjlittt be* jtebenje^nten 3cii^t^uwbert* gewann ba* ©d^riftW 
beutfc^e bie Dberl^anb. 3^nfen melbet barüber Ca. a.D. §. 6): 



7) 9{« Ou^en: Über bie banifd^e ^pxa^t im (Bd^lt^^i^j^tn, aU gefrönte 
yni^^ä)xi^ iufammengebntdt mtt i£. <S. ^erlauff, i'tber benfelben (i^egen^anb« 
Sbpti^a^tn 1819, 8, ©, 5 unb 28, 

S} (^tbi^axli, (Bti^i^tt \>t>n DäftentAtf. m^m. Sßelt^ifh^rie. Z^. 32. 
(5. 594. 



100 

3n glen^burg warb balb nad^ 1600 juerfi burd^ M. Dame gu 
©t* 9JicoIat fd^rtftbeutfcij^ geprebigt; in ©elting prebigte man 1621 
unb f})äter nod^ nieberbeutfd^. ^a 1635 marb ?)aul Söaltl^erd 
/fÄerfen^j^aubbofefd^eu" in glen^burg gebrudft* Drei^tg 
Saläre fpdfer C1665) [agt oagegm Dleariuö in ber Sorrebe 
ju fetner 9lgenbe, baß er biefelbe beßl^atb f^erau^egeben^ weil 
//bie meiflen ?)farrer il^re 5>rebigten unb ©otte^bienfl nid^t in nie^ 
berfad^jifc^er , fonbem in |>od)beutfd^er ©prad^e" tjerri^teten* Sludj^ 
bei biefem Übergang warb mitunter l^art »erfal^ren: „^n O^tn^ 
felb warb 1678 ber bortige Äüfier ^anö Sammert ^om @u<)er^ 
intenbenten abgefegt, weil er nur <)lattbeutfd^ fingen fonnte* Um 
biefelbe 3^ft befal^l bie ^^erjogin SWaria Slifabet^ bem bortigen 
^aflor Sngwaru^ ^etrdii bei Serlufi feinet Dienfleä l^oc^beutfd^ 
ju prebigen» 2)er ^ofprebiger biefer ^erjogin, Solfbarbu^ ^ap^ 
fen, gab fein 3lmt auf, weil i|>m ba^ ^o^beutfd^e fd^wer fiel, 
unb jog nad^ ^attflebt, wo er wol^l bi^ an fein @nbe C1679) 
wirb <)lattbeutfd^ geprebigt Ij^aben.'' Der Äßnigl. ©eneralfuper^ 
intenbent ©tep^an Äloft cl 636 — 1668) fott bie ©nfü^rung be« 
©d^riftbeutfd^en öorjug^weife betrieben l^aben* 

©egenwÄrtig l^aben naä) 3enfen öon tttoa 340,000 ®d)lti^ 
wigern 208,000 fd^riftbeutfd^e Äird^en^ unb ©d^ulfpradj^e, 
unb i)on biefenreben etwa 27,000 friefift^, 120,000 nieberbeutfd|>, 
10,000 bänif^, bie übrigen bcinifd^ unb beutfdj^ gcmifd^t* Die 
bänifd()e Äirdden?^ unb ©d^ulfprac^e })txx^ä)t bei etwa 110,000 
&ntoo^mxn unb bei 22,000 werben bie beiben Äirdj^enfprad^en 
abwed^felnb gebraust, ^aulfen bagegen fagt Ca. a* Ö. ©♦ 4): 
/,e« fpred^en bemnac^ ijon 330,000 (S^le^wigem auf 165 DSM- 
ungef% 185,000 auf 100 02»- banif^/ entweder attein ober 
neben bem beutfdben, alfo noc^ ^iel über bie "Hälfte, unb für ein 
Drittel ifi bie beutfd()e ©prad&e eigentlid^ eine ganj frembe." *) 
Ä. 3« Slement ^®) bagegen gibt folgenbe S^^tn: 



9) 9?ad(i mtmntx (Voyage en Danemarc, Li^ge 1842) {jl Me 3nfel 
Slmaf Ui ^optn^aQtn \>on ^onänberh colontftrt unb bte Semc^ner f|>re(^en 
w^ je^t ein 9{ieberlänbtf(i(i, totl^t^ bnrd^ ben iBerfel^r mit ben puu^i^tn 
Ofifccfüjlen ö{cl ^t\)nli^Uit mit ber bortt9en !Wunbart befonwien t}at @tr. 

10) Über bie ©t)ra(^;öer(>ältniffe im ^erjoötjium ©cä^le^toig unb bie ©ren- 
ken feiner beutfcijfen unb bänif(^en ^Nationalität, in ^txiätx*^ Qktmania IL 
338 - 357» 



101 

3)eutfd>e ©tabt^ unb Sanbbeöönerung 188,750 
griefm auf ber SEBeflfeite 70,000 



al\p Dmtfd)e unb griefw 258,750 unter einer ®i^ 
fammtbeöölferung t)on 350,000, fo baß nur 91,250 Dänen hltU 
ben» Die beutfd^e ©tabibet^ölferung wirb i>on bemfelben ju 
40,000, bie bdnifd^e ju 26,000 angenommen* Die ^erml^uter:? 
colonie S^rijtiangfelb C1772 angetegO, norblid^) öon ^aberg^^ 
leben, mit 6—700 ginwo^nem, ijt ^od^beutfc^. 3n ben®täbten 
C>aber^Ieben C6000 bänifc^e ©nwo^ner) unb SlpenrabeC4000 
bän. 53ett)0 ijt bie ©prad^e ber niebem ßlaffe bfinifd^ unb in 
glen^burg tin »om Ddnifc^en jtarf tingirteö ^lattbeutfd^. 3« 
aßen brei Stdbten ifl bag ^od^beutfc^e in ben legten 30 3al^ren 
in ben anfe^nlid^eren Sürger^dufem ^iel ^errfc^enber gemorben. 

?luf allen »ejt^fd^legtt^igifd^en Silanben, mit Slu^nal^me 
?>etoorm'g unb 9lorb jtranb'g , tt)o ein mit griefifd^^em fiarf ge^ 
mifd^teö ^lattbeutfd^ ^errfd^t, unb beö Dörfc^en^ 2iji, auf ber 
9iorbfpiße ©plt*^ , wo banifd^ gefproc^en wirb , fammt bem gledfen 
SBidf auf gö^r, wo man fowo^l griefifd^ aU ^lattbeutfd^ ^6rt, ifl 
bie friejif^e bie auöf(i()ließtid)e 9Solf^fprad()e* 

Die ©renjpunfte beö friejifd^ fprec^enben gefllanbeg C^on 8 
flarfen 9Weilen Sdnge unb jwifd^^en ^ol^adEer unb DegebuU 3 
SWeilen größter ^Breite) nad^ Slorben, Dflen unb ©üben jinb fol^ 
genbe: 5lobendö unb 5Reufird()en in ber SEBibingl^arbe, 9Jiebätt in 
ber 33ßfing^arbe, Älintum im Sirdt)fpiel 8edf, ^oljadPer, Änorr^ 
bürg unb ©o^olm im Äird^fpiel Snge, Sütjenbolm im ^xä)\pitl 
©reflum, Dorpum im Äird^fpiel 33orbelum, |)ogelunb C^inige 
^dufer) im Äirc^fp, Solbelunb, ^ögel unb UBflebt im Äir^fpiel 
©reftum, Drel^borp, So^mjiebt unb Slbren^^öft im Afp. Drelö^ 
borp, ^orfiebt im Afp, ^attjiebt unb ^octen^bütt unb ©d^obüttim 
^p. ©d()ßbüll, ml^t^ fübwdrt^ an bag ®ebiet »on ^ufum grenzt* 

9luf ber Dfl feite be^ |)crjogt^um^ ©d^le^wig xtiä)i ba« 
©ebiet ber plattbeutfd^en ©pradf^e bi^ jur glenöburger p^rbe* 
®ani Slngeln i>on biefer gö^rbe bi^ jur ©cf)lei unb »on ber Dfl^ 
fee wejtwdrt^ big an bie plattbdnifc^ ^0 fpred^enbe Sffieflbdlfte ber 
Uggel^arbe unb an ba^ ebenfalls plattbdntfd() fprec^enbe ^anbe^ 



11) ^mt>äni\^t (Bpxa^pxoUn finbcn [\äf in 2B. @trt(fer*d ©emtania. 
II. <B. 352. 



102 

toitt, fprid^t plattomt^d), bic 5Rorb|)dlfte Slngcln« ium SC^eil erft 
frit uttfenn Sia^r^unbert. Da^ Santo ©d^wanfen jmif^en ber 
ßdfemfö^rbe, ©cf)Iei unb Dflfee fprad^ öor 200 3al^ren bänifd^ 
unb plattbeutf^, je^t nur plattbeutfd^* Dänif(i()en^2ßofylb, bie 
^üttener färben unb bie Äropp|)arbe fmb fletg rein beutfd^ ^t^ 
Wieben, mit 2lu^na^me ber Dflfeite ber 33er8|)arbe, ber baran 
flo^enben 9lorbecfe öon ©c^banfen- unb ber 9torboflede ber Äropp^? 
I^arbe, »o fic^ tcini)ä)t Ortsnamen W auf biefen Xag id^tn. 
Die ganje ©übfeite be^ ^erjogt^um^ S^le^mig füblid^ üon ber 
£anbfira|e, bie )>on ©(^le^mig über Xreja nad^ <^ufum ge^t, j^at 
jur 9Solf^fprad;e plattfeutfd^* 

Der Äeil, mlä)tn ba^ iänii^t SWitteffanb jmifd^en ber frie^ 
f#en SBefl^ unb ber plattbeutfd^en DflWfle bilbet, befielt aug 
beut größten SE^eile ber Äarrf)arbe (%mi^ S^onbem), ber Djtfeite 
ber Sanbfrfjaft «rebftebt unb ber 2i5eft|)dilfte be« Slmtg glenö^ 
bürg* Sr l)at ju feiner weftlid^en 33egreniung öon Sterben na(i^ 
©üben bie Dörfer |)umtrup, Älirbüt, ©tabum, ©elbelunb, 3oU 
belunb unb 93iöL ©eine öflli(i()e ©renje finb bie Äird^f|)iele 
3örl, ßggebedP, SBanberu^) unb ^anbemitt* 

Ä ^ P^) enblic^ nimmt unter ben 360,000 ©nmo^nem 
©c^te^mig^ 210000 beutfc^ unb 150,000 bdnif^ SÄebenbe an, 
unb unterfd^eibet mererlei ©ebiete: ID Urbeutf^ ba« Sanb füb^^ 
U^ x>pn ber ©ci^lei, Jlreen unb bem Danemirf, fon)ie Siorbfrie^^^ 
lanb» 2) SBöUig i3erbcutfd;t bie ^atbinfel Slngeln, ba^ 2fait 
©Ottorf unb bie ©tabt ©c^le^mig mit ber fte umgebenben ^eibe 
bi^ jtt)ei aWeilen nörblid^ »on ©c^Iei unb DanewirL 3) 95 öt 
lig bdnifd^eö 8anb, im ©üben begrenzt »on einer Sinie, me^e 
»on ber Sßibaa über Slonbem gefül^rt, jwifd^en ©ra^enflein unb 
gien^burg bie Dflfee trifft» 3n biefem Sejirf fmb alle größeren 
©tabte mit Umgebung gemif^te, ß^riflian^fetb unb auf Söfen 
Sluguflenburg rein beutfc^e ©ebiete* Diefem ©ejirfe gel^Ören 
bie f(i()le^tt)igifcf)en ©lanbe Slaröe, Sllfen, SRomöe, SWanöe an. 
4) 3tt>ifd^en beutfc^em unb bänifcf)em 8anb imDflen ba^ SWifd^^ 
gebiet, mit beutfcf)er Äird^ien^ unb ©^ul:^, aber bänifd^er ^au^^* 
^pxa^t, Z\)tik ber Slmter Jlonbern, gien^burg, ^ufum, ©ottorf 



12) 33emerFutt9Ctt über bie beutfc^e unb bänifd^e ^Nationalität in ©(i^lcö* 
tt)t0, <B. 119 ff» ©ennanta I. 249—256. 



108 

unb ©rebjiebt umfaffenb, aU beffen ^auptjiabt glen^burg ju It^ 
trad^ten ifl. \ 

9(Bgten}ung bet niebetbeutfci^en SJhtnbatt t>on bet l^odps 

beutfcpen« 

Die nieberbeutfd^e 9Bunbart ifl »on ber l^od^beut:* 
fd^cn burd^ %\x^^pxaä)t, gormen unb yiamtn »erf^ie^^ 
bm, unb itoax in ber Slu^fprad^e fomo^t ber Äonfonanten 
ale ber 35 o f a l e 0» Ungeachtet biefer entf^iebenen Slbmei^utu? 
gen ]^at man bi^^er geglaubt, biefe betten ^auptmunbarten feien 
an allen i^ren ©renjen burd^ Übergänge gewiffermaßen in m 
©emengfel jufammengefloffen* 

^ofeffor ®o^in^tx fagt in feinem gefd^a^ten Sßerfe: „iit 
beutfii^e (Bpx^a6)t unb Sitteratur": /,ganj genau laffen 
fid^ bie ©renjen jtt)ifd^en beiben C5Wunbarten) nid)t iiti)tn'', in 
<^effen unb am 2Wittelr^ein ifi ein ©emengfel »on beiben /,bie 
SWeffingfprad^^e"; unb SSollratl^ ^offmann, mlä)tx 
bie beutf4)en SWunbarten in feinem S3ud^e ,/Deutfc^lanb unb 
feine ©ett)o^ner" au^fü^rlid^ be^anbelt bat, fd^reibt eben^ 
fall^ Z\)l h ©♦ 6490: bie oberbeutfd^e Cb» ^^ nad^ ©c^meU 
ler'^ 9tenntt)eife bie l^od^beutfc^eD 5Wunbart f^errfd^t »on ben 
Sllpen bi^ an ba^ SRiefengebirge, Srjgebirge, ben thüringer Sßalb^ 
bie SRI^ßn, ben Xaunu^ unb grofent^eil^ noc^ über bie ©ebirge 
l^inauö* Den übrigen nörblid^en Xbeil nimmt ba^ 9tieberbeutfd^e 
ein, ©anj genau laffen fid^ bie ©renjen itt)ifd()en beiben ni^t 
jief^en; benn Überjtebelung, gegenfeitiger 93erfe|)r, Unterjod^ung 
be^ tintn ©tamme^ burd^ ben anbem, 3Sermifcf)ungen aller Slrt 
l^aben beibe SWunbarten oft burc^einanber geworfen ♦ ♦ • Oft ^t 
fid^ gwifcben beibe 2Wunbarten eine britte gelagert, tint SWifd^ung 



1) $1(0 ^<i)ihoUti) für btefe (^ren^befh'mmungen btent am etnfadtiflen unb 
ftc^erflen bte £autt)erf(i(itebung, ber zufolge ba^ $o(i^beutfd^e bte Xenued bed 
9Jtcbcrbeutf(|)cn o0|)irtrt:j. 33. Patt Pcerd, Lepel, deep: J^ferb, Cöffcl, tief; 
^att küren, maken, Daak: teuren, matten, Daci^; unb flatt Tyd, Water, Salt: 
3eit, SBaffer, @alj fagt. %i)n\i6f ge^en bte ?Webiä f)auft9 in Slenueä über: 
H. $. Burg iß S^urg, dün, Midde, Bläd, ifl t^n, Tliiit, ^latt %t* 
toorben u. f. tt». 



»Ott Reiben, tok ttt <^e{fm unb am SWittelrl&em, ein -©emenafel, 
ba« ber JRieberfad^fe fe^^r beieic^nenb bie aWeffingfprad^e nennt" *)• 

Der Slu^brudE ,,SWef[inflfpra(i^e" ifl in <^effen unbe^ 
fannt unb bürfte bep^alb tt)ol^l aud^ tn ben näd;jien mebcrbeut^ 
fd^en 9la^barlänbern nid^t |)ciufiä i)orfommen* 9lod^ weniger aber 
iji ba^ »Ott ^offmann bargejleUte @ad()»erl^dltni^, in 95e^ 
jiel^ung auf Reffen, rid^tig. SSielmel^r fd^eibet jtd^ im 5Rorben be^ 
Sanbeg baö ^od^beutfd^e fo fd^arf öon bem 9lteberbeutfd^en, bag 
man nur bei einietnen ®renjbörfern, wo neben ber urf^)rfingli^ 
6)m SWunbart burd^ $eirat|)en ober burdf) [onjiige einzelne Über^ 
ftebelungen auc^ eine anbere ^pxtä)mi\t l^in unb toieber gejiört 
wirb, allenfalls jweifell^aft fein Wunte, ob man biefelben bem 
f^oc^beutfd()en ober bem nieberbeutf^en ©prad^gebiete xujä^lenfoHe; 
wiewol^l ft4) aud^ ba meiflnod^ ermitteln Ifißt, n)eld()eS bie @runb^ 
fprad^e ijt, unb weld^eS ber (Sinbringling* Unb bodf> l^aben ge^ 
rabe l^ier, gtt)ifd()en bem frfinfifc^en unb bem fäd^fifd()en .^engau 
alle öon ^ offmann angefiil^rten Urfad^ett, aW //Überfiebe^ 
lung", /,geg'enfeitiger SSerfel^r" unb //Unterjod^ung 
beg einen Stamme« burd() ben anbern" urfunblid^ 
fd^on feit beinahe taufenb Sauren Statt gefunben- 

Der ^abic^tgwalb, bie natürliche ®renje jwifd^en ben 
beiben e|)ebem feinbltd^en ®olfSjtdmmen ber granf en unb ©ad()^ 
fen, bilbet nod() l^eute bie ©prad^grenje gwifdf^en bem ^od^beut^ 
fd()ett unb bem 5Rieberbeutfc^en, fo ba^ bie Diemel mit il^ren 3^^ 
pffen biefem, bie gulba bagegen big beina|) an i^ren Bwf^m^ 
menflu^ mit ber SBerra jenem @pradt)gebiete ange^rt* 

Die ©tabt 5Künben felbji fott nad^ einer Urfunbe t)on 
1246 3) nod() auf fränfifd()er 6rbe gelegen fein, bod() wirb nid^t 
nur in ber ©tabt, fonbern aud() in ben l^annöt^erifd^en Dörfern 
ltt)i^d)tn gulba unb SBerra nieberbeutf^ gefprod^en. 

SBeiter ßftlid^ ifl ^ebemünben an ber SQBerra, grieb^ 



2) Die 9?otig fdjictttt öon Slbeluttö (©efcä^. ber beutfci^eti ©pra^^e @.79) 
entle|ittt ju fein, ber jebod^ biefe r/üWefjIng^rac^e'' naö^ SfJieberfa^jfen »erlegt. 

3) (5, 9)^, mpp, $efF. ©eri^tööerfaffung. (£affeU1769. %i)l I. (5. 17 n. 
18« « • * Civitas dicta (Gemunden) cum in terra Franconica sita est, Jure 
Franconico fruitur et potitur. 

4) !Die (Ermittelung biefer <B)^xaö)Qxtnit glvif4)en ^tna unb (Slbe )»erbanfe 
iö) meinem greunbe, Dr. Ätögerr in ©ißen^aufen. 



108 

lanb an ber Seine, DuberjiabI am 3ufammenflttß bet 33rel^me 
unb ^al^le, unb Sauterberg an berDber meberbeutfd^ , »% 
renb bie Drtfd^aften ©ertenbad^ unb Söiftenl^aufen an 
ber SSBerra, aif^renbö^aufen unb ^eiHgenjiabt an ber 
Seine, ®tabt SBorbiö an ber SBafferf(^eibe i»tf(^en SBippcr 
unb ^al^le, unb ©ad^fa niä)t mit »on ber 3öafferfd()eibe itou 
fd^en Ober unb feinte jum l^o^beutfd^en Sprachgebiete gehören. 

Die Diöcef angrenzen, mlä)t im Slllgemeinen mit ber Ältejien 
politifd^en ©nt^eilung ber Sänber jufamrnenjuf allen pflegen, Un^ 
nen l^ier feinen Sluffd^lu^ über bie früheren SBolfögrenjen geben, 
»eil befanntlid^ in biefen Oegenben ber frdnfifd^^fdc^ftfd^en ®renje 
bag Sl^riftent^um »on SWainj auö verbreitet »urbe, unb beß^alb 
biefe l)iöcefe mit inö ©ad^fenlanb l^ineinrei(^te % Dagegen iji 
e^ eine l^ijtori[(i[)^tt)i(^tige X^atfad^e, baß bie angegebene ©prad^^ 
grenje ganj genau ber Orenje jtt)if(^en ben fä(^fifd()^ mainji^ 
fd^en ®auen Sod^ne unb Siögo, unb ben tl^üringifd^^ 
mainjif(^en ®auen Dnefelb, 3urego unb ^elmego ent? 
fprid^t ^v unb liefert ben SBemeiö, baß bie gegenwärtigen ®ren^ 
Jen ber JWunbarten unö noä) bie alten @i^e ber beutfd()en SßiU 
ferfd^aften anbeuten, »ie biefelben minbejtenö jur 3^it ber ®au^ 
eintl^eilung bejlanben» 

3luf bem ^ax^t ftnben »ir im nieberbeutfd()en ®ebiete 
eine l^od^beutfd^e ©prad^infel, bejte^enb aug ben Drt^ 
fd^aften Slauöt|)xil, 3^llerfelb, SBibemann unb ian^ 
tentl^al auf ber nörblid[)en, unb Slnbreaöberg auf ber füb^ 
lid^en 2lbbad()ung» SBäre bie yiaä)xi(i)t ber ßl^ronijlen '^^ , baß 
ein granfe, SWamenö ®unbelfarl, unter Äönig ^timiä) I. 
^Bergleute, jum ^Betrieb beö S3ergbaueö auf bem -^arje, auö feis^ 
nem SSaterlanbe gelS)olt ))aht, begrünbet, fo wäre biefe fonft aufs* 
fallenbe Srfd^einung t)ottftänbig erflärt» SBenn aber aud^ »eber 
ber angegebene 9iame no(^ bie 3^ilbeftimmung »or einer jbrengen 
Äritif fottte bejtel^en fönnen, fo bürfen wir io6) wol^l aU gewiß 



5) SGBencf, $ejf. SanbedgcW» Zt)l IL @» 274. 

6) b* Sßerfebt, ^ef^j^retbung ber Q5aut jtoifdjien (ilht, <Ba0it unb Unfhut, 
SBefet unb SBena. ^annoöer 1829. @. 4. 

7) 3. S. %. StinHxlinQ, Q^t^ö^iö^it ber nieberfäc^f* ^pxa^t. ^a^Mux^, 
1800. ©, 391. 



106 

onnel^men, baß ntmbejlenö in fpdterer S^it tint äl^nltd^e dinroaxi^ 
bentng Statt gefunben l^abe, unb baß btefe Äolomficn glet(^me 
bte oben txtoä^ntm beutfd^en 33ergtt)erfgfolonten in Stallen, 
Ungarn unb Siebenbürgen, ibrer etgent^ünüid^en ©prad^e 
nnb i|ren »dterltd^ien <Bitttn treu geblieben feien» 

Öjilt(j^ öon Sad^fa jinb, fomel iä) ermitteln fonnte, bte 
n3rbli#en ^ o d^ b eu t f d^ en Drtfd[)aften ß l Iri d^, © u l j |> ap n, 
^afelfelb an ber «^afel, S3ernrobe, SWägbefprung, 
S3allenjidbt, ^o^m, 2)?etgborf, ^arferobe, ®an^ 
ber^leben, ®iiften, ©taßfurt, Salbe an ber ©aale 
unb 33 a r b 9 an ber Slbe. 9iieberbeutfd^ ftnb bagegcn 35 e^ 
nefenjtein, S3lanf enburg, SWeinjtebt fammt allen an 
ber 33obe liegenben £)rtf(^aften big @geln einfc^ließlidji, @ern^ 
robe, Srm^leben, Sod^ftäbt, ©alja» 

Söt'oox eine l^ijtorifd^e Erläuterung i>erfud^t »erben fann, muß 
biefe ©renje erfi auf einer ©pecialfarte ergänjt unb beri^jtigt 
warben» @g »irb fxä) biefe 5Wülj)e jebod^ fidler belol^nen, ba man 
über bie öertt)icfelten Skr^dltniffe t)on ^Rorbt^üringen, @dbtt)aben^ 
gau, ^affengau unb grifonefelb nod^ einige 2lufflärungen »on 
bctt bort l^errf(^enben SJhtnbarten erwarten barf» S^xm S^tdt 
fol(^er gorfi^ungen möge in ©ejie^ung auf bie ®egenb »on (Srm^^ 
leben unb 9lfd[)ergleben, m\6)t faft wie eine nieberbeutfd^e 
3nfel im ^"od[)beutfd^en Oebiet liegt, l^ier bie S3emerfung jie^ 
l^en, baß biefe Drtfd^aften jum ©c^wabengau ge|)örten, wo^in 
ein Z))til ber im 3al&r 568 mit ben Songobarben nad^ 3talien 
gezogenen ©ad^fen jurüdff eierte unb, nad^ »ieberl^olten unglüdfli^ 
^tn Streifen mit ben injwifd^ien bort angeftebelten ©d^waben, gt* 
»iß nur ein unbebeutenbeö ©tüd Sanb s)om ©ieger eingeräumt 
er|>ielt ®)» 



8) Gregor. Tur. H. Franc. L. IV. c. 43. L. V. c. 15. Dom. Bouquet. 
T. IL p. 225. 242. u. 408. 9lac^ Vaiidenhoven (la langiie flamande @. 
102) folgt Ö(IU(^ »on 9lf(^cr^Ieben bie ^^tac^grenje bent fiauf ber ^ipptx, fo 
ba§ (Bta^fuxt unb (Salbe no($ bent meberbeutf^^en C^ebiet zufallen. ^a§ bte 
tn bent fhettigen Gebiete liegenben <BiMä^tn fßaxh^ unb (Snabau entfc^ie« 
ben l^o^^beutf^ ftnb, ifl fein ÜSihtx^pxuä^ , inbem beibe ^errn^utercolonten finb. 
$Barb9 erhielt 1749 ün t^eoIogif($ed <Sentinar, 1754 ein ofabemifc^ed ^m« 
nafium, Q)nabau (1767 angelegt) bie Sucf^^anblung« 



107 

S5om einflttffe ber ©aale ati aufmärt^ bilbet We 6lbe big 
gegen SBittenberg J^in, namentlid^ bei Deffau, bie [(i^arfe ®rettje 
gwifd^en ^^od^beuifd^ unb 3lieberbeutfcl^; »eiter oftli^ ijl 
tiefe @pra(i[)grenje nad^ ben SWittJ^eilungen ^ beö ^m* $ajlor 
S3romifc^ ju Sllbboberen auf ber Äarte ^jerjetd^net, fo ba| 8iu 
dfau, Sübben an ber Spree, ®uben an ber Sieiffe unb 
3 u 1 1 i (^ a u jenfeitg ber Ober atö bie fiiblid^fien nieberbeutfd^en 
Drtf^aften erfc^einen» 

^infi(^tlic^ ber beutf(^en SWunbart, mlä)t in beut ®roßl^er^ 
jogt|)um ^ofen inmitten beg ?>olnifd^en gefprod^en »irb, »erweis 
fen mx auf bie fc^dftbaren gorfd^ungen beg ^^rofefforg S3ernb in 
S3onn ^% ^aä) ber s)on bemfelben mitget^eilten @prad[)probe 
C®. 102) ift eg eine l^od^beutfc^e 5Kunbart, mithin aud^ bie Äo^ 
lonifation tt)ol^l tjorjug^weife üon 5Kittel^ ober ©übbeutfd^lanb 
ausgegangen. Qint genaue geogra))l^ifd^e ^ufhal()me ber einzelnen 
beutfd^rebenben Drtfd^aften ift im 3al^r 1848 ijon ber preuß. Sle^^ 
gierung bewirft »orten unb eS tt)dre nur bie Ermittelung ber befon^ 
kern 2)?unbart einer jleben, aU |)ülfSmittel ju einer ®efc^id^te ber 
beutfd[)en Kolonien in ^olen, fel^r ttJünfc^enSmert^. 

3Bejllid[) t)om $abic^tStt)albe folgt bie ®prad()grenje ber SBaf^ 
ferfd^eibe jmifdiien bemDiemel^^ unb gulbagebiete big na^ <Sa^i^ 
fenl^aufen, tt)o fie in^ Sbergebiet tritt unb biefen gluß nod^ 
oberhalb ber 5Wiinbung beg Stterbad^eg berülj)rt. ©elbft auf bem 
redeten Ufer ber Sber ftnb nod^ einige Dörfer, ^arpg^aufen 
unb Äirc^lotlS)eim/ nieberbeutf^. Dann jiebt [lä) bie ®renje 
»on ber 5Wünbung ber Orfe über ©ad^fenberg unb ^aU 
lenberg nad{) ber ^ß^e beg SÄot^aargebirgeg, mlä)t^ in feiner 
gortfeftung big nad^ Drolgl^agen jn)ifd^en ber ffin\)x unb ber 
(Sieg bie SBafferf^eibe bilbet unb aud^, fott)eit meine 9iad^rid()ten 
xtiä)tn, bie 9Wunbarten fd^eibet. 3n biefem Sanbjlrid()e finb bem^ 
na(^ bie beiben beutfc^en SBölferfc^aften nod; immer inxä) bie na^ 
turlid[)en ®renjen gefd^ieben, weld;e gett)i^ fd^pn bei ber erflen 
S3eftftnalS)me beg £anbeg nid^it unberüdfjid[)tigt geblieben toaxtn. 
3)a^ aber an ber Drfe unb bem 3tterbad^e fäd[)fifd^e ^t'oöU 



9) Slu(^ tiefe öerbanfe td^ ber gütigen Sermittelung bed t>vn* dttntamU 
mannd yxtniUx in • ^rogenl^apn* 

10) (5. @. Si:(>. S3emb, bie beutf4>e (Bpxa^t in bem ©rof^erjogt^um ?)o{ett^ 
93onn 1820. 8. 



108 

ferung »om ©ebtrge inö Sbertl^al gedrungen fein muß, ijl iax^ 
and erftd^tltd^, ba^ jufolge einer Urfunbe »on H26 im ©d^loffe 
Stter nadj> angerfd^em SÄed^te geurtl^eilt »urbe "> 

aSon 2)rol^lS)agen aug fel^len genaue, an Ort unb ©teile 
gemad()te, Unterfud()ungen. Die ©prad^e ber »orl^innigen ©raf^^ 
fd^aft 2)?arf iji burc^auö nieberbeutfdj^ ^*), »dl^renb bie 
©prad^e im <g)eriogt]^ttm S5ergein, wenn aud^ »ieffeid^t nie^ 
berbeutfd^eö, bod^ eigentl^ümli(^e^, inö l^od^ibeutfd^e fpielenbeö ®e^ 
präge ))obm foU ^'). 3m SRI^eintl^ale felbjt l^errfc^t bann »on 
oberl^alb S3onn big unterl^alb Düffelborf eine »irflid^e 
aWengfpra^e »on $oc^^ unb SWeberbeutfd^, in ber jebod^ jieneö 
entf(^ieben t)orl^errfd^t ")♦ Über bie Slbgrenjung biefer SWunbart 
l^at mir Dr. girmenic^, ber Herausgeber »on //©ermanienS 
aSölferfiimmen", folgenbe aWitt^eilung gemad^t, »eld^e hti fünftt^ 
gen gorfd^ungen benu^t »erben fann: „T>k äußer jle unb fd^ärflle 
®renje beö 9iieberfäd^fifd^en Cnad^ unferer Siennweife beS 
SWieberbeutfd^en) ifi dxixat^, ISübbelratb in berS3ür^ 



11) !Da ba^ )>orljf innige ®txi^i fBitxmnnhtn He ber ttiebtrbeutft^en 
^pxa6)Qxtnit innaä^^ gelegenen Ijioct^beutfci^en Ortfd^afien umfaßte, fo grenzte 
hai Q^txidfi 3tter l^Öc^^fltval^rfci^etnftct) unmittelbar an jened unb fiel bemnati^ 
mit ber (Spra^^gren^e jufammen* t)k main^er Diöcefe grif audji ^ier ettoad 
ind (Sad^ fenlanb ein; unb be^^alb bürfle ed nic^t unbebenfUdjf fein, mit ^encf 
C^eff» i?anbe«gef((>. Sb. II. @. 387) bie ©augrenjen unbebingt naä^ ben be* 
treffenben ^Irc^ibiafonat^regiflern ^u bejHmmen» 

12) 3* D. »» ^Uintn, 2Be|}pP- (55ef(t>i(Ji>te. «emgo 1797. 8. X^l. I. 
©. 42 — 52. 

13) 9). 8. 3. ÜÄütter (SBeitrag jur 33e|limmung ber ©renjen jtoifdjien gran* 
fen unb ©adfifen ber SBorjeit. !Duieburg 1804) fagt @. 55: nt^ / . • l^aben 
bie ^auptabjetc^ien ber fränFifc^ien 9lu^fprad^e im @tifte SBerben p«l^ »on ber 
fä^jifd^en ju €jfen hi^ auf ben Ijjeutigen Xag erhalten.'' g^rner ©. 78: ed 
//fann, ^^ieUeid^t mit ^u^na^me einiger unbebeutenber, bie alte franfif^'^ (^ren^e 
überf4)te{tenber einzelner >Drte, angenommen Serben, ba$ bad gan^e •Oergog« 
t^um S3erg tin 3ubel^Ör S^ipuarien^ unb 2üt(>ringen0 getoefen, befonberd ba... 
aud^ bie ^pxa^t in ben obern Stmtern mit ber Oberrl^einifd^en, unb in ben 
mittlem unb untern mit ber Ä'ölnifci^en unb 3üli(^f(t>en »erlaubt ifl, o^ne 
felbfl auf ber »eft|)l!)älifdS>e» ®ren$e fid^ mit ber fäd^fif^ien, toenigPen^ in Cj^ren 
toefentlic^ften 5lbgeicl^en nic^t, »crmifd^t gu Ijiaben.'' 

14) ^u0 bem 9lieberbeutfcl^en iß fa|l nur bad t im $(udlaut geblieben. 
Tlari fagt ). ^. in ^ac^^en: et, let, datt, watt, {latt U, läft, baf, toad; ba* 
neben aber Zitt, Saache, krefelt k. flatt Tyd, Saake, kribbelt. 



109 

germeifierci ®mt0f)tm bei Düffetoorf , »o fi^ We n i e b c r 1 1^ c t^ 
ntf(i^e ober fölnifd^e aWunbart, bie in ber SWitte bed Siiebers! 
beutfd^en unb Dberbeutfd^m C-^od()beutfcl^en) fielet, »on ber nie^ 
berfdd^fifd^en fd^arf abfonbert. 3tt>if^fw ber SRul^r unb ber 
SBipper lauft ein Heiner ®ebirg^jug, »eld^er bog eigentlici^e fo^s 
genannte 3l^eintlj)al btlbet Cba^ frül^ere Strombett be^ SHI^einö), 
an beffen ö^lid^er Qtiit bie nieberfdc^ftfd^e SWunbart unb m^li(fy 
bie nieberr^eittifd^e gefprod^ien »irb. ßbenfo ijt bie^ ber gall itoU 
fd^en ber SBtpj>er unb ber Sieg. Die ©täbte unb Orte auf ber 
SBefifeite be« ©ebirgöjugeg fpreci^en Wlnif(|i Ctnit einigen Serfd^ie^ 
ben(>eiten) unb bie auf ber Dfifeite fpred^en nieberfäd^fifd^." ^% 



15) Vandenhoven (la langue flamande, son pass^ et son avenir, Bru- 
xelle8 et Leipzig, Muquardt 1844) nimmt }to)if(j^en bem 9i^teberldnbifdifen unb 
^^teberbeutfc^en ba0 nieberrfietnifdjie Übergangdgebiet an, toelcf^ed belgifc^e, nit* 
berfanbif^e unb r(ie{n))reugtf(^e Orte umfaßt: Mn mit Deu$, !Dü|feIborf, drc' 
fr!b, S3rnlo, 2Beirt?>, DiefÜ, Z^kntn (Tirlemont), ®t, STrupben (S. Trond), 
Xongrrn, 9?afhri(^t, 9la(i^en, (2^u|>en. Die fäblid^e ®ren)e bi« in bie m\)t br0 
9l^eind madj^t bad $(^rt{»al, bann berläuft bie ^renje nörblid^ bon )iBonn )um 
9l^eim (fine ))on ^ertf) nac^ Xongern gezogene 2init tf^eilt biefen :8anbflrid^ 
in einen i^l^Ii^en, «»omaltenb nieberbeutf(i^en, unb einen \»t\t\iäftn, 
Domaltenb nieberlanbifctfen Z^til — $rof* @djimi$ (aud $la((^en) in 9le« 
gen^burg fHmmt nac^ einer briepidjien 9?itt^eilung S^anbenljioi^en barin hti, baf 
fi^ bie Sati^ener üJ^unbart tveiter erfhedfe, ald um ^aö)tn unb über(»an|>t feine 
Hof lofale S^unbart fei; er ^It üitimt\)x bieg ^Cc^er bittfc^'», b. i. $la4^ener 
^Deutfd^, für einen eigenttiümlicf^en, loeber |>Iatt^ nodj^ (^od^^beutfc^en ®pxa^ 
ItotiQ, tt>eI4ier nad^ SBeßen l)in einen nur aUmä^^Iidi^en unb oft faum tva^rne(im« 
baren Übergang in bie eigentlich nieberbeutfd^e / mä^ 9lorben unb 9^orb'* 
oft:n in bie fe^r abn^eid^enbe f^Iattbeutfd^e unb naä^ (Buben in bie (»oii^' 
beutfc^c <&^racl^e t>enntttelt. 3n Wa^iäft unb ber Umgegenb fpric^t bad Sßolf 
nic^t nieberbeutfcf^, fonbern fugen. Sladjiener Deutfcl^; toenig ober untoefentlic^ 
»erft^ieben »on ber %a6)tntx <5^ra(^e*, in ©t. Xru^ben tourbe (B^mit^ mit ber 
reinen %a6)tntx ^pxatift bur(|^ge^enbd unb metfl «oUflänbig «erflanben, ixt 
Z^itxitxt f(^on fafi nic^t xatf)x. 3n <Bt Xrupben i)^xi6)i bad fßolU ich geef 
et dich, in ^a6ftm ich gefT et dich; bort$ Korn met mich nogen Kerk; 
in ^ad^en: Kom met mich nogen Kerch, b. t fomme mit mir nac^ ber^trd^e« 
ttWx, Dir^v fennt ^ad^tn unb ber ganje SBef^en, anäf H'öin unb Düffelborf 
nodj ni(^t. Cine ©tunbe »on ©t* Xrupben, in Sanben, in Dormal fd(>on, 
b. i. auf altbrabantifdjjem ©oben, Jieijt e« burc^^auö: ik geef het uw; kom 
met my na de kerk ober audji in de kerk« (So Ij^at bad •^odjibeutfd^e dn^* 
3^r; ber ^c^ener, jtölner u. f* tt)*, auc^ ^aftxixl^i unb St. Trond fagen ü4 
)« !8. ich han et üch gesaat (^dj^en), ich han et üch gesäit ((S)eilenfir(f|en), 
ich het) et üch (au4i uch) gesegt (S. Trond), ich han et üch gesäet (^ö(n). 



110 

33ei ®erreö|>eim mnitt ft^ We ©praci^grcnje fafl m 
etnent xtä^tm SBtnfel »ieber »eftltd^, gel^t über ben Sll^ctn unb 
bie Wer«, berül^rt betnal^ We aWaa« gmifd^en SBenlo unbSRoer^ 
monbe, »enbet ftd^ l^ier abennate in einem rechten SBinfel gegen 
©üben unb fiö^t bei $enri d^a^tlU unfern Slad^en auf 
ba« franj6jtf(i[)e ©prad^gebiet 

e« »Are felj)r erwunfc^t, wenn bie ®prad()grenje gwifc^en bem 
^erjogt^um S3erg unb ber ©raffd^aft SWarf, unter ^^er^orbe^ 
bung ber »efentlid^fien SSerfc^ieben^eiten , t>on einem ©prad^fun^ 
bigen ber bortigen Oegenb unterfud^t unb fejigejlettt mürbe* Die 
©eograp^ie unb ®efd[)id^te Deutfd^lanb« im ältejten frdnfifc^en 
3eitraume \)<it bon btefen gorfd^ungen no(^ manchen <&ülf«bett)ei« 
}u erwarten. — 2)a^ ba« SÄ^eint^al, fott)eit eö 3a^r^unberte lang 
öon ben SRömern bel^errfd^t tt)ar, etgent^ümlid^e ©prad^öerbältniffe 
jetgen muß, ift fel^r natürltd^, unb be^^alb bie »on Dr. girme^ 
nid^ angegebene ©prad^grenje am rechten SRI^finufer »ieUeic^t mit 
ber römifd^en Orenjbefeftigung am 9iieberrl^ein in Serbinbung ju 
bringen* ©ollten aber mittxt gorfd^ungen baju bered^tigen, ba^ 
man felbfi bie ßntfle^ung ber nieberrl^einifd^^^fölnifdlien aWunbart 
auf bie SBerpflanjung ber lf)oc^beutfd^en Ubier in eine nieberbeutfd^e 
^robinj jurüdffü^ren bürfte, bann n)ürbe man barin jugleid^ ben 
fiidj^erflen S3ewei« ftnben, baß unö bie Orenjen ber beutf^en 
2»unbarten einen, allerbing« mt^x unb mel^r erblinbenben, ©piegel 
ber ©efd^i^te unfere« SBaterlanbe« barbieten* 

§* 13* 

9(Bgren}ung ber obetbeutfd^en SO^unbotten gegen bte mittele 

beutfd^en» 

S3ei 9lbgrenjung be« oberbeutfd[)en ©prac^gebiete« bin iä) bem 
bei ©d^imeller'« ;;2)?unbarten" befinblid^en Äärtd^en /^ jur geo^ 
gra>)IS)ifd^en Überfid^t ber 2)?unbarten S3aiem«" gefolgt* Danad^ 
beginnt biefe ©prad()grenje am flabifd^en ©pra^gebiete unweit 
ber Duelle beö 3legen«, ndl^ert [xä) ber 2)onau bei Sftegen^burg, 



Die ^cbificattonen in ben nieberlänbtfci^rn ^xtn^t^tnhtn flammen aud ber 
<B^üU, ber a)eWäft«frra4)e unb ber ^reblgt* 3n ben altf^anifc^^en (fat^oH* 
i^tn) ©tri^^en tp nte^r bad fogen* ^lati^ener T)eutf(|i, in ben ^tntxalUMlan* 
ben ())rote{lantif(^) mti)t bad ^ottänbifcij^e ))orl^errf(^enb* (Btr* 



111 

gel^t brctmal über bte 2lltmülj)l, überfd^reitet bie SBerni^ ni^t 
ti^tit öon Donauwörtl^ unb folgt bctn reci^ten Ufer berfelben btd 
über £)ttmgen; »enbet jtd^ bann weflwdrtg, ge|>t nßrblid^ »on 
fd^wabifd^ ^all über ben ^o^tx, fublidj^ »on ^eilbronn 
über ben ffi\)tin, nnb trifft ni^t totit »on ben ©aarquellen auf 
bo^ franjöjifd^e ©prad^gebtet* 

©cl^m eller l^at bie bebeutenbjien ©gentJ^nmlid^fetten ber 
oberbeutfd^en @prad[)e, auf bie ftc^ biefe Orenxbeftimmung grün:? 
bet, in bem eben genannten 333erfe C®* 431) pfammengefiellt, 
uttb unter ben bafelbfl angegebenen 3lummern fo au^fü^rlid^ er^ 
läutert, ba^ i6) btejenigen Sefer, »el^e biefen ®egenftanb fprad^^: 
1^ ju »erfolgen beabjtc^ttgen, ba^in »ermeifen barf» ^ter genügt 
un^ bie S3ejei(i[)nung jweter Eigenheiten in ber Slu^fprad^e, »oran 
ber Dberbeutfd^e am Seid^teflen ju erfennen ijt; nämli(^ bie 5lu^^ 
fprad^e ber ©aumenbud^jlaben wnb bie 5lu^fprad^e ber 
SSorf9lben ge unb be» 

SBa^ bie Oaumenbu^flaben betrifft, fo gel^t bie im aWittet^ 
beutfc^en nod^ erhaltene Xenuig Cö^tgl ©♦ 103 3lnm» 1) am 
(£nbe ber ©tammjtlbe nadj> 1, n, r, im Dberbeutf(^en ebenfalls in 
bie 2löpirate über; g. 93* Äalf, oberbeutfd^ Kalch, JWarf, oberb. 
March c@4)meller 597). 9lm £)berrlj)ein unb SSBefWed^ lautet k 
au(i[) im Stnfang unb in ber "SJlittt ber SBßrter a^pirirt; j. 93» 
falt mt k-halt 2); furj »ie k-hurz; 2lcfer tt)ie Ack-her; dtoä 



1) 511^ @4)ibolct^ für Dber-, mtttU unb 9?ieberbeutfci^ fann ba^ 
SEBÖrtt^en gegen blenen, toel(!^e« £)berbeutf((> gßgen, ÜÄittelb. gejen, Weberb. 
jejen lautet, 

2) ^ud^ bie ))on (Bf^metler getvaf^Ite Sautbe^eic^nung i^ i}itx betbelj^alten. 
SBergL tWunbarten «Rr. 62—99. SBörtcrbucj) 33b. I. (B. VIII u. IX. 

X^emnad^ bejeic^jnet kh ein reinem F mit nadjfolgenbem »erneljmbarcn tx^u* 
^t (bae f^iweijerifc^e F, trelc^eö toir !Witteibeutf4)en mit kch bejeic^inen würben.) 

hh htitx6)nti bad n^eic^e 0), toeld^ed M bem !0?itteIbeutfc^en in ben (Snb« 
{tlben ig unb liÖ^ gel^Srt t»irb, too beFanntH(i(i g unb ch in ber $lu0f|)racf»e fa^ 
^ar nid^t unterfci^ieben loerben« g be^eiclinet ben iSaut, totld^tn bie gran^pfen 
mit gue au^brücfen. 

ä ober 6 ifl ber öoKe reine o*^aut; 

ä ifl ber bette franjö|if(ii)e a*5aut; 

fe ifl bad e ber grangofenj 

e tfl bad. gegen i f(|toebenbe e; 

e bad e ber gran^ofen; 



112 

»te Rok-h C®cl^meUer S«r. 516). Der S3ud^jiaben ^ toito im 
Donaugebtet am Snbe gar niä)t au^gef)}ro^en: tu^, eu'; td^, V; 
liä), \Y CB^mtUtx 427). Dagegen »erjiarft fxd) |> am Snbe unb 
m ber 2»ttte ber SBörter in ^: ^ 33* na^, nahh; Sßit^, Viehh; 
3a^re, Zahher CSd^nteUer 495). 

Da^ e ber SSorftlbe b e tt)irb im Dberbeutfdjien nur in ge^ 
tüi^m gäUen, befonberg »or ben ©(^laglauten Cb, p, g, k, d, t, 
z) unb jmar mt e, e ober i au^gefprod^en, in anbem ganj über^ 
gangen (!Bä)mtütx 9lr. 211): 

begehren lautet im Dberbeutf(^en hageren, im SWittelb. hageren, 
befel^ren „ „ — ff — bikören ff — bakeren, 
be|>enb /# w — ff — b.hend ,f — bähend, 
belangen ff tf — tt — h.langen // — halangen, 
befonber // // — ff — h.funber // — hafonber. 
Da^ e ber SBorfilbe ge wirb in ®ubflanti\)en unb Slbjecti^ 
t)en ober 5lbi>erbien im £)berbeutfd()en »or ben ©d^laglauten eben^' 
fall^ xoit e, e ober i au^gefprod^ien: 

£)berbeutfd(): Geburt, mittelbeutf(|i : Gaburt, 

Gepolter, Gapolter, 

Gibot Gabot, 

getreu gatreu. 

Slu^erbem mirb eg gar nid^t gel^ßrt: 

g.faHen gafalten, 

g.mad()t gama(^t, 

g.jtanben gajtanben. 

Unb »enn ba^ e j)or ben ©^laglauten unau^gefprod^cn 
bleibt, fo fällt au^ baö g tt)eg: 

®ebiet lautet im Dberbeutfdj^en 'S5iet, 
®etraibe „ /, — v— 'SCratb, 
Oejiefer /; // — //— '3tf^^- 
5Rad[) ber Slu^fpra^e biefer SSorritben unb beö 3Bßrtlein^ ii) 
würbe nun aber aud() nod^ baö 9labgebiet jum Dberbeutfd^en ge^ 
|ören, unb ba bie SWunbart beg SÄiefengebirg^ unfhreitig große 
^l^nlid[)feit mit bem Öjterreid^tf^en l^at ^) fo märe »ietteid^t bei 

9 bad fhtmme e; 

, beutet an, baf ein S3ofal unaudgef|)ro(^en bleibt; 

. bebeutet, baß ber bor^erge^ienbe 3[5ofal burd^ bie 9?afe au^eft)ro(|^en toirb. 

3) Äarl 4>ofet, ba^ SHiefengebirge unb feine Setoo^ner. Shag 1841. 8. 



118 ' 



einer genauem Unterfu^ung bie ©renje jwifdj^en bem Dberbeut^ 
fd^en unb SWittelbeutf^en »on ber SBemift naä) bem gid^telge^ 
Wrge unb bann läng^ bem Srjgebirge nad^ ber Ober ju iit\)tn, 
fo ba^ Dberfc^leften nod^ jum oberbeutfd^en ©prad^gebtete ju 
red^nen tt)äre» Um auf biefe Unterfud^ungen l^injuletten, ))aU i^ 
tte angebeutete ®renje »on ber Söemift bi^ jum gtd^telgebirge 
al^ //Zweifelhaft" in ber Äarte angemerf t* 

©ne genaue Slbgrenjung be^ Dberbeutfd^en »on bem 3}liU 
telbeutfd^en ift in^befonbere barum ^ijiorifd[^ toi6)t\^, »eil bie 
@t^e ber 3ngäöonen be^ Xacitu^ unb ?>liniu^ bem nieber^ 
beutfc^en ©pra^gebiete ju entfpred^en fd^einen, mitifin aud^ bie 
ber Sermion en unb 3PÄi>onen au^ ben beiben ^auptab^ 
tl^^eilungen be^ ^o(^beutfd^en ©prad^flammed ))iel[eid^t nod[i ermit^ 
telt tt)erben fönnen % 

^in[i^Üiä) ber @|)ra(^grenje an ber 2lltmülj)l i>erbient ber 
Umfianb befonbere S3ead^tung, baß bie r6mifd;e Orenjbefeftigung, 
tt)ie au^ beren Überreden erft^tlid^ ifl 0/ bie mittlere 2lltmül^l 
ebenfalls Zweimal burd^fd^nitt, »äl^renb ber britte Übergang ber 
©prac^grenje, niä)t mit »on beren 3lugfluffe, fid^ burd^ bie rö^ 
mi\6)tn S3efefligungen bei ^tV)tm l^inlänglid^ erfldrt» 3lud^ ben 
tjorfpringenben SBinfel bei Ounjenl^aufen an ber 2lltmü^l, »o 
We Castra mediana ben nßrblid^jien ^^unft beg rßmifd^en ©renj^ 
wallet bilbeten, ftnben wir in ber t)on ©d^meller angegebenen 
©renje ber oberbeutfd^en SWunbart wieber. 



Der ©ebirö^betoü^ncr fagt §. SB. (©. 103): „'i (>otf> gor bifa fS^a^a ei bam 
toilba ©eberga (t^ jinb gar böfe 2Bege in bem toilben ®ebirge), unb ber ßfJer* 
X€i6)tx fingt («Rablof SBb. I. ®. 150): 

//$ör i e71an gra^I fdjirain, 

^ib i ben <Sega, 

Den!, b^SWutta »irb*« ja fein, 

^ibf^ brofa lega«^ 

4) Die toi(|itigen l^ter einfdjilagenben @(|iriften \>on $. ©d^ul) Qft3^x Ur« 
geft^itffte K.'O/ ^- 3ett6 C>>ie Deutschen etc.«) unb g. ^. fWüHer («bie 
beutfcl^en Stämme") u. anb. fönnen erfl fpäter^iin, na^ einet genauen i£r- 
mitteiung ber @|>ra(]^grensen, im iSin^elnen befprod^en to^erben. 

5) A. Buchner, Reise auf der Teufels-Mauer. Mit Karte. Regensbg. 

1818. 8. 

9txnifütbi, epxü^Uxit. 8 



IM 

^er (Kitte fidf jtt ZmtM 3etten eine beit Stdmmi befrnm^ 
Mr 9lie^laffttng berl^ermunburen oit^ebmtrt , toa^^x^äftm^ 
lUif btrfelbe, ti^elc^e )>on !£)omittttd St^mobarbttd tm rrfitii 3at^re 
tcr 4^rtfilt4^m B^itrec^nung im SRarfmnannmlonbe angrltetoelt 
wctttn war *), wä()rtnb tad ®tamm90lt noc^ an ttr Slbe ^au^ 
frtr. 3nt fünften Sal^rl^untert flnben »tr in Wefer ®egenb ber 
Xonau wot)l taffetbe i^olf ald XH^inger »teber, unb {nuir 
nunmehr in unmittelbarer ^^erbtnbung mit ben S^rittgem an ber 
iilbt, »a()renb an ber 9tab bte ^jloaren auftreten. C^gL oben 
0. 50 ffo 

Hud)^ bei <& a U fällt bie gegenmdrttge @)»ra^ren)e faft mit 
ten Überrefien be^ ri^mifcf^en ^fal^lgraben^ jufammen, nm^ um 
fo bebeutung(»)»oUer erfc^eint, ba biefer SSBali bereite in btr SDtitte 
tt^ merten O^I^^Nnbertd al^ @renje ber Sllemannen unb 
^urgunber benuj^t warb ^; unb ndrblid^^ '00m Sltfitx ioxdf, 



6) T«c. (xemi. c. 41 »Fropior» ul qvomodo j^ulo anle Rhe- 

nuMi, »ic uuuc Dttnubium s^qunr, Uenuiuidiuronun civilas, fida Romano 
<<oqiitf fiolU (ivriiiauoruiu uou in ripa comnierciuiii, sed penitiis atque in 
jiphiiididiüvliiiit UhaeUue proviucine colonia passim et sine custode. trans- 
runi** . . . mIh llormunüuris Atbis oritur> 

UloiiU CttMÜ fniKiuiMita, Pari;» 1800^ foL, paf. 7 (8%e. Tenionem Mo- 
rrllii}: Uoaiitiu» iiauiqu« aatoa quidem ad lioc asque kempus regionam 
qimo iid Ulruiii huuI iuip^riuiu ieuel>al ac Uemonduros, e propria sede 
iirxrio qud pactu ofcrv:»»0{» errautesque ui aliam sibi terram quaererent, 
»Muripiviin, in parte Man*oiiiauuiae coUocavik.«^ 

7) Aiiiiii. Marcoll. Will. 2 »cum ventuin fuissek ad regionem 

<*ul CMprllaltl \^i VaXm nomen est, ubi termiiiales lapides Alemannoram 
rt niirKundtorum oonflnia distinguebaut, castra sunt posita.«* Serglct(^t 

man tamit Aiiiiii. Mangelt. XXVUI. 5 »Scribebakque OTalentinianus) 

frrqiuMitor ad «urum (Uurgundioruui) reges<* .... »Gratanter ratione ge- 
niiiia l*rim*ipi» acceplae s^uiik lUlcrae: prima^ quod jam inde tetnporibus 
prUciü, »uboliMii tte e^sto Roinauam Biirguudii sciniit: dein quod salin a- 
ruiu finiuliique oaussa Alomaunts saepe jurgebant« ttttb Orosius Ylf.32. 
tftloii (BurKundiours) quoudaui subacka interiore Gennania a Druso et Ti- 
berlo adoptivis filiU Cuosaris per castra dispositos ajunt in magnam coa- 
IuIkko gontem. Atque etiam nomeu ex opere praesumisse, quia crebra 
per liiuitem cunsUtuta habitacula burgos vulgo vooant.'' fo t|l man )Hrfit((t, 
att(| tiefe ^UTQunbcr für einen S^fl ber )ttr 3^ bc« S^tbertn^ |»lf(bnt Vtain 
unb üDonau ver)?flan)ten ^ermunburen )u ^Iten, beren Sirene fc^n Xacthtd 
rübmt« SSenn nämltci^ totrflt^ |u ^ugu^ 3etttB ctitc Wm^ £^tf(|er äii 



119 

löo btefe ©renibefejWgung [lä) faji in einem redeten SBinfel gegett 
giorben mnitt, foUen bte fogenannten fd^wäbtfd^e, fränKfdfie uvtb 
mtttelrl^etmfd^e aWunbarten jufammenfloßen ®3» SSBiirbe fi(|i bad 
bei genauerer Unterfu(i(>ung bejiätigen, fo tt>&xt baburd^ ber Sdt^ 
toti^ für bie ÜbereinfWmmung ber Orenjen unferer beutfd^en 
aWunbarten mit ben Orenjen ber beutf(^en SSölferfd^iaften in ben 
erften 3Ä|)rJ>unberten na^ ß^rijü ©eburt tt>ol^l uberjeugenb 
flefü^rt 

§. 14. 
9lbgren)ung bet ehtjelneit oberbeutfc^en aj^itnbottetu 

2)aö gefammte oberbeutfd^e ©prad^gebiet jerfallt in brei ^aupt^ 
abtlf^eilungen, tt)el4)e burdj> bie SRamen alemannifdjie, f^»5^ 
bif(i^e unb baierifdj^e 2Wunbarten bejeid^inet ju mxim pfle«? 
gen* 5luf ber Äarte ftnb bie t)on ®d()metter gebraud^ten SBejeidj^^ 
nungen: Dberr^ein, SBefHed^ unb O^ltä) beibehalten 
»orben, burd^ mlä)t 3lamm gefd^id^tlid^en 5orfd()ungen niä)t t)or^ 
gegriffen toixi. 

®d()meller erläutert biefe ßintl^eilung mit folgenben ® orten 0: 
#^2)er erfle öon.biefen ICialeften l^errf(^t in feiner Sntf(^iebenl()eit 
am 'dU)m unb bcffen B^flüffen bi^ unter Strasburg binab, »o 
er ein mel^r mittelbeutfd()e^ Slnfel^en erl^ält, unb bem nun n&^txtn 
9Meberbeutfd|)en in gettjiffen ©tücfen undl^nlid()er wirb, ate er eö 
weiter oben war»" 

//Der gweite tjt an ber Donau oberhalb beö ?ed^S unb il^ren 
Buflüffen ju ^aufe, ^errfd^t audj) im grüßten St^eile be^ Sledfar:^ 



römtfdjfe Q^ttn^toä^ttr axiQt^ithtlt tourbe, fo pa^t bie§ fe^r gut auf {ene (er« 
munburen bed Donutiud, unb bie ^nna(ime emer ^erfc^Dvägerun^ biefer ®retu* 
)er mit romifd^en $ro)»tn^iden, tveld^e £)roftu^ au^ubeuten fc(^etnt, n>are bann 
gar ni4^t fo abent(>euerlic(, toit man bieg ^ttoi^^nli^ an^unel^men geneigt iß* 
3ebenfaUd loaren bie ^urgunber bie (S^ebilbetften unter ben germaniftf^en ^'cU 
fern, toad auf einen frül^^eitigen ^txh\)x mit ben OtÖmern fcit^üegen la^U Sxtu 
li^ ifl bie (Sti^moiogie nidl^t ljfalt6ar, ba ber germanifdj^e Oflen il^re i>t\mai^ if}* 
S5gl. über i^re 9?a(^barf«]^aft mit ben Jt^üringern Procop. Goth. I. 12. (Bonn, 
p. 63. 5—10.) 

8) «aier. 8lnnalen 1832. ®. 92. 93. 

1) SWunbarten @. 6 unb 7. 

8-^ 



116 

®tbittt& unb nmmt am aWaiti unb norbmdrtö beffelben immer 
mt^x mittelbeutfd^e W)nli6)Uiitn an»" 

//Der brüte umfaßt bag ganje übrige ®ebiet ber Donau unb 
t^rer ®eitenge»dffer, fo mit überhaupt beutfc^ gefproc^en mx\>, 
»dl^rettb er fid^ öftlid^ i)on einer Sinie, bie ungefdl^r in ber 9lid^^ 
tung be^ Sed^g fortiduft, in^ SWittelbeutfd^e l^inabjie^t" 

„SBo^l über bie ^dlfte be« Äönigreid^g S3aiern geprt in 
ba^ ®ebiet biefe^ ojilec^ifd^en Dialefte^ unb feine mel^r mit^ 
telbeutf(^en gortfe Jungen im Siorben ber Donau, am Siegen, an 
ber 9iab, diö^la, $egnift unb am Dber^2Wain." 

6^ ifl bereite oben bemerft worben, ba^ bie 5Wunbarten be^ 
9labgebieteg, beg ggergebieteö unbDberfd;lefieng, 
H)xtm ©runbc^arafter nad^, loobl i>orjug^weife ber ob erbeut^ 
fd^en ^auptmunbart angel^ßren, unb ba^ bei genauer Unterfu^ 
d^ung bie mittelbeutfd^en Slnfldnge barin i>on untergeorbneter S3e^ 
beutung erfd^einen bürften. 

Die ßigentl^umlic^feiten ber oberrl^yeinifd^en SWunb^ 
arten finb »on ©d^metter C®* 432 x unb y) fel^r tt)enig be^ 
rücf fi(^tigt worben , weil S3aiem nur am S3obenfee in biefeg ©prad^^ 
gebiet etwaö eingreift* Dod[) ergeben jid^ auö feinen ü)?ittl^eilun:=^ 
gen folgenbe brei Äennjei^en, um bag Dberrl^einifd^e »on bem 
©ejiled^ifd^en ju unterf^eiben: 

!♦ 3m Slnfang ber SBörter lautet f »or l, n, x am SGBejllec^ 
toit tin reineö f, toäi)xtni am Dberrl^ein baffelbe audj> in biefer 
SSerbinbungtt)ie ä) auögefpro^en toixi, g» 53. flug, »a^ im Do:^ 
naugebiet faum aepirirt wirb , lautet am Oberrlj^ein k-hlug; Äranj 
tt)ie K-hranz C®d[;metter 0lx. 513)» ßbenfo wirb 6) bergejlalt 
a^pirirt unb tief in ber Äel^le gefprod()en, ba^ gleid()fam tin »er^ 
fc^ludtteö a t)orflingt, j» 33* SWilci^ lautet in ber ©c^weij faji wie 
Mil-ach, £idj>t toit Li-acht 

2. au lautet in ben SBörtem, wo eö au« u entjlanben iji, 
am Dberrbein nod^ toit ü, wdl^renb e« am SBeflled^ in äu ubcr^^ 
gegangen ifl, j* Sd. |)au«, SBejtled^: Haus, Dberrl^ein: Hüs; auf, 
mt^ltä): auf, Oberr^ein: uf C^^meUer 9lx. 162. 163). Dage^ 
gen lautet baö urfprünglid()e a u am £)berrlS)ein äu, unb am ffieffc^ 
Itä) äu Cober aud^ ä), j. 33. Sluge, Dberrl^ein: Äug, SöejUedS^: 



117 

Aug CAg); grau, Oberrl^em: Frau, 2BejHed(): Frau CFrft) CSö^mtU 
ler 172. 176). 

3. ti lautet in ben SBörtern, »o e^ bem altbeutfd^en i ents* 
fprid^t, am Dbcrrlj^ein nodj> immer i, »dbrenb eö am SSBefHecf^ 
wie ^i au^9efpro(i[)en n)irt> C®4)ttt^tt^^ 243): g. 93. 
SBeib, Dberr^ein: Wib, m\iUä): W^ib, 
3eit, Dberr^ein: ZU, aBejiled^: Z6it. 
Die SWunbarten wejllid^ »om Sed^ unterfd^eibeti jid^ i>on be^ 
nen be« DjHed^ö »orjug^weife inxä) ytoti ©getttHwtli(i^feiten: 

1) burdj> bie 9lrt tok bie Snbfplbe en auggefprod()en »irb: 
»ejHidj^ »irb ndmlid^ nur ba^ e au^gefprod^en unb jwar aU e, 
ßfiiid^ nur ba^ n, »eld^e« nad^ b, p, w in m übergel^t, j. 93. 

gett)efen, SSBeflled^: gw&sa- (gwea), Djtled^: gwe'n, 

leben, SBeJHec^: ,leba*, DjWed^: lebm. 

Sergleid^e bie auöfübrlid^e 93e^nblung biefe« ©egenfaßeö bei 
©d^mctter, Orammatif ®. 124—135. 

2) burd^ bie Slu^fprad^e be« fp unb jl; e« lautet nämlic^ 
Äaöpar, Dflled^: Kasper, SÖejtled^: Kaschper, 

^nfl H Kunst, // Kunscht, 

©d^wejler // Schwester, // Schweschter. 

eg greifen bie angegebenen Äennjeid^en aUerbing^ an^ übet 
bie ®renje be^ oberbeutf^en ®prad()gebietö in baö ÜWittelbeutfd^e; 
inbeffen fßnnen fie im ^mtm beö oberbeutfd^en Oebiete« alö Un^^ 
terfd[)eibungen gelten. SRid^t unwi^tig für bie ®t^ä)\ä)U bürftr 
e« übrigen^ fein, tt>enn man ba^ ganje ®ebiet einer fold^en du 
gentl^ümlic^f eit, j.'93. bie ©egenben, tt>o ber 93ud^flabe f i>or p 
unb t tt)ie seh au^gefprod[)en tt>irb, ijon Ort ju Ort abgrenzen 
»oltte. Ober fottte fid^ auö bem Umflanbe, ba^ Qaaä) ©c^mel^ 
ler 654) biefe 9lu^fprad[)e »on ber Dber^Sfar bi^ an bie $5oge^ 
fen unb ^om ©peffart bi^ jur ©aar b^rrf^t, nid^t ein ^ülf^be^: 
toti^ für bie Slu^brettung ber Sllemannen am linfen Sil^einufer 
entnehmen laffen ? 9luf d^nlid^e SJßeife würbe bie Slu^fpracbe ber 
ßnbf^lbe e n al^ n ober m bie 3Serbreitung be^ bajoarifd^en ©tanti? 
me^ gegen 9lorboft beurfunben; unb baö ®ebiet beS t^üringifd^en 
©tamme^ »ielleid^t nod^ an bem biefem 9?olfe eigent^ümlicben a- 
2aut erfennbar fein. 



118 

SIBgrenjuttg ber einjelnen tnittelbeutff^ett Snuttbotten. 

2)ie größere SWannic^faWgfeit ber nttttelbeutf^en 3Wunfcartett 
f^eint tl^ren ®runb barin ju l^aben, baß tu biefen burd() S5erge 
unb aSdlber gcfdbü^ten Sdnbern, ml^t fomeft bte ®ef(i^id()te md^t 
nie »on gremben befe^t gettjefen finb, jeber einzelne ffiolfe^ftamm 
jid^ »iel felbftänbtger entttJicfeln fonnte, aU in bem totitm Do^ 
nautl^ale unb in ber norbbeutfd()en Sbene. S3 bietet fi^ bal^er 
ber 5orfd()ung aud() l^ier ein fel^r belol^nenbeö gelb, ©a'jebod^ 
big jiejt für 2Wittelbeutf(^lanb nt>ä) fein ®c^ melier erjlanben 
ifi, ber mir alö fidlerer gül^rer bienen Wnnte, fo mn^ id^ mid^ 
ouf nadj^folgenbe 2Witt]^eilungen befd^iränfen, bie nid^t einmal ^in^^ 
rei^enb maren, um bama^ einigermaßen jutjerldfiige ®renjen 
auf ber Äarte ju jieben. 

Daö ganje mittelbeutfd()e ®prad()gebiet läßt fidj> — mit 5lug^ 
fd()ließung ber ttjal^rfd^einlic^ ium Oberbeutfc^en gel^Örigen böfi^ 
mifc^en, fdd^fifd^en unb fd^lefifd^en ©ebirg«munb^ 
arten — etma in neun ®ruppen »ertl^eilen : 

1) ber Dber:^ unb SWittelmain nebjt £)ber^3Bcrra 
unb fft\)ön, ober bie f* g. frdnfifc^en SWunbarten; 

2) bie aWainssSal^n^Dialefte, ober bie f. g. r^eini^^ 
fd^e SÄunbart, in »eld^er ber befannte ^/franfforter 6ab^ 
bebel^n Äimmelmeier" rebet; 

3) bie mittelrl^einifd;en SWunbarten, welche burd^ bie 
SJogefen in tint fübofHid[)e (^xnppt: 9ll^ein^9iecfar unb 
in tint norbtt)efHic^e 9l|)ein^ 2Jiofel gefd()ieben tt>erben; 

4) bie nieberrl^einifd^e aWunbart, loetd^e um S3onn, 
Äöln, Slawen unb Düffelborf ^txx\ä)t; 

5) bie ttJefiertt)älbifd()en SWunbarten, beren ©ebiet 
im ©üben burd^ 2Wain^8al^n, im SSBejien burd^ 91 ie^ 
berrl^ein, im Sterben burd; ba^ 5Rieberbeutfd;e unb 
Djien burd^ 

6) bie ßber^gulba^aWunbart ober ba^ f* g* 9iieber^ 
lj>effifd()e begrenjt wirb; 



1) T)k (Sntfu{>run9 ober ber alte Süröer^Sapitain. (£in franf forter l^eroifc^^ 
hcxitxli^ «ujifpieU granff. 1819. (1821 unb 1829). 



119 

7) bte Unjlrut^®aale^2)?unbartett, oberbief.g* t^ü^ 
rittgifd^en; 

8) unter bem 9iamm 2WitteU@lbe fann man »ol^l btejie:^ 
ntgen fä(^fif(^en, unb 

9) unter SWittels^Dber btejientgen beutfd^ien SWunbarten ju^ 
fammenf äffen, weld^e »eber jum oberbeutfci()en, nod^ jum 
nieberbeutf(i(>en ©prad^gebiete ge|)ören. 

1. Die öter STOunbarten ber erflen ®m^pt l^ßrt man vom 
£)benn)alb unb ®})effart bt^ in ba^ Sic^telgebirge, 
unb öon bem SRennfliege beg Stn^*^8^^tt><^tt>^ö W« beinafie 
an ben Slugfluß ber SBernift in bie Donau. Die ®renge j»i^ 
f4»en ber ÜWunbart beö aWittelmain^ unb beö Dbermainö giel^t 
^ä), naä) ©ci^mener, »on ber oberen SGBernift Ifing^ ber 
®afferfctjeibe jwifd^en Xauber unb SRegni^ gum Wlain, 
iiberf(^reitet biefen glu^ i^liä) »on SBürjburg, ba tt)0 berfelbe 
nid^t mt\)x, mt ))on feiner Ouelle an, Mä^, fonbem M6 genannt 
ttnrb C^gl ®d()meller*^ SWunbarten ^h. 140 unb 149), unb »en^ 
bet fi^ m\ili6) öon ©(^xoeinfurt gegen bie Duetten ber ©aale, 
tt)o bie aWunbart ber oberen SBerra fd^on beginnt. Die 
©renge biefer — ber fogenannten l^ennebergifd^en — l^at 
$r. ^rofeffor 33rüdtner ju aWeiningen genau angegeben ^): 
/fDag ®ebiet, ba^ al^ S3aft^ eine^ l^ennebergifc^en Sbiotifon^ 
genommen mxitn mu^, umfaßt bie gefammte SGBerragegenb 'ober^ 
l^alb 33reitungen, bie ©egenb ber oberen gulba, oberen ©aale 
C©treu, 93a^ra, aWilg), oberen SRobad^ unb 3^; e^ ijl biefe^ aud^ 
ber eigentlid[)e S3oben ber altlj)ennebergifd^en ®raffd[)aft. Die 
©prad^e biefeö ffißlfenoinfel^ ift jioar in i^ren ©runbjügen bie 
frän!ifd()e, aber biefe ^at [x^ ))itx burd^ ein »iell^unbertj4^rige$ 
3ufammenftoßen mit ber tl^üringifd^en ©prad^e, burc^ ein nad^;^ 
»ei^bare^ , \t^x frü|)e^ 2lffimiliren vieler, bem 9lngelfäd^jifc()en i>er^ 
»anbter ©prad^refle, unb al^ Sluöbrucf tim^ in Sftüdtjic^t auf 
SSoben, ^ittt unb ©efc^idjte jufammengc|)ßrigen 3Solf^leben^ gu 
einem eigentlj)ümlid^en Dialelt gebilbet." .... /,Die ©prad()grenje 
gwifd^en Sll^üringen unb granfen bilbet ber SRennflieg ober bie 



2) f&xüdnn, SSeitrag ju einem l^ennebergifc^^en SBörterbuc^, ^Weintttßett, 
1843. 4. (Oßer))rodt<>wm ber borttgen S^ealfci^ule) ®. 3. 



120 

aSafferfc^eibe be^ X^m^tx SQBalbe^ »on Sgel^^ieb bi« ^unt 3n^ 
fel^berg läng^ be^ Il^üringer Jil^afö burd) bcn garrenbad^er ©runb 
nad^ SSreitungen unb »on ba nad^ bem S3leff gur SRpn*" 

2)te SWuntartcn ber SR^ön, welche mitteljl be^ Uljlert^al^ 
mit ber SBerragegenb , burd^ ba^ ©aale^ unb ©innt^al mit bem 
aWain, Idng^ ber Äinjig mit ber SQBetterau unb an ber gulba mit 
SRieberl^effen im 3Serfe^r flel^en, l^aben burd^ bie ffiinwirfung ber 
mt^x aU lOOOjd^rigen ^errfd^aft be^ ©tifte^ gulba jwar einen 
gewiffen allgemeinen S^arafter angenommen, gerfallen jebod^ bei 
genauerer Unterfud^ung in bie tt)a^rfd^einlid^ nod^ erfennbaren ur^ 
fprünglid^en S3eflanbt^eile» 

2)ie ttjejtlid^e ©renje ber aWunbart be^ 3Wittelmaing fällt bei 
^Miltenberg, m ftc über bcn SWain gel^t, gleid()tt)ie bei ^all 
C©» 114) mit bem römif^en ^fal^lgraben iufammen. 311^ unter^^ 
fd;eibenbe^ 2Merfmal ju einer genaueren Ermittelung bicfer ©renje 
fann Cuad^ ®d[;meller a. a. D» SWr* 183 u. 586) ingbefonbere 
bie eigentl^ümli^e Slu^fprad^e ber 3nfinitiöformen bienen^ @ä 
lautet nämlid^: 

feigen, am JWittelmain : sä, am unteren SWain: se, 
leben, am aWittelmain: lab Oä), am unteren 3Wain: lewa; 
effen, am SWittelmain: ass, am unteren 5Wain: essa. 

2)ie weitere Slbgrenjung biefer SWunbart ergibt fid^ au« ber 
bereit^ angegebenen Slu^be^nung ber benad^barten Sprachgebiete. 

2. !Die fogenannte rl^einifc^e SWunbart xwifcfjen bem 
SRl^ein, bem unteren SWain unb ber Sal^n, ^at ba^ ©prad^gebiet 
beg aWittelrl^ein^, weld^e^ ftc^ öon SRafiabt U^ ^nbemad^ erftredft, 
tt)entgfteng imSR^eintl^al, gewiffermaßen burc^brod^em Die^renge 
berfelben ijt ^ier nodf) nid^t genau ermittelt; ba ^te iebcd() in $ef:^ 
fen, namentli^ Ui 2lUfelb, gro^entl^eil^ mit ber ®renge be^ 
Dberlaf)ngaue^ jufammenfdllt, fo ift e^ nic^t unwal^rfd^einlid^, 
baß im 3lttgemeinen bie beiben Sal^ngaue, bie SBetterau, ber 
SWaingau, bie beiben SRl^eingaue, ber Sliebgau, ber ®au Äönig^^ 
l^unbrebe unb mMä)t auc^ ber ®nrid{) biefe^ ©prad^gebiet bilben. 

3, Über bag @prad[;gebiet be^ 2W i 1 1 e l r 1^ e i n ^ liegen eben^ 
fall^ feine fo beftimmte Ermittelungen öor, baß tint genauere 
Slbgrenjung ber einzelnen SWunbarten beffelbcn »erfud()t »erben 
fßnnte. 6ö bleibt bieß ben betreffenben Vereinen »orbel^alten. 



121 

SSollrat^ ^offmann Ca. a. D. @. 650) Ijjat tiefe ^mi^ 
arten gar nid()t berücfjid^tigt, unb ber SBerfaffer ber übrigen^ fe^r 
lefen^wertl^en Slb^anblung „ik Dialecte ber teutfd^en ©praci^e'' 
CSSapr. 2lnnalen 1832 ©.85 ff.) fagt, ber mtttelr^einifd^e 
ober nieberl^effifd^e CfoK W^tn o b e r Ijjeffift^e) !Dialeft 
lebt iwtfd^en bem SSBefiermalb, aWarburg, SBogel^berg, bem Danu 
mer^felb auf ber dti)on unb bem übrigen SH^öngebirge, bem ©peffart, 
über ben ®aum be^ Dbenn^albe^ bt^ ju ben Sergen »on ^eilbronn, 
ber Äreid^ unb Duetd^, bem ©eiöfopf, D(i()fenfo})f, Äarföberg, 2)on^ 
ner^berg in ben nörblid^en SSogefen, in bem tt)ejMi(i()en X^eile bed 
baierfd^en SRI^einfreifeg unb nad^ Sot^ringen bt^ an bte ®feL" . .^ 
/,!Der SWofel ^ ftegtfd^e 2)ialeft lebt jn^ifd^en aWünjter, ?)aberbom, 
bem Steutoburgerwalb, SBittgenflein, bem SBeflern^alb, 2lnbernad(>, 
bem ^unb^rücf, Strier, ber ®fel, SWontjoie, Äöln, 2)üffelborf, 
2)ortmunb." 2lu^ bem, »a^ oben über bie Slbgrenjung beö 9Ke^ 
berbeutfc^en »on bem ^od{)beutfd^en gefagt n^orben ijl, ge^t ^er^* 
»or, baß ber SBerf. niä)i einmal über biefe |)auptgrenje genügenb 
unterricf)tet war. 

Dagegen bürften folgenbe ^aä)xiä)ttn, ml^t $r. ?>farrer 
SSormann ju Dalepben Cber SBerf. ber ^/Seitrdge gur ©efd^id^te 
ber 5lrbennen, Srier 1841") mir gütigfl mitget^eilt 1^at, fünftigen 
gorfc^ern nic^t unwillfommen fein: Da^ |)od()beutf^e jie^t fid^ 
burd^ bie ßifel bi^ jur franjöftfd^en ©renge. — 3Son Dieben^ 
^ofen W aWontjioie unb bur^ bie ganje ©fei bi^ an ben 
di^tin, finben ft^ burd{)au^ hint ©puren »on bem fc^wdbifd^en, 
flamänbifd^en ober l^oUdnbifd^en Dialeft. . • • 3d() möd^te felbjl 
bejtt)eifeln, ob bie SWunbart um Slawen jum ^lattbeut^ 
fd^en ju rechnen fei. ©ottten bie einzelnen plattbeutfd^en 3lu^^ 
brüdfe, welche man bort, in ßupen unb in Sorneliu^i^ 
münfter ^ört, nid^t »on bem bena^barten glamänbifd^en ^er^ 
rühren? 

Übrigen^ jeigt e^ jidj) auf ba^ S3eftimmtefte in biefer ®e^ 
genb, baß bie Diöcefaneint^eilung gar fe|)r auf ben fprad^lid^en 
Slu^brudf eingewirft l^at. 3lud^ finben jicf) in ben »erf(^tebenen 
|)od^geric^t^biftriften ^arafterijirenbe Sofalau^brüdfe* aWan fann 
bemnac^ 

a) bie Suremburgif^^Süttid^fd^e, 

b) bie SErterfc^e unb 



122 

c) We Äötttifd^e 2»unbart 
unterfd^eiben. 

a) Die Suremburgif^je ^) 3Wuttbart tt)irb gefpro^en 
^^on Dieben)^ ofcn bi^ an ben ^ui^puß ber Sure in bie 2Wo^ 
fei; ))cn ba langö ber ©ure unb Dure bi^ SSianben einfd^licß^ 
li(li). aSon ba giel^t fi(!() biefe abweid^enbe aWunbart fajl in gera^ 
ber SRid^tung nad^ SBeflen big in baö Söallonif^e. 2)iefelbe wirb 
im SlUgemeinen gef(!^tt)inb unb furj, in ben ©täbten Suremburg, 
fl^ttelbrüdC, 2)ieftrd^, SSianben, ©rebenmad^em unb Slemid^ aber 
#/]&er»orl^ebenb" gefprod()en. Die ©renje beö eigentli^ 8üttid(>^ 
Suremburgifd^en, benn ba« ©ebiet ber Dorjlelf^enben SWunb^ 
art gel^ört jum SSiöt^um SErier, giebt fid^ »on SJianben ber 
£)ure nad^ Onii 9lu«nal^me be« Dberlf^of« Dalepben) big na^ 
@t 93itl^, tt)0 bie brei Sigtl^ümer ftd^ begrenztem Die Slug^ 
fprad()e ijl l^ier etn^ag langfam, nid^t fo l^ajWg unb ber Slugbrudf 
Xiemli^ »erfd^ieben* 

3m 8itttid()fd^en Duartier, ml(i)ti bie $öfe ober «^od^ge^ 
ri^te galfenftein, Sler^aur, Dalepben, ?)remfelb unb S^^ommen 
begreift, fagt man j. Sd. 

Soh, wöst de waat äos, 

Hei oennen am Fläos, 

Wu-t- Locht all hinnloofen, 

Verwonnert zo gaafen? 

n)(ibrenb bief im Suremburgifd^en l^ei^t C^gL Meyer S. 10): 

Soh, wees de wat as 
Do nieden am Flas 
Wo d'Leid all hi laafen, 
Verwonnert ze gaafen? 

b) Die SErierfd^e SMunbart xie|)t fid^ i)on ©aarlouig 
über ben ®au (ben ganbfiric^ jwtfcfjcn 3Wofel unb ©aar) längg 
ber angegebenen ©renje beg Suremburgifd^en hi^ nad^ ©t» Sitl^, 
»on ba Idngg ber Äotnifd^en (Srenje big an ben Sll^ein. ©ie 
unterfd^eibet fid^ baburd^, baf bie SSof ale nod() gebel^nter unb lang^ 



3) gjrofcen berfelben pnben Itd^ in bem mir öon «&rn. 2)faner Sermann 
gütigil mitQii^tiiiiXi <B^xi}t^fn: H. Meyer, E Schreck ob de Letzeburger 
Parnassus. Letzeburg 1829. 12. 



128 

fanter gefproc^en »erben, al« tm Sütttd^^Suremburgifd^en» SQBenn 
tiämlic!^ ber Suremburger fagt: Petter Cf^atl^e), Löder CSeiter), 
och mönen (i^ meine), fo l^et^t baö tm Zmx^ä)tix, namentltd^ 
tm ®au an ber oberen ©aar unb tm 3Balblanbe: Peeter, Laa- 
der, och maanen. !Dte 9ln»c^ner ber SWofel bel^nen jeboc!^ bte 
Sofale weniger unb bie ©täbte fxüm unb @t* Sit^ IS^aben i^re 
eigene 9luöf})rad{)e. 

c) 2)ie i&lni^^t SWunbart Uo^imt mit ben ^oc^ge^ 
geric^t^|)öfen SSütgenba^, Slmel unbSülHngen, ioä) tjl 
biefelbe öon ber bei Äöln Ijierrfd^enben Slu^fpradje no^ giemlid^ 
t^erfc^ieben* 

JBier ©tunben über ^rüm in ber ®egenb »on ^iUti\)tim 
bi^ jur W)v unb bem ^})m reben bie itntt einen ganj eigene 
t]^ämlid()en Dialeft." -*) — 

2)ie 3lid)tigfeit ber bezeichneten ®renje jtt)ifd()en ben mitteU 
rl^einifdjjen aWunbarten unb ber fölnifd^ nieberrl^einifdjen »on @t. 
3Sitl^ über ©tabt Ä9II unb 3llbenau nad^ bem 9l^ein be^ 
flätigte mir tin ©d^reiben beö ^m. Dr. S3üff ju frürn. ^err 
5>farrer 3l|)rent in !Den^born bei ^rüm, ber ftc^ fcf)on feit3<tlf)^ 
ren mit Sammlungen ju einem ©fel^3biotifon befdjjdftigt, l^atte 
mir ebenfalls einige genauere SWitt^eilungen jugebad^t, mand^erlet 
55erufögefd{)äfte l^aben ii)n jebo(i() bi^ je^t baran ))erl^inbert* 

4. Die Slbgrenjung ber nieberrl^einifdj^en SWunbart 
ijl bereite oben C®- 109) ^orgefommen. ^D 

5. 2)ie wefterwdlbifc^en SWunbarten f)at t. e. 2. 
©d;mibt in feinem bekannten 3biotifon bel^anbelt, bod() l^at er 
bie ®renjen be^ S3ejirf^, meld^er il^m al^ ©runblage feiner fprad;^^ 
li^tn gorfd;ungen biente, niä)t genauer bejeid^net. Über bie ©ie*? 
genfd;e ©prac^e l^at fid() ^n 5lmtmann ©4)encf ^) folgenbemta^ 



4) S^tellnci^t t(l t>if§ berfelbe i!anb|hri(^, »on irclti^ent greifen 91. 0. ^ajrt* 
Ijjöufen (Urfrruttö ber S^crfaffung fn ben tl)fmaH flaöifc|iett ^änbern !Deutfcl^* 
lanbö. 33erlitt 1842 @. 25) fagt, bog bafe(b|l bie ^änbereien noö) ali @5cfammt* 
eigcnt^um ber ©emetnbe betrachtet unb für eine ditifyt »on Sahiren jur 33ebau^ 
ung unter bie (£inn>o()ner »ert^eiit toerben. 

5) 2SgL über bie ^a^tmx 2J?unbort ba0 3biotiron öon 3of SÄüHer unb 
mif). SBeij. ^(i^tn, 1836. 8. 

6) 51. g. @4fen(f, ^tatifHf bed ^eifed (biegen, biegen 1839. 8. @. 32. 



124 

§en geäußert: /^2)er alte ©tegenlänber fpri^t in ber dtt^tl platu 
beutfd^; allem in bem ©ebraud^e, fott^ie in ber Betonung unb 
?lu^fpra(^e einzelner SQBörter weid^en oft bie S3ett)0l^ner jmcier 
na^e beifammenliegenber Drtf(^aften [el^r 'oon etnanber ab. 3ti 
ben SSürgenneijiereien SBeibenau, Sßiln^borf, Jletpl^en, ^ild^en^ 
borf, gernborf unb in einigen Drtfd(>aften beö Äir^fpiete Dber*^ 
foljflau nähert jid^ bie ©prad^e mel^r ber [c^nellen, furjabgebro^ 
^enen, tt)efip]^i5lifd() ^ märfifd()en SWunbart, tt)dl^renb in ben Äir^^s 
fpielen Dberfifd()bad^ unb greubenberg ber me^r ftngenbe, langge^ 
bel^nte bergifd^^nieberr^einifd^e Dialeft unb in ber ©tabt Siegen 
tin ©emtfd() »on $od^^ unb ?)lattbeutf^ IS^errfd^t* !Die ©pra^e 
ber greiengrunber, im Äird^fpiele 5Weunfird^en, gleist mel^r ber 
allgemeinen ©iegenf^en, roä^xmi bie SSewo^ner be^ Äird()fpieW 
S3urbad{) al^ tin ®emi[^ Don fiegenfc^er unb tt^eflerwälber gu be^ 
trad()ten , bagegen bie ber |)idfen mel^r »etterauif^^er SWunbart iji*" 
Slu^ einer brieflid^en ßrlduterung beö ^m* Serfafferg ge^^t übri:^ 
gen^ l^er»or, baß bae ©iegenfd^e eine ^od^beutfd^e aWunbart 
ifl, bie mit bem SWieber^efjif^en Cßber^gulba) öiele Sll^nli^feit ju 
l^aben f^eint* 

3loä) mt^x ijl bieß ber gall hti ber 5Wunbart, totl^t an 
ben Duellen ber Sber unb ia\)n l^errfd^t* $r. Dberl^ofprebiger 
Äneip ju Berleburg gab mir barüber folgenbe 3lu^funft: ,/@o^ 
balb man au^ bem |)erjogt^um SBeflp^alen, bem f. g* fölnif^en 
©auerlanb C©überlanb) in ba^ 3ßittgenjtein^S3erleburgifcbe fommt, 
^öxt man eine ganj anbere SWunbart, bie fo tt)enig äl^nlid^feit 
mit ber weflpl^dlifc^en l^at, baß man fie eine anbere ©prad^e nen^ 
nen mßd^te. ©tatt dat unb wat l^ört man ba^ unb tt>a^, bag 
a wirb aber al^ ein SWittellaut jwif^en a unb o Ca) au^gefpro^^ 
d^en." . . . //Um Saa^p^e fprtd^t man bie ©ilbe er tt>it ar unb 
ar wie er au^, J. 35. Mai Fra spennt izt Gorn, un das thit se 
sehr garn." . . . . n^m ©tegenfd^en, ba^ nßrblidj) unb »efllic^ 
an baö |)erjogt^um SQBeftp^alen grenjt, unterfd^eibet man jic^ fe^r 
»on ber SWunbart im SBittgenjteinf^en*" ♦ ♦ . . //3u Srnbtebrüdt, 
einem 2)orfe an ber ©iegenfd^en ©renje, [prid^t unb ge^t man 
gefd;tt)inber al^ in anbern SEittgenfieinfd^en Orten. 9lud^ l^at 
man einige ganj anbere SQBörter unb Slu^brücfe, j. 35. huwwe fl. 
braud^en C^oUänb. hoeven, fpr. hüven). SSefonber^ merftt)ürbig 
ifl ed , baß {te 2 tD ald n)eiblid^e S^rm t)on ivot gebraud^en. 



123 

g. ©♦ i»e Wlcimtx, it0t> SSBeiber unb barin niemate feMen, 
o^ne baß jie ftd^ be^ ®runbe« bett)ußt finb/' 

6. Die nieber^efft[(i{)e5Wunbart grettjt in ber SBcrra^ 
gegenb an bte t^^nxin^i^ö^t, bte übrigen ©rengen ergeben jicb 
auö bem früher ®efagten* Safob ©rimm f^rieb mir barübet 
im 3a^r 1835: ,,3n Äur^effen berrfd^t feine red^t marfirte 5Wunb^ 
art, 9lieber^effen flößt in ber Diemelgegenb an Sngem, in ber 
eber^ unb Sa^ngegenb an SQBejtp^alen, in ber SÖBerragegenb an 
X^üringen, in ber oberen gulbagegenb f^on an granfen» diu 
eigcntli^ i^efftfc^er S^arafter ergiebt jid^ faum beflimmt; gu fu^en 
wäre er jwifc^en SWelfungen, ©ießen, ^Rotenburg unb ©uben^^ 
berg*" ^rofeffcr ^upfelb "^D fagt »on bem 9lieberl^e[ftfd^en, 
»elc^e^ /4n bem gulbagebiet gwifd^en |)er^felb unb Gaffel, am reinflen 
gu 5WeIfungen/' gefproc^en werbe: (£ö ifl eine SWunbart, bie ben 
Sonfonanten nac!^ bem Dberbeutfdjen, ben 3Sofalen na(i) bem 
SRieberbeutfci^jen ®D ange]f)ört, unb fo beibe ©ebiete \>nx6) m mtxt^ 
»ürbige^ 3wifc^englieb, ba^ auf ben diavm weniger ©tunben 
ht\ä)x&nU ijl Cbenn an ber Diemel wirb fd^on nieberbeutfd^, 
fowie an ber ©d^walm oberbeut f^) gefprod^en) augeinan^ 
berl^alt unb »ermittelt/' 

^/®in ci^nlid^e^ SWittelglieb gwifd^en 9lorb^ unb @übbeutfd()^ 
tenb btlbet bag ^effenlanb überhaupt in S3ejiel^ung auf ©itten 
unb Denfart." 

Der ©pmnafialbiref tor SS i l m a r in SWarburg , ml^tx \ä)on 
feit 3a^ren gu einem SBerfe über bie l^ef[ifd{)en aWunbarten fam^ 
melt, unb bereite in ber B^^fd^nft be^ 3Sereing für $efftfd^e®e^ 
fc^id^te unb Sanbe^funbe eine trefflicfje ^robe beg gu erwartenben 
3biotifon^ geliefert ^at, ^ält ben in Dber^effen unb ber ®raf^ 
fd^aft 3i^9^n()ain, mit ^u^fd()luß be? nörblid()en Streite be^ Slm^ 
te^ granfenberg, wo fa^ftfd^e ©nflüffe biefen Dialeft auf ba« 



7) Über ben J^iflortf^i^grammatifcl^fn SBertl^ ber befferen beutfd^en !Wunb- 
arten, J^inftd^tltdj) ber Sen}a^rung ber tolö^ti^^tn in ber ^d^rtftfpra^ie unitx^t* 
gattöenen 55ofalunterf(^tebe* 3n 3aW^ 3al^rbü(l^ern für y^iloL unb 5)äbag, 
Sa^rg. IV. itipiiq 1829. S3b. IX. ©. 353—364. 

8) a^ qiit bief jebod^ Uint€totqi t)on bem je^t an ber Diemel l^err» 
f(|»enben 9^teberbeutf($, benn ba fagt man }. S. flatt: {)ut (pileus) Haut, 
t>aut Hut, bieten beden, ^ol^ne Baune, $u(in Haun. 

9) £)amit be|ei(|>net (>. (»ier bie r(»einif(|»e ober 9{ain'£a(»n'9{unbart. 



126 

äußerfte in t>te S3reite brücfen, unb bcr fatl^olif(i()en Drtf(i()aflen 
Ctt)0 ein mel^r fulbtfd^s^tl^üringifd^cr ßinfluß ju bemerim t|l) l^err^ 
fd^enben f* g. r^eintfd^en 2)ialcft, für bte reinfie, aud^ feie alte^ 
jien Sttotiömen bewa^renbe l^o^beutfci^e Cciit^ unb mittelöodji^ 
beutfd^eD SWunbart ^effen^» 

7. Die tM^^ingifc^en 2Kunt>arten ^effen^ ewarten 
anä) noc^ eine grünblici^e Bearbeitung» Unterbeffen flel^e ^ier 
eine gütige 2Kitt^eilung be^ mir befreunbeten S3ibliot^efard ?• 
33 e c^ ft e i n in aWeiningen : //2Ba^ S^^üringen betrifft, fo bilbet 
junä^jt ba^ t^üringifd^e gla(!()lanb mit ber golbenen 9lu bi^ 2Bei^ 
mar unb anbererfeit^ bi^ aWül^l^aufen unb Dlorb^aufen nebfi ber 
©onber^^äufer Unter^errfc^aft ein großem in jic^ abgef^loffene^ 
©ebiet »ermanbter SWunbarten* SBon SBeimar aber im 3lm^ unb 
©eragebiete walbaufwärt^ »irb tt)ieber anber^ gefprod^en bi^ 
jum ©ebirg^famm» ©übwärt^ weci^felt ber SE^üringfc^e Dialeft 
mit bem gränfifd^en, »on bem er £aut unb ©enbungen annimmt, ifl 
aber anber^ im aWeininger Dberlanbe, tt)o er jum Dialeft be^ granfens* 
tt>albe^ hinneigt, unbanber^im^ennebergif^enSlerritoriunu Sluffal^ 
lenbiff^, ba^oftSanbe^grenjenjugleid^Sprac^grenjenbitben, nid^t 
auffaHenb freilid^ bann, menn bie Sanbe^grenjen tl^eil^ natürlid^, 
tt)ie ber 9lennfiieg ober bie Sßerra, t^eil^ uralt finb» ^m Xl^al 
ber t^üringif^en ©aale mif^t ftd() ba^ t^üringifd()e 3biom fd^on 
mit bem @orbifd()en be^ nad^barlid()en 3Sogtlanbeö»" ♦ . • ♦ 

SBa^ enbli^ 

a bie aWunbarten ber 3«ittel^eibe unb 

9. bie SWunbarten ber SWittel^Dber betrifft, fo bot 
iid^ feine ©elegen^eit bar, genauere aWitt^eilungen barüber ju er^ 
langen. 

Der 3Serfv ml6)tx in biefem unb bem folgenben §♦ feinerlet 
Srgebniß eigener gorfd^ung mitjutl^eilen l^at, l^offt barin eine ^in^ 
reid()enbe (£ntfd()ulbigung ju finben, baf e^ unfireitig beffer ifl, 
Surfen aufjuberfen, aU biefelben mit SBal^rfd^einlid^feiten au^ju^^ 
fütten- 

§. 16. 

Slbgrenjung ber emjelnen nteberbeutfd^en 97tuttbattett. 

Die nieberbeutfd^e ®})rad^e jerfdllt nad^ SSolln ^offmann 
CDeutfd^lanb unb feine S5ett>of)ner X^L I. ©♦ 672) „in brei aWunb^ 



127 

arten: ttt bie eigentlich nieberfäd()fif(!^e, in bie »eflfäli^ 
fd^e unb in We nieberUnbifd^e ober l^oHÄnbifd^e" . . . 
,Mt nieberfäcä^fifd^e unb bie ttjefifdlifc^e aWunbart gelj^en mannig^^ 
fad) in einanber fibcr; entfd^ieben nieberfä^fifcf) tt)irb im 
ittorben unb Dften ber Slbe ^t^pxoä)tn, entfdj^ieben tt)eftf(liilifd(> 
im Sßejten ber SäJefer»" 211^ Unterf(i^eibung^ieid)en |)at er bie 
fd^riftbeutfd^en £aute ü unb i Qtroäl^U, mld)t im 9lieber[äd^ft[(i()en 
ö unb e, im 3Bejl})^lifd()en au unb ei, im 5Rieberlänbifd^en ü unb 
i lauten, j. 33» ©d^riftb»: S3ud), guß, rufen; lieb, 3)ieb, fließen. 

SWieberf: Bök, F6t, röpen; lef, D6f, üeten. 

SQeflf)]^.: Bauk, Fäut, raupen; leif, Deif, fleiten. 

9HeberL: Bök, Füt, rüpen; lif, Dif, vliten. 
^err Dr. ©rote in ^annoöer ^at mir über bie ®renjc 
gtt)ifd^en ben »on ^offmann alö 5Wieberfdd^fif(^ unb ®ef[^ 
pl^dlifd^ bejeid^neten SKunbarten, mld)t Sr füjienlanbifc^ 
unb binnenldnbifd^ nennt, unb für bie er baö gürwort 

mir, mid^, bir, bid^, 
nieberfdd^f* ob» füflenU mi, di, 

m^'f)). ob» binnenldnb» mek, dek, 

alg entfd^cibenbe^ Äenn jei^en angiebt, folgenbe SWittl^eilung ge^ 
mac^t: ©ie //liegt ))on ^annoöer ab gegen S3remen ju un^ 
gcfä^r jwifc^en Jlienburg unb ^opa, gegen ^amburg-ju 
congruirt fte fafl mit ber SBafferfd^eibe beg ffitbe:^ unb SBeferge^ 
bietet, bie überl^aupt, obgleid^ fte nur in eine »öUige Sbene fdUt, 
bod^ feit Sal^rl^unberten man^^e Sigentl^ümli^f eiten fd^eibet, toit 
fte benn aud^ in numi^matif(^er ^injtd^t big auf ben ]f)eutigen 
2;ag C1841) bie ®renje jwifd^en ber ©rof^en^ unb ©^illing^i? 
redj)nung bilbet, tt)ie fte bon 1130 hi^ cc. 1430 bie ©renje jwfc^ 
fd{)en ber Denare unb SSrafteatenmünje bilbete/' 

!Die ®renje jwifd^en bem9flieberlänbifd()en C^olldnbif(^^ 
fldmifd^en) iji »erfud^^weife nad^ ben mir »on |)m» Dber^®teuer^ 
rat^ 6art)ac^i ju SWünfler mitget^eilten Ermittelungen ange^^ 
geben »orbcn: nDit ©renje jwifd^en ber l^oUdnbifd^en unb nie^ 
berbeutfcfjen aWunbart bilbet ber DoBart big ju feiner füblid()jlen 
©pijje, bann bie politifd^e ®renje, ^anno^er unb ^xtn^ 
ßen entlang, big unterl^alb Smmeridji 0» 9ln ber beutfdden 



1) !Dtefe @5r(n|lbe{Hmmttn9 ma^ im ungemeinen tvo^I xiö^ii^ fein, aber tt 



128 

©eite bcr ©rcnje \)öxt man einige ©tunben ing 8anb ^intin baö 
9lieberbeutfd^e mel^r ober »eniger mit J^ottcinbif^en SQBörtem i)er^ 
mengt; an ber l^oöänbifd^en ©eite bagegen feine nieberbeutfci^en 
Jlnflange." 

9liebu^r^) gibt bie nieberlänbifd^e ©prad^grenje etwa« an^ 
ber« an, inbem er ® entkeim nod^ bem ^oUfinbif^en ©ebiete 
jutt>eiji: ,fdi\)tim liegt ^art an ber ßm«. ^ier ifl f^on l^oUdn^ 
bifd^e 5Reinlici)feit unb ^tttfydt im l^öd^fien ®rabe, aviö) bie ©pradjie 
n%rt fi(^ ber l^oIUnbifd^em S5i« ba^in l^atten wir C^on 
D^nabrücf l^er) fel^r reinem Jlieberbeutfd^ gelj^ört. 9lur in ©ul^^ 
lingen war ber Dialeft frembartig; [oUten bie ^riefen fo tief l^in^ 
ein gewohnt l^aben? 2Wan [agte bort 2)röttten ©rofdjen" . • . 
C©. 150 ..^ier ein »entkeim) ifl fc^on SlUe« ^oUänbifc^, auc^ 
bie ©prad^e beg gemeinen SWannee" . ♦ ♦ . C^* H30 ®egen 
SSeflpl^alen bin ge^t bie ^f>Mnii\d)t ©prad^e in« SRieberfdd^fifd^e 
über, gegen SWorben in« griefifd^e» 

3Sanbenl^o»en Qh langue flamande, Äarte) begrenzt ba« 
griefifdj)e in ber l^oßänbifdjjen ^romj grieölanb füblid^ mit 
bem Stiangerflug, öftlid^ mit ber politifd^en ©renje iwifd^en grie«=^ 
lanb unb ©röningen. 2)ie ©d()eibelinie gwifdj^en SRieberldn^ 



bürftc fr^r i^tvetfel^aft erfd^etnen, ob bie grgentoärttgen W)toti^un^tn htiUx 
^untaxitn urfprüngltc^ ober nur in golge ber (loUanbifclfen ober beut" 
fdjien ^irdjfen*, <B^uU unb SBernjaltung^fpradjfe bfefer ©egenben feien? SBgU 
Joh. Gerling, über die Clevische Volksmundart. Wesel 1841. 4. ^Bd^ViU 
pxe^xamm »on 1840—41.) ^. 4. 5lnmerf. 

2) ma^Qtla^txit ©d^riften. ^amh. 1842. @. 134. Diefe ^Ibtuetcjung ift 
auf ber ^arte ebenfadd anc^ebeutet. (£b. Krüger, Itberjtd^t ber (heutigen platU- 
beutf(^en <Bpxaö^^, (£mben 1843, fagt (S. 14: w3n (Jmben »irb no(|> in ber 
^rd^e unb in ber ^oIFdfc^uIe bte (loUänbif^ie <S|)radj)e gebrauij^t; biefe ifl aber, 
»orjügltcä^ in ber <Bä)uU, fo fe^r mit beutfc|iem yiatt »erfe^t, baf ber ^oMn" 
ber jie feiten für riti^ttg anerfennt. SRed^nungen unb Sorrefponbenjeit tverbeit 
t)on Stielen blo^ in ^oUänbifd^er (Bpxaö^t ausgefertigt, fo au(|f bie 3nf(|»rtfteit 
an ben •C>äufern unb ber öffentlid^e $ludruf* {)ier|u fommt hti einem S^^ile 
M S^olfed ber mauht, baf ber ed^te O^^^tteSbienll ber ^oQänbifd^^fal^tnißifd^en 
^rdfie ftdj) in feiner anbern aU ber ^oOanbif^en ^pxa<^t auSbrücfen Ia{fe mtb 
man ^ört tt)o()l fagen: «he leert luthersch", tt)enn ein JJrebiger felbfl bie re* 
formirte fRtht li^oc^beutfc^ ioorträgt. T>a\)tx |tnb, tveü bie <Bpxa^tn |uglei(|f als 
©kubendartifel betradj^tet toerben, bie :^ut^eraner in (Smben ber l^o(|^beulf4ien 
^djfriftfpradjfe im £)urdjff(^nitt mäd^tiger, al0 bie 9^eformirten«^ 



129 

bif(!^ unb 9licbcrbeutfd^ tfl bte ®renje xmfd^en ben ?)tO:^ 
»tnjen grie^Ianb, ®r6ntngen unt) 2)rcntl^e bi^ in feie ®egenb 
»on !Dtcöenbrugg, bann bie ©ümpfe in bcn ^romnjen 
Drent^c, ® eibern unb Dben)ffel auf bcm redeten ^ffetUfer» ^ei 
ber ©tabt S I e i> e gel^t bie ©renge auf ba^ linfe SR^einufcr über; 
bei Stfferben über bie SWaa^ unb jienfeitg biefeg gluffe^ »cßenben 
bag aJloor be ^eel unb bie Reiben gwifd^en |)affelt unb 3loer^ 
ittonbe bie ©cfieibelinie» 

2)ie genaue Slbgrenjung be^ alten griefenlanbeg , Somit bieg 
auö ben Uberreflen biefer (S>^xad)t in ber gegenwärtigen SSolU^ 
munbart nod^ gefdjel^en fonn, n^ürbe öon |)tjlorifc^er SGBid^tigfeit 
fein* 3u fuc^en tü&xt biefelbe im Sßeflen unb Dflen ber ©über? 
fee fott)ie jwifc^en ber unteren @m^ unb ber aWünbung ber 3Be? 
fer* Die auf ber Äarte angegebene mutl^nia^lic^e ©renje öon 
ber Sm^ na^ bem SWeerbufen ber 3Ä|)be foU nur anbeuten, 
ba^ im Dften ber (Sm^münbung nctd^ 3^» et ^in unzweifelhafte 
SRefle friefifc^er ©pracfje gu finben fmb» Db bie SBerbinbung ber 
Oft-- unb SBejlfriefen mit ben 9lorbfriefen in ©d^le^wig 
nur mittelji ber ®ee Statt gefitnben, ober ob »iellei^t einfl bie 
ganje baiwifdjen liegenbe Äüfle »on frieftfc^en Stämmen befeftt 
gewefen, ift nod^ unermittelt. 

Söir bürfen ^ier bie faterlänbifc^e ©pracfiinfel in einem 
SDioore an ber £ e b a nid)t übergeben* 3ln bem Ufer biefeö glüßs^ 
4ien^, mlä)t& burd^ jwei fc^iffbare aWoorwaffer, bie aWorfd 
unb bie D^, gebilbet wirb, leben in brei Dörfern, ©d^arl, 
Stam^lo^ unb Utenbe, etwa 2000 ©eelen jumStbeil in 'oöU 
liger Slbgefc^iebenl^eit »on ber SBelt. din SWoor »on jwei ©tun? 
ben 33rctte trennt fte ijon allen il^ren 3laä)ham, unb nur bie 
3Wänner befuc^en ju ©4)iff be^ ^anbefö wegen bie benachbarten 
Orte. !Da^ unter biefen Umjtänben biefe^ SBölfdjen feine eigen? 
tl^ümlic^e ©prad{)e unb feine alten Sitten unb (Sebräuc^e reiner 
bewal^rt l)at, afö bie 33ewol^ner ber Umgegenb, ifi fo natürli^, 
baß man feine ©nwanberung anjuneljmen braud)t, um il^re fe^r 
abweidjenbe, angeblicb altfriejifc^e, SWunbart ju erflären. greilid^ 
ftnb felbjl gegen biefe le^tere 2lnnal^me neuerbing^ B^Jeifel erregt 
worben, unb aud^ in foweit wol^l ni^t o^ne ®runb, aU feine 
lebenbe <B^xa6)t 3ö^r^unberte lang im ©ebraud^ fein fann, ol^ne 



180 

wefentlid^e 3SerÄnberuTtgen gu erlricctt; ba irtod(> bie Sinwol^ner 
beö Äirc^borfg (Bä)axl in einer Urfunbe »on 1400 ©d^atle^ 
f tiefen genannt n^erben, fo dürften jid^ bort gewiß nod^ fc^aftbore 
Überrejle ber altfriejifci^en @prad;e finben. @g »Are beßl^alb fel^r 
gu wünfc^en, baß rcc^t balb ein ©ad^funbiger ^ in ben 
©tanb gefegt werbe, fott)ol;l biefe aWunbart aW auc^ bie auf 
ben Snfeln Sangeroge, ©piferoge u. f. w» »ottfommen gu 
erlernen unb erfd;6pfenb ju be^anbeln» 

SBon ben SWunbarten im Dflen ber alten ©la^jengrenge finb 
öorgug^weife bie ponimerfc^en ®egenflanb grilnblid^er Untere 
fu4)ttng gewefen* Seiber ift feit 1833 feine öffentlid()e 3WittlS)eilung 
erfolgt 0, id) fann bal;er nur bie ^/Srgebniffe" ber bamaligen 
5orf(i^ungen l^ier mitt^eilen: ^/!Der ^auptfaft ben wir gewonnen 
l^aben/' fagte »or 16 3a]^ren ber S3eri(|)terjlatter SB. Sdif)mtx, 
,A^: baß in Sommern jwei grünblid^ i^erfc^iebene 9li eber^ 
beutfd^e SWunbarten neben einanber bejtel^en, in benen ju^ 
gleid^ alte Unter ;:= unb Spielarten ber ^ro^inj begriffen ftnb* I)ie 
eine iji runb, leidet, rotlenb o^ne atte 2)oppeÜ[aute, einfa^ in 
SBurjeln unb grammatifd^er Sluöftattung, tint cd)k <B(fytot^tx ber 
3lorbif4)en unb englifd^en ©prad&e, unb großer SSel^enbigfeit, 
©ewanbtl^eit , Slraulidjfeit unb Sieblid^feit fällig: bie onbere breit 
an Sauten, gebe^nt, i>oll, \d)n>tx, nadj^brüdtlid) big gu großer 
Xrdgl^eit unb jiemlid;er ^ärte, in^befonbere erfüBt mit gewifPen 
D{p]f)tf)ongen C^u, ei, aiD ober nac^flingenben SBofalen C^, ö, e 
u. f* tt>0 unb Siebl^aberin trcig abftnfenber ßnblöute." • . . //Sagt 
bie runbe SWunbart, unb jwar mit leici^terer ^Betonung: be Cbie), 



3) sin <B^xifUn über <Satfrlottb fc^It e^ gerabe niti^t 3. ®» ©o(|>e l^öt 
in feiner wSHeife burij^ O^nobrüd unb ^iicbermünfier tn bod ©öterlönb, S3re* 
men 1800'^ (5, 121—248, bie (Bitten unb bie <Bpxa^t M l'önbe« am^ü^xliö^ 
befdjirieben, aber er »erflanb bie ^pxa6)t nidjit. (Jbenfo toenig foll bad im 3. 
1836 )u Sranecfer erfc^tenene SIBerf: Onze Reis naar Sagelterland etc. door 
Hettema en Posthumus«, geredeten Slnforberungen entf|)rec(^en. S?gl. Schau- 
mann, Gesch. des nledersachs. Volkes. (S, 462« X)urdj) bie ®üte bed bereite 
genannten i>xn* (iax^acä)i bin i^ felb|l in benSetl^ fti^ä^barer !P2itt^ei(ungen 
flefommen; ho^ barf man ol)nt eigene Äenntnif ber @|3ra(|>e Ui \ol^tn (Streit- 
fragen fein Urt^eil tvagen. 

4) /f53altif(^e (Stubien. «^fwu^öfg. »on ber ©efeUfiJ^aft für yontmerfcje 
®ef(|>i(Jte u. Slltertdumöfunbe.'' 3«^- "• Stettin, 1833, ®. 139—172. 



181 

goot (Suß), ®öber C®üter), fo lauten btefetben SBorte in bcr 
breiten ©prad^e, gewölS^nlid^ mitl^ärterem SCone: bei, gout, ®att* 
bre ober ®aure." 

,/ßinen b ritten ^aupt :!j Dialeft anjunel^men in bem 3ä* 
(Iraner, »eld^er auf bem Sßege ijl, ben SBunfd(> griebri^) II. ju 
»ermirf liefen, bag jebem beutf^en SBorte niöci(>te ein a angelf^ängt 
»erben unb welcher au^ in ber Wlittt bieß a ml^aä) anflingen 
läßt cWeta, brafa, |)oj[a k. beißen, bred^en, ^üter kO fd^efnt 
no(i() ni^t genügcnber ®runb »orl^anben, ba bie^ fel^r eigentl^ünu 
lid^e unb ba« ^anit 8auttt>efen berül^renbe ®eproge fowo^I mit 
ber r u n b e n aU ber breiten Siebe jid^ ju »ertragen f^eint.'* 

„1)it geograpl^ifci^e Sage jener beiben SWunbarten ^ö^tixUr 
rotnn wir junä(^fl ba« £anb»olf in« Sluge f äffen, »on SÖBejtoi 
nad^ Dflen im ®anien folgenbe ju fein. 3luf mtm großen 
Il^eile Slügen« unb auf tintm ®trid()e be« gefllanbe«, ber t)Ott 
S3art^ über ®reif«»alb bi« minbeflen« in ben £ieper SBinfel auf 
Ufebom reid^t, Ij^errfd^t bie breite SWunbart: in tintm anberen 
JlS^eile SRügen«, in 3«tpommem CüberaU?) unb öfHid^ ber Ober 
bi« an bie SWabue unb an bie nörblic^e 3^ne, be«gleid^en bei ben 
gluß:^ unb ©eefd^iffern biefer ®egenben bie runbe: SSon ?>9^ 
ri^, ©targarb, ®ottnott>, ^amin öfHid() l;inauf ifl lauter breite 
5Wunbart, beren ^Ärte unb ®d()»ere je nörblidj^er unb ßjllid^er, 
je fühlbarer wirb; fo baß, wie tin hinter ^?>ommerf(^er ßinfen^ 
ber un« melbet, ,,//juleftt bie liebe <Z^vad)t — i^m tt)te eine gute, 
fette, »atfd^enbe JÄügenwalber ®an« öorfommt/"' 

6« fann unfern 8efem nid^t jweifelbaft geblieben fein, baß 
bie f. g. runbe 5Wunbart biefelbe ifl, »elc^e |)offmann nie^ 
berfdc^fifd^ unb ®rote filjlenUnbifd^ nennt, wal^renb 
bie Flamen breit, tt)eflpl^älifd() unb binnenlänbifd^ al« 
gleid^bebeutenb betrad^tet »erben. 3luf ber Äarte ifl nur ber all^ 
gemeine ^lamt faffif(^ gebrandet »orben, »eil bie ®renjbe^ 
flimmungen beiber SWunbarten nod^ ju unge»iß fd()einen, um be;= 
urt^eilen ju Wnnen, ob bie fcnfl felf^r bejeid()nenben SSenennungen 
binnenUnbifd^ unb lüjienlänbifd^ ber @ad^e »öUig an^ 
gemejfen jinb. 

2)ie SBermifd^ung beiber SWunbarten in tintm unb bemfelben 
Dorfe cS3alt. ©tubien II. @. 152) erflort fid^^ fe^r einfach burd^ 
bie ®efdj)id()te ber beutfd()en Äolonifation ?>ommem«; unb ber l^in 



182 

ttttb ttteber »orlf^errfci^enbe a^^Saut in bteta k* erinnert ju fel^r 
an bfe SÄunbarten am Sttefengebirge Cfte^e oben ©• 113), ate 
baß wir babei ni^t an ben ©nfluf ber beutfdjen Ur^S3e»6lferunft 
benfen foBten, »el^e jid^ neben ben ©la^en im ofllid^en DcutfdS):^ 
lanb bei^auptet ju l^aben fd^etnt- 3n biefer SSejie^una »erbient 
bfe 0ÖalU ©tub* II. @. 142) ewä^nte äu^fprad^ie ber Snbfplbe 
en in ^^bben, nämlid^ hebm, befonber^ tn^ 2luge gefaßt ju »er*^ 
ben, ba had^ ©d^meller CSWunbarten 91^ 476) gerabe bie ange^ 
gebene Slu^fprad^e biefer ©9lbe nad) ben Sonfonanten b, p, to, 
ben SSolföjtdmmen tm Dflen be^ Sedf)« etgent^^ümlid^ r^, unb 
bemnad^ al« eine ©pur alter ©tamnw^erwanbtfd^aft betrad^tet »er^ 
ben barf* Überl^aupt bürfen voit aU gewiß »orau^fe^en, baß in 
bem aWaße , in welchem ju^erläffige fprac^H^ie SSeobad^tun^ 
gen jtd^ meieren unb bie geograpbifd(>en 3lbgrenjungen mit @e^ 
wtffenHfttgfeit unb ©ad^funbe fortgefe^t »erben, auäf 
bie l^iflorifd^en ßrgebniffe melf^r unb melj^r an S3ebeutung gewinnen* 

§• 17. 

® enn ber ))orfle^enbe SBerfuc^ , ani ben gegenwartigen ®pra^^ 
i>er|)iiiltniffen unfere^ 3Saterlanbe« eine neue |)ülf^quette für^ un^^ 
fere iXlt^jiie SSolf^gefd^i^te ju gewinnen, bei bem 2efer bie Über^^ 
jeugung begrünbet l^at, baß eine planmäßige Durd^forfd^ung beö 
beutfd^en ®pradf)gebiete^ ni^t nur in fprad^lid^er, fonbem aud^ 
in gef^i^tlid^er |)inft^t öon ber größten SSi^tigfeit ifl, bann l^at 
ber JBerfaffer ben beabftc^tigten 3tt>^rf erreid^t unb barf e^ wa^ 
gen, iur Slu^ffi^rung biefer Unternehmend folgenbe 9Sorfd()läge ju 
wieberl^ülen: 

1) bie gefammten ®efd^id()t^öereine Deutf^lanbg foUten bie 
2lugarbeitung eine^ ©prad^atlaffe^ »on ganj Deutfd^lanb 
übemel^men unb einen jeben SSejirf, weld^er aU bie ^ei*^ 
mat^ einer eigentl^ümlid^en SWunbart betrad()tet werben 
fann, vorläufig fo genau aU t^unlid^ abgrenjen» 

2) gür jebe^ auf bicfe Sßeife gefitnbene Sprachgebiet wdre wo 
möglid^ ein eingeborener ©pra^funbiger ju gewinnen, bem 
feine 3Ser^ättniffe gejiatten, biefen Sanbjiri^ Dorf für 2)orf 
[prad^lid^ ju erfunoen, glei^wie berjlenige, totld}tx eine 



188 

^oUjlÄnbige ©rammattf ober tin SBorterbu^) trgmb 
einer ttod^ unbekannten tobten ®})rad()e fd^reiben voiU, \&mraU 
Itc^e Sucher, in benen biefelbe entl^alten tfi, erfi burd^lefen 
muß, um alle etnfdjlagenben 3Waterialien ju fammetn* 

3) 3eber ®efc!^i(J)t^öerein l^atte außerbem ein^ feiner SWitgliebct 
mit ben einfd^lagenben biftorifd^en gorfd^ungen ju beauf? 
tragen, unb in ©emeinfd^afl mit ben ©prad^funbigen be« 
JBerein^gebietg bie gu ßrreid^ung be^ »orgejtecften S^tlti 
erforberlicj)en SWaßregeln ju »erabreben. 

4) S3ei ber nad{)flen SBerfammlung ber beutfd^en ®efd^icf)töfor^ 
f^er müßte jtd{) minbejtenö m SWttglieb »on jebem SSereine 
einfinben, um ft0 über bie ju befolgenben ®runbfa^e, mi^ 
mentlid^ in 33ejiel^ung auf bie Sautbejeid^nung — 
wobei in einzelnen gdHen aud() 9lotenlinien anjun^enben 
»oren — unb bie ju wÄl^lenben SSenennungen ju »er^ 
einbaren. 

5) Unterbeffen »fire in j'eber SBerein^fd^rift eine mSglid^jl t>oU^ 
jlänbige Literatur über bie 3Wunbarten ber betreffenben Son^ 
begt^ieite ju liefern* ©efonberg tt)ünfd^enött)ertli) nxire e« 
aber, tt>enn aüe greunbe biefer gorfd^ungen bie tu btr 
//SBorbemerf ung" nd^er begeid^nete 3^ ^f^^if ^ ^^® e r m a n i a'* 
aU gemeinfd()aftttd()e^ Drgan benu^en unb aud^ ßrgdniun^ 
gen unb SSerid^tigungen biefe^ SBerf^en« barin jur allge^ 
meinen Ätnntntß bringen tt)oUten. 



91 tt 1^ a tt 0« 



f/laä)\>m ber Drucf ber imittn 9luflage Wefcr ©d^rift fd^on 
faji öoUcnbet »ar, erfdj^ien in ber Beilage jur Smgememen 
3eitung 1849, 3a^l 40, nadjfolgenbe, auf amtlid^e DueUen 
gegrunbete Überft^t ber JBolWmifd^ung ber o^ti^i^ä)tn SWonard^te* 

aSert^etlung ber 93et)5fferung ber öfterretci^tfci^en SDtonatci^te 

SWeberöjlerretd^: ®efammtbe))5fferuTtö 1,494,399, baruttter 1,474,067 
Deutfdje, 11,803 SCfdjedjett, 4,233 ^oaten uttb 4,296 3uben. 

£)flerreid() ob ber ßnn^ unb ©aljburg: 856,694 Deutfdf^e ate ®e^ 
fammtbe^ölferung* 

©teiermarf: 650,200 Deutfc^e, 352,874 aBenbett- 

Ädrntl^en unb Äratn: ©efammtbeöölferung 784,786, ba^on 
506,266 Slowenen Cn&mliä) 410,722 Äratner unb 95,544 
aSenben), 17,697 Sroaten, 260,821 Deutf^e, 2 Suben- 

Äüjlenlanb: ©efammtbeöölferung 500,101, baruntcr 185,757 
Ärainer, 134,545 6roato;= ©erben (Sittter), 116,860 3talte^ 
ner, 48,569 griauler, 1,555 SBalac^en, 9,385 Deutfd^e unb 
3,530 Suben* 

SCprol: 859,250 ©nwo^ner, woöon 529,419 !Deutf(^e, 320,211 
StaKener, 8,642 Sabiner, 978 3uben. 

5B8^men: 4,347,962 ginwo^ner, tt)0»on 1,727,950 Deutfc^e, 
2,549,975 Jfc^ec^en, 70,037 3uben. 

SWä^ren unb ©Rieften: 2,250,594 (gtnwo^net, batjon 751,325 



138 

!Dcutf4)e, 1,327,120 X\ä)tä)tn, 131,422 ^olcn, 663 ßroa^ 
tcn, 40,064 3ubcn- 

©dtjtcn u*53ufo»ma ncbjt Ärafau: ®cfammtbc»ölferung 5,253,621, 
»ov>on ^olcn 2,001,143, 2,182 Z^ä)tä)m, 2,616,799 SRut^e^ 
ncn, 2339 SRuffen, 140,626 SWoItauer, 133,000 Dcutf^e, 
5,446 SWag^arcn, 5,384 3lrmcmcr, 346,702 3ubcn* 

Dalmatten: 404,640 gimrof)ncr, »o^on 374,725 Serben CLaU 
matmeO, 28,500 3taltener, 1,005 3llbanefen, 410 ^nim. 

Sombarbei: 2,667,868 3taliener unb 2,965 3uben, jufammett 
2,670,833 Qinm^ntx. 

^Senebig: 2,257,200 gtniDO^ner, ba^on 12,036 Deutfd^e, 26,317 
©loöenen, 1,873,002 3taliener, 341,085 grtauler, 4,760 
3uten. 

Ungarn: Cöpprorimati») 11,000,000 gtnwo^ner, bat)on 1,156,400 
Xeutfc^e, 1,822,730 ®loi>afen, 475,310 3flut()enen, 739,240 
©erben, ©d^ofajen unb ©laöonter, 689,580 Groaten, 49,600 
©lo^^enen, 13,580 Bulgaren, 4,708,260 5Wagvaren, 1,029,680 
SEala^en, 33,000 3tgeuner, 10,000 ©rieben unt SWaeebo^ 
SBlad^en CBrnjaren), 4,000 3taliener, 3,000 3(nnenter, 
265,620 3utem 

Siebenbürgen 0>^m bte fiebenbürgtfdje SWtlttcirgrenje) : 2,182,700 
ßtntt)0^ner, mot^on Cöpptortmatit» 250,000 Deutfd;e, 200 
Bulgaren, 566,500 SWag^aren, 1,290,000 Sßala^en, 9,000 
Slrmemer, 7,000 3uben, 60,000 3tgeuner. 

2Wtlttärgrenje Co^ne ben ©renjwaffenjtanb): 1,226,408 ßinmo^^ 
ner, nämlt^ 41,337 Deutf^e, 9,590 S:fd^ed;en unb Slo^a«^ 
fen, 524,048 Sroaten, 339,176 ©erben unb ©laöonter, 
1,288 Sllbanefen, 203,931 Slßalad^en, 106,067 SWagparen, 
434 3taltener, 537 3uben* 

|)i'erju baö t t Wlilitäx etnf^Iteßlid^ be^ ®renin>affenflanbe8 
492,486 3Wann, wot^on Capprortmattt» 128,286 Deutfd^e, 
96,300 Xfc^ec^en, SWä'^rer unb ©lo^afen, 37,700 folm, 
50,100 SRut^enen, 22,000 Slowenen, 27,600 Kroaten, 19,000 
©erben, ©d;ofaxen, ©la^onter unb 3fh'icr, 52,700 3talte^ 
ner, 4,300 griauler, 20,700 Sffialac^en unb aWoltaucr, 32,500 
aWagparen unb 600 ^i^tumv, mobei bte nt^t jal^lrei^en im WHU 
Utax bienenben 3uben, je na6) ben einjelnen 5>to»injen, ben 
i^errf^enben ^auptftdmmen beigejal^^lt würben* 



136 

Die gefammte 3»onard^ie jä^lt . 37,593,096 ©ntpo^ner, 

»Oöon Dcutf^c 7,980,920 

Slf^c4)cn, anä^rcr, ®lo»afen . . • 5,819,700 

5)olcn 2,172,265 

Slut^cncn 3,144,598 

Sloi^encn CSßcnbcn unt Äramcr) • • 1,143,514 

eroatcn 1,263,821 

©erben, S^ofajen, ©la^onier, 1>aU 

matmx unb 3JWer 1,614,934 

«ulöaren 13,780 

alfo ©lat^en überhaupt 15,170,612 

3taltener 5,063,575 

griauler 393,954 

gabiner 8,642 

5,466,171 

SRomanen CSBala^en unb 2Wolbauer) 2,686,492 

aWagparen 5,418,733 

3llbanefen 2,293 

Slrmenier 17,384 

©riechen unb aWacebo ^ SBlad^en 10,000 

Siö^uner 93,600 

3uben • • • • 746,851 

(SJefammtbe^olferung . 37,593,096 






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